Andenbestien, Psi-Experimente und Waldhorror: Etheria 2026 öffnet sein Kurzkabinett

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Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

🔮 Neun kurze Wege in sehr falsche Wirklichkeiten

📰 Was ist los?
Das Etheria Film Festival 2026 zeigt neun Kurzfilme aus Horror, Science-Fiction, Fantasy und Thriller. Nach Vorführungen in Los Angeles und New York läuft der größte Teil des Programms vom 15. Oktober bis 13. November exklusiv bei Shudder.

🐛 Was denken wir?
Die Stärke liegt in der Mischung. Andenrituale, Remote Viewing, österreichischer Folkhorror und Goldsucher im verfluchten Wald besitzen jeweils eine eigene Bildwelt. Schade ist nur, dass ausgerechnet Bestias de la Muerte nicht im Streamingprogramm landet – und Shudder deutschen Zuschauern ohnehin eine zusätzliche Zugangshürde vor das Kurzkabinett stellt.

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🩸 Andenbestien, Psi-Experimente und Waldhorror: Etheria 2026 öffnet sein Kurzkabinett

Ein altes Andenritual öffnet das Reich der Toten, ein Forschungszentrum untersucht übersinnliche Energien und irgendwo in Kalifornien lernen Goldsucher, dass ein verwilderter Junge noch nicht das Schlimmste im Wald sein muss.

Eine rothaarige Frau sitzt vor einer hellen Mondscheibe, während ihr Gesicht von einer schwarzen Fläche mit kleinen sternenartigen Lichtpunkten verdeckt wird.
Bei Superconscious führt der Blick ins eigene Bewusstsein offenbar direkt in eine erheblich größere Dunkelheit.
© Christianne Hedtke / Etheria Film Festival

Das Etheria Film Festival hat sein Programm für 2026 vorgestellt. Neun von Frauen inszenierte Kurzfilme führen durch Horror, Science-Fiction, Fantasy, Thriller und schwarze Komödie. Nach zwei Kinovorführungen wird der größte Teil des Programms vom 15. Oktober bis 13. November bei Shudder verfügbar sein.

Für Deutschland bleibt dabei ein deutlicher Haken: Shudder wird hierzulande derzeit nicht regulär angeboten. Eine alternative deutsche Streamingauswertung oder spätere Veröffentlichung der einzelnen Filme wurde bislang nicht angekündigt.

💀 Bestien aus dem Reich der Toten

Bestias de la Muerte eröffnet den stärksten mythologischen Teil des Programms. Die 16-jährige Claudia verliert ihre Mutter und führt anschließend ein altes Andenritual durch. Das Ergebnis fällt weniger tröstlich aus als erhofft. Claudia beschwört die Bestien des Todes, wird in deren Reich gezogen und muss dort drei Prüfungen bestehen. Am Ende wartet eine Entscheidung, bei der selbst ein erfolgreich überstandenes Totenritual vermutlich nur begrenzten emotionalen Trost bietet.

Der animierte Kurzfilm von Sandra Powers läuft ausschließlich bei den Live-Veranstaltungen. Im späteren Shudder-Programm ist er nicht enthalten. Das ist bedauerlich, denn gerade die Verbindung aus Trauer, Andenmythologie und animiertem Horror hebt den Film deutlich aus einem Programm heraus, das ohnehin nicht an ungewöhnlichen Ideen spart.

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🌾 Österreich erntet diesmal etwas erheblich Dunkleres

Deo Volante stammt von Sophie Lupine und führt in einen österreichischen Ernteritus. Am Tag des Erntefestes nimmt die junge Harle am heiligen Brauch Harar en Hoendar teil. Mehr verrät die offizielle Beschreibung kaum. Bereits die Verbindung aus ländlicher Gemeinschaft, sakralem Ritual und Horror-Fantasy lässt jedoch vermuten, dass die Ernte in diesem Dorf nicht ausschließlich aus Getreide besteht.

Folkhorror funktioniert besonders gut, wenn niemand erklären muss, weshalb ein Brauch weitergeführt wird. Alle tragen dieselben Masken, sprechen dieselben Worte und hoffen, dass diesmal wieder jemand anderes an der Reihe ist. Mit dreizehn Minuten bleibt Deo Volante kompakt. Die österreichische Produktion dürfte dennoch zu den Beiträgen gehören, die besonders gut zu unserem Fantasy- und Horrorprofil passen.

🧠 Kalter Krieg mit übersinnlicher Energie

Superconscious spielt 1973, während Energiekrise, Kalter Krieg und die beginnende New-Age-Bewegung gleichzeitig an der Wirklichkeit ziehen. Eine Frau reist zu einem abgelegenen Zentrum für menschliches Potenzial und nimmt dort an einem Remote-Viewing-Programm teil. Die wissenschaftliche Studie untersucht sogenannte Psi-Energie und damit jene Fähigkeit, die gewöhnlich genau so lange als Unsinn gilt, bis eine Regierungsbehörde heimlich ein größeres Budget dafür bereitstellt.

Der zwanzigminütige Kurzfilm von Christianne Hedtke verbindet historischen Wissenschaftswahn, Okkultismus und Science-Fiction. Das offizielle Szenenbild zeigt eine Frau, deren Gesicht wie eine sternenbesetzte schwarze Leerstelle wirkt – ein ausgesprochen starkes Motiv für ein Experiment, das vermutlich etwas zu erfolgreich verläuft. Gerade diese Mischung aus authentischem Zeitkolorit und paranormaler Forschung könnte einen der nachhaltigsten Beiträge des Programms liefern.

