Erinnerungen gegen Heimkehr: Forgotten Island schickt DreamWorks tief in philippinische Mythen
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Diese Insel kassiert Erinnerungen statt Kurtaxe
📰 Was ist los?
DreamWorks bringt diese Woche Forgotten Island ins Kino. Jo und Raissa geraten auf die mythologische Insel Nakali, wo philippinische Fabelwesen leben und ihre gemeinsamen Erinnerungen zum Preis für die Heimkehr werden. Kurz vor dem Start steht der Film bei Rotten Tomatoes bei 100 Prozent aus bislang 20 Kritiken.
🐛 Was denken wir?
Die Prozentzahl ist nett, der eigentliche Grund hinzusehen ist aber Nakali selbst. Große Original-Fantasy, die ihre Monster einmal aus einer Mythologie holt, die Hollywood sonst kaum anfasst, ist uns wesentlich lieber als der siebenunddreißigste Drache mit britischem Akzent.
DreamWorks hat Drachen gezähmt, Oger zu Helden gemacht und einen gestiefelten Kater gleich mehrfach dem Tod davonlaufen lassen. Für seinen 50. Animationsfilm fährt das Studio nun auf eine Insel, auf der die Bewohner deutlich weniger bekannt sind – zumindest außerhalb der Philippinen.

© DreamWorks Animation / Universal Pictures
Forgotten Island startet in dieser Woche im Kino und sieht auf den ersten Blick nach farbenfrohem Fantasyabenteuer aus. Unter der Oberfläche steckt allerdings ein Stoff über Freundschaft, Trennung und Erinnerungen, der seine Monster und magischen Regeln tief aus philippinischer Mythologie und Folklore zieht. Kurz vor dem Start sorgt der Film zusätzlich mit einem ungewöhnlich starken Kritikerauftakt für Aufmerksamkeit: Rotten Tomatoes führt ihn aktuell bei 100 Prozent positiven Rezensionen aus 20 gewerteten Kritiken. Dieser Wert ist eine Momentaufnahme, zeigt aber ziemlich deutlich, dass hier gerade etwas mehr heranwächst als der nächste routinierte Familienfilm.
🌴 Eine Insel, die Freundschaft frisst
Im Mittelpunkt stehen Jo und Raissa, die seit ihrer Kindheit beste Freundinnen sind und kurz vor dem Punkt stehen, an dem ihr gemeinsames Leben auseinanderdriftet. Nach dem Schulabschluss warten unterschiedliche Wege, und bei einer letzten gemeinsamen Nacht geraten sie durch ein geheimnisvolles Portal nach Nakali.
Dort treffen sie auf all jene Wesen, von denen sie durch ihre philippinischen Familien bereits Geschichten gehört haben. Nakali ist damit keine beliebige Zauberinsel, die man mit ein paar Fantasytieren dekoriert hat. Die gesamte Welt speist sich aus kulturellen Bildern, Erzählungen und Kreaturen, die im westlichen Mainstreamkino bislang nur selten im Mittelpunkt standen.
Der eigentliche Haken ist allerdings noch besser: Jo und Raissa können Nakali wieder verlassen, doch der Preis dafür sind die Erinnerungen an ihre gemeinsame Freundschaft. Je länger sie bleiben und nach einem anderen Ausweg suchen, desto größer wird die Gefahr, dass sie vergessen, weshalb sie überhaupt gemeinsam nach Hause wollen.
🎬 Willkommen auf Nakali
Der offizielle neue Trailer zu Forgotten Island öffnet das Portal nach Nakali und zeigt, wie tief DreamWorks sein neues Fantasyabenteuer in philippinischer Mythologie, Freundschaft und verlorenen Erinnerungen verankert.
👹 Eine Manananggal ist kein gewöhnlicher Endgegner
Die gefürchtetste Kreatur Nakalis ist die Dreaded Manananggal, gesprochen von Lea Salonga. Schon damit greift DreamWorks auf eine Gestalt zurück, die erheblich bizarrer ist als der typische dunkle Zauberer eines Familienfilms.
Die Manananggal gehört zur philippinischen Folklore und wird traditionell als unheimliches Wesen beschrieben, dessen Körper sich teilen kann und dessen obere Hälfte nachts auf Beutezug geht. Forgotten Island baut diese Gestalt in seine eigene Fantasywelt ein, statt sie lediglich als exotischen Monster-Gag am Rand zu verwenden. Daneben begegnen Jo und Raissa weiteren Wesen aus philippinischen Erzählungen sowie Raww, einem ziemlich gutmütigen Werhund, dem Dave Franco seine Stimme leiht.
