Hanging Garden – Isle Of Bliss (Review)

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Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

Hanging Garden – Isle Of Bliss

🧿 Kurzfazit
Isle Of Bliss ist kein Stilbruch, sondern eine elegante Abdunklung. Hanging Garden nehmen ihrem melodischen Trauerhaus ein paar Samtvorhänge weg, stellen schwerere Riffs hinein und klingen damit interessanter als zuletzt.

🎯 Für wen?
Für Hörer, die Swallow the Sun, Insomnium und die melancholischeren Momente von Katatonia mögen, aber statt bloßem Weichzeichner wieder etwas mehr Erdreich unter den Fingernägeln wollen.

🎧 Wie klingt das?
Doomiges Fundament, melodische Leads, klare und harsche Doppelvokalik, dazu ein Mix, der Luft und Wucht zugleich zulässt. Weniger Zuckerguss-Synths, mehr Gitarren- und Drumkörper, aber immer noch genug Nebel für jene schöne finnische Traurigkeit, die nicht heulsusig plärrt, sondern sanft an dir zieht.

💿 Highlights
To Outlive the Nine Ravens, To the Gates of Hel, Her Waning Light

⚠️ Nichts für dich, wenn…
du Death-Doom nur als reines Kriechtempo ohne Lichtschimmer akzeptierst oder bei jedem schönen Refrain sofort kulturpessimistisch den Sargdeckel über dir zuklappst.


‪‪⛲️ Hanging Garden – Isle Of Bliss: Lieder aus einem Paradies, das Nebel frisst

Nach dem vergleichsweise luftigen The Garden ziehen Hanging Garden die Vorhänge wieder zu. Album Nummer neun erscheint am 20. März 2026 über Agonia Records, umfasst neun Songs und setzt hörbar stärker auf Gewicht, Schatten und nasses Holz als auf bloßen Schönklang. Die Finnen werden also nicht plötzlich zu stumpfen Moorprüglern. Aber sie geben der Melancholie ihrer Musik diesmal deutlich mehr Zähne.

🎧 Was erwartet dich?

Genre(s): Death-Doom Metal, Melodic Death Metal, Dark Metal
Vergleichbar mit: einer Kreuzung aus Swallow the Sun, Insomnium und einer etwas weniger selbstmitleidigen Gothic-Spielart von Katatonia, die nach Mitternacht beschlossen hat, der seltsamen Nebelbank ein paar Knochen anzubieten.
Klangfarbe: Isle Of Bliss lebt vom Reiz zweier Bewegungen. Einerseits diese vertraute, schimmernde Melancholie mit Tremolo-Linien, Piano, flüsternden Synths und Chorhauch. Andererseits deutlich mehr Druck in den Gitarren, griffigere Drums und eine härtere Verzahnung der Vocals. Das Album will nicht mit Gewalt brutal wirken. Es will dunkel atmen. Genau darin liegt sein Reiz. Wenn es funktioniert, klingt das wie ein kalter Frühlingstag an einem schwarzen See, schön genug zum Hinschauen, aber irgendwie viel zu grauselig, um länger zu bleiben.

Highlights

To Outlive the Nine Ravens

Ein Opener, der nicht vorsichtig anklopft, sondern gleich sämtliche Fensterscheiben beschlagen lässt. Der Song beginnt mit Spannung, zieht dann überraschend energisch an und zeigt sofort, worum es hier geht: mehr Schwere, mehr Vorwärtsdrang, aber ohne die melodische Identität der Band zu opfern. Die Gitarren malen weite Bögen, die Growls ziehen das Fundament nach unten, darüber liegen helle Vokalflächen wie Frost auf dunklem Wasser. Wenn Isle Of Bliss einen programmatischen Auftakt brauchte, dann ziemlich genau diesen.

