Finsterforst – Still (Review)

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Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

Finsterforst – Still

🧿 Kurzfazit
Still ist ein starkes, in seinen besten Momenten beeindruckendes Album zwischen Folk, Pagan, Black Metal und postmetallischer Schwermut. Finsterforst schreiben weiterhin groß, atmosphärisch und emotional aufgeladen. Die Platte trägt viele großartige Ideen in sich, leidet aber hörbar unter ihrer Länge, ihrer Dauerintensität und einem Longtrack, der ambitionierter als makellos ist.

🎯 Für wen?
Für Fans, die Moonsorrow, Agalloch, Falkenbach, Windir und epische Natur-Metallandschaften lieben. Wer lange Spannungsbögen, Chöre, Akkordeon, deutschsprachige Texte und melancholische Monumente schätzt, wird hier reichlich Material finden.

🎧 Vergleichbar mit
Am nächsten liegt Still bei Moonsorrow, vor allem in den langen Entwicklungen, den heroisch-dunklen Chören und der Mischung aus Folk, Black Metal und epischer Wucht. In den atmosphärischeren, postmetallischen Momenten berühren Finsterforst auch Agalloch oder Harakiri For The Sky. Dazu kommen Anklänge an Falkenbach, Windir und Bathorys epischere Seite. Finsterforst wirken dabei weniger nordisch entrückt als Moonsorrow, orchestraler als Falkenbach und deutlich stärker auf deutschsprachige Dramatik, Akkordeon und große emotionale Kontraste ausgerichtet.

🎼 Highlights
Herbstwanderung, Fels, Leere

⛔ Für wen eher weniger geeignet?
Wer nach schlappen acht Minuten schon nervös auf die Uhr schaut, wird hier schnell die Orientierung verlieren. Und wer monumentale Musik nur in klar dosierten Portionen mag, könnte sich an der fast permanenten Bedeutungsschwere dieser Platte irgendwann wundscheuern.

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🌲 FinsterforstStill: Schweigen ist Silber, 78 Minuten sind Wald

Wenn eine Band ein Album Still nennt und darauf fast achtzig Minuten lang Chöre, Akkordeon, Blech, Pathos, Trauer, Wucht und einen 24-Minuten-Koloss auffährt, darf man zunächst eine naheliegende Frage stellen:
Meinen die das ernst?

Ja, meinen sie. Leider und zum Glück.

Finsterforst gehören seit Jahren zu jenen Formationen, die Pagan- und Folk Metal nie als bloßes Humpa-Ritual missverstanden haben. Bei ihnen ging es immer um Größe, Gravitas, um Herbstlicht und Abgrund, um Naturbilder, die nicht nach Mittelaltermarkt riechen, sondern nach nassem Holz, Abschied und einer gewissen deutschen Lust an der monumentalen Schwermut. Auf Still treiben die Schwarzwälder genau diese Anlage weiter – nur mit einer kleinen Verschiebung. Das Album schaut weniger nach außen als früher. Weniger Horizont, mehr Innenraum. Weniger Abenteuer, mehr Nachhall.

Das ist grundsätzlich eine gute Idee. Nach Zerfall und der überlangen Ein-Song-EP Jenseits wäre ein weiteres Werk, das nur noch die eigene Monumentalität verdoppelt, irgendwann zum Waldspaziergang mit anschließendem Kathedralenbesuch geworden. Finsterforst suchen diesmal stärker nach Stille, Leere, Verlust, Auszehrung, also nach Zuständen, die sich der Bandästhetik nach eigentlich nur schwer fassen lassen. Denn Stille ist bei Finsterforst eben keine akustische Abwesenheit. Sie ist ein Zustand, in dem noch die letzte Erinnerung im Chor gesungen wird.

Genau daraus bezieht Still seine Spannung.

Und genau daran scheitert es gelegentlich auch.

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🎧 Was erwartet dich?

Genre(s): Folk Metal, Pagan Metal, Black Metal, Post Metal, Atmospheric Metal

Musikalische Einordnung: Finsterforst verbinden auf Still epischen Pagan Metal mit Black-Metal-Kante, Folkfarben und einer deutlich spürbaren postmetallischen Ausdehnung. Die Chöre und langen Spannungsbögen erinnern an Moonsorrow, das melancholische Naturempfinden an Agalloch, die heidnische Wucht und die melodische Erdung an Falkenbach und Windir.

Die Band bleibt also klar im eigenen Revier. Das ist kein Folk Metal für Trinkhörner, keine bloße Schwarzmetall-Raserei und auch kein reiner Post-Metal-Grauverlauf. Finsterforst arbeiten mit Marschrhythmen, Chören, harschen und klaren Stimmen, Akkordeon, Akustikmomenten und schweren Gitarren. Gerade aus dieser Mischung entsteht jener sogenannte Black Forest Metal, den die Band seit Jahren kultiviert.

