73 Filme, 35 Weltpremieren und deutsche Vampire: Fantastic Fest 2026 öffnet seine Genrehölle

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Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

Austin wird zum schlecht beaufsichtigten Monstergehege

📰 Was ist los?
Das Fantastic Fest 2026 hat sein vollständiges Programm mit 73 Langfilmen und episodischen Produktionen vorgestellt. Darunter sind 35 Weltpremieren sowie neue beziehungsweise erstmals in Nordamerika oder den USA gezeigte Projekte wie Beware Boiúna, Carrie, Bloody Tennis und The Blood Countess.

🐛 Was denken wir?
Die großen Namen locken, aber der eigentliche Schatz liegt weiter unten im Programm: Hexen, okkulte Rockmärchen, Geisterfilme und Grimdark Fantasy mit Puppen. Und plötzlich sieht ein Festivalprogramm aus wie die Einkaufsliste eines ausgesprochen nervösen Fantasyredakteurs.

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🩸 73 Filme, 35 Weltpremieren und deutsche Vampire: Fantastic Fest 2026 öffnet seine Genrehölle

Wer im September acht Tage lang möglichst wenig normale Menschen sehen möchte, bekommt in Austin ein ziemlich überzeugendes Angebot. Das Fantastic Fest 2026 hat sein vollständiges Programm enthüllt. Zwischen Hexen, Vampiren, Geistern, Dämonen, außerirdischen Entführern, lebendigem Schlamm und einer riesigen südamerikanischen Mythenschlange könnte selbst der gewöhnliche Serienmörder beinahe etwas langweilig wirken.

Das große helle Fantastic-Fest-2026-Logo steht vor einem dunkelgrünen, wolkigen Nachthimmel, der von mehreren hellen Blitzen durchzogen wird.
Blitze über Austin: Das Fantastic Fest 2026 bringt im September 73 Langfilme und episodische Produktionen zusammen. © Fantastic Fest / Alamo Drafthouse

Vom 17. bis 24. September zeigt die 21. Ausgabe des Genre-Festivals insgesamt 73 Langfilme und episodische Produktionen. Darunter befinden sich stolze 35 Weltpremieren, 21 internationale beziehungsweise nordamerikanische Premieren und 14 US-Premieren.

Die großen Namen stehen dabei gleich am Anfang. Mike P. Nelsons Beware Boiúna eröffnet das Festival mit seiner Weltpremiere und schickt eine Gruppe medizinischer Helfer im Amazonasgebiet gegen Boiúna, eine gewaltige Schlangenkreatur aus südamerikanischer Mythologie. Direkt daneben erhält Zach Creggers Resident Evil eine Gala-Vorführung, bevor der Film am folgenden Tag regulär in den US-Kinos startet.

Und das sind gerade einmal die Filme, die noch halbwegs vernünftig klingen.

🧙 Hexen, Puppen und Geister machen das Programm erst interessant

Für Fantasykosmos wird das Line-up hinter den prominenten Titeln beinahe spannender. The Heretiks feiert seine Weltpremiere und erzählt von einer Frau, deren jüngere Schwester von einem Hexenzirkel für ein apokalyptisches Opfer ausgewählt wird. Ihre naheliegende Lösung besteht darin, sich mit einer abtrünnigen Hexe zusammenzutun.

Kylgor in the Grisly Abyss besitzt dagegen eine Inhaltsangabe, bei der praktisch jedes Wort seinen eigenen Artikel beantragt: Grimdark Fantasy, epische Quest, Blut in großen Mengen – und sämtliche Figuren sind Puppen. Der kanadische Film von Mason Jeffrey Newton-DeRushie feiert ebenfalls Weltpremiere.

Dann wäre da noch Kung Fu Deadly, in dem zwei eher spät ins Leben gestartete Freunde feststellen, dass sie möglicherweise die letzte Verteidigungslinie der Menschheit gegen ein uraltes chinesisches Übel darstellen. Übernatürlicher Horror trifft Martial Arts und Buddy-Komödie. Ebenfalls Weltpremiere.

Death of a Yellow Bird arbeitet leiser. Ein sterbender Vater kehrt in sein Elternhaus zurück, um dort Videobotschaften für seinen Sohn aufzunehmen, und entdeckt eine übernatürliche Präsenz in der abgeschiedenen Hütte. Auch diese Ghost Story wird in Austin erstmals öffentlich gezeigt.

Und Magick Mtn. wirft schließlich Geister, Goblins, Aleister Crowley, Rockmusik und Okkultismus in Laurel Canyon zusammen. Fantastic Fest beschreibt das Ergebnis als Rock’n’Roll-Märchen. Der Film läuft in der besonders experimentellen Burnt-Ends-Sektion.

Manchmal muss ein Festivalprogramm gar nicht erklären, warum man einen Film sehen möchte. „Geister, Goblins und Crowley“ erledigt einen erstaunlichen Teil der Arbeit.

Schmaler Crowbah Banner mit Crowbah und Grabhold vor dunkler Comic Stadt.

🩸 Deutschland schickt Tennisblut, Vampire und eine Eselprinzessin

Erfreulich stark fällt diesmal auch die deutschsprachige beziehungsweise deutsche Produktionsbeteiligung aus.

