JD Vance in Ungarn: Aus dem Kerker der freien Unterwerfung

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JD Vance in Ungarn: Aus dem Kerker der freien Unterwerfung

🌎 Ein Schreiben aus dem MFGA-Dungeon, wo Wahlkampfhilfe als Souveränität gilt, Lügen als Zivilisationsschutz und Europa als lästiger Rest widerspenstiger Freiheit.

Dieses Schreiben traf in einer dunkelroten Feldmappe bei uns ein, die ein nervöser Kurier aus dem Stacheldrahtvorraum des Portalwerks barg, nachdem sie dort zwischen einem zerknitterten Stadionprogramm, drei Ausweisen für die Halle der patriotischen Wahrheiten und einem vergoldeten Pilotenhelm mit der Aufschrift MFGA (Make Fantasy Greatest Again) eingeklemmt hatte. Beigelegt waren ein blechernes Abzeichen des Ministeriums für zivilisatorische Lautstärke, ein Telefonhörer mit Goldrand sowie ein offizieller Hinweis, wonach sich wahre Freiheit am zuverlässigsten durch Gleichschritt, Feindbildpflege und ausreichend Bühnennebel erkennen lasse.

Absender ist aller Wahrscheinlichkeit nach JD Vance, Obervogt des MFGA-Dungeons, Hüter des Trump-Zepters und reisender Missionar der freien Unterwerfung, wo man Europa am liebsten als moralisch verweichte Ruinenlandschaft beschreibt, um es später umso gründlicher zu belehren und sich botmäßig zu machen.


JD Vance als düsterer Kerkervogt mit Trump-Zepter, MFGA-Kappe und Stacheldraht im Hintergrund eines autoritären Fantasy-Dungeons

✉️ Der Brief

„Eine Freiheit, die nichts verriegelt, ist nur ein schlecht bewachter Durchgang.“
Aus dem Traktat Befestigte Zivilisationen und andere Missverständnisse (erschienen bei Zepter & Stacheldraht)

An die europäisch verdorbene Chefredaktion des Fantasykosmos,

mit jener entschlossenen Geduld, die jeder Verteidiger der westlichen Zivilisation aufbringen muss, wenn ihm aus den feuchten Archiven des alten Kontinents wieder einmal erklärt werden soll, was Freiheit angeblich sei, nehme ich eure erwartbare Empörung über meinen Auftritt in Budapest zur Kenntnis.

Es rührt mich stets, wie empfindlich Europäer werden, sobald jemand ihre Lieblingsheuchelei berührt.

Kaum reist ein amerikanischer Vize in ein befreundetes Reich, um dort einem standhaften Verbündeten öffentlich den Rücken zu stärken, fangen in Brüssel und seinen publizistischen Nebenkammern schon wieder die Alarmglocken an zu zittern. Plötzlich ist von Einmischung die Rede, von Grenzverletzung, von demokratischer Schamlosigkeit. Als wäre derselbe Kontinent, der seit Jahren jedem anderen Volk vorschreibt, wie es zu regieren, zu heizen, zu denken und zu wählen habe, nun ausgerechnet beim eigenen Wahlkampf eine zarte Mimose.

Verzeiht, aber ich empfinde diese Aufführung als von einer geradezu komischen Unschuldslosigkeit geprägt.

Denn was ihr Einmischung nennt, nennen wir im MFGA-Dungeon brüderliche Klarheit. Ein Freund unterstützt einen Freund. Eine Regierung erkennt in einer anderen Regierung denselben Mut zur Härte, dieselbe Verachtung für das moralisierende Verwaltungsraunen und dieselbe Entschlossenheit, das Wort Freiheit wieder gegen jene in Stellung zu bringen, die es zu einem Wärmekissen für schwache Institutionen gemacht haben.

Ihr werft mir vor, ich sei nach Budapest gereist, um Viktor Orbán im Wahlkampf zu helfen. Aber selbstverständlich tat ich das. Wozu hat man Verbündete, wenn nicht dazu, sie im entscheidenden Augenblick zu bestärken? Ihr Europäer tut immer so überrascht, wenn Macht einmal offen spricht, statt sich hinter diplomatischem Tüll zu verstecken. Gerade das ist euer Problem. Ihr verehrt die Fassade mehr als den Willen. Ihr liebt die Prozedur mehr als die Richtung. Ihr kniet vor Regeln nieder, selbst wenn sie euch schon längst gegen die Wand der Bedeutungslosigkeit geführt haben.

Besonders reizend ist euer Glaube, Freiheit bestehe in erster Linie darin, von niemandem gestört zu werden. Was für eine kleine, erschöpfte Vorstellung. Freiheit ist nicht Behaglichkeit. Freiheit ist Entscheidung. Freiheit ist Grenzziehung. Freiheit ist das Recht eines Volkes, seine Ordnung gegen jene zu behaupten, die es in eine weiche, regellose und kulturamputierte Verwaltungszone verwandeln wollen. Dass euch diese Sprache erschreckt, zeigt nur, wie weit ihr euch bereits vom Kern der Sache entfernt habt.

