Drei Leichen, fünf Ideologien und kein Ausgang: Glasshouse öffnet im Oktober seine Feudalpunk-Demo

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Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

Die Apokalypse hat eine Hausordnung

📰 Was ist los?
FLAT28 hat beim Awesome Indies Showcase einen neuen Gameplay-Trailer zu Glasshouse gezeigt und die öffentliche Steam-Demo für Oktober 2026 angekündigt. Die aktuelle Gamescom-Preview umfasst rund 45 Minuten, zwei Kampfszenarien und drei Enden und enthält nur einen Teil des später öffentlich spielbaren Materials.

🐛 Was denken wir?
Der Begriff Feudalpunk wäre allein noch kein Argument, aber Glasshouse baut seine bizarre Politik tatsächlich in Dialoge, Charakterentwicklung und sogar das Kampfsystem ein. Wenn diese Systeme sauber ineinandergreifen, könnte aus dem eingesperrten Wohnblock eines der eigenständigeren CRPG-Experimente des Jahres werden.

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🏢 Drei Leichen, fünf Ideologien und kein Ausgang: Glasshouse öffnet im Oktober seine Feudalpunk-Demo

Draußen droht ein Weltkrieg, im Nachbarzimmer liegen drei Leichen und aus dem eigenen Wohnblock kommt niemand mehr heraus. Glasshouse braucht keine weitläufige Open World, um seine Bewohner unter Druck zu setzen. Das Feudalpunk-CRPG von FLAT28 sperrt nahezu seine gesamte politische, persönliche und mörderische Katastrophe in ein einziges Gebäude.

Nächtlicher Innenhof eines abgeriegelten Wohnblocks in Glasshouse mit mehreren Bewohnern, Wachposten, beleuchteten Fenstern und einer hellen Lampe auf dem Kopfsteinpflaster.
In Dormitory 73B wird der Wohnblock selbst zur Bühne für Mordermittlung, politische Konflikte und den heraufziehenden Weltkrieg. © FLAT28 Collective

Beim gestrigen Awesome Indies Showcase hat das italienische Team einen neuen Gameplay-Trailer mit bislang ungesehenen Szenen aus dem Prolog und dem zweiten Akt gezeigt. Gleichzeitig steht jetzt ein konkretes Zeitfenster für den nächsten wichtigen Schritt fest: Die erste öffentliche Steam-Demo soll im Oktober 2026 erscheinen.

Wer gerade auf der Gamescom unterwegs ist, kann bereits eine kleinere Fassung ausprobieren. Die dort gezeigte Preview dauert ungefähr 45 Minuten und ist laut FLAT28 ausdrücklich nur ein Ausschnitt dessen, was später kostenlos für alle verfügbar werden soll.

🏚️ 45 Minuten, drei Enden und erst die halbe Wohnung

Die Gamescom-Fassung von Glasshouse enthält zwei Kampfszenarien und drei mögliche Enden. Außerdem läuft bereits die neue Version 1.7 des Kampfsystems, während Dialogfenster, Inventar, Porträts, Tutorial und Quick-Time-Events überarbeitet wurden. Auch Performance und allgemeines Spielgefühl sollen gegenüber früheren Testfassungen deutlich verbessert worden sein.

Interessant ist vor allem der Umfang. FLAT28 bezeichnet die aktuelle 45-Minuten-Preview ausdrücklich als ungefähr die Hälfte des Inhalts, der für die spätere öffentliche Demo vorgesehen ist. Schon im Mai hatte das Team zudem erklärt, eine umfangreiche und möglichst vollständige Präsentation des aktuellen Spielkonzepts liefern zu wollen, die anschließend bis zur Veröffentlichung des fertigen Spiels auf Steam bleiben soll.

Der neue Trailer passt dazu. Statt lediglich Atmosphäre zu verkaufen, zeigt er Szenen aus unterschiedlichen Teilen des Spiels und damit mehr von jener Mischung aus Ermittlungen, politischen Gesprächen, Erkundung und rundenbasierten Konflikten, aus der Glasshouse seine ungewöhnliche Identität zieht.

🎬 Mord, Politik und Nahkampf im Wohnblock

Der neue Trailer zu Glasshouse zeigt Szenen aus Prolog und Akt 2 und führt durch Dialoge, Erkundung und das überarbeitete rundenbasierte Kampfsystem. Vor allem wird deutlich, wie eng politische Entscheidungen und handfeste Konflikte in Dormitory 73B miteinander verzahnt sind.

🗳️ Hier ist selbst die politische Haltung ein Charakterwert

Glasshouse spielt in Lundonstoch, einer postkapitalistischen Welt, in der klassische Nationalstaaten vor rund zwei Jahrhunderten zerfallen sind und einer neuen feudalen Ordnung Platz gemacht haben. Als im Jahr 2028 erneut ein großer Krieg droht und eine atomare Bedrohung über der Stadt hängt, wird der Arbeiterwohnblock Dormitory 73B abgeriegelt.

