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Isabel Ibañez – Graceless Heart
📚 Kurzfazit
Graceless Heart ist prächtig verpackte Renaissance-Romantasy: eine Bildhauerin mit tödlicher Magie zwischen Florenz, unsterblicher Familie und Krieg um die Medici. Atmosphärisch stark, inhaltlich ein solider Dreier mit deutlichen Schwächen bei Magiesystem, Tempo und Romance.
😒 Was nervt?
Der Roman will zu viel auf einmal: historische Intrige, Kunstmetaphern, Magiesystem, Kriegsplot und Slow-Burn-Romance. Das Pacing eiert, einige große Ideen werden angerissen und nicht sauber zu Ende geführt, und die Liebesgeschichte bedient sehr brav bekannte Muster, statt mutig aus der Reihe zu tanzen.
✨ Was funktioniert?
Setting und Stimmung. Das Florenz der Medici, die Werkstätten, Kirchenräume und Palazzo-Flure wirken lebendig, und die Idee, Skulpturen mit lebenszehrender Magie aufzuladen, ist stark. Ravenna als erschöpfte, wütende, zugleich hochloyale Heldin trägt viele Szenen mühelos alleine.
🧠 Figuren und Welt
Ravenna hat ein klares Profil: schuldbeladen, talentiert, bereit, sich selbst zu opfern. Saturnino ist der erwartbare, elegant-giftige Erbe mit kontrolliertem Innenleben, funktional, aber nur begrenzt überraschend. Die Welt dahinter, mit Luni-Dynastie, Papst und Magie-Verbot, wirkt dicht, doch gerade das Magiesystem bleibt hinter seinem bildstarken Potenzial zurück.
🐦 Crowbah meint
Prunkvolle Altartafel mit reichlich Haarrissen: hübsch anzusehen, aber nicht so tief, wie sie tut. Wer sich an Renaissance-Flair und Kunst-Fantasy sattsehen will, kommt auf seine Kosten. Wer auf ein wirklich originelles Magiekonzept und eine Romance jenseits der üblichen Trope-Kaskade hofft, steht am Ende eher vor einem schönen Rahmen als vor einem Meisterwerk.
🕯️ Isabel Ibañez – Graceless Heart: Kunst, Ketzerei und Kitsch im Florenz der Magie
Renaissance Romantasy mit Farbschnittglanz und ziemlich viel Anspruch: Graceless Heart will historische Intrige, verbotene Magie und Slow Burn in einen einzigen, üppig verzierten Band pressen. Am Ende bleibt ein Buch, das gleichzeitig beeindruckt und frustriert, weil es ständig an der Grenze zum ganz großen Wurf vorbeischrammt.
🧭 Worum geht’s eigentlich?
Graceless Heart spielt 1478 in Volterra und Florenz. Ravenna Maffei ist die älteste Tochter einer Wirtsfamilie und arbeitet nachts heimlich als Bildhauerin. Stein ist ihre Obsession und ihre Zuflucht. In ihr schlummert jedoch eine verbotene Kraft: Magie, die Leben aus Dingen und Menschen zieht, wenn ihre Gefühle aus dem Ruder laufen.
Als ihr Bruder Antonio nach einem dummen, politischen Akt in die Hände der Florentiner fällt und hingerichtet werden soll, bleibt Ravenna nur eine Chance. Sie schmuggelt eine Skulptur in einen Wettbewerb der geheimnisvollen, unsterblichen Familie Luni. Der Sieger erhält eine Gunst, groß genug, um selbst Todesurteile zu kippen.
Ravenna gewinnt, doch der Preis ist vergiftet. Die Luni entführen sie nach Florenz und stellen sie als Hausbildhauerin an. Dort soll sie etwas schaffen, das bisher niemand überlebt hat: aus jungfräulichem Stein fünf Nachtflamme-Edelsteine herausarbeiten, in denen uralte Magie wohnt. Frühere Künstler starben an den Abwehrreaktionen des Steins, nun ist Ravenna die nächste Versuchsanordnung.
Über ihr steht Saturnino dei Luni, ältester Sohn der Familie, brillant, berechnend und alles andere als vertrauenswürdig. Er überwacht jede Bewegung, testet ihre Grenzen und wird doch immer wieder zur einzigen Person, die sie im feindlichen Palazzo nicht völlig unterschätzt.
Parallel dazu spannt sich über Florenz ein größeres Netz. Papst Sixtus IV. führt Krieg gegen die Stadt, gegen die Medici und gegen jede Form von Magie. Ravenna wird zum Spielball zwischen Luni-Macht, vatikanischer Inquisition und den eigenen Schuldgefühlen gegenüber der Familie. Ein falscher Schritt, ein missglückter Schlag mit Hammer und Meißel, und sie verliert nicht nur ihren Bruder, sondern den Kopf, die Seele und eine Stadt.
🔍 Stärken & Schwächen
🖋 Stil
Ibañez schreibt sinnlich und dicht. Der Text ist voller Gerüche, Stoffe, Farben, Speisen, Kirchenräume, Werkstätten, Marktszenen. Man merkt, wie sehr sie Renaissance Italien liebt. Dialoge und innere Monologe bleiben weitgehend schnörkellos, die Beschreibungen der Stadt und der Kunst dagegen schwelgen. Das ist an vielen Stellen wunderschön, gelegentlich aber ein wenig zu verliebt in Vorhänge, Fresken und Stofflagen, während die Handlung geduldig auf die nächste Szene wartet.