Ihr nennt Orbán autoritär, weil er Institutionen nicht wie heilige Kühe behandelt, sondern wie Werkzeuge. Ihr nennt ihn gefährlich, weil er Presse, Gerichte, Universitäten und Grenzregime nicht als selbstzweckhafte Tempelanlagen begreift, sondern als Kampffelder politischer Wirklichkeit. Genau darin liegt sein Verdienst. Er hat verstanden, dass ein Staat, der ständig Rücksicht auf seine Gegner nimmt, bald nur noch aus Rücksicht besteht.

Und was mich betrifft: Ja, ich habe Brüssel kritisiert. Ja, ich habe eure energiepolitischen Erzählmärchen mit jener Verachtung bedacht, die sie verdienen. Ja, ich habe das Wort Zivilisation benutzt, ohne vorher um Genehmigung in einem Seminarraum für transnationale Betroffenheit zu bitten. Denn die Wahrheit ist doch: Die selbsternannten Hüter Europas haben diesen Kontinent nicht geeint, sondern entkernt. Sie haben aus Grenzen ein Laster, aus Souveränität einen Verdacht und aus politischer Standfestigkeit einen Fall für den Moralbeauftragten gemacht.

Besonders köstlich war freilich die Empörung darüber, dass ich ausgerechnet in Budapest von Freiheit sprach. Als dürfe Freiheit nur noch dort erwähnt werden, wo sie vollkommen folgenlos bleibt. Genau so seid ihr geworden: Ihr liebt das Wort, solange es nichts kostet. Sobald Freiheit aber bedeutet, gegen die falschen Leute, die falschen Institutionen und die falschen Dogmen zu stehen, erklärt ihr sie zur Zumutung.

Das ist die eigentliche Krankheit eures Kontinents. Ihr habt euch eine Freiheit eingerichtet, die niemanden kränken, nichts begrenzen und vor allem nichts riskieren darf. Eine Freiheit ohne Zähne, ohne Lager, ohne Feindschaft, ohne Rückenmark. Eine Freiheit, die jede Tür offen lässt und sich dann wundert, dass andere hereinkommen und das Haus übernehmen.

Im MFGA-Dungeon denken wir praktischer. Wir wissen, dass eine Zivilisation sich nicht durch Podiumsdiskussionen verteidigt, sondern durch Loyalität, Grenzbewusstsein, institutionelle Härte und die Bereitschaft, den Gegner endlich wieder als Gegner zu behandeln. Ihr nennt das illiberal. Wir nennen es erwachsen.

Darum war Budapest nicht bloß ein Besuch. Es war eine Besichtigung der Zukunft. Dort steht bereits, was ihr in euren freundlich verstaubten Hauptstädten noch immer für eine Entgleisung haltet: ein Staat, der sich nicht mehr dafür entschuldigt, Staat zu sein. Ein Staat, der seine Widersacher nicht auch noch pädagogisch umarmt. Ein Staat, der lieber beschimpft als bedeutungslos zu werden.

Dass euch das beunruhigt, verstehe ich gut. Denn jeder Auftritt wie der meine erinnert euch daran, dass Europa nicht an seinen Feinden von außen zerfällt, sondern an seiner Sehnsucht, auch den inneren Verfall noch für höhere Anständigkeit zu halten.

Ich rate euch daher zu etwas weniger Brüsseler Selbstbewunderung und etwas mehr Respekt vor Völkern, die noch wissen, dass Freiheit kein Debattierclub ist, sondern eine befestigte Anlage. Wer sie offenhalten will, muss lernen, sie zu verriegeln. Wer sie bewahren will, muss aufhören, sie mit Beliebigkeit zu verwechseln. Und wer sich über unsere Klarheit beklagt, hat meist nur Angst davor, dass sie ansteckend sein könnte.

Mit zivilisatorischer Entschlossenheit
JD Vance
Obervogt des MFGA-Dungeons
Hüter des Trump-Zepters
und reisender Missionar der freien Unterwerfung

🪶 Kommentar der Redaktion:

Der Brief müffelte heftig nach kaltem Bühnenrauch, einer schlecht gepflegten Lederkappe und jener besonders aggressiven Form von Freiheitsrhetorik, die stets dort am lautesten auftritt, wo schon am eifrigsten an den Scharnieren der Demokratie gesägt wird. Beigelegt waren zwei Stadiontickets, ein Stacheldrahtmaßband und ein Vermerk, wonach Souveränität künftig als Lautsprecheranruf aus dem Ausland gelte. Wir haben das Schreiben pflichtgemäß gelesen und anschließend neben unsere Falltür zum Goblintrakt gelegt. Seitdem verlangt sie vor jedem Öffnen einen Feindbegriff, drei Loyalitätsbekenntnisse und die Zusicherung, dass dahinter auf keinen Fall Europa steht.

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