Wo selbst Odin nicht herrscht: Lost in Hel schickt Wikinger ins uralte Grauen
🧐 Im Fantasykosmos suchen

⚔️ Diese Insel will selbst Odin nicht geschenkt haben
📰 Was ist los?
Die neu gegründete Forge Films Company entwickelt mit Lost in Hel eine sechsteilige Fantasy-Horrorserie. Eine Wikingergruppe strandet auf einer unbekannten Insel, auf der Zeit und Tod eigenen Regeln folgen. Christen und Anhänger der alten Götter müssen gemeinsam gegen Kräfte bestehen, die älter sein sollen als die nordische Mythologie selbst.
🐛 Was denken wir?
Der entscheidende Reiz steckt in der Insel. Dunkle Elfen, Troll und vergessene Gottheit sind schön, aber wirklich spannend wird die Geschichte durch eine Welt, in der Erinnerung, Religion und Naturgesetze gleichzeitig unzuverlässig werden. Wenn die Serie diesen Cosmic-Horror-Aspekt konsequent ausspielt, kann daraus eine ungewöhnlich starke Wikingerfantasy entstehen.
Nee, keine Insel mit zwei Bergen, aber immerhin eine, die auf keiner Karte existiert. Tote, die weiterhin flüstern. Zeit, die sich weigert, geradeaus zu verlaufen. Und irgendwo unter all dem etwas, das bereits existierte, bevor Odin, Thor und die übrigen nordischen Götter überhaupt Bedeutung hatten.

Mit Lost in Hel startet die neu gegründete Forge Films Company ihr erstes großes Fantasyprojekt. Die geplante sechsteilige Serie verbindet nordische Mythologie, Wikingerdrama und Cosmic Horror zu einer Geschichte, in der ein Schiffbruch lediglich der Anfang eines sehr viel größeren Problems ist.
🌊 Die Insel hätte eigentlich gar nicht existieren dürfen
Im Zentrum steht eine Gruppe Wikinger, deren Reise abrupt auf einer unbekannten Insel endet. Einen Weg zurück gibt es zunächst ebenso wenig wie eine Erklärung dafür, wo sie überhaupt gelandet sind.
Schon bald zeigt sich, dass dieser Ort seinen eigenen Regeln folgt. Zeit wiederholt sich, Erinnerungen geraten ins Wanken und die Toten verschwinden keineswegs zuverlässig aus der Geschichte. Selbst Spuren können offenbar wieder verloren gehen, als würde die Insel aktiv verhindern wollen, dass ihre Besucher verstehen, was mit ihnen geschieht.
Damit bekommt Lost in Hel einen deutlich interessanteren Ausgangspunkt als die nächste Wikingerreise mit ein paar Monstern am Wegesrand. Die eigentliche Bedrohung scheint der Ort selbst zu sein.
🎬 Lost in Hel – offizielles Proof-of-Concept
Wikinger, uralte Mächte und eine Insel, auf der selbst Tod und Zeit ihre Regeln verlieren: Das offizielle Proof-of-Concept zeigt die düstere Welt von Lost in Hel.
✝️ Alte Götter treffen auf einen neuen Glauben
Zusätzlichen Sprengstoff liefert die Zusammensetzung der Gruppe. Ein Teil der Gestrandeten hält weiterhin an den nordischen Göttern fest, während andere bereits dem Christentum folgen.
Was unter normalen Umständen schon genügend Konfliktstoff liefern würde, bekommt auf dieser Insel eine ziemlich unangenehme zusätzliche Dimension. Denn wenn Tote sprechen, vergessene Mächte erwachen und übernatürliche Wesen tatsächlich existieren, wird die Frage nach dem richtigen Glauben plötzlich sehr praktisch.
Jarl Alvar muss deshalb Menschen zusammenhalten, deren Vorstellungen von Welt, Tod und göttlicher Ordnung grundsätzlich auseinandergehen. Gleichzeitig zwingt ihn die Situation zu einem Bündnis mit einer christlichen Königin.
🩸 Was passiert, wenn beide Seiten irgendwie recht haben?
Gerade darin steckt eine der reizvollsten Ideen von Lost in Hel. Die Serie muss sich nicht darauf beschränken, Christentum gegen nordische Mythologie auszuspielen. Viel unheimlicher wäre eine Welt, in der beide Glaubenssysteme nur einen kleinen Ausschnitt von etwas sehr viel Größerem erklären.
Denn die Kräfte auf der Insel sollen älter als die nordischen Götter selbst sein. Damit öffnet sich unter der bekannten Mythologie noch eine weitere Ebene: etwas Ursprüngliches, das weder in christliche Vorstellungen noch sauber in die Edda passt.
Und sobald die Figuren verstehen, dass ihre jeweiligen Glaubensgewissheiten womöglich nur an der Oberfläche kratzen, dürfte aus religiösem Streit ziemlich schnell existenzielle Angst werden.
