Eye Of Purgatory – Darkborne (Review)

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Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

Eye Of Purgatory – Darkborne

🧿 Kurzfazit
Darkborne ist einer dieser seltenen Fälle, in denen Rogga Johansson nicht nur eine weitere Death-Metal-Dose aufreißt, sondern ein kompaktes, schön faulig glimmendes Konzeptalbum hinlegt. Kurz, bissig, melodisch und mit so viel schrägem Synthie-Zauber, dass man sich freiwillig im Kryptenkeller einsperren lässt.

🎯 Für wen?
Für Fans von klassischem Schweden-Death zwischen Stockholm und Göteborg, die sich vorstellen können, dass irgendwo zwischen frühen Edge Of Sanity, Dark Tranquillity und Italo-Horror-Soundtrack noch Platz für eine kleine verfluchte Küstenstadt ist.

🎧 Wie klingt das?
Sägezahn-Gitarren, die nach feuchtem Proberaum in Gamleby riechen, melodische Leads mit leichtem Goth-Schimmer, dazu Orgeln und Synths, als hätte jemand in einem alten Fulci-Film das Stromkabel falsch herum eingesteckt. Die Drums kloppen eher organisch als perfekt quantisiert, darüber Roggas gewohnt monotone, aber hier erstaunlich passend eingesetzte Brüllstimme.

💿 Highlights
The Darkborn, The Slithering, Formless Figures Dance, The Best Of Them Bleed

⚠️ Nichts für dich, wenn…
du von Melodic-Death-Metal nur noch Hochglanz-Produktionen erwartest oder schon Ausschlag bekommst, sobald ein Keyboard etwas anderes spielt als epische Standard-Chords.


‪‪🕯️ Eye Of Purgatory – Darkborne: Neujahrskater im Leichenhaus

Neues Jahr, neuer Release von Rogga Johansson. Die Überraschung liegt normalerweise irgendwo zwischen „ach ja, schon wieder eine Band mit zwei Wörtern im Logo“ und „ach, das läuft halt nebenbei“. Eye Of Purgatory waren da bisher die etwas ambitioniertere Ecke seines Universums: ein Studio-Projekt, das klassischen schwedischen Death Metal mit einer leicht geisterhaften Erzählstimme verknüpft.

Auf dem dritten Album Darkborne hat sich das Trio Rogga Johansson, Jeramie Kling und Taylor Nordberg nun endgültig eingegroovt. Die Platte führt die Konzeptgeschichte von The Lighthouse weiter, die von einem verfluchten Dorf erzählt und hier in neun Kapiteln weiter zerlegt wird. Dass das Ganze nur gut 34 Minuten dauert, ist ein unerwartet sympathischer Gegenentwurf zu all den 60-Minuten-Klangtagebüchern, die sich gerne „Konzeptalbum“ nennen.

🎧 Was erwartet dich?

Genre(s): Swedish Death Metal, Melodic Death Metal mit leichtem Horror-Synth-Überzug
Vergleichbar mit: einem Zusammentreffen von Edge Of Sanity, älteren Dark Tranquillity und einem obskuren Italo-Horror-Soundtrack, der zu lange im modrigen Keller lag
Klangfarbe: Körniger, aber klarer Gitarrensound, pumpende Drums, warmer Bass, darüber flirrende Orgeln und Synthie-Linien, die mal nach Krypta, mal nach VHS-Gespensterfilm klingen. Das Ganze ist deutlich melodischer als viele andere Rogga-Projekte, ohne den Leichengeruch zu verlieren.

Highlights

The Darkborn
Der Opener ist das heimliche Manifest des Albums. Ein knackiges Riff mit klassischer Schwedentod-Sägekante, dann setzen die melodischen Gitarren und die ersten gruseligen Keyboard-Flächen ein, als würde jemand im verfluchten Dorf die Kirchentür öffnen. Der Refrain bleibt hängen, ohne auf Stadion-Hooks zu machen, und zeigt sehr schön, wie Eye Of Purgatory Härte, Eingängigkeit und Atmosphäre auf engem Raum zusammenzurren.