🧍♂️ Figuren
Ravenna ist der stärkste Teil des Romans. Sie ist erschöpft, wütend, loyal und zugleich erschreckend bereit, sich selbst zu opfern. Ihre gefährliche Magie, die Leben entzieht, passt gut zu ihrem inneren Konflikt: Darf sie andere verletzen, um die Familie zu retten, die ihr ganzes Leben von ihr genommen hat.
Saturnino ist der klassische, moralisch graue Erbe: höflich wie ein Dolch, maskiert mit kühler Eleganz, voller Geheimnisse. Seine Momente der Verletzlichkeit sitzen, seine Obsession mit Kontrolle ebenfalls, zugleich bleibt er oft näher an der Schablone als an einer echten Person. Die Nebenfiguren reichen von interessanten Skizzen bis zu reinen Stichwortgebern, vor allem innerhalb der Luni Familie und im kirchlichen Umfeld.
Die Liebesgeschichte zwischen Ravenna und Saturnino ist klar auf Enemies to Lovers, Zwangsnähe und gegenseitige Faszination angelegt. Der Roman arbeitet mit all den vertrauten Mitteln: strenge Befehle im Kerzenschein, emotionale Gespräche in Werkstätten, gebrochene Geständnisse im Schatten des Krieges. Die Chemie ist vorhanden, doch die Beziehung schaltet relativ schnell von Misstrauen auf hohe Emotionalität, ohne dass jeder Zwischenstep erzählt wird. An manchen Stellen wirkt die Romance eher wie ein Pflichtprogramm für das Genre als wie die organisch gewachsene Konsequenz aus Figuren und Plot.
🕒 Tempo und Aufbau
Die Liebesgeschichte zwischen Ravenna und Saturnino ist klar auf Enemies to Lovers, Zwangsnähe und gegenseitige Faszination angelegt. Der Roman arbeitet mit all den vertrauten Mitteln: strenge Befehle im Kerzenschein, emotionale Gespräche in Werkstätten, gebrochene Geständnisse im Schatten des Krieges. Die Chemie ist vorhanden, doch die Beziehung schaltet relativ schnell von Misstrauen auf hohe Emotionalität, ohne dass jeder Zwischenstep erzählt wird. An manchen Stellen wirkt die Romance eher wie ein Pflichtprogramm für das Genre als wie die organisch gewachsene Konsequenz aus Figuren und Plot.
✨ Atmosphäre und Welt
Hier spielt Graceless Heart in der Oberliga. Florenz wirkt wie eine lebendige Figur. Kirchen, Palazzi, Gassen, Werkstätten, Feste, die Präsenz der Medici, die Drohkulisse des Papstes: alles ist sorgfältig recherchiert und mit eigenem magischen Anstrich versehen. Kunst wird nicht nur beschrieben, sondern als Machtinstrument genutzt. Skulpturen sind Verträge, Steine werden zu Trägern von Magie und Erinnerung.
Die Verknüpfung von historischer Realität und Fantasy funktioniert erstaunlich gut: echte Konflikte, erfundene unsterbliche Familie, Papstjagd auf Hexerei, dazu ein Magieverbot, das eher politisch motiviert als dogmatisch wirkt. Nur das Magiesystem selbst hat Lücken. Die Nachtflamme-Steine und die lebenszehrende Kraft in Ravenna sind starke Bilder, bleiben jedoch in der Funktionslogik vage. Mehr klare Regeln hätten dem Finale mehr Gewicht gegeben.
📜 Fazit:
Graceless Heart ist wie eine prächtig vergoldete Altartafel. Aus der Ferne beeindruckend, aus der Nähe sieht man, wo die Farbe zu dick aufgetragen ist und wo Details nur angedeutet wurden.
Als historische Romantasy über Kunst, Macht und verbotene Magie ist der Roman stark. Die Schauplätze sind lebendig, Ravenna ist eine erinnerbare Heldin, und die Idee, eine Bildhauerin mit lebenszehrender Magie gegen unsterbliche Auftraggeber und einen kriegführenden Papst antreten zu lassen, trägt weit.
Schwächer ist das Buch dort, wo es zu viel will. Die Romance setzt stark auf bekannte Muster, das Magiesystem bleibt hinter seinen Bildern zurück, und die Dramaturgie wirkt uneinheitlich. Vieles fühlt sich an wie ein ausufernder Einzelband, der dringend entweder ein paar Seiten mehr oder ein paar Ideen weniger gebraucht hätte.
Unterm Strich bleibt ein stabiler Dreier: ein Buch, das seine Leser mit kunstreicher Atmosphäre belohnt und in seinen besten Momenten glänzt, das aber immer wieder daran erinnert, wie großartig es hätte sein können, wenn Text und Konzept genauso präzise gearbeitet wären wie die Skulpturen seiner Heldin.
🌟 Bewertung
Varanthis-Skala: ★★★☆☆
„Renaissance Romantasy mit großem Herzen und wackligem Gerüst: schön zu betrachten, nicht ganz so schön zu durchdenken.“

Autorin: Isabel Ibañez
Titel: Graceless Heart
Verlag: Hodderscape (Hodder & Stoughton)
Übersetzung: Englische Originalausgabe
Seitenanzahl: 496 (Gebundene Ausgabe)
Erstveröffentlichung: 2026
ISBN: 978-1399742689
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