Unsterblichkeit macht dich zum Freiwild: James Islington veröffentlicht seinen ersten Sci-Fi-Roman
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Ewiges Leben mit erhöhtem Berufsrisiko
📰 Was ist los?
James Islington veröffentlicht heute mit Scion seinen ersten Science-Fiction-Roman und startet zugleich eine neue Reihe. In der Cyberpunk-Zukunft können sich extrem Vermögende praktisch unsterblich machen; sogenannte Lifers dürfen deshalb legal gejagt werden. Der 240-seitige Roman erscheint bei Saga Press.
🐛 Was denken wir?
Dass ein erfolgreicher Fantasyautor das Genre wechselt, reicht bereits für eine Meldung. Spannend wird Scion aber durch die Idee dahinter: Unsterblichkeit ist hier kein Wunder, sondern die nächste Eskalationsstufe sozialer Ungleichheit. Wenn Islington seine gewohnt hohe Geschwindigkeit mit diesem gesellschaftlichen Haken verbindet, könnte sein erster Cyberpunk-Ausflug deutlich mehr werden als ein Nebenprojekt zwischen zwei Fantasybänden.
Wer genügend Geld besitzt, kann sich in der Welt von Scion praktisch ewiges Leben kaufen. Das klingt zunächst nach jener Zukunft, für die Milliardäre vermutlich schon heute irgendwo eine Präsentation vorbereiten lassen. Das Problem beginnt dort, wo die übrige Menschheit feststellt, dass unsterbliche Superreiche weiterhin Platz, Energie und Ressourcen verbrauchen. Die gesellschaftliche Lösung fällt erstaunlich pragmatisch aus: Wer zum Lifer wird, darf legal beseitigt werden.

© Saga Press / Simon & Schuster; Hintergrund: Fantasykosmos
Mit dieser ausgesprochen giftigen Idee verlässt James Islington heute erstmals offiziell das Fantasy-Regal. Scion erscheint am 1. September 2026 bei Saga Press und ist laut internationalem Verlag Islingtons erster Science-Fiction-Roman. Seine eigene Seite führt das Buch bereits als Scion: Book I, womit gleichzeitig eine neue Reihe beginnt. Die US-Ausgabe umfasst 240 Seiten; Hardcover und E-Book erscheinen heute parallel.
🌆 Ewiges Leben hat plötzlich ein ziemlich tödliches Kleingedrucktes
Im Zentrum steht ein professioneller Killer, dessen Beruf in dieser Zukunft völlig legal ist. Sobald extrem reiche Menschen jene Technologie nutzen, die ihnen praktisch unbegrenzte Lebenszeit ermöglicht, werden sie zu Lifers – und damit zu legitimen Zielen. Der Protagonist arbeitet genau in diesem Geschäft und betrachtet das Töten entsprechend weniger als moralisches Drama denn als Job mit schlechter Arbeitszeit, unangenehmen Kundenterminen und Rechnungen, die trotzdem bezahlt werden müssen.
Dabei ist er selbst keineswegs gewöhnlich. Bestimmte genetische Modifikationen beziehungsweise Kompatibilitäten machen ihn besonders effizient und verschaffen ihm Fähigkeiten, mit denen er seinen Beruf erheblich besser ausüben kann als ein normaler Mensch. Islington baut damit klassische Cyberpunk-Fragen direkt in die Figur: Körper lassen sich optimieren, Lebenszeit wird zur Ware und Technologie verschärft gesellschaftliche Unterschiede, statt sie auszugleichen.
Das eigentlich Interessante an der Prämisse liegt aber in ihrer Umkehrung. In vielen Dystopien besitzen die Reichen alles, während der Rest der Welt nur zusehen darf. Scion gibt der Gesellschaft zumindest ein brutales Gegengewicht: Wer Unsterblichkeit kauft, setzt sich gleichzeitig auf eine gesetzlich erlaubte Abschussliste. So kann Umverteilung natürlich auch aussehen.
🔫 Der nächste Auftrag passt überhaupt nicht zum Beruf
Der offizielle Klappentext verrät außerdem, dass der nächste Auftrag des Protagonisten ausgerechnet das Gegenteil seiner üblichen Tätigkeit verlangt. Mehr möchte Saga Press zunächst gar nicht offenlegen, macht aber ziemlich deutlich, dass genau dieser Job die vertrauten Regeln des Killers durcheinanderbringen soll.
Das ist vermutlich eine kluge Entscheidung für einen Roman mit nur 240 Seiten. Statt erst hundert Seiten Weltgeschichte aufzubauen, beginnt Scion offenbar direkt mit einer Figur, die ihr System kennt, davon profitiert und plötzlich in eine Situation gerät, für die ihre üblichen Regeln nicht mehr funktionieren.
Auch die ersten offiziellen Verlagsstimmen beschreiben das Buch weniger als breit ausgewalztes Zukunftsepos denn als schnellen Cyberpunk-Thriller. Simon & Schuster zieht den Vergleich zu John Wick und Ghost in the Shell, während Islingtons eigene Seite Blade Runner als Referenz nennt. Der britische Verlag hebt zusätzlich Freiheit, Gerechtigkeit und Identität als zentrale Themen hervor.
