M. L. Wang – The Sword of Kaigen (Rezension)

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Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

M. L. Wang – The Sword of Kaigen

📚 Kurzfazit
Eigenständiger Kriegs-Fantasy-Roman über eine begnadete Kämpferin, die zur Hausfrau degradiert wurde, und ihren Sohn, der in einem Lügen-Imperium aufwächst. Emotional wuchtig, stellenweise gnadenlos, erzählerisch nicht immer sauber ausbalanciert, aber lange nachhallend.

😒 Was nervt?
Der Einstieg verbringt sehr viel Zeit mit Schulalltag, Unterricht und Haushaltsroutinen; der Roman tut lange so, als sei er ein etwas zähes Ostasien-Dorfdrama, bevor er die Keule schwingt. Nach der großen Schlacht verschiebt sich der Fokus stark auf politische Hintergründe und Metaplot, was dem zuvor knüppelharten Familienkern etwas Kraft nimmt.

✨ Was funktioniert?
Die Kombination aus Elementarkräften, die das Meer zu Eiswaffen formen, und gnadenlos bodenständigem Krieg ist grandios. Misakis innere Zerrissenheit zwischen einstiger Assassinin und Ehefrau, zwischen Mutterinstinkt und Konditionierung, ist das Herzstück des Romans. Der Mittelteil liefert eine der intensivsten Belagerungs- und Zerstörungsszenen der neueren Fantasy und scheut weder Opfer noch Konsequenzen.

🧠 Figuren und Welt
Die Matsuda-Familie trägt die komplette Geschichte: Misaki, die fast zerbricht, Mamoru, der zu spät begreift, in welcher Lüge er lebt, und ein Ehemann, der stur an einem Ehrenkodex festhält, den das Imperium längst verraten hat. Die theonitische Welt mischt Anime-Energie, ostasiatische Militär-Historie und eine Magieform, die Wasser und Eis zu tödlichen Klingen macht, während moderne Waffentechnik bereits am Horizont lauert.

🐦 Crowbah meint
Das hier ist kein Wohlfühl-Schwertgeklimper, sondern ein Eisschlag ins Zwerchfell. Wer aushält, wie Wang Figuren systematisch durch Krieg, Schuld und Desillusionierung treibt, bekommt einen Einzelband, der sich anfühlt wie ein kompletter Zyklus.

⚔️ M. L. Wang – The Sword of Kaigen: Eine theonitische Kriegsgeschichte – Wenn Familien-Ehre zum Naturgesetz wird

Es gibt Kriegs-Fantasy, die mit Schlachten prahlt, und es gibt The Sword of Kaigen, das eine Familie nimmt und sie unter einer Lawine aus Lügen, Pflicht und Eisblitzen begräbt. Dieses Buch wirkt zuerst wie ein fernöstliches Dorfdrama mit Hausfrauen-Alltag und Schulhofkonflikten, kippt dann aber in einen der brutalsten und emotionalsten Kriege der aktuellen Fantasy. Dass der Roman den Self-Published Fantasy Blog-Off gewonnen hat, ist kein Zufall, sondern das Resultat einer Geschichte, die zugleich Martial-Arts-Epos, Familiendrama und Abrechnung mit imperialer Propaganda ist.


🧭 Worum geht’s eigentlich?

Die Kusanagi-Halbinsel gilt als „Schwert von Kaigen“, seit Jahrhunderten die erste Verteidigungslinie eines Imperiums, das seine Feinde mit übermenschlichen Kriegern in Schach hält. Die Matsudas gehören zu diesem Kriegeradel: Männer, die das Meer anheben und Eisklingen formen können, um Invasionsflotten zu zerschneiden.

