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Horikoshi schaut nach zehn Jahren Superhelden lieber mal unter die Wasseroberfläche
📰 Was ist los?
Kohei Horikoshi ist mit dem rund 60-seitigen Horror-One-Shot Quit Laughing, Shijima zu Weekly Shonen Jump zurückgekehrt. Azumi zieht in eine Küstenstadt, interessiert sich für seine ständig lachende Mitschülerin Shijima und entdeckt im Meer etwas, das offenbar nur er sehen kann. Der Manga ist bereits offiziell online verfügbar.
🐛 Was denken wir?
Der Genrewechsel passt besser zu Horikoshi, als man auf den ersten Blick denken könnte. Seine Monsterdesigns und einige der finstersten My Hero Academia-Kapitel hatten ohnehin reichlich Horror im Blut. Jetzt darf er sechzig Seiten lang niemanden zum Helden ausbilden und stattdessen einfach dafür sorgen, dass wir beim nächsten Strandurlaub etwas länger aufs Wasser schauen.
🌊 Kohei Horikoshi tauscht Superhelden gegen Meeresgrauen: Quit Laughing, Shijima ist da
Zehn Jahre lang zeichnete Kohei Horikoshi Superhelden, Superschurken und Menschen, deren körperliche Belastbarkeit selbst innerhalb eines Shonen-Manga gelegentlich Anlass zu arbeitsmedizinischen Fragen gab. Zwei Jahre nach dem Ende von My Hero Academia ist er nun zurück in Weekly Shonen Jump – und hat die Heldenkostüme erst einmal im Schrank gelassen.

© Kohei Horikoshi / Shueisha
Sein neuer One-Shot Quit Laughing, Shijima ist seit diesem Wochenende veröffentlicht und führt Horikoshi auf rund 60 Seiten in eine deutlich andere Richtung. Statt Superkräften gibt es eine Küstenstadt, einen neu zugezogenen Schüler, ein Mädchen mit einem auffälligen Lachen und etwas im Meer, das dort besser geblieben wäre.
Das Ganze lässt sich bereits offiziell über MANGA Plus lesen. Wer wissen möchte, wie Horikoshi nach einer Dekade voller Quirks mit reinem Horror umgeht, muss also weder auf eine deutsche Ausgabe warten noch fragwürdige Manga-Seiten aus den Tiefen des Internets beschwören.
😄 Shijima lacht – Azumi hat trotzdem keinen guten Tag
Im Mittelpunkt steht Azumi, der neu in eine Küstenstadt zieht und dort auf seine Mitschülerin Shijima trifft. Sie fällt vor allem durch ihr ansteckendes, beinahe permanentes Lachen auf und zieht damit die Aufmerksamkeit der Menschen um sie herum auf sich.
Azumi interessiert sich schnell für sie. Gleichzeitig bemerkt er etwas anderes: Im Meer scheint ein monströses Wesen zu lauern, das offenbar nur er sehen kann.
Mehr sollte man vor der Lektüre eigentlich gar nicht wissen. Quit Laughing, Shijima lebt stark vom Gegensatz zwischen seiner zunächst fast fröhlichen Oberfläche und einem immer unangenehmeren Gefühl darunter. Das Cover macht daraus bereits ein kleines Programm: eine lachende Schülerin, blauer Himmel, moderne Küstenstadt – und eine Komposition, bei der irgendetwas trotzdem ganz entschieden falsch wirkt.
Horikoshi braucht dafür keine brennende Stadt oder einen Superschurken, der fünf Seiten lang erklärt, weshalb die Gesellschaft versagt hat. Ein Mädchen lacht. Im Wasser bewegt sich etwas. Und das reicht völlig.
👁️ Horikoshis Monster waren schon bei My Hero Academia die heimlichen Horrorgäste
Ganz überraschend kommt der Genrewechsel allerdings nicht. Wer My Hero Academia länger verfolgt hat, kennt Horikoshis Freude an grotesken Körpern, verstörenden Gesichtern und Figuren, die bei genauer Betrachtung eher aus einem Horror-Manga als aus einer Superheldenschule stammen könnten.
