Mary Poppins wird wieder finster – neue Serie kehrt zu den Büchern zurück
🧐 Im Fantasykosmos suchen

Diesmal öffnet sich ein dunklerer Regenschirm
📰 Was ist los?
Produzent Tom Winchester entwickelt eine neue Mary Poppins-Serie, die sich stärker an den acht Originalbüchern von P. L. Travers orientieren soll. Der Travers-Nachlass ist beteiligt, Showrunner werden bereits angesprochen. Einen Sender, Cast oder Starttermin gibt es bislang nicht.
🐛 Was denken wir?
Der Reiz liegt genau darin, Mary Poppins wieder etwas von ihrem literarischen Fremdheitsfaktor zurückzugeben. Travers schrieb nie einfach über eine freundlich-gemütliche Zaubernanny. Die eigentliche Figur ist rätselhaft, streng und Teil einer Fantasywelt, die manchmal wunderschön und manchmal ziemlich unheimlich sein kann.
Mary Poppins kennt nun wirklich fast jeder, der auch nur die kleinste Sympathie für phantastische Stoffe empfindet. Nur kennt ein großer Teil des Publikums vermutlich vor allem jene Version, die Disney seit Jahrzehnten in das kulturelle Gedächtnis eingeschrieben hat: charmant, musikalisch, freundlich exzentrisch und jederzeit bereit, mit einem Löffel Zucker die Welt wieder halbwegs in Ordnung zu bringen.

Eine neue Serienadaption soll nun einen anderen Weg einschlagen. Produzent Tom Winchester entwickelt eine neue Mary Poppins-Serie, die sich ausdrücklich stärker an den acht Büchern von P. L. Travers orientieren soll. Damit könnten jene seltsameren, unheimlicheren und deutlich fremdartigeren Seiten der Figur wieder stärker in den Vordergrund rücken, die in späteren Adaptionen oft geglättet wurden.
☂️ Mary Poppins war nie nur die freundliche Nanny
P. L. Travers’ Mary Poppins ist eine wesentlich rätselhaftere Figur, als es ihr berühmtestes Leinwandbild vermuten lässt. Sie bleibt distanziert, streng, eitel und in entscheidenden Momenten fast unheimlich. Ihre Verbindung zur Magie wird selten erklärt, und gerade diese Unergründlichkeit gehört zum Reiz der Bücher.
Die neue Serie soll genau dort ansetzen. Ziel ist offenbar keine weitere Variante des bekannten Disney-Films, sondern eine umfassendere Adaption des literarischen Materials. Da Travers insgesamt acht Mary-Poppins-Bände schrieb, besitzt das Projekt reichlich Stoff, um Figuren, Episoden und fantastische Ideen aufzugreifen, die bislang kaum oder gar nicht verfilmt wurden.
🌙 Eine Welt, in der Magie auch gefährlich sein darf
Gerade für Fantasyfans ist das interessant, weil Travers’ Bücher wesentlich merkwürdiger sind, als die populäre Erinnerung an die Figur vermuten lässt. Alltägliche Räume können plötzlich ihre Regeln verlieren, Tiere und Menschen wechseln die Grenzen ihrer Welten, kosmische und mythologische Motive brechen in den Londoner Alltag ein.
Diese Magie besitzt nicht immer die beruhigende Qualität eines Familienmusicals. Sie kann fremd, majestätisch und gelegentlich bedrohlich wirken. Mary Poppins erklärt diese Welt nicht vollständig und macht auch keine Anstalten, sie für die Kinder oder Leser bequem verständlich zu machen. Und genau diese Unberechenbarkeit könnte einer modernen Fantasy-Serie eine ungewöhnliche Identität geben.
📚 Acht Bücher statt eines Filmklassikers
Der vielleicht wichtigste Punkt des neuen Projekts liegt deshalb in seiner literarischen Breite. Die geplante Serie kann auf acht Bücher zurückgreifen und müsste sich nicht darauf beschränken, die bekannten Stationen aus der Filmfassung ein weiteres Mal neu zu arrangieren.
