Janosch ist tot: Der Magier, der wusste, wie man uns nach Panama zaubert

🧐 Im Fantasykosmos suchen

Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

🕯️ Panama bleibt uns für immer

📰 Was ist los?
Der Schriftsteller und Illustrator Janosch ist am 3. November 2026 im Alter von 95 Jahren gestorben. Mit dem kleinen Tiger, dem kleinen Bären und der Tigerente erschuf er eine der bekanntesten Fantasiewelten der deutschen Kinderliteratur.

🐛 Was denken wir?
Janosch wusste, dass die größten Abenteuer oft mit den kleinsten Dingen beginnen. Seine Geschichten haben uns das Staunen gelehrt, ohne uns die Wirklichkeit zu verschweigen. Pedro stellt heute eine kleine Kerze ans Fenster. Für den Mann, der uns zeigte, dass Panama manchmal ganz nah ist.

Manche Menschen erschaffen Welten mit Drachen, mächtigen Zauberern und gewaltigen Königreichen. Janosch brauchte dafür einen kleinen Tiger, einen kleinen Bären und eine Holzente auf Rädern. Und vielleicht war das die größere Kunst. Der Schriftsteller, Zeichner und Geschichtenerzähler ist am 3. November 2026 im Alter von 95 Jahren auf Teneriffa gestorben. Mit ihm verliert die deutsche Literatur einen ihrer eigensinnigsten und liebenswertesten Fantasten. Einen Mann, der wusste, dass man für das größte Abenteuer manchmal nur eine Bananenkiste braucht. Und jemanden, der uns eine Wahrheit hinterließ, die so einfach klingt, dass Erwachsene sie gelegentlich ein ganzes Leben lang nicht begreifen: Das Glück liegt nicht unbedingt dort, wo wir es suchen.

Porträt von Janosch in einem warmen, malerischen Composing: Der Autor lächelt freundlich und stützt sein Gesicht in beide Hände. Im Hintergrund liegt eine sanfte Flusslandschaft mit Baum, Wiesenweg, Blumen und Abendlicht im Stil einer poetischen Bilderbuchszene.
Ein stiller Abschied von Janosch: Für den Nachruf auf den großen Geschichtenerzähler zeigt der Fantasykosmos ein poetisches Composing auf Basis eines Wikimedia-Commons-Fotos. Originalfoto: Dieter Schnöpf / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0.

🐯 Eine Welt, in der das Kleine groß sein durfte

1978 erschien Oh, wie schön ist Panama. Eine Geschichte, die beinahe nichts braucht, um unvergesslich zu werden.

Der kleine Tiger und der kleine Bär leben zufrieden in ihrem Haus am Fluss. Eines Tages findet der Bär eine Kiste, die nach Bananen riecht und aus Panama stammt. Von diesem Augenblick an wird Panama für die beiden zum Sehnsuchtsort. Sie brechen auf, begegnen anderen Tieren, verlaufen sich und finden schließlich einen Ort, der ihnen wunderschön erscheint.

Es ist ihr eigenes Zuhause. Janosch erzählte diese Geschichte ohne erhobenen Zeigefinger und ohne große philosophische Erklärungen. Trotzdem steckt darin mehr über Sehnsucht, Zufriedenheit und die menschliche Suche nach dem Glück als in mancher umfangreichen Lebensberatung.

Seine Figuren mussten die Welt nicht erobern. Sie mussten nur entdecken, was ihnen wirklich wichtig war.

1979 erhielt Janosch für das Buch den Deutschen Jugendliteraturpreis. Generationen von Kindern sollten mit dem kleinen Tiger, dem kleinen Bären und ihrer Tigerente aufwachsen.

Und viele Erwachsene merkten irgendwann, dass sie die Geschichte beim Vorlesen mindestens ebenso dringend brauchten wie ihre Kinder.

🎨 Ein Künstler, der die Welt anders sah

Janosch wurde am 11. März 1931 als Horst Eckert in Hindenburg in Oberschlesien geboren, dem heutigen Zabrze in Polen. Seine Kindheit war alles andere als das Idyll, das manche seiner späteren Zeichnungen vermuten lassen. Armut, Gewalt und eine strenge religiöse Erziehung prägten seine frühen Jahre. Nach dem Krieg führte ihn sein Weg unter anderem nach Krefeld und München, wo er zeitweise an der Akademie der Bildenden Künste studierte.