Dort steckt Wealdmaer fest, stellvertretender Vorsteher der Hausgemeinschaft und ein Mann mit ausgesprochenem Interesse daran, später als gerechter Anführer in Erinnerung zu bleiben. Das könnte leichter fallen, wenn im Gebäude nicht gerade drei Tote lägen, die Bewohner zunehmend nervös würden und eine politische Verschwörung das ohnehin überschaubare Vertrauen zwischen den Wohnungen weiter zerlegte.

Das Rollenspielsystem nimmt diese politische Ebene ungewöhnlich wörtlich. Der eigene Political Compass funktioniert als Klassensystem mit fünf Ideologien, während auch andere Bewohner eine verborgene politische Ausrichtung besitzen. Gespräche sind deshalb mehr als narrative Pausen zwischen Kämpfen: Wer sein Gegenüber versteht, kann Argumente und rhetorische Angriffe gezielt einsetzen.

Selbst während rundenbasierter Gefechte darf diskutiert werden. Statt einen Gegner ausschließlich mit improvisierten Waffen zu bearbeiten, kann Wealdmaer dessen sogenannte Threat Bar über Dialogoptionen angreifen und ihn im besten Fall zur Aufgabe bewegen. Laut FLAT28 gibt es keine gewöhnlichen Gegnerhorden; jeder Kampf soll eine Auseinandersetzung mit einer konkreten Person darstellen, die eigene Motive, Beziehungen und Überzeugungen besitzt.

Schmaler Crowbah Banner mit Crowbah und Grabhold vor dunkler Comic Stadt.

🎭 Disco Elysium trifft Pathologic im Treppenhaus

Die Einflüsse versteckt das Studio nicht. Auf Steam nennt FLAT28 ausdrücklich Disco Elysium und Pathologic als Vorbilder. Das ergibt angesichts politischer Charakterwerte, komplexer Dialogbäume, moralischer Entscheidungen und einer Gesellschaft kurz vor dem Zusammenbruch durchaus Sinn.

Glasshouse versucht allerdings, daraus eine eigene Form zu bauen. Wissen lässt sich durch Bücher erwerben, improvisierte Ausrüstung entsteht an der Werkbank und bestimmte Gegenstände im Inventar können über das Cunning-System neue Gesprächsmöglichkeiten freischalten. Der Dialogbildschirm wird dadurch teilweise selbst zum Spielraum, in dem Gegenstände, versteckte Interaktionen und kleine Rätsel auftauchen können.

Dazu kommt eine auffällig theatralische Erzählweise. Ein sogenannter Director kommentiert das Geschehen wie ein unausweichliches Bühnenstück, während der Chorus als Sammlung innerer Stimmen den Protagonisten begleitet. Selbst die griechische Tragödie sitzt hier also mit im Hausflur.

Gerade dadurch wirkt der Begriff Feudalpunk weniger wie das nächste schnell erfundene Genre-Etikett. Die Weltgeschichte, das politische Klassensystem, der technologische Stillstand und die bizarre gesellschaftliche Ordnung greifen tatsächlich ineinander. Glasshouse will seine Ideologien offenbar nicht nur an die Tapete hängen, sondern sie zu Spielmechaniken machen.

🔥 Die große Katastrophe wartet draußen

Ein Termin für das vollständige Spiel fehlt weiterhin. FLAT28 arbeitet parallel an einer Kickstarter-Kampagne, die noch vor Ende 2026 starten soll und nach dem Gewinn von 70.000 Dollar beim Neowiz Indie Quest einen weiteren Teil der Finanzierung übernehmen soll.

Damit wird die Oktober-Demo wichtiger als eine gewöhnliche Festivalprobe. Sie soll zeigen, ob das inzwischen seit mehreren Jahren entwickelte Konzept seine vielen Systeme tatsächlich zusammenbekommt: Mordermittlung, Charakterdrama, ideologische Rollenspielwerte, improvisiertes Crafting und Kämpfe, die sich theoretisch auch mit Worten entscheiden lassen.

Die Ausgangslage dafür ist herrlich eng. Andere Rollenspiele schicken ihre Helden über Kontinente, durch Königreiche oder gleich mehrere Dimensionen. Glasshouse braucht für seine politische Apokalypse offenbar nur ein paar Stockwerke und Nachbarn, denen man besser nicht bedenkenlos den Wohnungsschlüssel überlässt.

Der Weltkrieg mag vor den Fenstern beginnen. Das eigentliche Endgame scheint hier im Treppenhaus zu wohnen.

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