Joe Hill – King Sorrow II (Rezension)

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Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

Joe Hill – King Sorrow II

📚 Kurzfazit
King Sorrow II macht aus einem okkulten Studentenfehler ein jahrzehntelanges Horror-Epos über Schuld, Selbstbetrug und Freundschaften, die längst zu einer verschworenen Opfergemeinschaft verrottet sind. Wuchtig, blutig und deutlich größer als der Dark-Academia-Auftakt.

😒 Was kratzt
Joe Hill stopft sehr viel Roman in diese zweite Hälfte. Geheimdienste, private Machtapparate, Folklore, Quest, Verrat und mehrere Jahrzehnte ringen gelegentlich gleichzeitig um den besten Platz. Noch ärgerlicher bleibt allerdings die künstliche deutsche Zweiteilung eines einzelnen Originals.

✨ Was funktioniert
Die moralische Eskalation. Arthur und seine Freunde wollten dem Drachen nur Menschen überlassen, die es ihrer Ansicht nach verdient hatten. King Sorrow beweist ihnen Jahr für Jahr, dass kontrollierte Monstrosität ein Märchen ist.

🐉 Drache und Dunkelheit
King Sorrow ist kein Haustier außer Kontrolle und kein feuerspeiender Endgegner mit Lebensbalken. Er ist ein intelligenter Vertragspartner, der jedes Schlupfloch riecht und menschliche Selbsttäuschung besser versteht als seine Beschwörer.

🐦 Crowbah meint
Wer einem Drachen jährlich Menschen serviert und sich dabei weiterhin für moralisch überlegen hält, braucht keinen Exorzisten. Da reicht ein Spiegel. Der ist allerdings im Preis von 48 Euro vermutlich nicht enthalten.

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🐉 Joe Hill – King Sorrow II: Der Drache frisst längst nicht mehr nur Schuldige

Ein Menschenopfer pro Jahr klingt beinahe überschaubar, solange man sich einredet, der Name, den man da auf den Zettel geschmiert hat, habe es verdient.

Ein Mörder. Ein Gewalttäter. Irgendein menschliches Ungeheuer, dessen Verschwinden die Welt angeblich besser macht. Man schreibt den Namen auf, King Sorrow erledigt den Rest, und anschließend kehrt man zurück ins normale Leben. Karriere, Liebe, Familie, akademische Vorträge. Nur einmal im Jahr erinnert ein Drache daran, dass die eigene Existenz auf einer sorgfältig verwalteten Leiche ruht.

Genau diese moralische Buchhaltung zerreißt Joe Hill in King Sorrow II.

Aus den Studenten, die im ersten Teil ein uraltes Wesen beschworen, sind Erwachsene geworden. Arthur Oakes lehrt inzwischen englische Literatur. Seine Freunde haben Berufe, Einfluss, Beziehungen und jahrzehntelang eingeübte Ausreden. Doch an jedem Osterfest kehrt King Sorrow zurück. Er verlangt seinen Tribut, findet Schlupflöcher in jeder Vereinbarung und verwandelt die vermeintlich gezielte Bestrafung eines Schuldigen in immer größere Katastrophen.

Bevor wir allerdings über den Drachen sprechen, müssen wir über den zweiten Räuber in diesem Buch reden: die deutsche Veröffentlichungspolitik.

Der englische King Sorrow ist ein Roman. 896 Seiten, eine Handlung, ein Spannungsbogen. Heyne macht daraus zwei gebundene Bücher zu jeweils 24 Euro. King Sorrow II ist kein Nachfolger, kein neuer Roman und keine eigenständige Fortsetzung. Es ist schlicht die zweite Hälfte eines Werks, für das deutsche Leser am Ende 48 Euro auf den Tisch legen sollen.

Das ist keine freundliche Portionierung für schwache Handgelenke, sondern dreiste Beutelschneiderei mit Drachenmotiv.

Nee, natürlich, der Roman kann dafür nichts. Joe Hill selbstverständlich auch nicht. Aber wir werden ganz sicher nicht so tun, als habe der Verlag hier aus reiner Sorge um unsere Lesebequemlichkeit gehandelt.


🧭 Worum geht’s eigentlich?

