Hunter’s Moon macht Menschen zum Monster: Folk Horror im England des 17. Jahrhunderts
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Eine Nacht gegen das ganze Dorf
📰 Was ist los?
Hunter’s Moon erscheint am 26. Oktober exklusiv für PS5. Lilith Thorne wird im England des 17. Jahrhunderts der Hexerei beschuldigt und muss während einer einzigen Nacht vor ihren Verfolgern fliehen. Gespräche an Fenstern liefern Hinweise und können über ihr Überleben entscheiden.
🐛 Was denken wir?
Der Ansatz ist stark, weil das Spiel den Folk Horror bewusst aus dem Übernatürlichen herauszieht. Wenn die Menschen selbst zur größten Bedrohung werden, kann das wesentlich unangenehmer wirken als der nächste Waldgeist.
Folk Horror liebt normalerweise dunkle Wälder, alte Rituale, maskierte Dorfbewohner und mindestens ein Wesen, von dem irgendwann behauptet wird, es sei schon hier gewesen, bevor jemand anfing, Kirchen zu bauen. Hunter’s Moon nimmt fast all diese Zutaten – und verzichtet ausgerechnet auf die bequemste Erklärung. Denn vielleicht gibt es hier gar keine Hexe.
Twin Swans hat heute Hunter’s Moon angekündigt, ein historisches First-Person-Folk-Horror-Spiel, das am 26. Oktober 2026 exklusiv für PlayStation 5 erscheint. Gespielt wird Lilith Thorne, eine Frau, die in einem englischen Dorf des 17. Jahrhunderts der Hexerei beschuldigt wird und während einer einzigen Nacht versucht, ihren Verfolgern zu entkommen. Der Witchfinder General, der Dorfrichter und ein örtlicher Jäger sind ihr auf den Fersen. Magie braucht es dafür zunächst erstaunlich wenig.
🌕 Eine einzige Nacht reicht für sehr viel Angst
Die gesamte Handlung spielt während einer einzigen schicksalhaften Nacht. Lilith flieht durch Dorf, Wälder und Moore, während überall Menschen leben, die über sie reden, urteilen oder bereits entschieden haben, was sie angeblich ist.
Das Spiel setzt dabei stark auf Schleichen und Beobachtung. Statt ständig Waffen zu verteilen, verlangt Hunter’s Moon vor allem Vorsicht. Wer gesehen wird, riskiert die Gefangennahme. Wer zuhört, bekommt dagegen möglicherweise genau die Information, die das Überleben ein paar Minuten länger sichert.
Das klingt nach einer ziemlich wirkungsvollen Umkehrung des üblichen Horrorprinzips. In vielen Spielen ist das Monster irgendwo draußen. Hier könnte es praktisch hinter jedem beleuchteten Fenster sitzen und gerade über dich reden.
🎬 Hunter’s Moon jagt Lilith durch eine einzige Nacht
Der offizielle Announcement Trailer zu Hunter’s Moon zeigt das englische Dorf, Liliths Flucht vor den Hexenjägern und die düstere Folk-Horror-Atmosphäre, in der Zuhören manchmal wichtiger ist als Kämpfen.
👂 Lauschen wird zur wichtigsten Fähigkeit
Die ungewöhnlichste Mechanik ist das Belauschen von Gesprächen. Twin Swans beschreibt sie ausdrücklich als vom Immersive Theatre inspiriert. Lilith kann an Fenstern und Häusern zuhören und daraus Hinweise gewinnen: Warnungen vor Verfolgern, Ratschläge, geweihte Gegenstände oder sogar Volkslieder.
Mehr als 100 vollständig vertonte Figuren sollen das Dorf dadurch tatsächlich wie einen sozialen Raum wirken lassen. Menschen führen Gespräche, besitzen eigene Sorgen und reagieren auf Krieg, Armut und Gerüchte. Das Dorf ist damit keine Ansammlung austauschbarer NPCs, sondern Teil des Horrorsystems.
Gerade das könnte enorm spannend werden. Wenn Informationen nicht in Questmarkern liegen, sondern in Gesprächen, verändert sich auch die Art, wie man durch die Welt geht. Plötzlich wird jede halb offene Tür interessant. Und vermutlich auch jede, die sich gerade schließt.
🕯️ Matthew Hopkins liefert den historischen Schatten
Das Spiel lehnt sich bewusst an die reale englische Hexenverfolgung an. Der PlayStation Blog nennt ausdrücklich Matthew Hopkins, der sich im 17. Jahrhundert selbst als „Witchfinder General“ bezeichnete und 1647 The Discovery of Witches veröffentlichte. Zusammen mit John Stearne war er für zahlreiche Hexereiverfahren verantwortlich.
Diese historische Grundlage ist für Hunter’s Moon entscheidend. Twin Swans will keine Geschichte erzählen, in der sich am Ende herausstellt, dass die Beschuldigten eben doch magische Kräfte hatten und die Dorfbewohner deshalb irgendwie recht behielten.
Im Gegenteil: Writer-Director Alicia Contestabile formuliert den Ansatz ziemlich klar. Das Spiel fragt, ob das wirklich Beängstigende nicht übernatürliche Wesen sind, sondern Menschen, die aus Angst und Überzeugung Gewalt legitimieren.
Das ist für Folk Horror fast schon die radikalere Variante. Denn gegen einen Dämon kann man wenigstens hoffen, irgendwo eine Silberkugel zu finden. Gegen Nachbarn mit absoluter Gewissheit hilft das deutlich seltener.
🎭 Handgemachte Welt statt historischer Fototapete
Optisch setzt Hunter’s Moon auf einen stark stilisierten, handgefertigten Look. Gleichzeitig soll das Dorf historisch glaubwürdig bleiben. Der Entwickler spricht von einer Verbindung aus historischem Realismus und bewusst kunstvoller Gestaltung.

Hinter Twin Swans stehen Leute mit Erfahrung bei sehr unterschiedlichen Spielen. Genannt werden The Stanley Parable: Ultra Deluxe, The Dark Pictures Anthology: Little Hope, The Witcher 3: Wild Hunt und Signalis. Dazu kommt Komponistin Jessica Curry aus dem Umfeld von Everybody’s Gone to the Rapture.
Diese Mischung passt erstaunlich gut zum Konzept: erzählerische Experimente, Horror, historische Weltgestaltung und Atmosphäre. Wenn das funktioniert, könnte Hunter’s Moon gerade deshalb hängen bleiben, weil es seine Hexenverfolgung nicht als dekorativen Gruselurlaub behandelt.
🔥 Der 26. Oktober ist kein zufälliger Termin
Auch das Veröffentlichungsdatum ist Teil der Inszenierung. Hunter’s Moon erscheint in Europa am 26. Oktober, der Nacht des sogenannten Hunter’s Moon. In Nordamerika liegt der Termin aufgrund der Zeitzonen bereits am 25. Oktober.
Damit landet das Spiel nur wenige Tage vor Halloween – allerdings mit einem deutlich weniger gemütlichen Horroransatz als Kürbisse und Geisterbahn.
Lilith muss lediglich eine Nacht überleben. Das Dorf hat offenbar vor, sie sehr lang werden zu lassen.