Das eröffnet die Möglichkeit, Mary Poppins tatsächlich als fortlaufende Fantasyfigur zu erzählen. Unterschiedliche Abenteuer könnten über mehrere Staffeln hinweg miteinander verbunden werden, während die Welt der Familie Banks und die magischen Räume um sie herum schrittweise größer werden. Gerade das Serienformat dürfte zu Travers’ episodischem Erzählen gut passen.
🕯️ Eine Figur, die sich nicht vollständig erklären lässt
Besonders spannend wäre es, wenn die neue Adaption der Versuchung widersteht, Mary Poppins vollständig zu entschlüsseln. Ein großer Teil ihrer Wirkung entsteht schließlich daraus, dass niemand genau weiß, wer oder was sie eigentlich ist.
Sie besitzt offensichtlich Fähigkeiten, die weit über gewöhnliche Magie hinausgehen. Gleichzeitig reagiert sie häufig empört auf jede Behauptung, etwas Übernatürliches sei überhaupt geschehen.
Diese Mischung aus absoluter Autorität, Geheimnis und beinahe kosmischer Selbstverständlichkeit könnte in einer düstereren Fantasy-Adaption erheblich stärker wirken als in einer klassischen Familienserie.
🎬 Der Travers-Nachlass ist unmittelbar beteiligt
Winchester entwickelt das Projekt mit Unterstützung der Rechteinhaber des P. L. Travers Estate. Damit entsteht die Serie unmittelbar aus dem literarischen Ursprung der Figur heraus.
Showrunner werden bereits angesprochen, die kreative Ausrichtung befindet sich also offenbar noch in einer frühen Phase. Besetzung, Produktionsstudio, Streamingdienst und Starttermin stehen bislang nicht fest. Auch deshalb sollte man derzeit noch nicht von einer vollständig bestellten Serie sprechen. Das Projekt befindet sich in Entwicklung.
🏰 Disney ist möglich, aber nicht zwingend
Interessant ist die ungewöhnliche Rechtekonstellation. Obwohl Mary Poppins kulturell eng mit Disney verbunden ist, benötigt das neue Projekt nach aktuellem Stand keine Zustimmung des Konzerns, um die Bücher neu zu adaptieren.
Disney bleibt trotzdem ein denkbarer Partner oder möglicher Streaminganbieter. Die jahrzehntelange Verbindung zwischen Studio und Figur macht das naheliegend, festgelegt ist derzeit allerdings nichts.
Sollte die Serie tatsächlich bei Disney landen, wäre gerade deshalb interessant, wie weit sie sich ästhetisch und tonal vom berühmten Film entfernen dürfte.
🌂 Vielleicht bekommt Mary Poppins endlich wieder etwas Geheimnis zurück
Eine neue Mary-Poppins-Adaption klingt zunächst nach einem weiteren bekannten Stoff, der für das Serienzeitalter recycelt wird. Der Rückgriff auf Travers’ gesamte Buchreihe verändert diese Perspektive allerdings erheblich.
Denn in diesen Geschichten steckt eine Figur, die viel schwerer zu fassen ist als die freundliche Nanny mit Regenschirm und Reisetasche. Mary Poppins gehört zu einer Welt, in der das Wunderbare jederzeit in etwas Fremdes kippen kann und Erwachsene oft weniger verstehen als Kinder.
Wenn die neue Serie diesen Ton tatsächlich wiederfindet, könnte aus einem scheinbar sehr vertrauten Stoff plötzlich eine erstaunlich eigenwillige Fantasy werden.
Und vielleicht wäre es höchste Zeit, sich daran zu erinnern, dass Mary Poppins nie ganz so harmlos war, wie dieses viel zu freundliche Lächeln vermuten ließ.