Seine künstlerischen Anfänge waren von Rückschlägen begleitet. Das Studium brach er ab, und auch seine ersten Bücher fanden zunächst nur wenig Aufmerksamkeit.

1960 erschien Die Geschichte von Valek dem Pferd. Es war der Anfang einer langen Laufbahn, die zunächst keineswegs nach Weltruhm aussah.

Erst mit Oh, wie schön ist Panama gelang ihm 1978 der große Durchbruch.

Vielleicht erklärt dieser lange und schwierige Weg etwas von der besonderen Wärme seiner Geschichten. Janosch wusste, dass das Leben nicht immer freundlich ist. Er hatte keinen Grund, die Welt für einen grundsätzlich gerechten Ort zu halten.

Aber er besaß die seltene Fähigkeit, ihr trotzdem etwas Schönes abzuringen.

💌 Freundschaft, die keine großen Worte braucht

Auf Panama folgten weitere Geschichten, die längst zum kulturellen Gedächtnis gehören. In Post für den Tiger von 1980 entdeckt der kleine Bär, wie man einem Freund Nachrichten schicken kann, auch wenn dieser gerade nicht bei einem ist.

Ich mach dich gesund, sagte der Bär von 1985 erzählt davon, wie wichtig Fürsorge ist, wenn jemand krank wird.

Und in Komm, wir finden einen Schatz machen sich Tiger und Bär auf die Suche nach Reichtum, nur um wieder einmal festzustellen, dass die wirklich wertvollen Dinge nicht unbedingt in einer Schatztruhe liegen.

Janoschs Geschichten handeln von Freundschaft, Verlust, Angst, Eifersucht und dem Wunsch nach Zugehörigkeit. Aber sie tun es auf eine Weise, die Kinder ernst nimmt, ohne sie mit den Sorgen der Erwachsenen zu überfordern.

Seine Tiere dürfen eigensinnig sein. Sie machen Fehler, sind manchmal bequem, unvernünftig oder ziemlich überzeugt von Dingen, die sich später als Unsinn herausstellen.

Und gerade deshalb wirken sie so menschlich.

Die berühmte Tigerente besitzt nicht einmal eine eigene Stimme. Sie wird hinterhergezogen, ist einfach da und gehört trotzdem zu den bekanntesten Figuren der deutschen Kinderliteratur.

Vielleicht ist auch das eine kleine Janosch-Wahrheit: Man muss nicht ständig etwas sagen, um wichtig zu sein.

🌧️ Hinter dem Lächeln lag oft eine dunklere Welt

Wer Janosch ausschließlich auf die Tigerente reduziert, übersieht einen erheblichen Teil seines Werkes.

Er schrieb auch Romane für Erwachsene, darunter Cholonek oder Der liebe Gott aus Lehm, in dem er sich mit seiner oberschlesischen Herkunft und einer von Armut, Gewalt und politischen Umbrüchen geprägten Welt auseinandersetzte.

Hier begegnet uns ein anderer Janosch: schärfer, bitterer und mit einem Humor, der seine Zähne keineswegs versteckt.

Doch zwischen dem Autor dieser Romane und dem Schöpfer von Tiger und Bär besteht kein so großer Widerspruch, wie es zunächst scheint.

Beide betrachten die Welt mit einer gewissen Skepsis gegenüber Autoritäten, großen Versprechen und vermeintlichen Wahrheiten.

Janosch interessierte sich für Außenseiter. Für Menschen und Tiere, die nicht besonders mächtig, erfolgreich oder vorbildlich sind. Für jene, die ihren eigenen Weg suchen und dabei gelegentlich ordentlich auf die Nase fallen.

Seine Geschichten wollen die Welt nicht unbedingt verbessern. Sie zeigen vielmehr, wie man in ihr Mensch bleiben kann.

Dazu braucht es manchmal Mut, manchmal Humor und erstaunlich oft einen guten Freund.