Gerade darin steckt einer der größten Reize des Films. Fantasykino leidet oft weniger unter einem Mangel an Fantasie als unter einer erstaunlichen Begeisterung dafür, immer wieder dieselben europäischen Trolle, Elfen und Drachen durch andere Wälder zu treiben. Nakali sieht dagegen aus, als hätte jemand die Tür zu einem anderen mythologischen Vorratsschrank geöffnet.
🎨 DreamWorks lässt auch optisch mehr los
Die kulturelle Verankerung betrifft offenbar nicht nur Figuren und Namen. Der Film kombiniert DreamWorks‘ 3D-Animation mit stärker stilisierten 2D-Sequenzen und arbeitet dabei mit dem in Manila ansässigen Studio Snipple Animation zusammen. Die visuelle Gestaltung greift unterschiedliche Einflüsse auf und soll sich bewusst von einem gleichförmigen Studiolook lösen.
Regie und Drehbuch stammen von Joel Crawford und Januel Mercado, die bereits gemeinsam an Puss in Boots: The Last Wish gearbeitet haben. Das ist keine uninteressante Verbindung: Gerade dieser Film gehörte zu jenen DreamWorks-Produktionen, die zeigten, wie stark ein bekannter Animationsstil plötzlich wirken kann, wenn ein Studio bereit ist, gestalterisch ein wenig die Handbremse zu lösen.
Auch Forgotten Island scheint diesen Weg weiterzugehen. Die Trailer wechseln zwischen greller Energie, absurden Kreaturen und deutlich ruhigeren Momenten, in denen die Freundschaft zwischen Jo und Raissa wichtiger wird als das nächste Monster.
🎤 Philippinische Stimmen stehen tatsächlich im Zentrum
Auch die Besetzung unterstreicht, dass die kulturelle Herkunft des Stoffes nicht bloß Kulisse sein soll. H.E.R. spricht Jo, Liza Soberano übernimmt Raissa und Lea Salonga die Manananggal. Dazu kommen unter anderem Manny Jacinto, Dolly de Leon, Jo Koy und Ronny Chieng.
Für einen großen Hollywood-Animationsfilm ist das bemerkenswert, weil hier philippinische und philippinischstämmige Talente nicht nur vereinzelt auftauchen, sondern wesentliche Teile des Ensembles tragen. Auch musikalisch greift der Film diesen Ansatz auf und verbindet verschiedene Generationen philippinischer Künstler.
Das macht Forgotten Island nicht automatisch zu einem guten Film. Es gibt ihm aber etwas, das bei Studioproduktionen dieser Größenordnung überraschend selten geworden ist: eine erkennbare kulturelle Handschrift.
🍅 Die 100 Prozent sind interessant – aber nicht die Geschichte
Und dann ist da natürlich der Wert, wegen dem der Film heute noch einmal sichtbar geworden ist. Rotten Tomatoes steht derzeit bei 100 Prozent. Zum Zeitpunkt unseres Checks basierte das auf 20 Kritiken, womit dieser Wert noch deutlich schwanken kann, sobald weitere Besprechungen einlaufen.
Interessanter als die perfekte Zahl ist deshalb die Einigkeit dahinter. Der Film startet offenbar nicht mit dem üblichen „ganz nett für die Kinder“-Grundrauschen, das große Animationsproduktionen gelegentlich begleitet. Die frühe Resonanz richtet sich stark auf die visuelle Gestaltung, das kulturelle Fundament und die Freundschaftsgeschichte von Jo und Raissa. Forbes bezeichnet den Auftakt sogar als den bislang stärksten Rotten-Tomatoes-Start eines DreamWorks-Films. Auch das bleibt natürlich an den aktuellen Stand der Wertungen gebunden.
Für uns reicht das als Anlass vollkommen aus, genauer hinzusehen. Denn selbst ohne Prozentzahl wäre Forgotten Island genau jene Art Fantasyfilm, die zwischen Franchises, Fortsetzungen und bekannten Marken schnell zu wenig Aufmerksamkeit bekommt.
🎬 Diese Woche öffnet sich das Portal
Dolby listet Forgotten Island für den 24. September 2026, in den USA startet Universal einen Tag später am 25. September. Der Film läuft 109 Minuten und kommt auch in Dolby Atmos.
Damit müssen wir diesmal nicht Monate auf ein interessantes Festivalprojekt oder einen ungewissen Streamingstart warten. Die Insel öffnet praktisch schon ihre Tür.
Und wenn ein neuer großer Fantasyfilm uns mit einer Manananggal, philippinischer Folklore und der Aussicht empfängt, beim Verlassen möglicherweise die eigenen besten Freunde vergessen zu müssen, schauen wir zumindest einmal nach, was auf der anderen Seite liegt.





