🔍 Suche im Fantasykosmos
Spüre verborgene Pfade auf, entdecke neue Werke oder durchstöbere das Archiv uralter Artikel. Ein Wort genügt – und der Kosmos öffnet sich.

Jenn Lyons – Green & Deadly Things
📚 Kurzfazit
Green & Deadly Things ist ein sehr lebendiger Standalone mit starkem Haken, fieser Grundidee und ordentlich Vorwärtsdrall. Kein Meisterwerk der Tiefenschichtung, aber ein Roman, der weiß, wie man Leser am Kragen packt.
😒 Was nervt?
Lyons drückt mitunter so fest aufs Tempo, dass Figuren, Magie und einige Wendungen nicht ganz das Gewicht bekommen, das sie eigentlich verdient hätten. Der Mittelteil hetzt stellenweise etwas zu sehr von Flucht zu Flucht und von Gefahr zu Gefahr.
✨ Was funktioniert?
Die Prämisse sitzt sofort: Nekromantie war vielleicht nie das eigentliche Problem, während die Natur selbst als Fressmaschine zurückschlägt. Dazu kommen ein starker Auftakt, ein schicker Konflikt zwischen Dogma und Wahrheit und eine Romanwelt, die grün, faulig und angenehm unerquicklich wirkt.
🧠 Figuren und Welt
Mathaiik trägt die Geschichte gut, weil er nicht als Großmaulheld gebaut ist, sondern als loyaler junger Mann, dessen Weltbild langsam zerlegt wird. Kaiataris bringt genau die richtige Mischung aus Bedrohung, Wissen und Reibung mit, auch wenn die Figuren insgesamt etwas mehr Raum zum Nachbrennen hätten gebrauchen können.
🐦 Crowbah meint
„Wenn die Bäume anfangen, Menschen wie Brennholz zu behandeln, ist das in der Regel ein Hinweis darauf, dass die Zivilisation irgendwo falsch abgebogen ist. Dieser Roman erklärt das erfreulich schräg.“
🌿 Jenn Lyons – Green & Deadly Things: Wenn der Wald die Lüge frisst
Manchmal braucht Fantasy keinen siebenbändigen Stammbaum mit Fußnotenflut, sondern einfach einen hungrigen Wald, einen Ritteranwärter mit schlechtem Stand im eigenen Orden und eine Nekromantin, die womöglich weniger monströs ist als die offizielle Geschichtsschreibung das behauptet. Jenn Lyons packt in Green & Deadly Things Naturhorror, Totenzauber und Ritterpathos in einen Einzelband, der früh zubeißt und danach kaum noch locker lässt. Das ist kein feierlicher Kathedralenroman für gravitätische Weltenbummler, sondern ein giftiges Abenteuer mit Tempo, Biss und einem angenehm schmutzigen Grundgedanken. Gerade als Standalone bekommt das Ding dadurch sofort einiges an Profil. Folgt uns nun bitte in den Wald der Seltsamkeiten.
🧭 Worum geht’s eigentlich?
Im Zentrum steht Mathaiik, der sein Leben dem Orden der Idallik Knights gewidmet hat und eigentlich dazu bestimmt scheint, Nekromantie aus der Welt zu halten. Blöd nur, dass die Welt selbst plötzlich anfängt, sich anders zu verhalten, als die heiligen Lehrsätze es vorgesehen haben. Wälder erwachen, Tiere mutieren zu Monstrositäten, und ausgerechnet die alte Feindmacht, die längst besiegt sein sollte, könnte am Ende die brauchbarere Antwort auf das Problem liefern. Als Mathaiik in höchster Not die schlafende Grim Lord Kaiataris erweckt, zerlegt der Roman nicht nur die vertraute Gut-und-Böse-Ordnung, sondern gleich das ganze Fundament seiner eigenen Geschichte. Was folgt, ist eine Fluchtbewegung durch eine Welt, in der Natur, Magie und Macht nicht sauber voneinander zu trennen sind.
Besonders stark ist dabei der Grundgedanke, dass nicht nur Monster zurückkehren, sondern auch verdrängte Wahrheiten. Lyons baut daraus keinen trockenen Mythologie-Klotz, sondern einen Abenteuerroman, der seine großen Ideen direkt in Bewegung setzt. Das funktioniert vor allem deshalb, weil die Bedrohung nicht bloß untot oder dämonisch ist, sondern organisch, wuchernd und erstaunlich körperlich. Der Roman riecht damit weniger nach staubigem Archiv und mehr nach nassem Holz, aufgerissener Erde und sehr schlechter Zukunft.