To the Gates of Hel

Der Titel verspricht ein finsteres Tor, der Song liefert zunächst erstaunlich viel Licht. Genau das macht ihn so stark. Hanging Garden sind am überzeugendsten, wenn sie ihre Dunkelheit nicht stumpf auswalzen, sondern mit melodischen Gegenlichtern brechen. Hier sitzt das Pacing, hier greifen die Vocals sauber ineinander, und hier merkt man besonders deutlich, dass die Band ihre weicheren Instinkte nicht abgelegt, sondern nur endlich wieder sinnvoll eingerahmt hat. Das ist kein Holzhammer. Das ist ein sauber geführtes Messer.

Her Waning Light

Das emotionale Zentrum des Albums. Nicht der brachialste, nicht der auffälligste Song, aber jener Moment, in dem all die Stärken dieser Platte einmal besonders sauber zusammenlaufen. Melodie, Weite, Schwermut, Nachdruck. Das Stück hat jene leicht entrückte Größe, die im Death-Doom schnell in Kitsch kippen kann und hier erstaunlich souverän die Kurve kriegt. Statt Grabkerzen-Theater gibt es eine ernst gemeinte, schön trübe Eleganz. So darf man Pathos servieren, ohne dass gleich alles nach muffigem Samtvorhang riecht.


🎨 Artwork

Das Cover macht erfreulich nicht den Fehler, den viele Bands dieses Spektrums immer noch begehen, nämlich jede Form von Trauer mit maximalem Symbolgewitter zu verwechseln. Stattdessen gibt es tiefdunkles Blau, fast schwarzes Nachtlicht, einen goldenen Vogel mit ausgebreiteten Schwingen in einer schlanken geometrischen Form und darüber einen kleinen runden Himmelskörper, als hätte jemand das gesamte Album auf ein einziges stilles Emblem heruntergekocht. Das ist minimalistisch, aber nicht leer. Edel, aber nicht geschniegelt. Es sieht aus, als könne man darin gleichzeitig Trost und Unheil gleichermaßen finden, was für diese Musik ungefähr die bestmögliche visuelle Übersetzung ist.


🪦 Besondere Momente

Die entscheidende Stärke dieser Platte ist nicht bloß ihre Dunkelheit, sondern die Art, wie sie verteilt wird. Hanging Garden nehmen die süßeren Synth-Schichten nicht komplett heraus, sie räumen ihnen nur weniger Wohnrecht ein. Das ist klug. Denn so wirken die Gitarren nicht mehr wie höfliche Begleiter eines melancholischen Nebelprogramms, sondern wieder wie tragende Architektur. Der Mix von Jaime Gomez Arellano hilft enorm dabei. Alles hat Raum, nichts zerfließt, und selbst die leiseren Momente behalten genug Körper, um nicht als ätherischer Deko-Nebel am Songrand zu verdampfen.

Dazu kommt die vokale Doppelachse der Hatakkas, die dem Album mehr Profil gibt, als es auf dem Papier vielleicht klingt. Toni liefert jene tiefen Growls, die den Boden aufreißen, Riikka setzt nicht nur Schönheit dagegen, sondern auch Schärfe. Gerade diese leicht schwarzmetallische Rauheit in ihrem Vortrag verhindert, dass die Platte je zu glatt wird. Wo andere Bands in dieser Ecke nach drei Songs wie eine sehr traurig gewordene Duftkerze wirken, bleibt hier Reibung. Das ist wichtig. Death-Doom darf gern schön sein, er sollte dabei nur nicht geschniegelt um Verzeihung bitten.

Ganz makellos ist das Album trotzdem nicht. In der zweiten Hälfte schleichen sich Momente ein, in denen Hanging Garden ihr Momentum etwas zu liebevoll streicheln, statt es einfach laufen zu lassen. Manche Übergänge bremsen stärker als nötig, der Schlusspunkt Beneath the Fallen Sky funktioniert atmosphärisch, hat aber weniger Zug als das Material davor. Das ist kein Absturz, eher eine milde Erinnerung daran, dass selbst gut angelegte Trauerhäuser irgendwo einen Flur zu viel haben können.