WICHTIG: Die Rezension setzt King Sorrow I voraus. Wer den ersten Teil noch nicht kennt, sollte hier umkehren, bevor der Drache die wichtigsten Grundlagen anknabbert.

Arthur Oakes und seine Freunde haben King Sorrow aus der Großen Dunkelheit gerufen, um ein sehr menschliches Problem mit übernatürlicher Gewalt zu lösen. Der Drache erfüllte seinen Auftrag. Seitdem verlangt er jedes Jahr ein neues Opfer. Verweigert die Gruppe ihm einen Namen, holt er sich einen von ihnen.

Ihre erste Lösung wirkt in der Theorie fast beruhigend: Sie wählen Menschen aus, deren Tod niemand bedauern muss. Mörder, Sadisten und andere Gestalten, bei denen der moralische Taschenrechner ein beruhigendes Ergebnis ausspuckt. Colin Wren organisiert Listen, Informationen und Möglichkeiten. Jeder kann sich erzählen, man habe nicht getötet, sondern nur eine gerechte Strafe ausgelagert.

King Sorrow hält sich jedoch nicht an den Geist einer Vereinbarung. Er hält sich ausschließlich an ihren Wortlaut.

Aus einem ausgewählten Opfer werden Tote im Umfeld, aus Bestrafung ein Massaker. Und der geheime Pakt einiger Freunde erwächst zu einer Gefahr, die längst nicht mehr in einem Collegezimmer verborgen werden kann. Als ein Angriff des Drachen internationale Aufmerksamkeit weckt, geraten auch staatliche und private Machtapparate auf die Spur des Unmöglichen. Menschen, die King Sorrow kontrollieren oder für ihre Zwecke benutzen wollen, sind kaum weniger gefährlich als das Wesen selbst.

Arthur sucht währenddessen nach einem Ausweg. Über Jahre studiert er Texte, Mythen und magische Zusammenhänge. Schließlich findet er Hinweise auf eine Möglichkeit, den Drachen zurück in die Große Dunkelheit zu verbannen. Der Weg dorthin führt fort vom akademischen Horror des ersten Teils und hinein in eine ausgewachsene Dark-Fantasy-Quest: alte Rätsel, unterirdische Wege, ein erschreckend realer Troll und eine Waffe, die vielleicht gegen King Sorrow bestehen kann.

Nur steht Arthur nicht allein einem Drachen gegenüber. In seinem engsten Kreis gibt es jemanden, der längst andere Pläne verfolgt.

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🔍 Stärken & Schwächen

🖋 Stil

Joe Hill arbeitet bei King Sorrow II mit der Gelassenheit eines Autors, der weiß, dass sein Drache auch ohne pausenloses Feuer Eindruck macht. Der Horror entsteht selten nur durch Blut oder verbrannte Körper. Er wächst aus dem Abstand zwischen dem, was die Figuren tun, und dem, was sie sich darüber erzählen.

Arthur und seine Freunde nennen es Auswahl, Verantwortung, Notwendigkeit und Schadensbegrenzung. Hill selbst formuliert es nie so bequem und lässt folglich jede Beschönigung irgendwann auf ihre Opfer treffen.

Das gibt dem Roman eine bissige moralische Spannung. King Sorrow ist grausam, aber ehrlich. Er will einfach nur fressen. Die Menschen dagegen bauen ganze Gedankengebäude, um nicht aussprechen zu müssen, dass sie Jahr für Jahr ein menschliches Leben an ein Monster liefern.

Hills schwarzer Humor verhindert, dass die knapp 900 Seiten des Gesamtromans in dauerhafter Schwermut versinken. Zwischen Grauen, College-Erinnerungen und wachsender Weltbedrohung blitzen immer wieder Bosheit, Absurdität und jener trockene Blick auf Menschen auf, der schon NOS4A2 und Locke & Key stark gemacht hat.

Die größere Leistung liegt im Genrewechsel. Der Roman beginnt als Dark Academia mit Okkultismus, zieht später Thriller, staatliche Paranoia und Beziehungsgeschichte an sich und verwandelt sich schließlich in große mythologische Horror-Fantasy. Diese Übergänge wirken nicht immer vollkommen glatt. Sie besitzen jedoch eine spürbare Kraft, weil sie zeigen, wie weit der ursprüngliche Fehler inzwischen reicht. Was in einem Collegezimmer begann, verlangt irgendwann Trollblut, alte Waffen und eine Reise in die Fundamente der Legende. Das setzt Joe Hill hier handwerklich tadellos um.

