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🚗 B75 bei Delmenhorst: Polizei stoppt Hochzeitskorso. Neuer Führerschein fürs Balzritual nötig?
Es gibt Menschen, die heiraten. Und es gibt Menschen, die daraus vorübergehend eine feindliche Übernahme des öffentlichen Straßenraums ableiten.
Auf der B75 zwischen Bremen und Delmenhorst war am Samstag offenbar die zweite Gruppe unterwegs. Acht Fahrzeuge sollen absichtlich stark gebremst, den Verkehr ausgebremst und Pyrotechnik aus fahrenden Autos auf die Straße geworfen haben. Die Polizei stoppte den Hochzeitskorso, kontrollierte 18 Personen und leitete sieben Strafverfahren ein.
Damit endete die Fahrt zwar nicht wie geplant am Festsaal, dafür aber im Standesamt für Verkehrsgefährdung, Nötigung und Sprengstoffrecht.
Auch romantisch. Nur eben anders.

👑 Mit dem Ja-Wort erlischt die Straßenverkehrsordnung
Das Grundproblem solcher Korsos ist nicht die Hochzeit. Menschen dürfen heiraten, hupen, feiern, Blumen an Autos kleben und einen erwachsenen Mann in einem weißen Anzug aus dem Schiebedach ragen lassen, als werde er gerade zum Regionalfürsten von Stuhr gekrönt.
Schwierig wird es erst, wenn acht Autofahrer glauben, die Eheschließung zweier Bekannter habe ihnen für drei Stunden die hoheitliche Gewalt über eine Bundesstraße übertragen.
Dann wird nicht mehr gefahren. Dann wird residiert.
Der linke Fahrstreifen wird zum Ehrenspalier, die Rettungsgasse zum Empfangsbereich und jeder unbeteiligte Pendler automatisch zum Untertanen, der gefälligst respektvoll hinter dem Hofstaat zu rollen hat.
Wer überholen möchte, beleidigt die Dynastie. Wer hupt, begeht Majestätsbeleidigung. Wer nicht begeistert winkt, wird beim anschließenden Familiengericht wegen mangelnder Lebensfreude vorgeladen.
🎆 Delmenhorst wurde erfolgreich befreit
Besonders unverzichtbar war offenbar das Feuerwerk. Denn eine Hochzeit gilt heute erst dann als rechtskräftig, wenn mindestens ein pyrotechnischer Gegenstand aus einem fahrenden Auto fällt und ein völlig unbeteiligter Familienvater kurz glaubt, die B75 werde von friesischen Separatisten angegriffen.
Wozu Feuerwerk auf einem Festplatz zünden, wo es niemanden gefährdet? Dort fehlt schließlich das Entscheidende: überraschte Verkehrsteilnehmer, abrupte Bremsmanöver und die erhebende Gewissheit, dass der eigene große Tag auch für alle anderen unvergesslich geworden ist.
Nach Erkenntnissen des Arkanen Moosverhetzers handelte es sich um die uralte Leitplankenweihe von Knattermoor. Dabei werfen Angehörige des Brautpaars brennende Gegenstände auf wichtige Verkehrswege, um Dämonen, Geschwindigkeitsbegrenzungen und unnötige Rücksichtnahme fernzuhalten.
Der Brauch endet traditionell, sobald die Polizei erscheint oder der erste Onkel fragt, wer eigentlich die Raketen bezahlt.
🧌 Der Brautkorso des Grafen von Rücksichtslos
In den Zwischenreichen ist das Verfahren seit Jahrhunderten bekannt.
Dort darf jedes frisch vermählte Paar für genau elf Minuten ein eigenes Fürstentum ausrufen. Der Hochzeitswagen wird zum Regierungssitz, der Trauzeuge zum Innenminister und der Cousin mit der lautesten Hupe automatisch zum Beauftragten für auswärtige Zumutungen. Dieses Recht ist allerdings an eine Bedingung geknüpft: Das Fürstentum muss auf das Gelände der Feier passen.
Wer versucht, eine öffentliche Heerstraße zu annektieren, bekommt Besuch vom Ritterlichen Amt für übersteigerte Wichtigkeit. Dessen Beamte erscheinen auf gepanzerten Sumpfschweinen, beschlagnahmen die Kutsche und erklären dem Bräutigam, dass seine Eheschließung zwar für ihn bedeutsam sein mag, aber keine Neuordnung der europäischen Verkehrswege erforderlich macht.
Wiederholungstäter müssen einen Monat lang hinter einem sehr langsamen Heuwagen fahren.
Ohne Überholmöglichkeit. Ohne Musik. Mit einem Dudelsackspieler auf dem Rücksitz.
Selbst in Goblinkönigreich Muränien gilt das als harte Bestrafung.
💍 Das neue Hochzeitsrecht
Der Vorfall zeigt, dass Deutschland dringend ein eigenes Gesetz für motorisierte Paarungsrituale benötigt. Darin sollte festgehalten werden, dass ein Ehering weder Blaulicht noch Wegerecht erzeugt. Ein geschmückter, tiefergelegter Mercedes mit Sportauspuff bleibt eben auch nur ein Auto. Ein Blumenstrauß auf der Motorhaube verwandelt die B75 nicht in einen roten Teppich. Und ein Cousin, der halb aus dem Fenster hängt, wird nicht dadurch zum Zeremonienmeister, dass er gleichzeitig eine Rakete und sein Telefon hält.
Der Moosverhetzer schlägt außerdem eine einfache technische Lösung vor:
Jeder Hochzeitswagen erhält künftig einen Sensor. Sobald der Fahrer absichtlich auf freier Strecke abbremst, spielt die Musikanlage automatisch für 30 Minuten ein nüchternes Hörbuch über die Straßenverkehrsordnung.
Bei Pyrotechnik wird zusätzlich die Klimaanlage auf „norddeutscher November“ gestellt.
Beim dritten Verstoß öffnet sich der Kofferraum und ein Goblinbeamter steigt heraus, der sämtliche Beteiligten einzeln nach dem Sinn ihres Handelns fragt.
Die Feier wäre innerhalb von Minuten beendet.
🚓 Sieben Verfahren, aber wenigstens kostenloses Konfetti
Die Polizei leitete unter anderem Verfahren wegen Straßenverkehrsgefährdung, Nötigung und Verstößen gegen das Sprengstoffgesetz ein.
Das ist fast schon ein kleines Hochzeitsmenü:
Als Vorspeise Nötigung, anschließend gefährlicher Eingriff in den Verkehr und zum Dessert ein möglicher Verstoß gegen das Sprengstoffrecht. Serviert mit Konfetti auf Asphalt.
Vermutlich werden einige Beteiligte nun erklären, alles sei nur ausgelassene Freude gewesen. Das ist das übliche Übersetzungsproblem. „Ausgelassene Freude“ bedeutet in diesem Zusammenhang:
Wir hatten Spaß und deshalb war es uns gleichgültig, was mit allen anderen geschieht.
Aber eine Feier wird nicht größer, weil sie möglichst viele Unbeteiligte belästigt. Sie wird nur peinlicher, teurer und irgendwann aktenkundig. Die Zwischenreiche gratulieren dem Brautpaar dennoch herzlich. Den acht Fahrzeugführern überreichen sie traditionell einen kleinen goldenen Schlüssel. Der passt allerdings nicht zu einem Schloss, sondern zu dem Raum, in dem man endlich lernt, dass die eigene Hochzeit kein Staatsstreich ist.






