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Exodus – Goliath
🧿 Kurzfazit
Exodus liefern mit Goliath kein bloßes Altmetall-Revival, sondern ein erstaunlich variables Thrash-Metal-Brett mit mehr Groove, mehr düsterem Atem und einem Rob Dukes, der hier deutlich mehr kann als nur bellend den Abrissleiter geben. Das Ding hat Wucht, Ideen und genug Bosheit, um nicht um Veteranenbonus betteln zu müssen.
🎯 Für wen?
Für Hörer, die Exodus zwischen Tempo Of The Damned, den giftigeren Dukes-Jahren und einer kurz geöffneten Doom-Schleuse mögen. Also für Leute, die Thrash Metal nicht nur als Tempoprügelei verstehen, sondern auch als Kunst der kontrollierten Verwüstung.
🎧 Wie klingt das?
Scharfe Dual-Gitarren, ein für Exodus erstaunlich präsenter Bass, monumentale Drums und ein Mix von Mark Lewis, der Druck und Durchhörbarkeit nicht gegeneinander ausspielt. Dazu kommt ein Album, das zwischen Raserei, Groove, düsterem Kriechgang und ein paar bewusst gesetzten Fremdfarben pendelt, ohne je seine Zähne einzuziehen.
💿 Highlights
3111, Goliath, Summon Of The God Unknown, The Dirtiest Of The Dozen
⚠️ Nichts für dich, wenn…
du Exodus ausschließlich als ewige Bonded By Blood-Zeitkapsel akzeptierst und bei jedem Hauch von Groove, Doom-Schwere oder melodischem Seitenschritt sofort kulturpessimistisch die Kutte zerbeißt.
🗿 Exodus – Goliath: Wenn der Bay-Area-Betonmischer auch in der Finsternis anrollt
Goliath ist das erste Album von Exodus für Napalm Records, das zwölfte Studioalbum der Band und zugleich die große Rückkehr von Rob Dukes an vorderster Front. Solche Veteranenplatten enden oft als müde Selbstbesichtigung mit altem Logo und wenig Leben dahinter. Hier ist das zum Glück anders. Exodus klingen nicht wie eine Band, die ihr Denkmal abstaubt, sondern wie eine, die noch immer Lust hat, jemandem damit den Schädel einzuschlagen. Funktioniert das auf Albumlänge? Spoiler: Jau, ziemlich gut sogar.
🎧 Was erwartet dich?
Genre(s): Thrash Metal
Vergleichbar mit: klassischem Bay-Area-Stahl, der sich kurz mit einem Doom-Klotz im Treppenhaus prügelt und danach wieder geschniegelt zum Moshpit geht. Wer den giftigen Biss der Dukes-Ära schätzt, aber nicht auf jede Form von Dynamik allergisch reagiert, ist hier definitiv richtig.
Klangfarbe: Goliath sägt nicht einfach nur los, sondern arbeitet mit Spannungen. Der Opener 3111 kommt erst mit düsterem Unheil und kippt dann in Vollgas-Thrash, The Changing Me schiebt melodische und fast schon fremdartige Farben in den Bandsound, der Titeltrack kriecht in bedrohlicher Langsamkeit durch die Gegend, und gegen Ende gibt es mit Summon Of The God Unknown und The Dirtiest Of The Dozen noch einmal jene Sorte kontrollierter Eskalation, wegen der wir Exodus seit Jahrzehnten nicht loswerden möchten. Mark Lewis hält das alles erstaunlich sauber zusammen: genug Schub, genug Schmutz, genug Raum für Gibsons Bass und Holts Riffsäge.
