FF7-Remake: Die ehrlichste Attrappe im Regal

🔍 Suche im Fantasykosmos

Spüre verborgene Pfade auf, entdecke neue Werke oder durchstöbere das Archiv uralter Artikel. Ein Wort genügt – und der Kosmos öffnet sich.

Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

FF7-Remake und die leere Switch-2-Karte

📰 Was ist los?
Die Switch-2-Version von Final Fantasy VII Remake Intergrade erscheint ausschließlich als Game Key Card, also als Cartridge, die kein Spiel, sondern nur eine Lizenz zum Download enthält. In einem neuen Interview mit Automaton erklärt Director Naoki Hamaguchi, dass ein „echtes“ Modul technisch keine Option gewesen sei: Die Switch-2-Gamecards seien zu langsam, das Remake sei auf permanentes Streaming von Daten ausgelegt, und die 64-GB-Kapazität reiche für das über 100-GB-Spiel ohnehin nicht.

🐛 Was denken wir?
Auf dem Papier klingt das nach nüchterner Technik-Realität, in der Praxis bleibt es absurd: Du kaufst eine physische Hülle, die dir sagt, dass deine „Disc“ leer ist, und sollst dich dafür bedanken, dass das Spiel überhaupt auf der Plattform existiert. Die Botschaft zwischen den Zeilen: „Game Preservation ist euer Problem, Ladezeiten sind unseres.“

🎮 FF7-Remake: Die ehrlichste Attrappe im Regal

Physisch kaufen, digital laden, später womöglich unspielbar – die Game Key Cards der Switch 2 sind das ehrlichste Symbol dafür, wie widersprüchlich „Physisch“ im Jahr 2026 geworden ist. Und ausgerechnet Naoki Hamaguchi, Director der Final Fantasy VII Remake-Trilogie, erklärt jetzt, warum wir diese leeren Plastikkarten bitte als Fortschritt verstehen sollen.


💾 Was sind Game Key Cards überhaupt?

Die Game Key Cards der Switch 2 sehen aus wie normale Module, enthalten aber praktisch keine Spieldaten, nur einen Lizenzschlüssel, mit dem du das Spiel aus dem eShop lädst. Ohne Download läuft nichts, selbst beim ersten Start.

Ein paar Eckpunkte:

  • Kapazität der normalen Switch-2-Gamecards: aktuell 64 GB – für viele AAA-Produktionen zu wenig.
  • Game Key Cards speichern nur die Lizenz, der eigentliche Content landet im internen Speicher oder auf deiner Speicherkarte.
  • Vorteil gegenüber „Code in der Box“: Die Karte ist nicht an einen Account gebunden, kann also weiterverkauft werden und fungiert wenigstens als physische Lizenz, solange Nintendos Server laufen.

Kurz gesagt: Das Ding ist eine hochwertige Download-Quittung im Modulformat.


⚙️ Was Hamaguchi eigentlich sagt

In mehreren Interviews seit 2025 (u. a. bei JP Games und Automaton) zeichnet Hamaguchi ziemlich klar nach, warum Square Enix bei FF7 Remake Intergrade zur Key Card greift:

  • Ladegeschwindigkeit: Laut Hamaguchi ist das Laden von der Cartridge etwa halb so schnell wie das Laden aus dem internen Speicher der Switch 2. Für ein Spiel, das Assets permanent streamt, sei das schlicht nicht ausreichend.
  • Spieldesign: FF7 Remake lädt nicht alles vor, sondern streamt ständig Texturen, Sounds, Animationen nach. Ein „alles liegt auf dem Modul, wir lesen gemütlich nach Bedarf“-Ansatz ist im aktuellen Design nicht vorgesehen.
  • Speichergröße: Das Remake kratzt an oder über 100 GB, damit sprengt es das 64-GB-Limit der aktuellen Switch-2-Gamecards. Selbst wenn man trickst, müsste man Inhalte hart komprimieren oder aufteilen.

Hamaguchi schiebt außerdem zwei verbreitete Vorwürfe zur Seite:

  • Nicht primär ein Kosten-Trick: Er widerspricht der Idee, Key Cards seien vor allem ein Mittel, um teure 64-GB-Module zu sparen, aus seiner Sicht sei Ladegeschwindigkeit der Hauptfaktor, nicht nur die Herstellkosten.
  • Kein Einzelfall: Für die Rebirth-Ports und den dritten Teil der Remake-Trilogie zeichnet er bereits vor, dass Game Key Cards eher Regel als Ausnahme sein werden, solange sich an der Medienarchitektur nichts ändert.