Klangbild: Die Produktion ist breit, satt und sehr körperlich. Gitarren, Drums, Chöre, Akkordeon, Keyboards und orchestrale Farben liegen fast durchgehend dicht beieinander, ohne komplett ineinander zu verschwimmen. Das ist handwerklich stark gemacht. Vor allem das Akkordeon bekommt erfreulich viel Raum und bleibt mehr als bloße Folkloredekoration.

Olli Berlins harsche Stimme bringt das Raue und Wütende ein, während Johannes Joseph mit seinem klaren Gesang für Wärme, Wehmut und gelegentlich fast liedhafte Erdung sorgt. Gerade diese Stimmkontraste tragen das Album stark. Die Chöre sind dabei das eigentliche Markenzeichen: majestätisch, melancholisch, oft sehr wirkungsvoll, manchmal allerdings auch so präsent, dass sie jede Szene sofort in den Rang einer Angelegenheit von nationaler Bedeutung erheben.

Und da liegt auch das eigentliche Problem von Still: Wenn fast alles groß klingt, wird Größe irgendwann einfach nur noch zum Grundrauschen.

🔥 Highlights: Drei Pfade, die besonders tief in den Wald führen

Herbstwanderung

Schon der Titel verrät, wohin es geht, und Finsterforst liefern ab. Herbstwanderung gehört zu den emotional stimmigsten Stücken des Albums, weil hier vieles zusammenkommt, ohne sich gegenseitig zu erdrücken: Pathos, Trauer, Melodie, Rhythmus und ein Sinn für Atmosphäre, der tatsächlich nach Wald riecht und nicht bloß nach Studio mit Naturthema. Der Song bewegt sich in jenem Terrain, in dem Finsterforst traditionell am stärksten sind. Midtempo, große Chöre, schwerer Vortrieb, dann wieder Momente von Weite und innerem Rückzug. Die Band erzählt hier keine Fantasygeschichte mit Plot und Requisiten, sondern ruft ein Gefühl auf. Verlust, Bruderschaft, Nachdenken, Aufbruch, Verharren – all das liegt in der Luft, ohne dass der Song seine Wirkung durch Übererklärung beschädigt.

Gerade deshalb funktioniert Herbstwanderung so gut. Die Musik wirkt groß, aber nicht aufgeblasen. Sie berührt, weil sie sich nicht andauernd selbst beim Berühren beobachtet.

Fels

Das akustische Fels ist einer der wichtigsten Songs des Albums, vielleicht sogar sein heimlicher Schlüssel. Nach all dem schweren Metallwerk zeigt Finsterforst hier, dass sie sehr wohl mit weniger Mitteln auskommen können und dass ihnen diese Reduktion ausgezeichnet steht. Akustikgitarren, klare Stimmen, eine spürbare Aufhellung im Tonfall: Fels wirkt wie eine Lichtung nach langer Dichte. Der Song bricht die Platte nicht auf, aber er öffnet sie. Plötzlich entsteht Luft zwischen den Emotionen. Plötzlich muss nicht jede Zeile von einem Heer aus Chören und Dramatik bestätigt werden. Plötzlich merkt man, wie wohltuend Zurückhaltung sein kann.

Und genau da wird auch die Schwäche des restlichen Albums hörbar. Wenn ein reduzierter Song so stark aus dem Gesamtbild herausragt, zeigt das automatisch, dass die Band an anderer Stelle häufiger von etwas weniger Aufwand profitiert hätte. Fels ist schön, schlicht, eindringlich, und fast ein stiller Kommentar zum Album selbst.

Leere

Natürlich führt kein Weg an Leere vorbei. 24 Minuten. Ein Stück, das sich nicht anhören will wie ein Song, sondern wie ein Gesamtzustand. Die Finsterförster legen hier alles auf den Tisch: Leitmotive, lange instrumentale Entwicklungen, akustische Öffnungen, harsche Wucht, feierliche Chöre, innere Brüche, schwere Rhythmen und diese ganze, riesige Bandemotion, die sie seit Jahren kultivieren. Das Ergebnis ist beeindruckend. Teilweise sogar sehr beeindruckend. Leere besitzt starke Passagen, klug wiederkehrende Motive und genug innere Bewegung, um nicht zur bloßen Geduldsprobe zu verkommen. Der Song hat echte Höhepunkte und mehrere Stellen, an denen Finsterforst jene Mischung aus Größe und Verwundbarkeit treffen, die ihnen besonders gut liegt.

