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Gianni Infantino hat offenbar eine neue Einnahmequelle entdeckt: den Fußball überhaupt und die WM natürlich weiterhin. Berichten zufolge plant der Fifa-Präsident, 20 bis 30 Prozent der kommerziellen Rechte an Männer-WM, Frauen-WM und Klub-WM an private Investoren zu verkaufen. Dafür soll eine eigene Gesellschaft gegründet werden, in die mehrere Milliarden Dollar fließen könnten. Die Fifa behielte die Mehrheit, Infantino nach seiner Amtszeit womöglich einen hübschen Geschäftsführerposten. Und logisch: Irgendwer aus dem Trump-Stall mischt auch wieder mit.
Natürlich ist das im Prinzip ein beruhigendes Modell. Auch ein Metzger behält schließlich zunächst mal die Mehrheit am Rind, während er es stückweise verkauft. Die UEFA reagierte empört und erklärte, die Seele des Fußballs sei keine Handelsware. Offenbar hat dort noch niemand moderne Finanzprodukte verstanden. Eine Seele lässt sich ausgezeichnet verbriefen, in einen Fonds packen und an internationale Investoren weiterreichen. Man muss ihr nur eine Renditeprognose geben und verhindern, dass jemand genauer hinsieht.

🏦 Die WM wird zur Kapitalanlage
Bislang war eine Weltmeisterschaft ein Turnier, bei dem Nationalmannschaften gegeneinander spielten und die Fifa unterwegs alles zu Geld machte, was sich festschrauben ließ. Künftig könnten Anleger direkt beteiligt werden. Wer genug investiert, besitzt vielleicht 0,004 Prozent eines Achtelfinals, ein Stück Nachspielzeit oder die kommerziellen Rechte an der linken Wade eines mittelmäßigen Außenverteidigers.
Aus dem Umfeld der US-Regierung sollen ebenfalls Personen an den Gesprächen beteiligt sein. Eine Investmentgesellschaft namens Thrive Eternal wird als möglicher Interessent genannt. Das passt hervorragend. Ein Unternehmen, dessen Name ungefähr „Gedeihe für immer“ bedeutet, verhandelt mit einem Verband, der seine Turniere so lange vergrößern möchte, bis selbst die Qualifikation eine eigene Gruppenphase benötigt.
Nach Informationen des Arkanen Moosverhetzers hat inzwischen auch die Vierstrom-Wechselkammer von Varanthis ein Angebot eingereicht. Gemeinsam mit dem Goblinkönigreich Muränien und mehreren Koboldfonds aus Knatterstedt will sie 23 Prozent der WM erwerben. Im Paket enthalten wären drei Gruppenspiele, die komplette emotionale Verwertung des Elfmeterschießens und das Recht, jeden Schiedsrichterpfiff in eine handelbare Schuldverschreibung umzuwandeln.
Der geplante Fonds trägt den Namen Globaler Ballbesitz ohne Haftung. Die Rendite gilt als sicher. Gespielt wird schließlich immer, bezahlt sowieso und verantwortlich ist am Ende traditionell ohnehin niemand.
📈 Mehr Teilnehmer, mehr Spiele, mehr Menschen mit Zugangsbändchen
Private Investoren erwarten Wachstum. Eine WM mit festem Rhythmus und begrenzter Teilnehmerzahl ist für Kapitalmärkte ungefähr so reizvoll wie ein Restaurant, das seinen Gästen irgendwann sagt, sie seien satt. Infantino dürfte deshalb bald weitere Mannschaften einladen. Bei 64 Teilnehmern reicht es für Milliardenumsätze. Bei 96 Mannschaften kann jedes Land mit Flughafen mitspielen. Ab 128 Teams qualifiziert sich automatisch, wer elf gültige Reisepässe und ein Trikot mitbringt.
Auch der Turnierrhythmus lässt sich optimieren. Statt alle vier Jahre könnte die WM zunächst alle zwei Jahre stattfinden, später jährlich und schließlich parallel zu sich selbst. Im Knattermoor hat man dieses Modell bereits getestet. Dort läuft seit 311 Jahren ununterbrochen die Große Koboldmeisterschaft, obwohl niemand mehr weiß, welches Spiel gerade stattfindet. Eintrittskarten werden trotzdem verkauft.
🧾 Das will Infantino als Nächstes zu Geld machen
Der Anstoß wird versteigert
Vor jedem Spiel bieten Unternehmen live um den ersten Ballkontakt. Der Gewinner darf bestimmen, welche Mannschaft anstößt und ob der Ball vorher eine 20-sekündige Produktbotschaft verliest. Bleiben die Gebote unter den Erwartungen, beginnt die Partie in der 17. Minute. Die ersten 16 Minuten gelten als werbefreundliche Vorbereitungsphase.
Torjubel gibt es nur noch im Abonnement
Im kostenlosen Basistarif darf ein Torschütze kurz lächeln und einem Mitspieler zunicken. Kniejubel, Saltos und der gemeinsame Sprint zur Eckfahne gehören zum Jubel-Plus-Paket. Für 14,99 Dollar im Monat schaltet die Fifa zusätzlich Tränen, spontane Rudelbildung und das Zeigen eines Unterhemdes frei. Kündbar ist das Angebot erstmals nach der nächsten Klub-WM.
