🔍 Suche im Fantasykosmos
Spüre verborgene Pfade auf, entdecke neue Werke oder durchstöbere das Archiv uralter Artikel. Ein Wort genügt – und der Kosmos öffnet sich.

In A House Of Heartbeats – Divination Of Dreams
🧿 Kurzfazit
Divination Of Dreams ist eine lange, instrumentale Traumsequenz zwischen Post-Rock und Post-Metal, die eher Räume als Songs baut. Wer sich darauf einlässt, bekommt einen der spannendsten Newcomer-Einträge des Jahres.
🎯 Für wen?
Für Hörer, die God Is An Astronaut, Russian Circles oder Cult Of Luna mögen, aber gern ohne Gesang und mit mehr cineastischer Stimmung unterwegs sind. Ideal für Leute, die bei „Soundtrack für euphorische Albträume“ nicht lachen, sondern neugierig werden.
🎧 Wie klingt das?
Schwere Post-Metal-Riffs, verhangene Shoegaze-Gitarren, Doom-Schwere im Unterbau, dazwischen verträumte Post-Rock-Aufschwünge und noisige Aussetzer. Die Produktion (Mastering durch Magnus Lindberg) lässt das alles organisch atmen, bleibt aber bewusst rau genug, damit nichts in Wohlklang absäuft.
💿 Highlights
In A Perpetual State Of Wonder, A Head Full Of Ghosts, …Perchance To Dream
⚠️ Nichts für dich, wenn…
du auf klare Refrains, Mitsinghooks und drei Minuten Songlänge programmiert bist oder Instrumentalmusik ohne Gesang kategorisch langweilig findest.
😱 In A House Of Heartbeats – Divination Of Dreams: Post Rock für Fortgeschrittene, Albtraum-Edition
In A House Of Heartbeats sind kein post-rockiger Hintergundteppich, den man nebenbei laufen lässt. Das Trio aus Essex versteht Divination Of Dreams als durchgehende Traumlogik, nicht als Sammlung einzelner Stücke. Die sieben Tracks funktionieren wie Kapitel einer Nacht, in der man zwischen Euphorie, Panik und dieser seltsamen Halbschwere hängt, in der man beim Aufwachen nicht sicher ist, ob das alles gut oder schlecht war. Dass das Ganze rein instrumental passiert, macht die Sache nicht einfacher, aber deutlich interessanter.
🎧 Was erwartet dich?
- Genre(s): Instrumentaler Post-Rock, Post-Metal, Doom-Einsprengsel, Goth- und Shoegaze-Schattierungen
- Vergleichbar mit: Russian Circles in cineastisch, frühe Pelican mit mehr Träumen, etwas Cult Of Luna mit Bauchgefühl, aber ohne apokalyptisches Pathos
- Klangfarbe: Langgezogene Spannungsbögen statt klassischer Songstruktur, Gitarren, die von fragilem Flirren zu massiven Riffwänden anschwellen, tief grollender Bass und Drums, die zwischen tribalem Puls, doomigem Schleppen und fast mathrockiger Nervosität wechseln. Darüber gelegentlich High-Frequency-Sounds, Samples und Noise-Schleier, die das Ganze eher wie einen Film ohne Bilder wirken lassen und weniger wie ein Album im klassischen Sinn.
✨ Highlights
In A Perpetual State Of Wonder
Elf Minuten Auftakt und gleich ein Statement. Das Stück beginnt mit leichtem Rauschen, tastet sich mit Drone und Gitarrenflächen vor, bis eine massive Post-Metal-Wand den Raum übernimmt. Danach zieht sich der Track wieder zurück, baut neue Schichten auf, bricht sie ab und schafft so einen Zyklus aus Staunen, Überforderung und Kurzruhe, der dem Titel ziemlich gerecht wird.
A Head Full Of Ghosts
Der vielleicht irritierendste Song des Albums. Ein Groove, der fast tanzbar wirkt, schält sich aus Leerstellen, kurzen Gitarrenfiguren und nervösem Puls heraus. Dann kippt das Ganze in etwas, das zwischen Shoegaze-Trance und Doom-Schwere pendelt, zwischendurch tauchen mathrockige Verschiebungen auf. Es fühlt sich an wie ein Traum, in dem die Kulisse ständig wechselt, die Stimmung aber seltsam konstant beklemmend bleibt.
…Perchance To Dream
Der Schlusspunkt ist eher epilogartige Nachbearbeitung als Finale. Zu Beginn hört man Menschen über Träume sprechen, Fragmente von Erinnerungen, die im Raum hängen, bevor sich langsam Gitarren und Drums darunterlegen. Nichts wird überstürzt, die Steigerung passiert in winzigen Schritten. Am Ende steht kein Explosionseffekt, sondern ein offenes, leicht desorientierendes Ausblenden, das genau den Nachgeschmack hinterlässt, den der Albumtitel verspricht.