Das ist technisch alles nachvollziehbar – aber es erklärt nur, warum man zur Key Card greift, nicht, warum das Modell aus Spielersicht okay sein soll.


📀 Sammler, Zukunft und die große Leerstelle

Auf der anderen Seite des Spielfelds stehen:

  • Sammler, die gerne etwas im Regal haben, das mehr ist als eine Lizenz mit Verfallsdatum.
  • Preservation-Fans, die zurecht fragen, was passiert, wenn in 15 Jahren die Switch-2-Server vom Netz gehen.

Kritikpunkte, die in Foren und Subreddits gebetsmühlenartig auftauchen:

  • Wenn das Spiel komplett vom Server abhängt, ist die Key Card später kaum mehr wert als ein hübsch bedrucktes Stück Plastik.
  • Wer ohnehin alles laden muss, fragt sich zu Recht, warum er nicht einfach gleich die digitale Version ohne extra Plastik kauft.

Hamaguchi sagt zwar, er verstehe die Bedenken und hoffe, die Spieler würden das Format mit der Zeit akzeptieren, aber an der Kernfrage ändert das nichts:
Wir bewegen uns in eine Zukunft, in der „physisch“ oft nur noch heißt: „Du besitzt den Dongle, nicht das Medium.“


🚚 Trend oder Übergangslösung?

Spannend (und ein bisschen deprimierend): FF7 ist kein Ausreißer, sondern Teil eines größeren Musters.

  • Auch Star Wars Outlaws nutzt auf der Switch 2 eine Game Key Card, mit nahezu identischer Begründung: großes Spiel, Asset-Streaming, Cartridge zu langsam.
  • Nintendo selbst hat längst bestätigt, dass Game Key Cards ein offizieller zweiter Distributionsweg sind, besonders attraktiv für dicke Third-Party-Ports, die weder mehrere teure Module noch eine kastrierte „Low-Spec-Version“ bauen wollen.

Übersetzt:
Damit große AAA-Produktionen überhaupt auf der Switch 2 landen, akzeptieren Publisher ein Format, das im besten Fall ein halber Kompromiss und im schlimmsten Fall eine sehr elegante Form von geplanter Obsoleszenz ist.


🎯 Fantasykosmos-Fazit: „Wir konnten nicht anders“ ist kein Verkaufsargument

Technisch betrachtet hat Hamaguchi recht:
Die Kombination aus 64-GB-Modul-Limit, langsamerem Gamecard-Tempo und einem auf Streaming ausgelegten Leveldesign macht eine klassische Cartridge-Version von FF7 Remake Intergrade auf der Switch 2 extrem unpraktisch bis unmöglich.

Aber:

  • Dass ein Spiel nur dank Game Key Card überhaupt auf Nintendos Konsole erscheint, ist kein Grund, das Format zu feiern. Es ist eine Diagnose dafür, wie weit sich Großproduktionen von sinnvoller physischer Distribution entfernt haben.
  • Die Kommunikation à la „Das ist eine großartige neue Chance für Entwickler“ klingt für Spieler, die tatsächlich etwas Besitzbares im Regal wollen, ungefähr so tröstlich wie eine Rechnung im Bilderrahmen.

Unterm Strich bleibt:
Game Key Cards sind ehrliche Lückenfüller.
Sie geben zu, dass hier etwas fehlt, nämlich das Spiel selbst, und hängen trotzdem im Regal neben „richtigen“ Modulen.

Wer FF7 Remake auf der Switch 2 spielen will, hat künftig drei Optionen:

  1. Key Card kaufen und mit dem Widerspruch leben.
  2. Direkt digital gehen und sich das Plastik sparen.
  3. Oder für die physische Sammlung zu Plattformen greifen, auf denen das Spiel tatsächlich auf dem Medium liegt.

Nur eines sollte niemand mehr behaupten: Dass diese Karten irgendetwas mit dem klassischen Gefühl zu tun haben, eine „Cartridge mit Spiel“ zu besitzen.

Episches Fantasy-Banner im Stil von Gandalf: Ein weißbärtiger Zauberer blockiert mit erhobenem Stab den Weg und ruft ‚Du kannst nicht vorbei!‘. Darunter der Zusatz: ‚Es sei denn, du abonnierst unseren Newsletter!‘. Rechts unten ein glühender, magischer Button mit der Aufschrift: ‚Lass mich rein, du Narr!
Banner für daa Daily Meme mit Boney Jones dem Geisterpiraten.