Khaldoon Al Mubarak und die 900-Millionen-Fata-Morgana: Der Schatzmeister von Groß-Manchester schreibt uns

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Khaldoon Al Mubarak und die 900-Millionen-Fata-Morgana: Der Schatzmeister von Groß-Manchester schreibt uns

🌎 Ein Brief aus einer Schatzkammer unter dem Etihad, in der Gold nicht glänzt, weil es Gold ist, sondern weil sechs Wirtschaftsprüfer gleichzeitig daraufleuchten.

Gegen elf Uhr verdunkelte sich das Redaktionsfenster.

Draußen landete ein fliegender Teppich.

Darauf saßen drei Buchhalterkobolde, zwei schweigende Anwälte und eine Truhe, die so massiv vergoldet war, dass wir spontan einen Financial-Fair-Play-Beauftragten rufen wollten. Die Kobolde schüttelten energisch die Köpfe.

Einer öffnete die Truhe.

Darin lagen sieben Meistermedaillen, ein Taschenrechner mit 14 zusätzlichen Nullen, ein signierter Erling-Haaland-Stutzen und ein Pergament mit der Aufschrift:

QUOD LICET IOVI, NON LICET BURNLEY.

Was Jupiter darf, darf Burnley noch lange nicht.

Darunter, etwas kleiner:

In Etihad veritas. In Sponsore liquiditas.

Wir haben aufgehört zu übersetzen, als der Teppich begann, Zinsen abzuwerfen.

Ganz unten in der Truhe lag ein Brief.

Er roch nach Oud, englischem Rasen und einer Anwaltskanzlei, die ihre Kaffeemaschine wahrscheinlich stundenweise abrechnet.

Absender: Khaldoon Al Mubarak.

Vorsitzender von Manchester City.

Herr über Pokale, Paragrafen und jene seltene Spielart des modernen Fußballs, bei der selbst das Geld Positionsspiel beherrscht.


Khaldoon-Al-Mubarak-artiger Fußballboss sitzt in einem goldenen Finanzpalast zwischen Pokalen, endlosen Kassenbons, Buchhalterkobolden und einem Stadion im Hintergrund.

✉️ Der Brief

„Financial Fair Play beginnt dort, wo selbst der Taschenrechner um einen Berater bittet.“
– Aus den Schatzkammerregeln des modernen Fußballs

Verehrte Freunde des finanziell überschaubaren Fußballs.

Sie sprechen von 900 Millionen Pfund, ich entgegne ihnen mit Leidenschaft und erkläre gerne den taktischen Unterschied. Im englischen Fußball gibt es eine alte Regel: Der Ball sollte rundlich sein, das Spiel dauert selten 90 Minuten und sobald jemand sehr erfolgreich wird, möchte plötzlich ein Wirtschaftsprüfer wissen, wer die Rechnung bezahlt hat.

Früher war das einfacher. Man kaufte einen Mittelstürmer. Heute kauft man einen Mittelstürmer, seine Bildrechte, seine Daten, seine globale Reichweite und vermutlich noch ein kleines norwegisches Fjordgebiet für die Regeneration.

Sie glauben, man könne einen Erling Haaland kaufen? Nein. So funktioniert moderner Fußball nicht. Auch zwei Erling Haalands kann man nicht einfach kaufen. Bei dreien müsste man zumindest ernsthafter nachrechnen.

Aber genau deshalb gibt es ja Sponsoren. Ein Sponsor ist im Grunde ein Fußballromantiker mit vergrößerter Bilanzabteilung. Er wacht morgens auf, blickt in die aufgehende Sonne und denkt: Heute möchte ich einer Bande außergewöhnlich talentierter Männer in Hellblau mehrere Millionen Pfund zukommen lassen.

Wer wären wir, solche Gefühle zu verletzen?

Pecunia non olet. Geld stinkt nicht. Außer vielleicht auf Auswärtsfahrt nach Stoke. Da riecht allerdings nicht das Geld, aber das soll heute nicht das Thema sein. Nun behauptet man, manche unserer Verträge seien nur Attrappen gewesen. Dieses Wort gefällt mir nicht.

Im Fußball nennen wir so etwas Raumverteidigung oder auch Halbfeldflanke. Sie verstehen, was ich meine? Kevin De Bruyne spielte einen Pass dorthin, wo niemand den Pass erwartete. David Silva stand dort, wo vorher kein Raum gewesen war. Sergio Agüero schoss 2012 ein Tor in einer Minute, die mathematisch eigentlich schon seit einem Monat vorbei war.

Und wenn unsere Finanzabteilung Räume findet, die ein Buchhalter nicht erkennt, soll das plötzlich ein Vergehen sein? Ich bitte Sie, das ist Guardiola-Fußball mit Excel. Überzahl im Halbraum. Dreiecke. Verlagerungen. Steckpässe. Halbschatten.

Ein Sponsor zieht nach innen, der Eigentümer hinterläuft, die Kosten binden zwei Prüfer und plötzlich steht auf der anderen Seite eine Einnahme völlig frei. Tor. Man muss das Spiel doch nur lesen können.

