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🏛️ Die große Erschöpfung der Dauererregung

Warum die Fantastik gerade an ihrem eigenen Echo leidet
Es gibt in der Fantastik derzeit zwei verlässliche Naturgesetze.
Erstens: Jeder neue Stoff ist „ein Ereignis“.
Zweitens: Zwei Wochen später redet niemand mehr darüber.
Wir leben im Zeitalter der kuratierten Aufgeregtheit: Trailer, Leaks, Reaction-Formate, Ranglisten, Hot Takes, Cold Takes, Takes über Takes. Die eigentliche Geschichte, also das Ding mit Figuren, Sprache, Atmosphäre, Konflikt und Bedeutung, tritt dabei auf wie ein verlegener Nebendarsteller auf der eigenen Premierenfeier. Hauptrolle spielt das Geräusch. Viel Geräusch. Endlos Geräusch.
Fantasy war einmal das Reich der langen Schatten, der langsamen Wunder, der großen inneren Reisen. Heute wird sie oft behandelt wie ein saisonales Erfrischungsgetränk: kurz öffnen, laut zischen, schnell wegstellen. Und weil Stille im Feed nicht konvertiert, wird jede Zwischenfrage sofort mit Content zugeschüttet. Noch ein Ranking. Noch ein „Erklärvideo“. Noch ein „Warum X das Genre für immer verändert“. Für immer dauert inzwischen ungefähr bis Donnerstag.
Vielleicht ist genau das der Punkt, an dem ein Feuilleton-Editorial wieder nützlich wird: als Bremse im Beschleunigungswahn. Als Ort, an dem nicht alles sofort Urteil sein muss. An dem man einen Text nicht nur danach fragt, ob er trendet, sondern ob er trägt. Ob er nachhallt. Ob er auch dann noch etwas zu sagen hat, wenn das Marketingfeuerwerk längst als Asche im Archiv liegt.
Die Fantasy braucht nicht weniger Leidenschaft. Sie braucht weniger Reflex.
Weniger Alarm, mehr Urteilskraft.
Weniger Hype, mehr Haltung.
Und ja, das klingt unmodern.
Aber unmodern ist manchmal nur ein anderes Wort für: nicht komplett verrückt geworden.