Trotzdem ist Leere für kein unantastbares Meisterstück. Dafür bleibt die Komposition über ihre komplette Laufzeit zu abhängig von bereits bekannten Finsterforst-Mitteln. Man hört nicht zu wenig Idee, man hört sehr viele, nur nicht immer in einer Form, die jede Minute unverzichtbar macht. Das Stück trägt seinen Titel also nicht unfreiwillig, aber es lebt stellenweise durchaus von Atmosphäre, wo eine schärfere Zuspitzung noch mehr Wirkung erzeugt hätte.

Kurz gesagt: Leere ist kein Fehlschlag, sondern ein großer, ernst gemeinter, oft packender Song, der nur ein wenig zu deutlich zeigen will, wie groß und ernst er ist.

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🎨 Artwork

Das Cover von Still ist angenehm zurückgenommen. Kein Krieger, kein Hirschgott, kein brennender Kultbaum. Stattdessen sieht man eine einzelne Gestalt in Mantel und Hut, die durch eine offene, neblige Landschaft geht. Das Bild ist farblich entsättigt, beinahe ausgebleicht. Viel Grau, viel fahles Braun, viel Distanz. Darüber das goldene Finsterforst-Logo und der Albumtitel.

Gerade diese Schlichtheit passt hervorragend. Das Motiv wirkt wie eine Erinnerung, die sich langsam vom Bildträger löst. Kein triumphaler Augenblick, keine pathetische Szene, eher ein Zustand des Weitergehens im Ungewissen. Man sieht keine Zielmarke, keinen Wegweiser und schon gar kein Ende. Nur eine Figur, die weiterläuft, obwohl der Raum um sie herum fast vollständig aus Schweigen zu bestehen scheint. Für ein Album, das sich mit Leere, Nachhall und Verlust beschäftigt, ist das eine kluge Entscheidung. Das Cover macht nicht zu viel. Ein Luxus, den sich die Musik selbst nur punktuell gönnt.

🪦 Besondere Momente

Das Akkordeon ist hier kein Gimmick

Viele Bands im weiteren Folk-Metal-Feld behandeln das Akkordeon wie ein klingendes Ausrufezeichen. Finsterforst tun das nicht. Johannes Josephs Spiel trägt Melodie, Atmosphäre und oft den Charakter ganzer Passagen. Das Instrument ist auf Still kein Alibi für Volkstümlichkeit, sondern eine tragende Stimme.

Die Band kann tatsächlich reduzieren

Fels beweist das deutlich, aber auch andere Momente zeigen: Finsterforst sind nicht gezwungen, jede Emotion sofort in Chorstärke elf auszurufen. Gerade die ruhigeren Passagen gehören oft zu den besten, weil sie dem Album jene Kontrastfläche geben, die seine großen Steigerungen eigentlich brauchen.

Die Länge ist Konzept und Last zugleich

Ja, Still will entschleunigen. Ja, man soll sich diese Musik erarbeiten. Alles fair. Trotzdem gilt: Lange Laufzeit ist keine Tugend an sich. Das Album trägt seine 78 Minuten besser als viele andere, aber nicht mühelos. Manche Stücke profitieren vom Raum, manche verlieren durch ihn an Prägnanz.

Die Cover am Ende sind zweischneidig

Beyond The North Waves passt stilistisch erstaunlich gut in dieses Umfeld. Another Brick In The Wall Pt. II ist die riskantere Wahl. Beide sind interessant, beide sauber umgesetzt, dramaturgisch wirken sie nach Leere jedoch wie ein Nachsatz nach einem bereits gesetzten Schlusspunkt. Man kann das charmant finden. Allerdings darf man sich natürlich auch einfach wünschen, dass der Wald nach dem eigentlichen Finale besser dunkel geblieben wäre.

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📜 Hintergrund

Finsterforst stammen — logisch — aus dem Schwarzwald und bezeichnen ihren Stil seit Jahren selbstbewusst als Black Forest Metal. Die Band verbindet Folk, Pagan und Black Metal mit Chören, orchestralen Farben, deutschem Textgut und langen, epischen Songstrukturen. Still ist das sechste reguläre Studioalbum und folgt auf Zerfall sowie die ausgedehnte Ein-Track-EP Jenseits.

Die aktuelle Besetzung besteht aus Olli Berlin am harschen und klaren Gesang, Johannes Joseph am Akkordeon und klaren Gesang, Simon Käflein und David Schuldis an den Gitarren, Tobias Weinreich am Bass, Cornelius Heck am Schlagzeug und Sebastian Scherrer an den Keyboards.