⚙️ Islington tauscht Magiesysteme gegen Körpertechnik
Für Leser von The Will of the Many ist der Genrewechsel besonders interessant, weil Islington bisher praktisch vollständig über Fantasy bekannt geworden ist. Seine Licanius Trilogy machte ihn international bekannt, die später gestartete Hierarchy-Reihe brachte ihm noch einmal erheblich größere Aufmerksamkeit. Simon & Schuster bezeichnet ihn inzwischen als Nummer-eins-New-York-Times-Bestsellerautor und nennt weltweit mehr als zwei Millionen verkaufte Bücher sowie Übersetzungen in 17 Sprachen.
Scion ist deshalb keine Science-Fiction-Veröffentlichung eines Autors, der ohnehin ständig zwischen Genres springt. Islington setzt hier tatsächlich einen deutlichen Schnitt und tauscht die großen Fantasywelten seiner bisherigen Romane gegen genetische Eingriffe, künstlich verlängertes Leben, Konzerndystopie und futuristische Gewalt.
Ganz verabschieden muss man sich von seinen bekannten Stärken offenbar trotzdem nicht. Saga Press vermarktet das Buch weiterhin über rasantes Erzählen, große Wendungen und eine moralisch nicht besonders saubere Hauptfigur. Gerade die letzten beiden Punkte dürften Lesern der Hierarchy-Bücher ziemlich vertraut vorkommen.
💰 Wenn Unsterblichkeit zum Klassenproblem wird
Das stärkste Science-Fiction-Motiv steckt aber weniger in Waffen oder genetischen Verbesserungen als im ökonomischen Fundament der Welt. Die Technologie, die Menschen nahezu unsterblich macht, steht nicht allen zur Verfügung. Sie ist ein Privileg der Superreichen – und verschärft damit ein Problem, das bereits ohne ewiges Leben existiert.
Wer viel besitzt, kann in Scion irgendwann sogar die eigene Lebenszeit der normalen Verteilung entziehen. Begrenzte Ressourcen treffen damit auf Menschen, die theoretisch nie Platz für die nächste Generation machen müssen. Die Gesellschaft beantwortet dieses Problem nicht über Steuern oder Regulierung, sondern über legalisierte Gewalt.
Islington muss daraus natürlich noch lange keinen tiefen philosophischen Roman machen. Die offizielle Vermarktung verspricht ausdrücklich Action und Tempo. Aber schon die Ausgangslage besitzt genügend politischen Sprengstoff, um mehr zu tragen als Cyberpunk-Kulissen und futuristische Waffen.
Die Frage lautet schließlich nicht bloß, ob ewiges Leben möglich wäre.
Sondern wer es sich leisten dürfte – und was alle anderen anschließend davon halten.
📚 240 Seiten statt 700-Seiten-Fantasyziegel
Auch formal ist der Wechsel auffällig. Die Saga-Press-Ausgabe umfasst gerade einmal 240 Seiten. Für einen Autor, dessen Fantasyromane deutlich größere Umfänge erreichen können, klingt das fast nach literarischem Handgepäck.
Das passt allerdings zum angekündigten Thrilleransatz. Scion soll offenbar schnell einsteigen, die Welt über die Handlung erklären und sich stärker auf Tempo und unmittelbare Konflikte konzentrieren. Der britische Verlag bezeichnet den Roman explizit als actionreichen Cyberpunk-Stoff über Freiheit, Gerechtigkeit und Identität.
Und danach dürfte ohnehin noch genug Platz für weitere Geschichten bleiben. James Islingtons eigene Website nennt das Buch eindeutig Book I, während internationale Verlagsbeschreibungen von einer neuen Serie sprechen. Wer heute einsteigt, bekommt also vermutlich keine vollständig abgeschlossene einmalige Reise durch diese Zukunft.
🌍 Auf Englisch ist Scion ab heute erhältlich
Die US-Ausgabe erscheint heute bei S&S/Saga Press, während auch Orion die englische Ausgabe für den 1. September führt. Das E-Book ist über deutsche Plattformen ebenfalls verfügbar; eine deutsche Übersetzung ist bislang nicht angekündigt.
Für deutsche Islington-Leser heißt das zunächst also Originalausgabe oder warten. Bei einem Autor, dessen Fantasywerke hierzulande längst ein Publikum besitzen, wäre eine Übersetzung allerdings alles andere als überraschend.
Bis dahin bleibt schon die Ausgangslage bemerkenswert genug. James Islington hätte seinen ersten Ausflug in die Science-Fiction mit Raumschiffen, fremden Planeten und irgendeinem interstellaren Imperium beginnen können.
Stattdessen hat er sich gefragt, was passiert, wenn die Reichen den Tod abschaffen – und der Rest der Welt daraufhin das Töten legalisiert.
Das ist für einen Genrewechsel schon mal eine ziemlich überzeugende Visitenkarte.





