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Hoaxed – Death Knocks
🧿 Kurzfazit
Hoaxed liefern mit Death Knocks ein kompaktes Dark-Rock-Album zwischen Küstennebel und Neonleuchtreklame: mehr Härte, mehr Hooks, deutlich weniger Orientierungslosigkeit als beim Debüt.
🎯 Für wen?
Für Fans von Dark Rock, Occult Hard Rock und dezenter Dark Wave, die sich eine Schnittmenge aus Unto Others, frühen Ghost, Chelsea Wolfe und 70er-Horrorfilm-Soundtrack vorstellen können, aber mit echter Songstruktur statt nur Atmosphäre.
🎧 Wie klingt das?
Gitarren irgendwo zwischen Doom-Riff, Hard-Rock-Groove und Post-Punk-Kante, ein satt schiebender Bass, lebendige Drums und zwei Stimmen: Kat Keos beschwörender Gesang trifft auf April Dimmicks rauere, metallischere Färbung. Producer Gabe Johnston und Mix-Maestro Arthur Rizk packen das Ganze in einen warmen, großen, aber nicht überproduzierten Sound.
💿 Highlights
Where the Seas Fall Silent, Kill Switch, Dead Ringer, The Family
⚠️ Nichts für dich, wenn…
du Blastbeats, Extrem-Metal oder völligen Stilbruch erwartest. Death Knocks ist düsterer Rock mit Metallkante, kein Black- oder Death-Metal-Brett.
☠️ Hoaxed – Death Knocks: Wenn der Tod im Lederjacken-Takt klopft
Beim ersten Album Two Shadows war Hoaxed noch dieses vielversprechende Dark-Rock-Duo aus Portland, das sich nicht so recht entscheiden konnte, ob es Richtung Goth-Rock, Heavy-Metal oder Cinematic Pop abbiegen will.
Auf Death Knocks sind sie zu dritt, und plötzlich wirkt alles wie aus einem Guss: Kat Keo (Vocals/Gitarre), Kim Coffel (Drums) und Neuzugang April Dimmick am Bass/Mikro haben drei Jahre an diesem Album gefeilt, auf Tour erprobt, Songs ausgebaut, verworfen, wieder zusammengesetzt.
Das Ergebnis: eine halbe Stunde, in der kaum etwas verschwendet ist. Die Platte fühlt sich an wie eine kleine, geschlossene Geistergeschichte, mit Einleitung, Eskalation und Abspann.
🎧 Was erwartet dich?
Genre(s): Dark Rock, Occult Hard Rock, Dark Wave, mit leichter Horror-Punk-Attitüde
Vergleichbar mit: Unto Others ohne Metal-Überladung, Ghost ohne Kirchenorgel, eine weniger experimentelle Chelsea Wolfe
Klangfarbe: Warme, leicht angezerrte Gitarren mit vielen melodischen Motiven, schwer atmende Basslinien, Drums, die eher treiben als prügeln, dazu zweistimmiger Gesang, der von flüsternder Melancholie bis zu rauen Aufschreien reicht. Die Platte klingt wie ein Roadmovie bei Nacht, wenn der Beifahrersitz frei bleibt, obwohl längst jemand dort sitzen sollte.
Inhaltlich dreht sich Death Knocks um Grenzmomente: Übergänge, letzte Augenblicke, Menschen, die professionell mit Tod und Verfall umgehen und irgendwann merken, dass sie selbst mit auf der Liste stehen. Die Band beschreibt das selbst als „Erkundung dessen, was danach kommt“, zwischen Angst, Neugier und bewusster Umarmung des Unbekannten.
✨ Highlights
Where the Seas Fall Silent
Der Opener ist Hoaxed pur: langsamer Aufbau, schimmernde Gitarren, ein Beat, der erst schleicht und dann plötzlich Fahrt aufnimmt. Keos Stimme kommt zunächst fast flüsternd, bevor der Refrain aufklappt und das Ding in eine Art okkulten Seemannssong kippt. Die Harmonien wirken wie Nebelbänke, die kurz aufreißen und direkt wieder zuziehen. Der Song erklärt in dreieinhalb Minuten, warum Dark Rock auch 2026 noch spannend sein kann.