Vor allem Tomura Shigaraki, verschiedene Nomu und einige der späteren Verwandlungen der Serie gaben ihm immer wieder Gelegenheit, diese Seite auszuleben. Wo andere Shonen-Künstler einen Gegner einfach größer zeichnen, baute Horikoshi ihm gelegentlich lieber noch ein paar Hände, Augen oder anatomische Probleme dazu.
Quit Laughing, Shijima gibt ihm nun ein ganzes Werk für diese Interessen.
Das Bemerkenswerte ist dabei weniger, dass Horikoshi „auch Horror kann“. Die eigentliche Frage lautet, was passiert, wenn ein Zeichner mit einem derart dynamischen Shonen-Stil seine Aufmerksamkeit vollständig auf Unbehagen, Atmosphäre und monströse Formen richtet. Nach sechzig Seiten gibt es zumindest genügend Material, um zu hoffen, dass dieser Ausflug keine einmalige Ferienreise bleibt.
📚 Zwei Jahre nach Deku beginnt tatsächlich etwas Neues
My Hero Academia endete im August 2024 nach einer zehnjährigen Laufzeit. Horikoshi blieb dem Franchise anschließend über Zusatzmaterial, Illustrationen und die letzten Animeprojekte verbunden. Ein komplett neuer Manga aus seiner Feder war seitdem jedoch ausgeblieben.
Genau deshalb ist dieser One-Shot interessanter als ein gewöhnliches Jump-Sonderkapitel. Horikoshi kehrt nicht mit einer Nebenfigur aus dem alten Universum oder einem weiteren Deku-Epilog zurück. Quit Laughing, Shijima besitzt eine eigene Welt, neue Figuren und einen vollkommen anderen Genreansatz.
Ob daraus irgendwann eine Serie entsteht, ist offen. One-Shots dienen bei Shonen Jump durchaus immer wieder als Testfeld für spätere Reihen. Das bedeutet allerdings keineswegs, dass Shijima automatisch demnächst jede Woche lacht. Die Grundlage wäre vorhanden. Eine abgeschlossene Küstenstadt, ein übernatürliches Geheimnis und Horikoshis offensichtliche Lust auf Horror lassen sich problemlos weiterdenken.
🎬 Selbst Studio Bones hätte offenbar nichts gegen mehr Shijima
Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass bei Studio Bones grundsätzlich Interesse an dem Stoff besteht. Das Studio hat Horikoshis My Hero Academia über Jahre animiert und kennt seinen Stil entsprechend gut.
Eine Anime-Adaption ist damit keineswegs angekündigt. Bei einem gerade veröffentlichten One-Shot wäre alles andere auch bemerkenswert schnell. Dass Horikoshis langjähriger Animationspartner aber bereits öffentlich Offenheit signalisiert hat, zeigt zumindest, wie aufmerksam sein nächster Schritt beobachtet wird.
Und optisch wäre die Geschichte durchaus reizvoll. Der Gegensatz aus sonniger Küstenstadt, Shijimas beinahe übertriebener Fröhlichkeit und dem Grauen unter der Wasseroberfläche besitzt genau jene Art von Kontrast, die in Animation hervorragend funktionieren könnte. Fürs Erste reichen aber Papier beziehungsweise Bildschirm.
🐙 Vielleicht waren Superhelden nur die Aufwärmphase
Nach My Hero Academia hätte Horikoshi problemlos beim nächsten großen Action-Manga bleiben können. Quit Laughing, Shijima wirkt spannender, gerade weil er diesen sicheren Weg erst einmal verlässt.
Der neue One-Shot zeigt einen Autor, der nach zehn Jahren derselben Welt offenbar ausprobieren möchte, welche anderen Muskeln noch funktionieren. Horror passt dabei erstaunlich gut zu seinen zeichnerischen Stärken: extreme Gesichtsausdrücke, körperliche Verzerrung, starke Silhouetten und ein Talent dafür, hübsche Bilder sehr schnell ziemlich unangenehm werden zu lassen.
Ob Shijima der Anfang eines neuen großen Horikoshi-Projekts ist, weiß derzeit niemand.
Aber eines steht nach seiner Rückkehr ziemlich klar fest:
Klar, Deku hat Feierabend. Aber jetzt stimmt etwas mit dem Meer nicht.