✨ Highlights
3111
Wenn man ein Album schon so eröffnet, darf hinterher niemand über subtile Warm-up-Phasen jammern. 3111 beginnt mit einem finsteren Intro, als würde irgendwo eine rostige Stahltür zur Hölle aufgehen, und schaltet dann in diesen typischen Exodus-Modus, bei dem Riffs nicht gespielt, sondern ausgeworfen werden. Besonders stark ist hier, wie Rob Dukes sofort klarmacht, dass seine Rückkehr nicht bloß nostalgischer Personaltausch ist. Er klingt wütend, fokussiert und giftig genug, um dem Stück eine sehr reale Schwere zu geben. Dazu passt auch das Thema: Der Song bezieht sich auf die Narco-Morde in Juárez, 3.111 Tötungen allein im Jahr 2010. Keine Partyhymne also, sondern Abriss mit Leichengeruch.
Goliath
Der Titeltrack ist der Moment, in dem Exodus zeigen, dass sie im Jahr 2026 nicht nur schnell, sondern auch schwer können. Das Stück zieht das Tempo brutal herunter und gewinnt genau dadurch an Gewicht. Die Gitarren schleppen sich nicht, sie drücken. Jack Gibsons Bass arbeitet im Untergrund wie ein Presslufthammer im Keller, darüber winden sich fiese Leads, und Katie Jacobys Streicher machen aus dem Ganzen etwas, das fast schon unverschämt nah an Doom entlangschrammt, ohne die Bandidentität aufzugeben. Das ist kein Experiment aus Langeweile, sondern einer der düstersten und besten Songs auf der Platte.
Summon Of The God Unknown
Acht Minuten lange Thrash-Epen können grandios sein oder wie unaufgeräumte Garagen, in denen überall Riffreste rumliegen. Summon Of The God Unknown gehört klar zur ersten Sorte. Der Song baut sich aus einer bitteren, brodelnden Einleitung auf, läuft durch schleppende Passagen, zieht die Schrauben an, wirft Melodien ein und eskaliert dann doch noch mit genug Druck, damit niemand aus Versehen an Prog-Rock denkt. Besonders stark ist, dass das Stück trotz seiner Länge atmet. Es wirkt nicht wie ein Pflichtepik für Veteranen mit Kultstatus, sondern wie eine Nummer, die wirklich erzählt, statt nur Material zu stapeln.
🎨 Artwork
Das Cover von Goliath ist so herrlich unfein, dass wir es fast schon umarmen möchten. In einer brennenden Stadt erhebt sich ein riesiger, aufgerissener Koloss vor einer orangeglühenden Himmelswand, irgendwo zwischen apokalyptischem Heiligenbild, Mutation aus dem Kernkraftwerk und Comic-Höllenfürst auf Wochenendtrip. Unten rennen die Menschen herum wie Statisten, die gerade festgestellt haben, dass ihr Versicherungsvertrag keine Titanen mit Herzriss abdeckt. Das ist nicht subtil. Das will es auch gar nicht sein. Es ist klassisches Metal-Artwork im besten Sinn: groß, überzogen, bedrohlich und genau theatralisch genug, um dem Albumnamen nicht in die Knie zu gehen. Das Cover stammt von Pär Olofsson, der hier nicht Minimalismus verkauft, sondern eine sehr bewusst überlebensgroße Katastrophe, die in den 80ern ebenso gut funktioniert hätte.
🪦 Besondere Momente
Das Video zu 3111 war selbst für YouTube zu brutal. Statt der eigentlichen Fassung musste zunächst eine zensierte Version herhalten. Für eine Band wie Exodus ist das natürlich fast schon fortgeschrittenes Qualitätsmarketing.
Rob Dukes liefert hier seine bislang vielseitigste Exodus-Leistung ab. Nicht nur Brüllen, nicht nur Bellen, sondern mehr melodische Phrasierung, mehr Nuancen, mehr Anpassung an die Songs. Gerade The Changing Me und Promise You This profitieren davon gewaltig.
Das Album ist kollaborativer gebaut als vieles zuvor. Mehrere Bandmitglieder sind am Songwriting beteiligt, dazu kommen Peter Tägtgren bei The Changing Me und Katie Jacoby auf dem Titelstück. Das erklärt auch, warum Goliath nicht wie ein eindimensionaler Dauerlauf wirkt, sondern immer wieder kleine Schlenker einbaut.