🧍‍♂️ Figuren

Arthur Oakes ist auch in der zweiten Hälfte das menschliche Zentrum. Der bücherliebende Student aus Band 1 ist zum Professor geworden, doch sein beruflicher Erfolg hat nichts von der Schuld beseitigt. Wissen ist für ihn längst keine akademische Leidenschaft mehr, sondern der einzige denkbare Fluchtweg.

Arthur sucht nicht nur nach einer Waffe gegen King Sorrow. Er sucht nach einer Möglichkeit, die Vergangenheit rückwirkend wieder bewohnbar zu machen. Genau darin liegt seine Tragik. Selbst ein Sieg könnte die Toten nicht zurückholen und die freiwillig gelieferten Namen nicht auslöschen.

Gwen Underfoot bleibt wichtig, weil sie Arthur intellektuell und emotional auf Augenhöhe begegnet. Ihre Verbindung trägt Erinnerung, Nähe und die Belastung eines Paktes, der jede normale Beziehung vergiftet. Hill behandelt Liebe hier nicht als Schutzzauber. Sie ist eher das, was Menschen trotz allem noch davon abhält, vollständig in ihre schlimmsten Entscheidungen hineinzuwachsen.

Colin Wren entwickelt sich zum gefährlichsten Gegenpol. Wohlstand, Selbstsicherheit und organisatorisches Talent machten ihn früh zum Mann für Lösungen. Im zweiten Teil zeigt sich, wie leicht aus Pragmatismus Machtglaube wird. Colin sieht Möglichkeiten, wo Arthur Grenzen erkennt. Er denkt in Systemen, Listen und kontrollierbaren Schäden. Das ist natürlich eine Haltung, die King Sorrow geradezu einlädt.

Donna und Donovan McBride erleben besonders brutal, dass der Pakt nicht mehr nur innerhalb der alten Freundesgruppe existiert. Sobald andere Mächte von King Sorrow erfahren, werden die Freunde selbst zu Ressourcen, Informationsquellen und möglichen Werkzeugen. Ihre Geschichte erweitert den Horror: Nicht nur Drachen fressen Menschen. Institutionen tun es ebenfalls, nur mit Aktenordnern und Befehlswegen.

Alison Shiner vervollständigt eine Gruppe, die längst keine nostalgische Freundesrunde mehr ist. Zwischen den sechs liegen gemeinsame Schuld, alte Gefühle, Machtgefälle und das Wissen, dass jeder jeden vernichten könnte. Der Verrat im Inneren funktioniert deshalb so gut, weil die Freundschaft schon lange zuvor beschädigt wurde. Das Messer kommt spät. Die Hand, die sich um den Griff schließt, war jedoch schon längst zu erahnen.

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🕒 Tempo und Aufbau

Die zweite Hälfte besitzt mehr Vorwärtsdruck als der Aufbau in King Sorrow I. Das jährliche Ritual ist etabliert, der Drache braucht keine Einführung mehr, und Arthur hat verstanden, dass Zeit allein das Problem nicht lösen wird.

Hill nutzt den Sprung durch mehrere Jahrzehnte geschickt. Die Figuren altern, wechseln Berufe, begründen Beziehungen und wachsen in gesellschaftliche Rollen hinein. King Sorrow bleibt. Diese Beständigkeit macht ihn erschreckender als jede plötzlich auftauchende Bestie. Der Drache ist der Termin, der nie aus dem Kalender verschwindet.

Gleichzeitig trägt der Roman sehr viel Gewicht. Die Ausweitung vom privaten Pakt zur internationalen Bedrohung, die Folklore-Quest, die inneren Konflikte und die vielen Zeitebenen erzeugen gelegentlich Überfülle. Nicht jeder Handlungsarm hat dieselbe Kraft. Manche Übergänge wirken, als habe Hill noch eine weitere Tür in seinem riesigen Horrorhaus gefunden und unbedingt sehen wollen, was dahinter liegt. Zum Glück steht hinter den meisten Türen etwas Sehenswertes.