Musikalisch will Still hörbar nach innen. Das Album arbeitet stärker mit Verlust, Nachhall und seelischer Erschöpfung als mit offensiv heidnischer Aufmarschästhetik. Gleichzeitig bleibt die Band ihrer Handschrift vollkommen treu. Niemand muss also Angst haben, Finsterforst hätten plötzlich ein Lo-Fi-Ambient-Werk nur mit Vogelstimmen aufgenommen. So weit reicht die titelgebende Stille dann tatsächlich nicht.

🌲 Fazit: Ach, wenn der Wald doch endlich schwiege

Das gleich mal als Anfang vom Ende: Still ist ein gutes Album, in Teilen sogar ein sehr gutes. Es zeigt Finsterforst in überzeugender Form, mit starken Melodien, großem Atmosphärengespür und einer klaren künstlerischen Handschrift. Die Band klingt gereift, fokussierter als reine Pagan-Metal-Nostalgiker und emotional glaubwürdig. Gerade dann, wenn Pathos und Zurücknahme ein Gleichgewicht finden, entsteht auf dieser Platte etwas wirklich Schönes.

Zum großen Wurf reicht es für uns aber trotzdem nicht.

Dafür ist das Album in seiner Gesamtanlage zu ausgedehnt und zu sehr auf permanente Bedeutung geeicht. Man hört, wie viel Herzblut, Arrangementarbeit und Ernsthaftigkeit hier eingeflossen sind, das ist überhaupt keine Frage! Man hört jedoch auch, dass Finsterforst sich selbst nur selten Grenzen setzen. Ein Song darf wachsen, klar. Eine Stimmung darf nachhallen, ebenso klar. Nur verliert selbst monumentale Musik an Wirkung, wenn sie fast nie einen einfacheren Weg wählt.

Das betrifft vor allem die zweite Hälfte. Leere ist eindrucksvoll, aber kein wirkliches Heiligtum. Die beiden Cover danach sind gute Ideen, nur eben an einer Stelle platziert, an der das Album emotional eigentlich schon fertig war. Das geht klar zu Lasten der Gesamtatmosphäre. Und insgesamt hätte Still an mehreren Stellen von etwas mehr formaler Strenge profitiert. Mit einigen Bäumen weniger, hätte man hier wohl einen besseren Blick auf den Wald gehabt.

Trotzdem bleibt viel hängen. Herbstwanderung berührt, Fels atmet, Leere fordert heraus, und das gesamte Album besitzt genug Substanz, um über bloßen Szenenapplaus hinauszugehen. Finsterforst liefern also keine Offenbarung, aber ein ernsthaftes, eigenständiges und über weite Strecken starkes Werk, das sich seinen Platz im Katalog redlich verdient.

Ja, ja … Stille kann durchaus sehr laut sein.

Bei Finsterforst schleppt sie dazu gern ein Akkordeon, einen Männerchor und ungefähr fünf Tonnen Bedeutung mit sich herum.

Albumcover von Combichrist – The Venom In The Mouth Of God: Eine bleiche, reich verzierte Gestalt mit hörnerbesetzter Kopfbedeckung, Schädelketten und weißem Gewand hält in einer kargen Landschaft einen dunklen Stab. Ihr Gesicht ist teilweise von goldenen Rissen und dunklen Spuren überzogen. Oben links stehen Bandlogo und Albumtitel.
Künstler:Finsterforst
Albumtitel:Still
Erscheinungsdatum:31. Juli 2026
Genre:Folk Metal / Pagan Metal / Black Metal / Post Metal / Atmospheric Metal
Label:AOP Records / Edel
Spielzeit:ca. 78 Minuten

🎬 Offizielles Video

Offizielles Musikvideo zu Stille Nacht – ein konzentrierter Ausschnitt aus Finsterforsts Album Still, in dem mächtige Chöre, Akkordeon, schwere Gitarren und melancholischer Black Forest Metal zusammenfinden. Bereitgestellt vom offiziellen AOP Records-Kanal auf YouTube:

🎼 Trackliste:

Obduktion
Herbstwanderung
Knie nieder
Im Wind
Stille Nacht
Fels
Leere
Beyond The North Waves
Another Brick In The Wall Pt. II

👥 Besetzung:

Olli Berlin – harscher und klarer Gesang
Johannes Joseph – klarer Gesang, Akkordeon, Chöre
Simon Käflein – Gitarre, Synthesizer, Orchestrierungen, Klargesang
David Schuldis – Gitarre
Tobias Weinreich – Bass
Cornelius Heck – Schlagzeug
Sebastian Scherrer – Keyboards

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