The Slithering
Die zweite Single kommt direkter: ein fast schon rockiger Vorwärts-Rhythmus, der sich immer wieder in kleine Melodiehaken verwandelt. Nordbergs Leadgitarren schlängeln sich wie Titel-Ungeziefer durch den Song, während das Keyboard eher Akzente setzt, statt die gesamte Wand zu tapezieren. Im Zusammenspiel wirkt das wie eine Mini-Horrorszene: erst kriecht etwas im Hintergrund, dann steht es dir plötzlich vor der Nase.

Formless Figures Dance
Hier wird das schiefe Herz von Darkborne am deutlichsten. Die Synths stehen viel stärker im Vordergrund, mit schrägen Linien und leicht verwaschenen Klängen, die tatsächlich wirken, als würden körperlose Gestalten durch die Gassen der Stadt taumeln. Das Riffing bleibt typisch Rogga, nicht übermäßig komplex, aber hier bestens eingerahmt. Der Song beweist, dass ein bewusst „aus der Zeit gefallener“ Keyboard-Sound mehr Charakter haben kann als jede perfekt gebürstete Modern-Death-Ästhetik.

The Best Of Them Bleed
Einer der härteren Momente der Platte: mehr Tempo, mehr Biss, weniger Nostalgie. Die Melodien schneiden eher, als dass sie umarmen, die Keys sind hier sparsam, dafür drehen Drums und Gitarren noch einmal auf. Perfekter Track, wenn man kurz prüfen will, ob Darkborne auch ohne die Synthie-Magie funktioniert. Spoiler: tut es.

🎨 Artwork

Kosmischer Hausbesuch von der Nachtseite: Auf dem Cover von Darkborne stapft ein groteskes, einäugiges Tentakelwesen durch eine verlassene Küstenstadt, als hätte Lovecraft seine Lieblingskrake in Neonlila getaucht. Aus dem Zentrum des Körpers starrt ein einziges, bernsteinfarbenes Auge, groß wie ein Kirchfenster, umrahmt von Fleischringen, die irgendwo zwischen Narbengewebe und fremdartigem Blütenkelch hängen. Darunter wuchert ein Geflecht aus Tentakeln und wurzelartigen Strängen, das sich über die Gassen legt, als wolle das Ding die gesamte Stadt mit einem einzigen Griff in Besitz nehmen.

Links und rechts des Monsters reihen sich schiefe, spitzgiebelige Häuser und Türme aneinander, deren Architektur an ein gotisch verzogenes Fischerdorf erinnert – alles in gedehnten Violett- und Magentatönen, als wäre der Himmel kurz vor dem Kollaps in eine einzige Farbtemperatur gekippt. Pflastersteine, Dächer, Fenster: nichts wirkt wirklich zerstört, eher verlassen, eingefroren in diesem Moment, in dem die Bewohner begriffen haben, dass der Strom längst aus einer anderen Richtung kommt. Am Horizont glimmt das Meer, ein einsamer Leuchtturm wirft sein Licht wie eine letzte, hilflose Warnung gegen das überdimensionierte Auge im Vordergrund.

Oben rechts klebt das gelb leuchtende Logo von Eye Of Purgatory wie ein brennendes Graffiti im Himmel, unten der Titel Darkborne in schlichten Goldbuchstaben – fast zu nüchtern für das, was da gerade aus der Dunkelheit kriecht. Zusammen wirkt das Artwork wie das Poster zu einem nie gedrehten VHS-Horrorfilm: billig im besten Sinne, maximal überzeichnet und gleichzeitig genau auf dem Punkt. Hier geht es nicht um feinsinnige Symbolik, sondern um ein einziges, klares Versprechen: Diese Platte gehört einem Monster, das deine hübsche kleine Küstenstadt frisst, und es sieht dabei irgendwie cool aus.


🪦 Besondere Momente

Synthie-Fetisch statt Alibi-Keyboards: Die Tastenarbeit wirkt nie wie ein später Kompromiss, sondern wie der eigentliche Aufhänger. Mal sind es Orgelakkorde, die wie aus einer kaputten Dorfkirche klingen, mal schräge Linien, die eher an obskuren 80er-Grusel erinnern als an typische Melo-Death-Flächen.

