🔍 Suche im Fantasykosmos
Spüre verborgene Pfade auf, entdecke neue Werke oder durchstöbere das Archiv uralter Artikel. Ein Wort genügt – und der Kosmos öffnet sich.
🔥 Katabasis – Dissertation in der Hölle
Ein kluges Dark-Academia-Abenteuer über Ehrgeiz, Eitelkeit und die Kunst, sich selbst zu durchschauen
R. F. Kuang schickt ihre Figuren nicht nur durch die Unterwelt, sondern auch durch das Labyrinth akademischer Eitelkeiten. Katabasis mischt gelehrte Anspielungen mit trockenem Humor und trifft das Oxbridge-Milieu so präzise, dass man den Duft kalten Seminarraums fast riecht. Reifer, leiser, bissiger als ihre frühen Bücher.
🧭 Worum geht’s eigentlich?
Alice Law und Peter Murdoch promovieren in Analytical Magick an der Universität Cambridge. Als ihr Doktorvater Professor Jacob Grimes stirbt, steigen sie in die Hölle hinab, um seine Seele zurückzuholen. Nicht aus Liebe, sondern allein wegen eines Empfehlungsschreiben und zugunsten der eigenen Karriere. Auf ihrem Weg stolpern sie durch Unterwelt-Topografie, die klassische Vorbilder kennt und neu deutet. Selbst die City of Dis erscheint als akademische Endlosschleife, in der man ewig an seiner „Diss“ schreibt. Das klingt absurd. Funktioniert aber erstaunlich gut, weil Kuang ihre Anspielungen mit wunderbarem Humor erdet.
🔍 Stärken & Schwächen
🖋 Stil:
Klug, texturreich, voller Referenzen. „Smart, ironisch, weniger effekthascherisch“ bringt es gut auf den Punkt. Kuang schreibt hier kontrollierter als in The Poppy War, zugleich verspielter als in Babel.
🧍♂️ Figuren:
Alice und Peter sind brillante, aber eingeengte Köpfe. Rivalen, die sich selbst im Weg stehen und gerade deshalb spannend sind. Ihre Entwicklung wirkt konsequent, der Zynismus bricht auf. Kuang schafft es, die beiden nicht zu Schablonen geraten zu lassen.
🕒 Tempo:
Ein wenig kopflastig, manchmal sogar ermüdend. Die Höllenfahrt ist mehr Denk- als Kampfabenteuer. Wer Lust auf geistiges Sparring hat, kommt auf seine Kosten, wer Action sucht, sitzt eher im falschen Seminar.
✨ Atmosphäre:
Unterwelt als Campus-Satire. Hölle ist hier nicht Peitsche und Feuer, sondern Selbstüberschätzung, Abhängigkeit vom System und ewige Begierde nach Anerkennung. Das ist witzig, oft bitter, selten plakativ.
📜 Fazit:
Katabasis ist Dark Academia mit Rückgrat. Gelehrt, doch nicht prätentiös. Satirisch, doch nicht zynisch. Wer mit literarischen Verweisen etwas anfangen kann, bekommt einen intelligenten Abstieg in die Hölle des Hochschulbetriebs. Unser Urteil: deutlich mehr als der „verkopfte Hochglanz-Quatsch“, als den wir es in einer News-Meldung einst abtaten. Diesmal hebt Kuang den Stoff und landet sicher.
Und noch etwas in eigener Sache:
Wir geben’s zu: Wir haben Kuangs Katabasis schon einmal in Grund und Boden geschrieben, oder besser gesagt, den exklusiven Vorabdruck in der Cosmopolitan. Zwischen Lipgloss-Trends und Astrologie-Cringe wirkte die Höllenfahrt von Cambridge nach Charon wie eine klinisch gebügelte Masterarbeit in Fantasy Design. Unser Urteil damals: Hochglanz-Quatsch mit Spot drauf.
Und jetzt? Überraschung. Das fertige Buch ist alles andere als leerpolierte Salon-Fantasy. Kuang legt eine reife, bissige, oft witzige Dark-Academia-Erzählung vor, die Satire und Unterwelt geschickt verwebt. Katabasis ist kein Instagram-Filter, sondern ein literarischer Abstieg, der tatsächlich bohrt, kratzt und beißt – gerade weil er so akademisch wirkt. Wir möchten uns hiemit für unser vorschnelles Urteil entschuldigen und geloben Besserung.
🌟 Bewertung
Varanthis-Skala: ★★★★☆ – „Hölle, aber mit Syllabus.“

Autor: R. F. Kuang
Titel: Katabasis. Roman
Verlag: Eichborn
ISBN: 978-3847902164
Seitenanzahl: 656 (Hardcover)
Übersetzung: Alexandra Jordan, Heide Franck
Erstveröffentlichung (deutsch): 2025
Mehr Buchempfehlungen für dich?
Dann besuche unbedingt unsere coolen Fantasy Roman Rezensionen. Noch mehr fantastischen Stoff für Augen oder Ohren bekommst du auf der Phantastik-Couch, die wir ebenfalls sehr empfehlen können.