Besonders die Reise in die dunkleren mythologischen Schichten des Romans bringt frische Energie. Die Begegnung mit dem Troll und die Suche nach einer Möglichkeit, King Sorrow zu bezwingen, fühlen sich nicht wie aufgeklebte Fantasy-Einlagen an. Sie führen den Stoff zu seinem Ursprung zurück: alte Geschichten, die nur deshalb harmlos wirken, weil moderne Menschen aufgehört haben, an ihre eigenen Zähne zu glauben.

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✨ Atmosphäre und Welt

King Sorrow II verlässt den vergleichsweise geschlossenen College-Horror und öffnet die Türen zu einer Welt, in der alte Mythen unter der modernen Oberfläche weiterleben. Flugzeuge, Universitäten, Reichtum, Sicherheitsapparate und digitale Öffentlichkeit schützen niemanden vor einem Wesen aus der Großen Dunkelheit.

Genau diese Reibung ist stark. King Sorrow sieht nicht aus wie ein Monster, das in die Gegenwart gehört. Trotzdem passt er perfekt hinein. Ein Wesen, das Menschenopfer verlangt, Verträge verdreht und aus jeder moralischen Schwäche Gewinn zieht, wirkt erschreckend zeitgemäß.

Die Cornwall-Passage gehört atmosphärisch zu den Höhepunkten. Hill führt seine Figuren in Höhlen, Dunkelheit und alte Erzählräume, in denen Troll und magisches Schwert nicht nach traditionellem Fantasyinventar aussehen, sondern nach etwas, das viel länger auf die moderne Welt gewartet hat, als der modernen Welt lieb sein kann.

Der Drache selbst bleibt dabei eine mächtige Präsenz. Hill setzt ihn nicht permanent ins Bild. King Sorrow hängt über dem Roman wie eine fällige Schuld. Selbst wenn er nicht erscheint, bestimmen seine Regeln jedes Gespräch, jede Beziehung und jeden Versuch, ein normales Leben zu führen.

Das Monster ist nicht ständig im Raum.

Sein Hunger allerdings sehr wohl.

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⚖️ Schuld lässt sich nicht delegieren

Der klügste Gedanke des Romans liegt in der Opferwahl. Arthur und seine Freunde glauben anfangs, sie könnten King Sorrows Hunger moralisch kanalisieren. Wer einen schlechten Menschen auswählt, verhindert angeblich den Tod eines Unschuldigen. Das klingt praktisch, fast vernünftig. Nur bleibt Mord Mord, auch wenn man ihn mit gewissenhafter Recherche vorbereitet.

Hill führt diese Selbsttäuschung konsequent vor. Die Freunde werden zu Richtern ohne Verfahren, Henkern ohne direkten Kontakt und Komplizen eines Wesens, dessen Grausamkeit sie niemals beherrschen. Je öfter sie entscheiden, desto leichter wird die nächste Entscheidung. Schuld verschwindet nicht. Sie wird Routine.

King Sorrow braucht diese Menschen nicht nur als Lieferanten. Er erzieht sie. Mit jedem Opfer verschiebt er ihre Grenzen und macht aus einer verzweifelten Gruppe ein System. Darin steckt der eigentliche Horror des Buches: Das Böse siegt nicht erst, wenn der Drache alle frisst. Es siegt, sobald seine Beschwörer anfangen, in seiner Logik zu denken.

💸 Ein Drache, zwei Rechnungen

Nun noch einmal deutlich zur deutschen Ausgabe.

King Sorrow II ist nicht Band 2 einer geplanten Reihe. Joe Hill hat keine Dilogie geschrieben. Das englische Original erschien als ein einziger Roman mit 896 Seiten. Heyne setzt mitten in dieses Werk eine kommerzielle Naht und verkauft die beiden Hälften separat.

Je 24 Euro.

Zusammen 48 Euro.

Natürlich sind Herstellung, Übersetzung und Buchgestaltung nicht kostenlos. Auch ein umfangreicher Roman darf seinen Preis haben. Doch wenn das Original problemlos als einzelnes Hardcover erscheint, überzeugt die Behauptung wohl niemanden, deutsche Leser hätten zwingend zwei Bücher gebraucht.