Konzept im Hintergrund statt im Booklet-Geschrei: Die Fortsetzung der Lighthouse-Geschichte wird nicht mit dicken Überschriften herumgetragen. Man merkt beim Hören zwar die erzählerische Linie von Fluch, Dorf und Untergang, aber Darkborne funktioniert auch ohne Wikipedia-Studium als kleines Horror-Hörspiel.

Songlänge mit Disziplin: Keiner der Tracks verliert sich in endlosen Instrumentalpassagen. Die meisten Stücke bleiben im Vier-Minuten-Bereich, bauen sauber auf und gehen wieder, bevor das Keyboard vom Gimmick zur Nervensäge wird. Das hilft enorm, wenn man noch ein wenig Restmüdigkeit mit sich herumschleppt.

🪓 Fazit

Eye Of Purgatory wurden 2018 von Rogga Johansson gegründet, zunächst als reines Ein-Mann-Studio-Projekt, das „erdigen, morbiden Death Metal“ mit einer etwas rätselhaften, düsteren Atmosphäre verbinden sollte. Das Debüt The Rotting Enigma war noch ein Solo-Rundumschlag, roh und kompromisslos. Kurz darauf wuchs die Band zum Trio, als sich Jeramie Kling und Taylor Nordberg dazugesellten, die sonst unter anderem bei Overkill, Deicide, Venom Inc. und Inhuman Condition beschäftigt sind.

Mit dem zweiten Album The Lighthouse verschob sich der Fokus: mehr Struktur, mehr Melodie, ein deutlicher Konzeptanspruch rund um ein verfluchtes Küstendorf. Darkborne setzt diese Geschichte fort und bildet den Mittelteil einer geplanten Trilogie.

Veröffentlicht wird das Ganze über Apostasy Records, die das schwedisch-amerikanische Trio inzwischen als festes Aushängeschild auf der Death-Metal-Schiene führen. Das Cover stammt von Dan Goldsworthy, der schon für Accept, Alestorm und Cradle Of Filth gearbeitet hat und hier die Mischung aus Melancholie und Bedrohung in ein passendes, leicht pulpiges Horror-Motiv gießt.

Darkborne ist kein Genre-Umsturz, aber genau das Album, das einige Rogga gewiss nicht mehr zugetraut hätten: fokussiert, atmosphärisch, mit eigenem Profil. Die Synthesizer sind mehr als nur Dekoration, sie tragen einen Großteil der Stimmung, während Gitarren und Vocals das notwendige Fleisch an den Knochen liefern.

Wer mit schwedischem Death Metal grundsätzlich etwas anfangen kann und neugierig ist, wie sich dieser Sound mit schiefen, morbiden Keyboards und einer kleinen Geistergeschichte verträgt, sollte hier unbedingt reinhören. Wer allerdings schon beim Wort „Keyboard“ die Axt nach dem Ausschaltknopf schwingt, wird auch von Darkborne nicht bekehrt.

Unterm Strich: eines der spannendsten Kapitel im inzwischen absurd umfangreichen Johansson-Katalog und ein angenehm kurzer Horrortrip, den man gerne direkt noch einmal anwirft.

Albumcover Eye Of Purgatory – Darkborne: riesiges einäugiges Tentakelmonster über einer verlassenen, von violettem Nebel umhüllten Küstenstadt, im Hintergrund Meer und Leuchtturm unter blutrotem Himmel.
Künstler:Eye Of Purgatory
Albumtitel:Darkborne
Erscheinungsdatum:13. Februar 2026
Genre:Swedish Death Metal, Melodic Death Metal
Label:Apostasy Records
Spielzeit:ca. 34 Minuten

The Darkborn
When The Beacon Turns Black
The Rotting Temple
The Bodyjumper
The Slithering
Unbound Flesh
Formless Figures Dance
The Best Of Them Bleed
The Dark Departure

🎬 Offizielles Video

Offizielles Lyric-Video zu „Formless Figures Dance“ – ein herrlich obskurer Blick in die verfluchte Welt von Darkborne, mit flimmernder Typografie und düsteren Visuals. Bereitgestellt vom offiziellen Apostasy Records-Channel auf YouTube:

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