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🤰 Visitors lässt der eigenen Wahrnehmung nicht mehr trauen

In Visitors befindet sich eine junge Frau am Anfang ihrer Schwangerschaft. Dann beginnen sich die Menschen in ihrem Umfeld auf rätselhafte Weise zu verändern. Was zunächst wie eine körperliche oder psychische Ausnahmesituation wirkt, entwickelt sich zum Science-Fiction-Thriller über Wahrnehmung, Identität und die Frage, ob die eigene Wirklichkeit noch zuverlässig ist.

Der Film von Minnie Schedeen dauert vierzehneinhalb Minuten. Schwangerschaftshorror besitzt dabei eine lange Tradition, weil körperliche Veränderungen, Kontrollverlust und gesellschaftliche Erwartungen bereits ohne außerirdische Einflüsse genügend Unruhe erzeugen. Visitors scheint diese Ängste nun mit einer Bedrohung zu verbinden, die möglicherweise nicht nur im Körper der Hauptfigur wächst.

🌲 In diesem Wald existieren die Knochen wirklich

The Bones Exist führt in das Kalifornien der 1850er-Jahre. Eine schwindende Gruppe von Goldsuchern trifft in der Wildnis auf einen verwilderten Jungen. Die Begegnung zwingt die Männer dazu, sich mit den Schrecken des Waldes und den Verbrechen ihrer eigenen Vergangenheit auseinanderzusetzen.

Der historische Hintergrund gibt dem Kurzfilm von Kelsey Bollig und Matthew DuVall eine besonders unangenehme Grundlage. Goldrausch, Gewalt und die Verdrängung bestehender Gemeinschaften liefern bereits genug reale Dunkelheit, bevor der Wald selbst überhaupt etwas hinzufügt.

Der Titel klingt dabei weniger wie eine Warnung als wie eine nüchterne Feststellung. Irgendjemand hat offenbar lange behauptet, die Knochen seien nur eine Geschichte. Der Film übernimmt nun die Beweisführung.

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📼 Eine Videokassette kennt den vorherigen Fluchtversuch

Do Not Rewind läuft ausschließlich bei Shudder. Eden erwacht in einem fensterlosen Raum und besitzt nur eine VHS-Kassette als Verbindung zur Außenwelt. Auf dem Band befinden sich verschlüsselte Warnungen ihrer Vorgängerin Jess. Eden muss sie entschlüsseln, bevor der Mann, der beide Frauen gefangen hielt, sie zum nächsten Opfer seines psychologischen Gefängnisses macht.

Die Beschränkung auf einen Raum und eine Kassette ist klassischer Kurzfilmstoff: wenige Mittel, ein klarer Zeitdruck und ein Gegenstand, der gleichzeitig Hilfe, Beweisstück und Teil der Falle sein kann. Der Titel verrät zudem die wichtigste Regel. Erfahrungsgemäß werden Regeln auf alten Videokassetten jedoch exakt deshalb ausgesprochen, damit jemand sie im ungünstigsten Moment missachtet.

🥛 Milchgeruch, Seemonster und eine gefährliche Beichte

Die übrigen Beiträge erweitern das Programm um deutlich schrägere Töne. Wall Udder handelt von einer unzufriedenen Frau, deren verdrängte Gefühle hervorbrechen, nachdem ihr Partner nach Milch riechend nach Hause kommt. Der Horror-Comedy-Film benötigt für seine Ausgangslage nur einen Satz und erzeugt damit bereits mehr Fragen, als ein gewöhnlicher Beziehungsabend verkraften dürfte.

In Gog fahren fünf sogenannte Flatlanders für einen perfekten Tag an einen See. Dessen ältester Bewohner begrüßt die Besucher freundlich. Bei einem Horrorfilm ist Höflichkeit allerdings selten ein belastbarer Hinweis auf ungefährliche Absichten.

Confession folgt einer Frau, die einem Priester die Beichte ablegen möchte. Während ihrer Erzählung erkennt er, dass sie erheblich gefährlichere Geheimnisse besitzt als erwartet. Der japanische Thriller stammt von Mai Nakanishi.

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🎬 Zwei Kinos, ein Streamingmonat und vorerst kein deutscher Weg

Das Live-Programm läuft am 28. August in Los Angeles und am 9. September in New York. Die zweite Vorstellung entsteht in Zusammenarbeit mit dem Brooklyn Horror Film Festival und The Future of Film is Female.

Vom 15. Oktober bis 13. November zeigt Shudder acht der Kurzfilme. Bestias de la Muerte bleibt dem Kino vorbehalten, während Do Not Rewind ausschließlich im Streamingprogramm erscheint.

Etheria präsentiert damit kein Programm aus neun ähnlich gebauten Slashern. Zwischen Andenmythologie, österreichischem Ernteritual, Schwangerschaftsangst, Psi-Forschung und historischem Waldhorror wechseln Schauplätze, Formen und kulturelle Hintergründe beinahe mit jedem Film.

Für deutsche Zuschauer liegt der größte Schrecken vorerst allerdings außerhalb der Geschichten: Das Programm besitzt noch keinen offiziell bestätigten Weg nach Deutschland.

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