Natürlich gibt es Menschen, die jetzt unsere Pokale betrachten und fragen, was sie noch wert seien. Die Antwort ist: Alles.

Ein Pokal fragt nicht nach seiner Finanzierung. Ein Pokal kennt auch keine Fußnoten. Er steht im Schrank und glänzt, was ihn wohltuend von neunmalklugen Juristen unterscheidet.

Ich höre sogar, manche würden Titel gern aberkennen. Eine entzückende Vorstellung. Vielleicht fahren sie dann mit einem Kleintransporter nach Manchester, klingeln am Etihad und sagen: Guten Tag, Premier League. Wir würden gern 2014 mitnehmen.

Wir reichen den Pokal selbstverständlich sofort heraus. Sobald jemand erklärt hat, wie man Vincent Kompanys Kopfball gegen Leicester rückwirkend aus der Geschichte entfernt. Fußball ist schließlich voller Affären.

Schiedsrichter wurden bestochen. Spiele verschoben. Funktionäre verhaftet. Vereine mit Punktabzügen bestraft. Andere kauften Spieler mit Geld, das sie nicht hatten, und nannten es Transferfenster. Wir hingegen sollen nun das große Ungeheuer sein, weil unsere Begeisterung gelegentlich komplex strukturiert war.

In dubio pro sponsor.

Gut, den habe ich gerade erfunden, klingt aber doch erstaunlich verbindlich. Und dann diese romantische Vorstellung vom armen, ehrlichen Fußball. Ach und weh.

Der ehrliche Fußball wohnt längst in einem Museum neben Lederball, Stehplatzkarte und dem letzten Mittelstürmer, der noch einen vernünftigen Beruf gelernt hatte. Heute kostet ein Außenverteidiger so viel wie früher eine Kleinstadt im Oman. Ein Berater erhält für ein Telefongespräch genug Geld, um darin schwimmen zu können. Ein Klub fliegt für ein Freundschaftsspiel einmal um die Erde, um anschließend über Nachhaltigkeit zu posten. Aber Manchester City soll plötzlich die böse Marktwirtschaft persönlich erfunden haben?

Nein, haben wir natürlich nicht, bedauerlicherweise. Wir waren vielleicht nur besser darin. Und das, meine Freunde, ist im Fußball traditionell der Moment, in dem die anderen anfangen, Regeln besonders aufmerksam zu lesen.

City hat Berufung eingelegt. Natürlich. Was sollen wir denn sonst tun? Eine Niederlage akzeptiert man im Fußball erst, wenn wirklich alle Nachspielzeiten gespielt sind. Dann kommt die Verlängerung. Dann das Elfmeterschießen. Dann die Berufung. Und dann ein anderes Gericht. Zum Schluss noch José Mourinho mit einem dieser Mourinho-Kommentare.

Ich bleibe daher entspannt. Vor meinem Fenster liegt Manchester. Hinter mir stehen die Pokale. Unter mir arbeiten die Kobolde.

Und auf meinem Schreibtisch liegt ein Angebot für einen vierten Erling Haaland.

Völliger Unsinn.

Unbezahlbar.

Ich habe den Taschenrechner trotzdem vorsichtshalber angelassen.

Mit den marktüblichen Grüßen

Ihr Khaldoon Al Mubarak
Scheich der zweiten Bälle
Emir des Expected Revenue
Großwesir der offensiven Buchführung
und Hüter des heiligen Festgeldkontos von Manchester

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Schwarzweiße Luxus-Werbeparodie im Stil einer edlen Uhrenkampagne: Ein ernst blickender Ork mit markanten Stoßzähnen und elegantem schwarzen Sakko sitzt in halb seitlicher Pose vor dunklem Hintergrund. Auf seinem Handgelenk trägt er eine metallische Luxus-Uhr. Über dem Bild stehen groß der Markenname „VORGHAN VULTOR“ und darunter „MIMIKRON“. Rechts unten ist die Uhr noch einmal als Produktabbildung zu sehen: ein silbernes Modell mit dunklem Zifferblatt, zahnartigen Stundenmarkierungen und einem unheimlichen Auge im unteren Bereich. Die Szene wirkt auf den ersten Blick hochwertig und seriös, entfaltet aber auf den zweiten Blick ihren absurden Fantasy-Humor.

🪶 Kommentar der Redaktion:

Wir haben nach der Lektüre versucht, den fliegenden Teppich zurückzugeben.

Er war bereits an Girona ausgeliehen.

Die Schatztruhe gehörte laut Kobolden einer Investmentgesellschaft auf den Cayman Islands, die wiederum einer Firma gehörte, deren einziger Geschäftszweck offenbar darin bestand, die Schatztruhe nicht zu besitzen. Der Haaland-Stutzen wurde währenddessen für 38 Millionen Pfund an sich selbst verkauft und tauchte fünf Minuten später als „strategisches Textilinvestment“ wieder in der Bilanz auf.

Nur das lateinische Pergament blieb bei uns.

Wir haben es über die Kaffeemaschine gehängt.

Quod licet Iovi, non licet Burnley.

Seitdem verlangt sie 14 Millionen Pfund Naming Rights.

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