Die Welt retten? Erst mal küssen: EXSTETRA feiert nach 13 Jahren sein internationales Konsolendebüt

🧐 Im Fantasykosmos suchen

Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

Dreizehn Jahre bis zum ersten offiziellen Westbesuch

📰 Was ist los?
Die HD-Neuauflage von EXSTETRA erscheint heute für PS5, Switch 2 und Switch. Das JRPG wurde ursprünglich 2013 ausschließlich in Japan für Vita und 3DS veröffentlicht und ist mit dem Remaster erstmals offiziell international erhältlich.

🐛 Was denken wir?
Der eigentliche Reiz steckt weniger im technischen Remaster als darin, endlich ein lange eingeschlossenes Stück JRPG-Geschichte offiziell spielen zu können. Und ein Rollenspiel, das seine Gruppenmitglieder per Kuss mit Kampfenergie versorgt, besitzt zumindest ein Problem garantiert nicht: mangelnde Wiedererkennbarkeit.

Manche Fantasyhelden bekommen ein magisches Schwert. Andere entdecken eine uralte Macht in ihrem Blut oder werden von irgendeiner Göttin darüber informiert, dass leider nur sie persönlich die Welt retten können. Ryoma aus EXSTETRA hat dagegen eine Fähigkeit erhalten, die in gewöhnlichen Heldengruppen vermutlich zunächst einmal eine ausführlichere Einverständniserklärung erfordern würde.

Eine junge Bogenschützin führt in EXSTETRA einen Angriff aus, während rechts die Statusanzeigen ihrer Gruppenmitglieder eingeblendet sind.
EXSTETRA bringt seinen unverkennbaren JRPG-Stil von 2013 nun erstmals offiziell auf internationale Konsolen. © FuRyu Corporation

FuRyu veröffentlicht die HD-Neuauflage des Fantasy-JRPGs heute für PlayStation 5, Nintendo Switch 2 und Nintendo Switch. Damit erreicht EXSTETRA erstmals offiziell internationale Konsolenspieler. Die PC-Version ist bereits seit Ende Juli erhältlich, doch historisch interessant ist vor allem der heutige Schritt: Das Original von 2013 blieb seinerzeit vollständig in Japan und erschien dort nur für PS Vita und Nintendo 3DS.

Fast 13 Jahre später bekommt dieses eigenwillige JRPG damit doch noch seine Reise in den Westen. Und falls du dich fragst, warum die Sache mit dem Küssen hier schon wieder auftaucht: Weil EXSTETRA daraus tatsächlich eines seiner zentralen Kampfsysteme gebaut hat.

🌆 Tokio hat sich mit einer Fantasy-Welt angelegt

Die Geschichte spielt in Amazea, einer Welt, in der Tokio mit einer fremden Fantasy-Realität verschmolzen ist. Bekannte Orte wie Shibuya und Akihabara existieren weiter, wurden aber von einer zweiten Welt überlagert und stehen gemeinsam mit ihr vor dem Untergang. Für die Gestaltung dieser halb vertrauten, halb fantastischen Metropole zeichnet der Künstler tokyogenso verantwortlich.

Im Mittelpunkt steht der Schüler Ryoma, der zum sogenannten Prisma erwählt wird und damit zu jenem Menschen, der beide Welten retten soll. Auf seiner Reise trifft er weitere Kandidaten, die als Prisma Knights an seiner Seite kämpfen können. Nur schlummert deren Kraft zunächst und muss erst geweckt werden.

Und hier verlässt EXSTETRA endgültig die Abteilung für normale JRPG-Berufsberatung.

🎬 EXSTETRA zeigt, warum Küssen hier zur Heldenpflicht gehört

Das offizielle Opening Movie zur HD-Neuauflage von EXSTETRA führt durch Amazea, stellt Ryoma und seine Gefährten vor und zeigt auch jene Kuss-Szenen, mit denen die Prisma Knights ihre Kräfte erhalten.