🌴 Ein freier Geist auf Teneriffa

Seit 1980 lebte Janosch auf Teneriffa, weit entfernt vom deutschen Literaturbetrieb, dessen Erwartungen ihm häufig fremd blieben.

Er war kein Künstler, der sich bereitwillig in ein öffentliches Rollenbild fügte. Sein Verhältnis zu Ruhm, Religion, gesellschaftlichen Konventionen und dem eigenen Erfolg blieb von Eigensinn geprägt.

Während seine Figuren längst Kinderzimmer, Bücherregale und Fernsehbildschirme eroberten, führte ihr Schöpfer lieber ein vergleichsweise zurückgezogenes Leben.

Mit Janoschs Traumstunde fanden seine Geschichten ab den Achtzigerjahren auch ihren Weg ins Fernsehen. Später wurde die Tigerente zum Namensgeber des bekannten Tigerenten Clubs.

Seine Bücher wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt. Für sein literarisches und künstlerisches Werk erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, darunter 1993 das Bundesverdienstkreuz.

Doch die eigentliche Bedeutung seiner Arbeit lässt sich kaum in Preisen, Verkaufszahlen oder Ehrungen messen.

Sie zeigt sich dort, wo Eltern ihren Kindern noch immer von Panama erzählen. Wo die Tigerente auf einem Bücherregal steht. Und wo ein Erwachsener beim Wiederlesen plötzlich feststellt, dass eine vermeintlich einfache Kindergeschichte ihm heute etwas ganz anderes sagt als vor vierzig Jahren.

✨ Einer der wenigen wirklichen Magier

Für Fantasykosmos ist Janosch mehr als ein bedeutender Kinderbuchautor.

Er gehört zu jenen Künstlern, die uns daran erinnern, was Fantasie eigentlich leisten kann.

Sie muss nicht immer spektakulär sein. Nicht jede fantastische Welt braucht ein ausgearbeitetes Magiesystem, uralte Prophezeiungen oder einen finsteren Herrscher, der die Menschheit vernichten möchte.

Manchmal genügt ein Haus am Fluss, ein kleiner Bär mit einer Angel und ein Tiger, der seinem Freund vertraut.

Janosch erschuf seine Magie aus scheinbar gewöhnlichen Dingen. Aus Frühstück, Freundschaft, Fernweh und kleinen Missgeschicken. Und aus der Vorstellung, dass es selbst in einer schwierigen Welt noch Orte geben könnte, an denen man sich geborgen fühlt.

Seine Bücher sind nicht deshalb zeitlos, weil in ihnen alles gut ausgeht. Sondern weil sie uns zeigen, wie viel Gutes selbst in einer unvollkommenen Welt möglich ist.

Das ist eine bemerkenswerte Leistung für einen Mann, der selbst keineswegs in einer heilen Welt aufgewachsen war.

🕯️ Panama bleibt

Janosch ist 95 Jahre alt geworden. Ein langes Leben, voller Geschichten, Zeichnungen und erstaunlicher Einfälle. Seine Figuren werden weiterleben.

Der kleine Tiger wird noch immer neugierig sein. Der kleine Bär wird sich um seine Freunde kümmern. Und die Tigerente wird ihnen auf ihren Rädern folgen, wohin die Reise auch geht.

Vielleicht werden Kinder auch in hundert Jahren noch mit ihnen nach Panama aufbrechen. Vielleicht werden sie unterwegs dieselben Dinge entdecken wie ihre Eltern und Großeltern.

Dass Freundschaft kostbarer ist als ein Schatz. Dass man sich manchmal verirren muss, um etwas wiederzufinden. Und dass die Welt größer wird, wenn man sie mit den Augen eines anderen betrachtet.

Janosch hat uns gezeigt, dass man für die großen Wunder des Lebens keine Zauberei braucht.

Nur Fantasie. Ein bisschen Mut. Und jemanden, mit dem man den Weg gemeinsam gehen kann. Nun ist der Mann gestorben, der all das zeichnen und erzählen konnte wie kaum ein anderer.

Aber Panama bleibt.

Und irgendwo in unseren Erinnerungen steht noch immer ein kleines Haus am Fluss.