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Sechs Filme und ein sehr alter Dämon
📰 Was ist los?
Das Fantasy Filmfest 2026 hat sechs weitere Programmtitel angekündigt. Dazu gehören At the Place of Ghosts, Sanguine, AnyMart, Hex, Carolina Caroline und die restaurierte 4K-Fassung des Hongkong-Klassikers A Chinese Ghost Story.
🐛 Was denken wir?
Geisterromanze, fliegende Schwertkämpfer und ein Baumdämon mit völlig enthemmter Körpersprache: A Chinese Ghost Story war schon 1987 wilder als die meisten heutigen Fantasyfilme. Diese Sorte handgemachter Wahnsinn gehört auf eine möglichst große Leinwand.
👻 Fantasy Filmfest 2026: Der Baumdämon kehrt in 4K zurück
Das Fantasy Filmfest hat sechs weitere Filme in sein diesjähriges Programm aufgenommen. Zwischen indigenem Geisterhorror, blutender Notaufnahme und einem japanischen Supermarkt am Rand des völligen Zusammenbruchs wartet dabei ein besonders alter Bekannter: A Chinese Ghost Story kehrt in restaurierter 4K-Fassung auf die deutsche Kinoleinwand zurück.

Der Hongkong-Klassiker von 1987 verbindet Geisterromanze, Schwertkampf, Slapstick und handgemachte Effekte mit jener unbekümmerten Wildheit, die heute kaum noch ein Fantasyfilm aufbringen würde. Ein schüchterner Schuldeneintreiber verliebt sich in eine Geisterfrau und gerät dadurch zwischen einen kampferprobten Daoisten, das Jenseits und einen Baumdämon mit ausgesprochen übergriffigem Wurzelwerk.
🌳 Eine Geisterliebe mit sehr schlechter Forstverwaltung
A Chinese Ghost Story gehört zu jenen Filmen, bei denen sich kaum vorhersagen lässt, was in der nächsten Minute geschieht. Romantische Begegnungen kippen in akrobatische Kämpfe, Körper fliegen an Seilen durch verfallene Tempel und ein dämonischer Baum greift mit einer Zunge an, deren genaue biologische Funktion besser nicht weiter untersucht wird.
Gerade die praktischen Tricks verleihen dem Film bis heute seine besondere Energie. Puppen, Windmaschinen, Drahtseile, Rauch und Kulissen wirken nicht glatt, aber lebendig. Die Effekte besitzen Gewicht, Widerstand und gelegentlich genau jene sichtbare Verrücktheit, die moderner digitaler Perfektion oft fehlt.
Die restaurierte 4K-Fassung dürfte deshalb nicht nur schönere Farben und schärfere Nachtaufnahmen liefern. Sie bringt einen Film zurück, dessen Bilder für die große Leinwand gebaut wurden: flatternde Gewänder, neblige Wälder, rasende Schwerter und ein Baumdämon, der in höherer Auflösung vermutlich keinen freundlicheren Eindruck macht.
🩸 Sechs Filme zwischen Supermarkt und Black Metal
Neben dem Klassiker erweitert das Festival sein Programm um fünf aktuelle Produktionen. At the Place of Ghosts erzählt von zwei indigenen Brüdern, die von einem Wesen aus Rost und Knochen verfolgt werden. Der Film verwendet dabei die bedrohte Mi’kmaq-Sprache und verbindet den Geisterstoff mit familiären Traumata und kultureller Erinnerung.
Im französischen Body-Horror Sanguine beginnt eine junge Assistenzärztin unter dem Druck ihrer Arbeit auf unerklärliche Weise zu bluten. AnyMart verwandelt einen japanischen Supermarkt in eine Splatter-Satire über Arbeitsdisziplin und Kapitalismus. Selbst zwischen Leichen und eskalierenden Regalreihen erledigen die Angestellten offenbar weiterhin pflichtbewusst ihre Aufgaben. Der Kunde ist schließlich König, auch wenn er bereits in Gang vier liegt.
Ungewöhnlich für das Festival ist Hex, ein Dokumentarfilm über die norwegische Black-Metal-Band Witch Club Satan. Drei Frauen beschließen darin, innerhalb weniger Jahre Musikerinnen und Hexen zu werden, obwohl sie zunächst kein Instrument beherrschen. Carolina Caroline ergänzt das Paket mit einer modernen Bonnie-und-Clyde-Geschichte um Betrug, Liebe und eine stetig wachsende kriminelle Karriere.
🎞️ Das Festival öffnet sechs neue Türen
Die neuen Titel zeigen erneut, wie weit das Fantasy Filmfest seinen Begriff des fantastischen Kinos fasst. Neben klassischer Geisterfantasy stehen Body-Horror, indigene Mythologie, Splatter-Satire, Musikdokumentation und ein Gangsterdrama, das den Genrerand bereits energisch überschreitet.
Im Zentrum dieses Pakets steht dennoch A Chinese Ghost Story. Nicht nur, weil der Film älter und bekannter ist als die übrigen Titel. Er erinnert daran, wie grenzenlos Fantasykino wirken kann, wenn Romantik, Horror, Komik und Schwertkampf nicht sorgfältig voneinander getrennt werden.
Der Baumdämon ist also zurück. Diesmal in 4K und damit vermutlich scharf genug, um auch aus der letzten Kinoreihe zu erkennen, dass eine Übernachtung in diesem Tempel weiterhin keine vernünftige Idee ist.