Die Teilung beschädigt außerdem die Wahrnehmung des Werks. King Sorrow I musste wie ein Auftakt bewertet werden, obwohl es nur die erste Hälfte eines Romans ist. King Sorrow II wird als Fortsetzung vermarktet, obwohl er einen bereits begonnenen Bogen beendet. Der Leser bezahlt doppelt und erhält dafür zwei halbe Dramaturgien.

Das ist ärgerlich, unnötig und aus unserer Sicht glasklare Beutelschneiderei.

Wir ziehen Joe Hill dafür keinen Stern ab. Wir ziehen nur verbal das Schwert.

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📜 Fazit: Der Drache war nie das einzige Monster

King Sorrow II löst das Versprechen der ersten Hälfte ein. Aus dem okkulten Studentenabenteuer wird ein großes, blutiges und erstaunlich menschliches Horror-Epos über die Jahrzehnte nach einer falschen Entscheidung.

Joe Hill interessiert sich dabei weniger für die Frage, ob ein Drache besiegt werden kann. Spannender ist, was Menschen auf dem Weg zu diesem möglichen Sieg aus sich machen. Arthur, Gwen, Colin, Alison, Donna und Donovan sind an King Sorrow gebunden, aber der Pakt allein zerstört ihre Freundschaft nicht. Das übernehmen Macht, Angst, Gewöhnung und die jahrelange Bereitschaft, das nächste Opfer für vertretbar zu erklären.

Die zweite Hälfte gewinnt durch ihre größere mythologische Dimension. Troll, magisches Schwert und Große Dunkelheit öffnen den Roman zur ausgewachsenen Dark Fantasy, ohne seinen Horror zu schwächen. Gerade weil Hill die moderne Welt und alte Legenden aufeinanderprallen lässt, wirkt King Sorrow so mächtig. Er ist kein Fossil aus einer vergangenen Erzähltradition. Er ist ein uraltes Prinzip mit erschreckend guten Überlebenschancen.

Nicht jeder Umweg trägt gleich stark. Der Roman liebt seine Größe und verliert dabei gelegentlich die schlanke Linie. Einige Passagen hätten enger geführt werden können, manche Genrewechsel wirken kräftiger als andere. Doch die Figuren halten das gewaltige Gebilde zusammen. Ihr Altern, ihre Schuld und ihre unterschiedlichen Reaktionen auf den Pakt geben dem Drachenepos ein menschliches Herz – auch wenn King Sorrow dieses vermutlich sofort fressen würde.

King Sorrow II ist damit der stärkere, dunklere und folgenreicher erzählte Teil der deutschen Ausgabe. Er liefert Horror, Fantasy, Verrat, schwarze Komik und eine der unangenehmsten moralischen Versuchsanordnungen der jüngeren Drachenliteratur.

Ein großes Buch, für das uns leider zwei Rechnungen ausgestellt werden.

🌟 Bewertung

Varanthis-Skala: ★★
„Ein wuchtiges Drachen-Horror-Epos über Schuld, Freundschaft und die tödliche Illusion, ein Monster kontrollieren zu können. Düster, blutig und menschlich stark. Nur die deutsche Zweiteilung gehört zurück in die Große Dunkelheit verbannt.“

Cover von Joe Hills King Sorrow II mit großer weißer Titelschrift vor einem dunkelgrünen, nebelartig verwischten Hintergrund, der im unteren Bereich in kräftiges Blau übergeht.

Autor: Joe Hill
Titel: King Sorrow II
Reihe: King Sorrow, Band 2 der deutschen Ausgabe
Verlag: Heyne
Übersetzung: Kristof Kurz und Stefanie Adam
Seitenanzahl: 640 Seiten, gebundene Ausgabe
Erstveröffentlichung: 2026
ISBN: 978-3-453-27579-9
Besonderheiten: 5 Schwarz-Weiß-Abbildungen
Hinweis: Der englische Originalroman erscheint auf Deutsch aufgeteilt in King Sorrow I und King Sorrow II.

Das Symbolbild für Leseproben von aktuellen Fantasy-Romanen.
Leseprobe zu King Sorrow II von Joe Hill bei Heyne
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