Kill Switch
Hier legt das Trio den Rock-Gang ein: sattes Riff, trockener Groove, ein Refrain, der mehr Hard-Rock-Attitüde hat als die meisten „harten“ Radio-Playlisten zusammen. Textlich geht es um eine Welt, in der „alles Gift“ geworden ist, eine Anti-Hymne für Menschen, die nicht mehr wissen, ob sie aus der Katastrophe aussteigen oder ihr einfach endlich die Tür aufmachen sollen. Der Song klingt, als würden Heart und Type O Negative zusammen in einer verlassenen Truckstop-Bar abhängen.
Dead Ringer
Dead Ringer ist der Moment, in dem die Platte komplett ins filmische Fach rutscht: Streicherflächen, Horror-Synths und ein Chorus, der wirkt, als wäre er direkt aus einem 80er-Thriller geklaut worden, den es nie gab. Alles ist überzeichnet, aber nie peinlich, ein Balanceakt, den erstaunlich wenige Bands so gewieft beherrschen. Hier passt es: ein kleiner Gänsehaut-Mini-Soundtrack mitten im Album.
The Family
Gegen Ende zieht The Family das Tempo noch einmal an: mehr Uptempo, mehr Screams, mehr klassisches Heavy-Metal-Flair in den Gitarrenlinien. Dimmicks rauere Stimme gibt dem Song einen fast punkigen Biss, während Keo die melodische Oberstimme hält. Das Stück klingt wie eine toxische Familienfeier im Halbdunkel, bei der irgendwer heimlich schon den Benzinkanister ins Auto geladen hat.
🎨 Artwork
Ein Haus, das man nicht aus Versehen betritt: Auf dem Cover von Death Knocks steht ein kleines, aus groben Steinquadern gebautes Häuschen mitten in einer dunklen, nebligen Landschaft. Es wirkt wie eine Mischung aus Kapelle, Gruft und Geräteschuppen für überfällige Seelen. Das Dach ist von Moos und Dreck überzogen, die Fugen zwischen den Steinen sind schwarz und feucht, als hätte der Regen hier seit Jahren nichts Besseres zu tun.
Der eigentliche Blickfang ist die Tür: ein spitzbogiger Eingang, hinter dessen Rahmen ein schmaler, glühend orangefarbener Lichtstreifen hervorrinnt. Kein freundliches Gelb, kein warmes Kaminfeuer, eher das matte Leuchten eines Ofens, in dem Dinge brennen, über die man nicht spricht. Der Rest des Hauses bleibt im Halbdunkel, nur leicht vom Mondlicht angehaucht.
Im Hintergrund reckt sich ein blutroter Vollmond über den Himmel, groß und schwer wie ein schlechtes Omen. Kahlgewordene Äste schneiden sich als schwarze Linien vor die Scheibe, einige tragen noch Spinnwebenreste, die im diffusen Licht aufblitzen. Rechts unten lehnen ein Holzkreuz und ein paar angedeutete Grabsteine im Gras, fast beiläufig, als Randnotiz: Ja, hier wird begraben, aber das ist inzwischen Routine.
Der Bandname HOAXED steht in nüchternen, grauen Buchstaben oben im Bild, Death Knocks unten rechts, zurückhaltend und fast schon höflich. Zusammen ergibt das Artwork keine Schock-Grafik, sondern eine stille Drohung: ein einzelnes Haus, eine offene Lichtfuge, ein Mond, der zu groß ist. Es sieht nicht nach Splatter aus, sondern nach dem Moment, in dem du beschließt, ob du klopfst oder ob du einfach weiterfährst.