Misaki Matsuda hat diese Kunst in ihrer Jugend zur Perfektion gebracht, doch ihre Vergangenheit als Attentäterin und Kämpferin wurde weggesperrt, als sie in eine arrangierte Ehe nach Kusanagi geschickt wurde. Heute gibt sie den gehorsamen Hausdrachen und versucht, ihre Söhne in dem Glauben zu erziehen, dass das Imperium unbesiegbar ist und Opferbereitschaft alles heiligt.

Ihr ältester Sohn Mamoru ist vierzehn und wächst mit Schulhoflegenden über ruhmreiche Schlachten und unfehlbare Kaiser auf. Erst ein neuer Mitschüler, der verbotene Informationen in Umlauf bringt, reißt Risse in diese Heldensage: Kaigenes „Zeitalter des Friedens“ basiert auf verschwiegenen Niederlagen und ausgelöschten Wahrheiten.

Während Misaki zunehmend ahnt, dass die Regierung den Süden geopfert hat, um eigene Machtspiele zu kaschieren, rückt eine Invasionsflotte näher, die von offizieller Seite schlicht geleugnet wird. Die Familie steht zwischen Pflichtgefühl, Zweifel und einem Dorf, das lieber alte Parolen wiederholt, als auf Warnungen zu hören.

Als der Krieg schließlich doch an den Küsten landet, müssen Misaki und Mamoru erkennen, dass ihre legendären Kräfte gegen moderne Waffen, Verrat und jahrzehntelang gepflegte Feindbilder nur bedingt helfen. Die Schlacht zerstört nicht nur Häuser und Körper, sondern auch die Gewissheit, wer hier eigentlich die „Barbaren“ sind. Was bleibt, ist eine verwüstete Heimat, eine zerbrochene Familie und die Frage, ob sich aus Trümmern etwas Neues bauen lässt, das mehr ist als eine weitere Lüge.

🔍 Stärken & Schwächen

🖋 Stil

Wang schreibt in einem klaren, direkten Stil, der ohne ornamentale Spielerei auskommt und seine Wucht aus Wiederholungen, Kontrasten und brutalen Bildwechseln bezieht: ruhige Küchenszenen werden binnen eines Kapitels zu Blut- und Eisschlachten. Dialoge tragen viel Subtext, gerade in der Ehe zwischen Misaki und ihrem Mann, in der jede höfliche Floskel wie eine verdeckte Ohrfeige wirkt. In den Action-Passagen gelingen ihr sehr präzise räumliche Beschreibungen, die den Kampf mit Eis, Wasser und Flugmanövern nachvollziehbar halten.

Problematisch wird es dort, wo der Roman Infodumps über das theonitische Weltsystem, frühere Kriege und globale Politik auf relativ engem Raum parkt. Vor allem im letzten Drittel wirken einige Gespräche eher wie Dossiers und weniger wie lebende Szene.

🧍‍♂️ Figuren

Misaki ist der eigentliche Hauptcharakter und einer der stärksten Motherhood-Entwürfe der jüngeren Fantasy: eine Frau, die nie die Chance hatte, beides zu sein, Kämpferin und Mutter, und deren Selbstbild an den Erwartungen eines patriarchal geprägten Clans zersplittert. Mamoru durchläuft eine klassische Heldenbahn, deren Tragik jedoch konsequent ausgespielt wird und die idealisierte Shonen-Fantasy bewusst konterkariert.

Der Ehemann als starrer Traditionalist, die jüngeren Brüder, Dorfälteste und Lehrer bleiben im Vergleich deutlich skizzenhafter; sie funktionieren eher als Reibungsflächen und Spiegel für Misaki und Mamoru. Trotzdem schafft es der Roman, selbst Nebenfiguren in wenigen Szenen mit klaren Motiven auszustatten, etwa den Außenseiter, der imperialen Propaganda öffentlich widerspricht und damit den ersten Dominostein stößt.