Bass und Drums bekommen auffallend viel Raum. Gerade Jack Gibson und Tom Hunting sorgen dafür, dass die Platte nicht nur riffstark, sondern physisch wirkt. Das ist kein dekorativer Unterbau, das ist mittragende Architektur.
📜 Hintergrund
Exodus gehören zur Grundmauer des Bay-Area-Thrash. Gegründet von Tom Hunting und Kirk Hammett, legte die Band 1985 mit Bonded By Blood einen der ewigen Genre-Meilensteine vor und wechselte danach mehrfach nicht nur musikalisch, sondern auch personell die Haut. Paul Baloff, Steve „Zetro“ Souza, Rob Dukes: Die Stimme von Exodus war nie in Stein gemeißelt, Gary Holt aber schon. Er ist seit jeher der konstante Brandbeschleuniger dieser Band und hat auch Goliath wieder entscheidend geprägt. Nach Persona Non Grata und dem neuerlichen Sängerwechsel 2025 kommt nun also das erste Album für Napalm Records mit zurückgekehrtem Dukes und einer Band, die hörbar nicht auf Nummer sicher gehen wollte.
Dass Goliath so wirkt, wie es wirkt, hat also System. Die Platte knüpft einerseits an die bissigere Dukes-Phase an, öffnet aber zugleich mehr Räume für Groove, düstere Langsamkeit und kleine Stilverschiebungen, ohne die eigene DNA zu verraten. Das Album wurde von der Band selbst produziert, von Mark Lewis aufgenommen, gemischt und gemastert, und genau diese Kombination hört man. Hier klingt nichts geschniegelt, aber auch nichts zufällig. Exodus wollten kein Museumsstück. Sie wollten ein großes, schweres Thrash-Album mit Haken, und genau das ist Goliath geworden.
🪓 Fazit: Mehr Koloss als Kulisse
Goliath ist nicht das Album, mit dem Exodus ihre Vergangenheit überspielen wollen. Es ist das Album, mit dem sie zeigen, dass Vergangenheit allein noch keinen Gegenwartswert garantiert. Genau deshalb funktioniert es so gut. Die Platte hat die nötige Raserei, klar. Aber sie hat eben auch Groove, Gewicht, düstere Schwere und einen Sänger, der hier wesentlich mehr abliefert als das bloße Standardprogramm des angefressenen Thrash-Brüllers.
Nicht jeder Seitenschritt sitzt perfekt. Ein, zwei Momente wirken eher wie bewusste Öffnung und weniger wie absolut zwingende Offenbarung. Aber das ist hier kein Problem, sondern fast schon ein Qualitätsmerkmal. Lieber eine Veteranenband mit Ideen als die x-te Ehrenrunde im eigenen Archiv. Unterm Strich ist Goliath ein sehr starkes Exodus-Album, eines der interessantesten der späten Phase und vor allem der Beweis, dass alte Abrissunternehmen nicht automatisch zu Denkmalschutzfällen werden müssen. Wer Thrash Metal mit Hirn, Wucht und bösem Grinsen mag, sollte keine Zeit verlieren und das Teil sehr zügig auflegen.

| Künstler: | Exodus |
| Albumtitel: | AngGoliath |
| Erscheinungsdatum: | 20. März 2026 |
| Genre: | Thrash Metal |
| Label: | Napalm Records |
| Spielzeit: | ca. 54 Minuten |
Trackliste:
3111
Hostis Humani Generis
The Changing Me (feat. Peter Tägtgren)
Promise You This
Goliath (feat. Katie Jacoby)
Beyond The Event Horizon
2 Minutes Hate
Violence Works
Summon Of The God Unknown
The Dirtiest Of The Dozen
🩸 Offizielles Video
Offizielles Musikvideo zu „Goliath“ – ein apokalyptischer Koloss zwischen Doom-Schwere, Stadtbrand und klassischem Exodus-Vernichtungswillen. Bereitgestellt vom offiziellen Napalm Records-Channel auf YouTube:
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