🪦 Besondere Momente
Zwei Stimmen, ein Schattenbild: Die Mischung aus Keos klarer, oft beschwörender Hauptstimme und Dimmicks rauerem, klassisch-metal-affinem Timbre ist das heimliche Zugpferd der Platte. Wenn beide Stimmen übereinander gelegt werden, bekommt das Ganze diese „Engel und Dämon“-Spannung, von der die Band selbst spricht.
Kompakte 31 Minuten: Mit 9 Songs in gut 31 Minuten bleibt Death Knocks erstaunlich schlank. Keine Filler-Ballade, kein unnötiges Ambient-Intro, kein „wir brauchten noch Track 10 für die Streaming-Quote“. Wenn der Abspann in Killing Stone einsetzt, fühlt sich das eher nach „Nochmal“ als nach „endlich vorbei“ an.
Studio in acht Tagen: Aufgenommen wurde im alteingesessenen Falcon Recording Studio in Oregon, in gerade einmal acht Tagen. Dennoch klingt die Platte deutlich größer, als man bei dieser Produktionszeit erwarten würde. Kein Demo-Charme, aber auch kein aufpolierter Plastikklang, eher die Energie einer Band, die ihre Songs im Proberaum wirklich durchlebt hat.
Death-Thema ohne Teenager-Pathos: Obwohl das Album thematisch tief im Tod badet, kippt es nie in billige Edgelord-Ästhetik. Die Texte wirken eher wie kleine Kurzgeschichten über Figuren, die den Tod professionell, rituell oder aus Neugier umkreisen, inklusive der Frage, wie viel davon irgendwann auf einen selbst zurückfällt.
🪓 Fazit
Hoaxed wurden 2020 in Portland, Oregon gegründet, zuerst als Duo aus Kat Keo und Kim Coffel. Von Anfang an pendelte die Band zwischen Dark Rock, klassischem Metal und gothischer Melancholie, was sie zunächst auf einer EP und dann auf dem 2022er-Debüt Two Shadows auslebten.
Mit Death Knocks machen sie nun den zweiten Langspiel-Schritt, diesmal als Trio, mit April Dimmick am Bass und am Mikro. Sie bringt hörbar klassischen Heavy-Metal-Background mit, der die neuen Songs kantiger und metallischer wirken lässt, ohne die dunkle Rock-Grundstimmung zu zerstören.
Dass die Songs über drei Jahre hinweg, parallel zu Touren und einem sich einspielenden Live-Team, entstanden sind, hört man: Die Arrangements wirken fließender, die Übergänge natürlicher, und selbst die poppigeren Momente haben genug raue Kanten, um nicht im Netflix-Playlist-Nebel zu verschwinden.
Death Knocks ist gewiss kein Genre-Reset, sondern eine saubere Level-Up-Platte: mehr Persönlichkeit, mehr Mut zur Melodie, mehr Konsequenz im Sound. Hoaxed stellen sich damit ziemlich lässig in eine Reihe von Bands, die Dark Rock wieder interessant machen, ohne ständig das Wort „Retro“ drunterschmieren zu müssen.
Wenn du eine halbe Stunde Zeit hast und deine Düsternis gern mit klaren Hooks, zweistimmigen Vocals und einer Prise 70er-Thriller genießt, gehört Death Knocks sehr weit nach oben auf deine Liste. Und wenn der Tod demnächst wieder mal anklopft, klingt er eventuell genau so.

| Künstler: | Hoaxed |
| Albumtitel: | Death Knocks |
| Erscheinungsdatum: | 13. Februar 2026 |
| Genre: | Dark Rock, Occult Hard Rock, Dark Wave |
| Label: | Relapse Records |
| Spielzeit: | ca. 31 Minuten |
Where the Seas Fall Silent
Kill Switch
Promised to Me
The Fallen
Looking Glass
Dead Ringer
Wretched
The Family
Killing Stone
🎧 Full Album Stream
Hoaxed – „Death Knocks“ als kompletter Album-Stream – direkt vom offiziellen Relapse Records-YouTube-Channel:
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