📜 Hintergrund

Hanging Garden stammen aus Finnland, existieren seit 2004 und haben sich im Lauf ihrer Diskographie schrittweise vom stärker death-doomigen Ursprung zu einer offeneren, melodischeren und teilweise fast schon ätherischen Form von Dunkelmetall bewegt. Das erklärt auch, warum Isle Of Bliss so interessant wirkt. Die Band muss hier nichts neu lernen. Sie nimmt lediglich etwas zurück, was zuletzt sehr präsent war, und schiebt das Gewicht wieder dorthin, wo es ihrem Sound besonders gut steht. Nach dem vergleichsweise helleren The Garden wirkt diese Abdunklung deshalb nicht wie Rückzug, sondern wie eine bewusste Nachjustierung.

Auch das aktuelle Line-up trägt dazu bei. Zwei Gitarren, Keyboards, Bass, Drums sowie das markante Wechselspiel zwischen Toni Hatakka und Riikka Hatakka sorgen dafür, dass die Songs nicht bloß zwischen hart und schön pendeln, sondern diese Pole wirklich miteinander verweben. Dazu wurde das Album in verschiedenen Studios in Süd-Finnland aufgenommen, die Drums im D-Studio in Klaukkala, gemischt und gemastert hat Jaime Gomez Arellano. Man hört dieser Platte an, dass hier Leute am Werk waren, die Traurigkeit nicht mit Gleichförmigkeit gleichsetzen.

🪓 Fazit: Kein Inselurlaub, eher ein perfekter Sturm

Isle Of Bliss ist nicht die Sorte Album, die mit einem einzigen gigantischen Haken sofort die Zimmerdecke sprengt. Es arbeitet subtiler, geduldiger, manchmal vielleicht einen Tick zu geduldig. Aber genau darin liegt auch seine Würde. Hanging Garden klingen hier konzentrierter, dunkler und greifbarer als auf manchem jüngeren Material. Vor allem dann, wenn die Band die Härte nicht als gelegentlichen Effekt nutzt, sondern als Rückgrat.

Wir würden das Ding also ganz klar nicht verreißen, im Gegenteil. Das ist ein starkes, stimmiges Album, nur eben kein Meisterwerk mit Fanfaren und Trauerbeflaggung. Die Finnen haben ihrem Sound wieder mehr Erdung, mehr Schatten und etwas mehr Biss verpasst. Das steht ihnen hervorragend. Wer melodischen Death-Doom Metal nur als endlose steingraue Tapete kennt, bekommt hier eine sehr viel schöner dekorierte Wand. Wer Großtaten auf Knopfdruck erwartet, wird vielleicht nicht ganz hingerissen vom Steg kippen. Alle anderen dürfen beruhigt mitgehen. Das ist die Sorte Platte, die nicht laut um Aufmerksamkeit bettelt, sondern langsam kalt in den Raum kriecht und dann erstaunlich lange bleibt.

Albumcover von Isle Of Bliss: dunkelblaues, minimalistisches Artwork mit goldenem Vogel vor geometrischer Rautenform und kleinem Mondsymbol, elegant und melancholisch.
Künstler:Hanging Garden
Albumtitel:Isle Of Bliss
Erscheinungsdatum:20. März 2026
Genre:Death-Doom Metal, Melodic Death Metal, Dark Metal
Label:Agonia Records
Spielzeit:ca. 46 Minuten

Trackliste:

To Outlive the Nine Ravens
Eternal Trees of Turquoise
Isle of Bliss
To the Gates of Hel
The Death Upon Our Shoulders
The Blights Nine
Arise, Black Sun
Her Waning Light
Beneath the Fallen Sky

🩸 Offizielles Video

Offizielles Musikvideo zu „Eternal Trees of Turquoise“ – ein würdevoll düsterer Clip zwischen kaltem Licht, finnischem Frost und jener stillen Schwere, die auf Isle Of Bliss so gut funktioniert.

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