💋 Erfahrungspunkte verteilen andere mit einem Menü

Ryoma kann als Prisma die als EXS bezeichnete Energie besiegter Gegner aufnehmen. Um diese Kraft anschließend an seine Verbündeten weiterzugeben und ihre Fähigkeiten zu erwecken, muss er sie küssen. EXSTETRA macht daraus keinen kleinen Beziehungsgag am Rand, sondern einen festen Bestandteil seiner Fantasy-Mechanik.

Dazu kommt ein klassischeres Ausrüstungssystem namens Enchant, mit dem Waffen und andere Gegenstände durch zusätzliche Fähigkeiten und Effekte verbessert werden können. Gekämpft wird rundenbasiert mit den verschiedenen Prisma Knights, während Materialsuche und Ausrüstungsoptimierung eine entsprechend wichtige Rolle spielen.

Man kann einem Spiel aus dem Jahr 2013 vieles vorwerfen. Fehlenden Willen, sich mit einer einzigen vollkommen bescheuerten Idee unverwechselbar zu machen, gehört bei EXSTETRA eher nicht dazu.

Düsterer Fantasy-Werbebanner für den fiktiven Energydrink „BLACK RUNE“. Rechts sitzt ein muskulöser Orkkrieger in abgenutzter Leder- und Metallrüstung in einem rauchigen Kriegslager, hält eine schwarze Getränkedose mit Runenzeichen und stützt sich neben einer großen Streitaxt ab. Links steht in großer schwarzer und roter Serifenschrift der Slogan: „BLACK RUNE verleiht Schädel.“

🎮 Was das Remaster heute besonders macht

Der interessanteste Punkt dieser Veröffentlichung steckt deshalb weniger in technischer Modernisierung als in Zugänglichkeit. Wer EXSTETRA damals spielen wollte, brauchte japanische Hardware beziehungsweise Importbereitschaft und musste zusätzlich mit der Sprachbarriere klarkommen. Eine offizielle westliche Veröffentlichung existierte schlicht nicht.

Das Remaster unterstützt nun unter anderem englische Texte und bringt das Spiel auf aktuelle Plattformen. FuRyu weist allerdings auch darauf hin, dass die Neuauflage auf dem Original basiert und einige Spezifikationen verändert wurden. Es handelt sich damit nicht um eine vollständig unangetastete Archivfassung, sondern um eine angepasste Wiederveröffentlichung.

Gerade für JRPG-Sammler und Freunde jener etwas eigenwilligeren Vita- und 3DS-Jahre ist das spannend. In dieser Generation erschienen in Japan etliche Spiele, die international entweder Jahre später oder überhaupt nicht auftauchten. EXSTETRA hat für die Grenzkontrolle lediglich ungewöhnlich lange gebraucht.

🕹️ Ein Stück JRPG-Zeitkapsel wird offiziell zugänglich

Natürlich sollte niemand erwarten, dass aus einem Spiel von 2013 durch höhere Auflösung plötzlich ein modernes Rollenspiel entsteht. Charakterdesign, Dramaturgie und Systeme tragen sichtbar die Handschrift ihrer Entstehungszeit. Gerade das ist bei einer solchen Wiederveröffentlichung aber auch Teil des Reizes.

EXSTETRA steht für eine Phase japanischer Rollenspiele, in der Entwickler noch erstaunlich bereitwillig um eine einzelne schräge Kernidee herum ein komplettes Abenteuer bauten. Hier sind es ein zerstörtes Fantasy-Tokio, ein erwählter Schüler und Küsse als Energieübertragung. Das kann man albern finden. Austauschbar ist es jedenfalls nicht.

Seit heute muss dafür immerhin niemand mehr eine japanische Vita aus dem Schrank holen. Die Welt lässt sich jetzt auf PS5, Switch und Switch 2 retten.

Küssen musst du sie allerdings immer noch selbst.

Das Sterneorakel von Elyra sieht in deine Zukunft. DIe Sternengöttin vor blauem Hintergrund.