👁️ Die Toten halten sich nicht an ihre Rolle
Besonders stark klingt dabei der Umgang mit dem Tod. Auf dieser Insel ist Sterben offenbar keine zuverlässige Grenze. Die Toten flüstern weiter, Erinnerungen verändern sich und selbst das Verhältnis von Vergangenheit und Gegenwart scheint beschädigt. Für Figuren aus einer Welt, in der Bestattungsrituale, Ahnen und Vorstellungen vom Jenseits enorme Bedeutung besitzen, ist das mehr als ein gewöhnliches übernatürliches Problem.
Wenn Tote nicht dort bleiben, wo sie hingehören, lässt sich irgendwann auch nicht mehr sicher sagen, wer tatsächlich noch lebt, welche Erinnerung stimmt und ob eine Begegnung gerade zum ersten Mal stattfindet.
Das ist genau jene Art Cosmic Horror, die nicht unbedingt Tentakel braucht. Viel unangenehmer ist eine Realität, deren Grundregeln langsam unzuverlässig werden.
👑 Jede Figur trägt etwas mit auf die Insel
Die Geschichte soll außerdem nicht ausschließlich aus der Perspektive eines klassischen Wikingerhelden erzählt werden. Die Gruppe besteht aus Menschen mit eigenen Wunden, Geheimnissen, Loyalitäten und religiösen Überzeugungen.
Dadurch kann dieselbe Insel je nach Figur etwas völlig anderes bedeuten. Für den einen wird sie zum Beweis göttlicher Strafe, für den nächsten zum Reich vergessener Götter und für einen dritten möglicherweise zu etwas, das überhaupt nicht in menschliche Vorstellungen von Religion passt.
Diese unterschiedlichen Blickwinkel könnten Lost in Hel besonders spannend machen. Wenn Wahrnehmung und Erinnerung ohnehin Teil des Horrors sind, lässt sich auch die Frage stellen, ob zwei Figuren tatsächlich dasselbe Ereignis erlebt haben.
🧝 Ein dunkler Elfenkönig wartet bereits
Und Forge hält sich bei den fantastischen Bewohnern keineswegs zurück. Zur Welt gehören unter anderem ein dunkler Elfenkönig, ein Troll und eine vergessene Gottheit.
Entscheidend wird allerdings sein, wie diese Wesen eingesetzt werden. Wenn sie lediglich nacheinander als Fantasygegner aus dem Wald auftauchen, wäre viel von der ungewöhnlichen Grundidee verschenkt.
Spannender wäre, wenn sie Teil derselben alten Ordnung sind, die auf der Insel herrscht. Dann könnten selbst bekannte Gestalten nordischer Fantasy plötzlich wie Fragmente eines wesentlich älteren Mythos wirken. Gerade der vergessene Gott deutet darauf hin, dass Forge genau in diese Richtung denkt.
🏝️ Sechs Episoden für eine abgeschlossene Hölle
Geplant sind zunächst sechs Episoden mit jeweils ungefähr 40 bis 60 Minuten Laufzeit. Das ist für den Stoff eine angenehme Größenordnung.
Die Serie muss damit keine zwölf Stunden lang Geheimnisse künstlich zurückhalten, besitzt aber genug Raum, um Figuren, Glaubenskonflikt und Mythologie langsam aufzubauen. Gerade ein Mysterykonzept profitiert davon, wenn nicht schon nach der ersten Stunde jedes Monster einen Namen und jeder Fluch eine ausführliche Bedienungsanleitung bekommt. Eine Insel, auf der Zeit und Tod nicht richtig funktionieren, sollte schließlich eine Weile fremd bleiben dürfen.
🔥 Forge Films Company beginnt gleich mit einem eigenen Universum
Hinter Lost in Hel steht die neu gegründete Forge Films Company, die sich auf Science-Fiction, Fantasy und Horror konzentrieren will. Statt bekannte Marken zu übernehmen, beginnt das Studio mit eigenen Welten.
Das passt zu diesem Projekt besonders gut. Lost in Hel besitzt bereits in seiner Grundidee genügend Elemente, aus denen sich eine größere Mythologie entwickeln könnte, ohne dass dafür sofort zwanzig Spin-offs angekündigt werden müssen.
Zunächst muss diese eine Insel funktionieren. Wenn sie das tut, dürfte allerdings reichlich Raum bleiben für Geschichten darüber, woher diese Welt stammt, welche Mächte dort existieren und weshalb einige von ihnen älter sind als jene Götter, die Menschen später verehrten.
🌑 Hel ist vielleicht gar kein Ort
Der Titel könnte dabei am Ende die interessanteste Täuschung enthalten. Die Gestrandeten glauben womöglich, am Eingang zur Hölle gelandet zu sein. Doch was, wenn „Hel“ nur der menschliche Versuch ist, etwas zu benennen, das überhaupt keinen Namen besitzt?
Genau dort kann Lost in Hel richtig stark werden. Wikingerästhetik und nordische Mythologie liefern die vertraute Oberfläche, darunter wartet eine Welt, in der Erinnerung, Tod und selbst göttliche Ordnung auseinanderfallen.
Und vielleicht ist das Schlimmste an dieser Insel am Ende gar nicht, dass niemand entkommen kann.
Vielleicht ist es die Frage, was eigentlich zurückkehrt, falls es doch jemand schafft.





