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Theater-Sommer in Westeros
📰 Was ist los?
Die Royal Shakespeare Company (RSC) inszeniert diesen Sommer im Royal Shakespeare Theatre in Stratford-upon-Avon das Bühnenstück „Game of Thrones: The Mad King“, basierend auf den Romanen von George R. R. Martin, adaptiert von Duncan Macmillan, inszeniert von Dominic Cooke. Das Stück erzählt die letzten Jahre von König Aerys II. und führt direkt in die Ereignisse von Roberts Rebellion, inklusive Turnier von Harrenhal, junger Starks, Lannisters & Co. Das Ganze entsteht in Kooperation mit HBO, Tickets (max. 4 pro Person) gibt es ausschließlich über die RSC, Priority Booking startet im April.
🐛 Was denken wir?
Künstlerisch klingt das nach genau dem richtigen Team, um Westeros wie eine Mischung aus Shakespeare-Historiendrama und Familiengericht Deluxe zu spielen. Praktisch ist es dagegen ein sehr exklusives Liebhaberding: Ein direkter GoT-Prolog, nur live in einem britischen Provinzstädtchen. 99,999 % der Fanbase muss leider draußen bleiben.
🩸 Game of Thrones live auf der Bühne – in Deutschland eher ein ferner Traum
Der Sommer 2026 gehört offiziell nicht nur den Drachen, sondern auch den Theater-Nerds: Die Royal Shakespeare Company bringt mit „Game of Thrones: The Mad King“ zum ersten Mal ein offizielles Westeros-Epos auf die Bühne, als große Vorgeschichte zur Serie, angesiedelt rund um das Turnier von Harrenhal und den Beginn von Roberts Rebellion.
Der Haken: Gespielt wird exklusiv im Royal Shakespeare Theatre in Stratford-upon-Avon. Tickets sind limitiert, Booking läuft über das RSC-Mitgliedersystem, von Tournee, London-Transfer oder gar Streaming ist bisher keine Rede. Für die meisten deutschsprachigen Fans bleibt der „wahre“ Prolog zu Game of Thrones damit vorerst eine sehr entfernte, sehr britische Angelegenheit.
🏰 Worum geht’s in „The Mad King“ genau?
Statt der x-ten Variante von „noch ein Targaryen-Spinoff“ konzentriert sich das Stück auf die letzten Jahre vor Band 1:
- Schauplatz ist vor allem Harrenhal, wo ein gigantisches Turnier die großen Häuser von Westeros zusammenbringt.
- Hinter den kulinarischen Exzessen und Ritterspielen arbeitet sich der Wahnsinn von Aerys II. Targaryen durch Hof, Familie und Reich.
- Ein innerer Zirkel beginnt, gegen den König zu konspirieren, während draußen bereits die Trommeln des Krieges dröhnen.
Und natürlich passiert das, worüber Fans seit Jahrzehnten diskutieren:
- Rhaegar Targaryen gewinnt das Turnier, ignoriert seine Frau Elia Martell und krönt Lyanna Stark zur „Queen of Love and Beauty“ – der Affront, der später in Flucht, Entführung (je nach Version) und schließlich in Roberts Rebellion mündet.
Die Bühne wird damit zum Live-Schauplatz für all das, was die Serie immer nur als Rückblende, Dialogfetzen oder Vision angedeutet hat: die fragile Vor-Kriegszeit, das Gift im Hofstaat, der Moment, in dem Rhaegar sich zwischen Pflicht, Prophezeiung und persönlicher Obsession entscheidet.
🎭 Shakespeare-Vibes mit Drachen-Branding
Die RSC verkauft das Ganze explizit als Shakespeare-eskes Historiendrama im GoT-Mantel: Intrigen, Bankette, verräterische Lords, nur dass hier statt Rosenkriegen eben Drachenblut, Valyrischer Stahl und Prophezeiungen im Spiel sind.
Ein paar Eckpunkte:
- Format: Großes Ensemblestück mit Figuren aus den Häusern Targaryen, Stark, Lannister, Baratheon und Martell. also all jene Namen, die Fans aus Serie und Büchern kennen, nur eine Dekade jünger.
- Team: Autor Duncan Macmillan und Regisseur Dominic Cooke, beide erfahren im modernen Polit- und Geschichtsdrama.
- Produktion: Offiziell abgesegnet, mit Martin als „Creator“ und HBO im Produzentenkreis, das ist kein Fanprojekt, sondern Franchise-Kanon mit Bühnenflair.