🕒 Tempo

Der Aufbau ist mutig, aber riskant. Das erste Drittel setzt voll auf Alltag, Schuldramen und Familienkonflikte. Wer mit dieser Art langsamer Vorbereitung wenig anfangen kann, wird den Roman als schwerfälligen Brocken erleben. Sobald die Invasion beginnt, zieht das Tempo massiv an, die Schlachtkapitel sind fast schon überwältigend dicht, mit wenig Raum zum Luftholen. Im Nachgang kippt der Text erneut in ruhigere Bahnen und konzentriert sich auf Trauer, politische Enthüllungen und den Versuch eines Neuanfangs. Diese Struktur macht Eindruck, wirkt aber nicht völlig harmonisch; manche Leser dürften sich wünschen, dass der Roman nach dem emotionalen Höhepunkt früher ausklingt, statt noch längere Ermittlungs- und Aufräumkapitel zu liefern.

✨ Atmosphäre

Die theonitische Welt kombiniert kargen Gebirgssiedlungs-Alltag mit spektakulärer Elementarmagie und einem erschreckend glaubhaften Kriegs-Setting. Der Kontrast zwischen stolzer Kriegertradition, veralteter Infrastruktur und moderner Luft- und Seewaffentechnik erzeugt eine bedrückende Ohnmacht: Hier prallen Jahrhunderte alter Ehrenkodex und kalte Militär-Realpolitik aufeinander. Die Dorfgemeinschaft wirkt dabei nie exotisch-kitschig, sondern häufig kleinlich, ängstlich und brutal im sozialen Druck, was die Tragödie glaubwürdig erdet.


📜 Fazit:

The Sword of Kaigen ist kein gemütlicher „Hidden-Gem“, sondern ein Roman, der den Leser mit voller Wucht durch eine Lawine aus Kriegsbildern, Familienzerfall und imperialen Lügen schleift. Die Schwächen im Tempo und einige überladene Erklärpassagen bleiben spürbar, werden aber von der emotionalen Schlagkraft der zentralen Figuren immer wieder übertönt. Wer hier ein klassisches Abenteuer mit „epischem Setting“ und bequemem Heldentum erwartet, dürfte irritiert bis verärgert das Buch zuklappen; wer bereit ist, sich auf eine Geschichte einzulassen, in der Pflicht, Propaganda und Mutterschaft aufeinanderprallen, findet eines der eigenständigsten Einzelbände der aktuellen Kriegs-Fantasy.

Die deutsche Ausgabe profitiert davon, dass sie diesen Ton weitgehend erhält und die kulturellen Nuancen nicht weichspült. Dazu kommt die solide Aufmachung mit farbigem Buchschnitt, die zeigt, dass der Titel im deutschsprachigen Raum nicht als Nischenprodukt, sondern als Prestige-Fantasy positioniert wird.

🌟 Bewertung

Varanthis-Skala: ★★★★☆
„in Eisschwert im Sturm: erzählerisch nicht perfekt geschliffen, aber scharf genug, um lange Spuren zu hinterlassen.“

Buchcover von „The Sword of Kaigen: Eine theonitische Kriegsgeschichte“ vor einem Regal mit alten Ledereinbänden. In der Mitte steht ein Krieger in blauer Robe und mit Schwert auf einem Felsen über einem aufgewühlten Meer. Vor ihm türmt sich eine hell leuchtende Wasser und Wolkenwand, die wie eine aufgerissene Sturmfront wirkt. Der Himmel ist grau und dramatisch, der Felsen dunkel und kantig. Oben steht der Titel in großen schwarzen Lettern, darunter der Untertitel „eine theonitische Kriegsgeschichte“ und der Name „M. L. Wang“, eingerahmt von einem silbernen Zierrahmen.

Autorin: M. L. Wang
Titel: The Sword of Kaigen: Eine theonitische Kriegsgeschichte
Verlag: Adrian Verlag, Berlin
Seitenanzahl: 624 (Gebundene Ausgabe)
Erstveröffentlichung: 2025
ISBN: 978-3-98585-274-1

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