🔍 Stärken & Schwächen
🖋 Stil
Lyons schreibt nicht auf sakralen Hochglanz, sondern komplett auf Zug. Die Sprache ist direkt, klar und oft angenehm bissig, besonders dann, wenn Bürokratie, Aberglaube und blankes Entsetzen aufeinandertreffen. Der veröffentlichte Auftakt mit den drei gefällten „Queens“ zeigt sehr schön, wie effektiv sie administrative Arroganz in blanken Naturhorror kippen lassen kann. Wo der Stil etwas schwächelt, ist weniger die Satzebene als die Dichte: Manche Erklärungen werden eher geliefert als elegant eingewoben. Trotzdem trägt der Ton den Roman ziemlich zuverlässig über seine holprigeren Stellen hinweg. Lässt sich unter dem Strich sehr flüssig lesen.
🧍♂️ Figuren
Mathaiik ist ein guter Mittelpunkt, weil er nicht als unkaputtbarer Chosen-One geschniegelt wird, sondern als jemand, der an Ordnung glaubt und dann erleben muss, dass Ordnung womöglich auf einer Lüge steht. Kaiataris wiederum ist genau die Figur, die so ein Stoff braucht: alt, gefährlich, wissend und zu interessant, um als bloßes Monster abgeheftet zu werden. Die Dynamik zwischen beiden hält den Roman stabil. Was etwas fehlt, ist die letzte Schicht an Schärfe in den Nebenfiguren. Da ist genug Persönlichkeit vorhanden, um sie voneinander zu unterscheiden, aber nicht immer genug Raum, um sie wirklich tief darin einsinken zu lassen.
🕒 Tempo und Aufbau
Hier liegt zugleich die größte Stärke und die größte Sollbruchstelle des Buches. Green & Deadly Things rennt mit echtem Abenteuertrieb los und bleibt fast die ganze Zeit in Bewegung. Das macht den Roman sehr zugänglich und für einen Standalone auch erfreulich entschlossen. Gleichzeitig entsteht genau daraus das Problem, dass manche Entwicklungen eher angerissen als ausgereizt wirken. Der Mittelteil hat stellenweise etwas von Run, hide, fight, repeat. Langweilig wird das Buch dadurch selten, aber ein wenig mehr Atempausen hätten dem Ganzen sichtbar gutgetan.
✨ Atmosphäre und Welt
Am stärksten ist Lyons immer dann, wenn sie die Welt nicht als Hintergrundtapete, sondern als feindliche Biomasse begreift. Die Idee eines Waldes, der nicht Kulisse, sondern Gegner ist, trägt hier enorm. Schon die Eröffnung mit den „Three Queens“, der Holzlager-Logik eines zu selbstsicheren Verwalters und dem anschließenden botanischen Massaker setzt den Ton exzellent. Diese Mischung aus Ritterorden, nekromantischem Erbe und mutierender Natur verleiht dem Roman seine eigene Farbe. Nicht majestätisch-golden, sondern grün, nass und leicht verwest. Genau so soll das sein.
📜 Fazit:
Green & Deadly Things ist ein Roman, der seine beste Idee sehr früh auf den Tisch knallt und klug genug ist, sie danach nicht wieder kleinzuverwässern. Die Verdrehung des Nekromantie-Mythos funktioniert, der Naturhorror hat Wucht und das Standalone-Format wirkt hier eher wie eine Stärke und nicht wie ein Mangel. Lyons schreibt nicht die tiefste oder feinsinnigste Fantasy des Jahres, aber eine mit echtem Griff. Das Buch will unterhalten, bedrängen und seine Welt in Bewegung halten, und genau das schafft es ziemlich souverän. Schwächer wird es immer dann, wenn es zwischen seinen guten Einfällen zu schnell weitersprintet und glaubt, Tempo könne Tiefe automatisch ersetzen. Tut es natürlich nicht. Aber selbst dann bleibt genug Biss, Witz und Widerhaken im Text, um die Sache klar über Durchschnitt zu heben. Wer monumentale Hoch-Epik sucht, wird hier nicht niederknien. Wer eine bissige, gut lesbare Fantasy mit Monsterwald, verdorbener Historie und viel nekromantischem Dreck will, kann definitiv zugreifen.
🌟 Bewertung
Varanthis-Skala: ★★★★☆
„Ein Wald mit Hunger und ein Roman, der fast so schnell rennt wie die Monster, die er hervorbringt.“

Autorin: Jenn Lyons
Titel: Green & Deadly Things
Verlag: Tor Books
Übersetzung: Englische Originalausgabe
Seitenanzahl: 368 Seiten, Hardcover
Erstveröffentlichung: 2026
ISBN: 978-1035048625
Mehr Buchempfehlungen für dich?
Dann besuche unbedingt unsere coolen Fantasy Roman Rezensionen. Noch mehr fantastischen Stoff für Augen oder Ohren bekommst du auf der Phantastik-Couch, die wir ebenfalls sehr empfehlen können.