Spannend: Die RSC hat zuletzt mit der Bühnenversion von „My Neighbour Totoro“ bewiesen, dass sie ikonische Fantasy-Welten respektvoll, aber eigen ins Theater holen kann, inklusive riesiger Puppen, cleverer Bühnenmechanik und melancholischem Humor. Jetzt wird Westeros dran glauben müssen.
✈️ Warum deutsche Fans wahrscheinlich nur Memes sehen
Und jetzt zu dem Teil, der weh tut.
Stand jetzt gilt:
- Spielort: ausschließlich Royal Shakespeare Theatre, Stratford-upon-Avon. Keine bestätigte Tournee, kein „event cinema“, kein Streaming.
- Sprache: Englisch, natürlich und zwar nicht „leichte Netflix-Synchro“, sondern Live-Theater mit britischem Tempo.
- Tickets: starke Nachfrage erwartet, Limit von vier Karten pro Person, Priority Booking nur für RSC-Mitglieder, Details zu Preisen folgen.
Realistisch heißt das:
- Wenn du in Deutschland sitzt, brauchst du Zeit, Geld, Englischkenntnisse, Reisebereitschaft und am besten eine Mitgliedschaft in der RSC, um diesen Teil der Vorgeschichte „richtig“ zu erleben.
- Alle anderen werden das Stück über Kritiken, Zusammenfassungen, Spoiler-Threads und TikTok-Schnipsel nacherleben, also ziemlich genau so, wie viele damals Staffel 8 verarbeitet haben.
Dass HBO ausgerechnet dieses Projekt bisher nicht als Film- oder Streaming-Event ausweist, ist aus Theatersicht konsequent (Exklusivität, live, Kulturauftrag), aus Fandomsicht aber maximal ironisch: Die wahrscheinlich klarste, direkte Vorgeschichte zur Hauptserie spielt sich in einem Saal mit begrenzter Sitzplatzanzahl ab.
🧠 Was bringt die Bühne erzählerisch, was die Serie nie geschafft hat?
Zwischen all dem „Warum nur UK?“ steckt aber auch eine interessante Chance:
- Die Bühne zwingt GoT zurück auf Figuren, Dialoge, Präsenz, keine Drachen als CGI-Rettungsring, kein Schlachtenporno, hinter dem man schwächere Drehbücher verstecken kann.
- Das Turnier von Harrenhal eignet sich perfekt für eine Kammerspiel-Variante des Weltuntergangs: Bankett, Zeltlager, geheime Treffen, ein König, der zerbricht, und ein Prinz, der glaubt, er könne Prophezeiungen erfüllen, indem er das Richtige in den Turnierpausen tut.
Dazu kommt:
Lyanna Stark bekommt hier endlich mehr als das ewige „mysteriöses Girl mit Blumenkranz“-Treatment. Laut ersten Fan-Analysen soll das Stück ihre Entscheidung, mit Rhaegar zu gehen, klarer zeichnen und ihr mehr eigene Handlungsmacht geben, also genau das, was viele an den Buch- und Serienrückblenden kritisiert haben.
🎯 Fantasykosmos-Fazit: Königsmord mit Klassenreisen-Zuschlag
Aus künstlerischer Sicht ist „Game of Thrones: The Mad King“ eine ziemlich brillante Idee:
Statt noch eine Serie über noch einen Targaryen zu drehen, wird der entscheidende Vorabend des ganzen Konflikts als Shakespeare-Historiendrama inszenier. Konzentriert, dialoglastig, politisch, tragisch.
Aus Sicht deutscher Fantasy-Fans fühlt es sich aber ein bisschen an wie ein besonders fieser Königsmund-Scherz:
- Die „legendäre Vorgeschichte“, von der wir seit Staffel 1 hören,
- wird endlich offiziell erzählt,
- findet aber auf einer Bühne statt, zu der die wenigsten hierzulande je kommen werden.
Wenn du also wirklich wissen willst, wie der Irrsinn von Aerys, die Entscheidung von Rhaegar und die Flucht (oder Entführung) von Lyanna auf der Bühne wirken, hast du zwei Optionen:
- Reisekasse plündern, Englisch polieren, RSC-Mitglied werden.
- Oder akzeptieren, dass Westeros inzwischen so groß ist, dass nicht jedes Kapitel über denselben Kanal zu dir kommt und darauf hoffen, dass irgendwann doch noch eine Aufzeichnung oder Adaption dieses Stücks den Weg in unsere Wohnzimmer findet.
Bis dahin bleibt uns: Drachen, Serien, Bücher und das Wissen, dass irgendwo in Stratford-upon-Avon ein junger Ned Stark gerade live um Fassung ringt, während der Mad King seine letzte Runde dreht.