Bloody Tennis von Nikias Chryssos ist eine deutsche Horrorproduktion über eine elitäre Tennisakademie, in der sportlicher Ehrgeiz in zunehmend groteske Bereiche gerät. Gedreht wurde unter anderem in Köln und Nordrhein-Westfalen, beteiligt sind Augenschein Filmproduktion, Port au Prince und ZDF – Das kleine Fernsehspiel. Nach seiner Weltpremiere in Locarno läuft der Film beim Fantastic Fest erstmals in Nordamerika.

Ulrike Ottingers The Blood Countess – Die Blutgräfin bringt wiederum Isabelle Huppert als wiederauferstandene Erzsébet Báthory nach Austin. Die österreichisch-luxemburgisch-deutsche Produktion hatte ihre Weltpremiere bereits im Februar auf der Berlinale und schickt die Vampirgräfin nun zur Nordamerika-Premiere nach Texas. Mitspielen unter anderem Birgit Minichmayr, Lars Eidinger, Karl Markovics und Burghart Klaußner.

Noch schräger klingt Donkey Princess von Cristóbal León und Joaquín Cociña. In einem Königreich, in dem Liebe zur Krankheit erklärt wurde, reist eine Prinzessin durch verschiedene Realitäten, um genau diese Liebe zu finden. Deutschland gehört neben Chile, Frankreich, Uruguay und den Niederlanden zu den Produktionsländern. Auch hier handelt es sich in Austin um die Nordamerika-Premiere.

Und dann haben wir The Squirrel beinahe noch gratis dazu. Die finnisch-deutsch-niederländisch-schwedische Science-Fiction spielt in einer sterilen Zukunft ohne Natur, in der Gefühle verboten sind. Ein Designer künstlicher Begleithunde rettet ausgerechnet ein verletztes Eichhörnchen und beginnt daraufhin, seine Gesellschaft etwas grundsätzlicher zu hinterfragen. Internationale Premiere.

Das deutsche Genre-Kino reist also mit Tennisakademie, Blutgräfin, Eselprinzessin und Eichhörnchen nach Texas.

Da soll noch jemand behaupten, Filmförderung produziere keine fantastische Artenvielfalt.

Nichts als die Wahrheit. Schmaler Banner für den Arkanen Moosverhetzer. Ein Moosling mit Blatthelm, der wütend eine Propagangazeitung liest.

🔥 Carrie bekommt zwei Folgen – Hellraiser bringt etwas völlig Neues mit

Auch zwei bereits bekannte Marken bekommen auf dem Festival neues Material. Von Mike Flanagans Carrie zeigt Fantastic Fest zwei Episoden als US-Premiere. Die neue Prime-Video-Serie versetzt Stephen Kings Geschichte stärker in die Gegenwart: Carries Mobbing eskaliert über soziale Medien, während parallel ihre telekinetischen Fähigkeiten erwachen.

Noch interessanter für unseren Radar ist allerdings Clive Barker’s Hellraiser: Revival. Fantastic Fest ist Partner des kommenden Spiels von Saber Interactive und präsentiert die exklusive Weltpremiere des neuen Scarlet Church Trailers. Das Material soll erstmals näher zeigen, wie die Anhänger der Scarlet Church und die Jünger der Cenobiten neue Mitglieder für ihren Kult rekrutieren. Das Spiel selbst erscheint am 8. Oktober für PC, PlayStation 5 und Xbox Series X|S.

Damit produziert die Festivalankündigung praktisch schon die nächste Meldung: Sobald dieser Trailer online auftaucht, gehört er wieder in den Radar.

Düsterer Fantasy-Werbebanner für den fiktiven Energydrink „BLACK RUNE“. Rechts sitzt ein muskulöser Orkkrieger in abgenutzter Leder- und Metallrüstung in einem rauchigen Kriegslager, hält eine schwarze Getränkedose mit Runenzeichen und stützt sich neben einer großen Streitaxt ab. Links steht in großer schwarzer und roter Serifenschrift der Slogan: „BLACK RUNE verleiht Schädel.“

👻 35 Weltpremieren sind vor allem 35 neue Beobachtungspunkte

Genau deshalb ist das komplette Programm interessanter als eine normale Festivalvorschau. Beware Boiúna, The Heretiks, Kylgor in the Grisly Abyss, Kung Fu Deadly, Death of a Yellow Bird, Magick Mtn., The Swallow, Godmother, The Cycle, Posthumous, Red Snow und zahlreiche weitere Titel sind nun konkrete Projekte mit Premierenstatus, Filmemachern und erstmals belastbaren Inhaltsangaben.

Das Fantastic Fest wird damit für uns selbst zu einer kleinen Nachrichtenmaschine. Einige dieser Filme dürften in den kommenden Wochen Trailer, Vertriebsdeals, Kinotermine oder Streamingstarts bekommen. Andere werden womöglich nach ihrer Premiere wieder für Monate verschwinden.

Und irgendwo dazwischen wartet ein blutiges Grimdark-Puppenepos darauf, dass endlich jemand die wirklich wichtigen Fragen stellt.

Zum Beispiel, ob seine Puppen wenigstens leicht zu reinigen sind.

Boney Jones präsentiert die besten Memes der Fantasygeschichte. Boney der Skelett-Pirat.