Nachspielzeit wird per Mikrotransaktion verlängert
Liegt die eigene Mannschaft knapp zurück, können Zuschauer zusätzliche Minuten erwerben. Zehn Sekunden kosten 99 Cent, eine vollständige Torchance 4,99 Dollar. Bei besonders zahlungskräftigen Fanlagern läuft das Spiel weiter, bis das gewünschte Ergebnis erreicht ist oder der Schiedsrichter altersbedingt ausgetauscht werden muss. Muränische Buchmacher haben bereits Expansion Packs für bis zu drei Tage kalkuliert.
Der Videobeweis bekommt eine Schnellspur
Normale Mannschaften warten wie bisher mehrere Minuten auf eine Entscheidung, während verschwitzte Männer mit Kopfhörern geometrische Linien über fremde Achselhöhlen legen. Premiumklubs erhalten das Ergebnis bereits vor der Szene. Im teuersten Tarif bestimmt der Investor, welcher Körperteil im Abseits stand. Die Koboldrepublik Knattermoor möchte die Abseitslinie künftig zentimeterweise vermieten. Besonders wertvoll sind die Bereiche unmittelbar vor den Schuhspitzen englischer Stürmer.
Nationalhymnen werden werbefinanziert
Vor dem Spiel läuft zunächst eine kurze Anzeige. Länder, die ihre Hymne ohne Unterbrechung hören möchten, können das werbefreie Vaterlandspaket buchen. Bei schwächerer Finanzierung wird nach der ersten Strophe abgebrochen und direkt zu einem Wettanbieter geschaltet. Kleinstaaten dürfen ihre Hymne gegen Aufpreis mit einem Trompetensolo oder künstlichem Publikumsjubel aufwerten. Im Herzogtum Mumpfingen hat ein Wurzelmöbelhaus bereits die Rechte an sämtlichen patriotischen Gefühlen zwischen 18 und 22 Uhr erworben.
Die Torpfosten gehen an einen Immobilienfonds
Ein internationaler Investor kauft sämtliche Tore, vermietet sie an die Fifa zurück und verlangt für jeden Lattentreffer eine Nutzungsgebühr. Die Netze werden separat privatisiert. Vereine können zwischen dem Standardmodell, einem blickdichten Premiumgewebe und einem günstigen Tarif wählen, bei dem jeder dritte Ball durch ein Loch ins Publikum fliegt. Die Fifa nennt das nachhaltige Netzfinanzierung.
Spieler erhalten handelbare Körperanteile
Anleger können künftig Beteiligungen an Beinen, Köpfen und Restlaufzeiten erwerben. Ein Fonds besitzt dann 12 Prozent von Kylian Mbappés rechtem Fuß, während ein anderer Anspruch auf jede fünfte Flanke aus dem Halbfeld hält. Sinkt die Form eines Spielers, wird er in kleinere Pakete zerlegt und als Nachwuchsanleihe weiterverkauft. Der Handel mit Torhüterhänden bleibt vorerst ausgesetzt. Mehrere Exemplare befinden sich noch in der Bilanz von Manchester United.
🐉 Die Zwischenreiche bestellen schon das Komplettpaket
Das Goblinkönigreich Muränien hat besonderes Interesse am Finale angemeldet. Königliche Finanzberater möchten den Siegerpokal künftig als Pfand hinterlegen und nach jedem Turnier an den Höchstbietenden verleihen. Die Koboldrepublik Knattermoor plant derweil eine Börse für ungepfiffene Fouls. Investoren kaufen frühzeitig Ansprüche auf mögliche Fehlentscheidungen und kassieren, sobald ein Schiedsrichter die Kontrolle verliert.
Auch Drachen sind eingestiegen. Der Schuppenfürst Krallifax soll bereit sein, die gesamte Klub-WM zu erwerben, sofern sämtliche Preisgelder direkt in seinen Hort fließen und Mannschaften bei verspäteter Anreise als Beute gelten. Infantino dürfte begeistert sein. Ein Drache, der auf Gold sitzt und jedes Jahr mehr verlangt, erfüllt das Fifa-Anforderungsprofil nahezu vollständig.
⚽ Der Fußball gehört bald wirklich niemandem
Die UEFA behauptet, niemand sei Eigentümer des Fußballs. Noch stimmt das. Nach erfolgreichem Abschluss des Geschäfts gehört er allerdings zu 27 Prozent einer Investmentgesellschaft, zu 11 Prozent mehreren Staatsfonds, zu 4 Prozent dem Goblinkönig von Muränien und zu einem nicht näher bezifferten Anteil einer Briefkastenfirma, deren Anschrift zufällig in einem Schließfach von Knatterstedt endet.
Die Fans dürfen weiterhin zuschauen. Wahrscheinlich zumindest. Infantino wird währenddessen erklären, der Deal sichere die Zukunft des Fußballs und bringe das Spiel zu noch mehr Menschen. Das könnte sogar stimmen. Vor allem zu Menschen in Konferenzräumen, die bislang keine Ahnung von Abseits hatten, aber sehr genau wissen, wie man aus einem Kulturgut eine wiederkehrende Einnahme macht.
Die Seele des Fußballs bleibt selbstverständlich unangetastet. Sie wurde lediglich ausgelagert, bewertet und als Sicherheit für den nächsten Milliardenkredit hinterlegt.