🎨 Artwork
Böse B-Movies nach Mitternacht: Das Cover von Divination Of Dreams sieht aus wie ein Poster für einen nie gedrehten 70er-Jahre-Albtraumfilm: Körnige Schwarz-Weiß-Optik, oben ein Paar weit aufgerissener Augen, deren Besitzer offenbar den Vorhang zur Traumwelt mit beiden Händen auseinanderzieht. Dahinter flutet eine blutrote Fläche ins Bild, aus der sich ein schiefes Spukhaus erhebt – verwinkelte Dächer, schmale Fenster, davor eine fahle Vollmondscheibe, die mehr belichtet als beruhigt. Die Typografie wirkt bewusst krakelig und halb verwaschen, als hätte jemand den Filmtitel zu oft überklebt. Das Ganze schreit weniger „Post Rock“ als „okkulter B-Movie im Nachtprogramm“ und passt damit perfekt zu einem Album, das seine Klangreisen wie surreale Horror-Sequenzen aufzieht.
🪦 Besondere Momente
Die Band verzichtet komplett auf Gesang, trotzdem hat man nie das Gefühl, dass etwas fehlt. Die Gitarren übernehmen die Rolle einer Hauptstimme, während Drums und Bass eher wie Drehbuch und Kamera agieren.
Die Laut-Leise-Dramaturgie ist erstaunlich konsequent. Statt typischer Post-Rock-Aufbau-und-Explosion-Schablonen bekommt man mehrfach Situationen, in denen ein Höhepunkt bewusst abgewürgt wird, nur damit der nächste umso unangenehmer unter die Haut fährt.
Die kleine Horror-Kante macht viel aus. Titel wie Parasomniac oder A Head Full Of Ghosts sind kein oberflächlicher Gimmick, sondern spiegeln sich in den schiefen Akkorden, den Noise-Schleiern und den leicht verstimmten Momenten, die immer wieder durch die schönere Oberfläche hindurchschaben.
Magnus Lindbergs Mastering gibt dem Album eine gewisse Schwere und Klarheit gleichzeitig. Die lauten Passagen drücken ordentlich, trotzdem bleiben Details wie Delay-Fahnen, Hallräume oder leise Nebengeräusche gut hörbar.
🪓 Fazit
In A House Of Heartbeats gibt es erst seit 2022 und sie stammen aus der Szene rund um Essex. Von Anfang an stand die Idee im Mittelpunkt, instrumentale „Klangreisen“ zu bauen, die sich eher an Arthouse-Filmen, Traumprotokollen und düsteren Mythen orientieren als an klassischen Rock-Songstrukturen.
Nach ersten Singles wie Cambion hat sich das Trio mit dem schottischen Label Ripcord Records verbündet, das auf Post-Rock und Post-Metal spezialisiert ist. Divination Of Dreams ist der Debüt-Longplayer und wirkt entsprechend ambitioniert: sieben vergleichsweise lange Stücke, ein klarer thematischer Rahmen rund um Träume, Schlaf und Bewusstsein und ein Sound, der zwischen Genres hin und her spaziert, ohne sich anbiedern zu wollen.
Divination Of Dreams ist kein Album, das man nebenbei konsumiert. Es verlangt Zeit, Aufmerksamkeit und ein Mindestmaß an Bereitschaft, sich von klassischen „Song oder nicht Song“ Kategorien zu verabschieden. Dafür liefert es eine erstaunlich kohärente Mischung aus Post-Rock, Post-Metal und düsterem Shoegaze, die mehr erzählt, als viele Konzeptalben mit Text schaffen.
Wer mit instrumentaler Gitarrenmusik ohnehin fremdelt, wird hier vermutlich nicht bekehrt. Wer aber Lust auf eine dichte, fordernde Traumreise hat, findet in In A House Of Heartbeats einen neuen Namen, den man sich unbedingt merken sollte.

| Künstler: | In A House Of Heartbeats |
| Albumtitel: | Divination Of Dreams |
| Erscheinungsdatum: | 16. Januar 2026 |
| Genre: | Instrumentaler Post-Rock / Post-Metal mit Doom-, Goth- und Shoegaze-Einflüssen |
| Label: | Ripcord Records |
| Spielzeit: | ca. 55 Minuten |
In A Perpetual State Of Wonder
Cambion
Parasomniac
Oneiromancy For Beginners
A Head Full Of Ghosts
Drift Into Sleep…
…Perchance To Dream
🎬 Offizielles Video
Offizielles Musikvideo zu „Oneiromancy For Beginners“ – eine düster-surreal flackernde Traumsequenz aus dem Debütalbum Divination Of Dreams. Bereitgestellt vom offiziellen In A House Of Heartbeats-Channel auf YouTube:
Mehr Album-Reviews für dich?
Dieses Review war für dich cool und du würdest gerne mehr lesen? Reviews aus sämtlichen Spielarten der Fantasy Musik findest du auf unserer Fantasy Alben Seite.



