Enevelde / Gjendød – Elegier fra avgrunnen (Review)

Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

Enevelde / Gjendød – Elegier fra avgrunnen

🧿 Kurzfazit
Elegier fra avgrunnen ist eine norwegische Black-Metal-Split, die nicht modernisiert, sondern vertieft. Enevelde murmelt aus der Einsamkeit, Gjendød schlägt aus dem Schatten zurück, und beide Seiten riechen nach nassem Stein, altem Holz und sehr wenig Versöhnung.

🎯 Für wen?
Für Leute, die bei Darkthrone, frühem Satyricon, Taake, Kampfar und klassischem norwegischem Untergrund nicht zuerst Nostalgie hören, sondern Herkunft, Haltung und kalte Luft zwischen den Rippen.

🎧 Wie klingt das?
Rau, aber nicht formlos. Melodisch, aber nicht schöngeföhnt. Die Gitarren ziehen Nebellinien über Fels und Moor, das Schlagzeug hält den Boden offen, und die Stimmen klingen, als kämen sie aus Räumen, in denen niemand freiwillig übernachtet.

🎼 Highlights
Fødselsdefekt, Dødsrikets pinsler, Utslettelsen

⛔ Nichts für dich, wenn…
du Black Metal nur dann ernst nimmst, wenn er entweder klinisch perfekt hämmert oder mit Avantgarde-Schildchen am Mantel durch die Kunsthalle schleicht.

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🌫️ Enevelde / Gjendød – Elegier fra avgrunnen: Achtmal fällt der Nebel ins Grab

Norwegischer Black Metal muss gar nicht viel tun, um verdächtig zu wirken. Ein grauer Himmel, ein paar Worte über Abgrund, Tod und Auslöschung, dazu der feste Wille, moderne Produktion wie einen penetranten Steuereintreiber vom Hof zu jagen, und schon steht die alte Bestie wieder im Türrahmen.

Enevelde und Gjendød machen auf Elegier fra avgrunnen keinen Hehl daraus, woher der Wind weht. Diese Split ist kein Versuch, Black Metal mit neuen Möbeln auszustatten. Hier wird der alte Raum betreten, die Tür angelehnt und geprüft, ob der Moder noch trägt. Das tut er. Oh ja, der trägt sogar ziemlich gut.

Acht Stücke, zwei Bands, ein gemeinsamer Abgrund. Enevelde übernimmt die erste Hälfte und klingt dabei wie ein Einzelgänger, der mit finsterer Ruhe seine eigenen Schatten sortiert. Gjendød antworten danach kantiger, bandhafter, etwas direkter im Zugriff. Zusammen ergibt das keine lose Materialsammlung, sondern ein erstaunlich geschlossenes Dokument: Natur, Folklore, Tod, böser Wille und genug 90er-Kälte, um jedem Hochglanz-Black-Metal die Schminke vom Gesicht zu frieren.

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🎧 Was erwartet dich?

Genre(s): Norwegian Black Metal, Atmospheric Black Metal, Raw Black Metal

Vergleichbar mit: Nicht als billige Kopie, eher als Blutlinie: Darkthrone im Geröll, Taake ohne touristischen Blick aufs Fjordpanorama, Kampfar mit weniger Pathos, frühe Satyricon-Kälte und jener Terratur-Geruch, bei dem man sofort weiß, dass hier keine Triggerdrum zum Wellness-Aufguss geladen wurde.

Klangfarbe: Elegier fra avgrunnen klingt grau, trocken und zugleich feucht. Ein schöner Widerspruch, aber genau darin liegt der Reiz. Die Produktion lässt die Instrumente atmen, ohne ihnen Komfort zu schenken. Nichts knallt künstlich, nichts glänzt unnötig. Die Riffs stehen im Raum wie dunkle Baumstämme, das Schlagzeug kommt natürlich und knochig, die Stimmen schneiden eher als dass sie brüllen.

Die erste Hälfte wirkt verschlossener, fast monastisch in ihrer Bitterkeit. Enevelde schichtet Stimmung nicht über Bombast, sondern über Beharrlichkeit. Die zweite Hälfte wirkt körperlicher. Gjendød bringen mehr Banddruck, mehr Bewegung, mehr Biss. Dadurch entsteht eine gute Split-Dramaturgie: erst der innere Abstieg, dann der Tritt von außen.

🔥 Ein paar perfekte Finsterhappen

Fødselsdefekt ist der lange schwarze Balken am Ende der Enevelde-Seite. Über sieben Minuten baut sich hier kein klassischer Höhepunkt auf, sondern eine Art krankes Kreisen. Der Song fühlt sich an wie ein Gedanke, der zu lange in einem ungeheizten Zimmer gelegen hat. Besonders gelungen ist, dass die Länge nicht als epischer Anspruch posiert. Sie wirkt notwendig, weil diese Musik Zeit braucht, um ihre Kälte in die Wände zu ziehen.

Dødsrikets pinsler zeigt Gjendød von ihrer besten Seite: direkter, bissiger, mit mehr Druck aus dem Bandgefüge. Die Gitarren haben diesen alten norwegischen Zug, der sofort nach Fels, Waldkante und schlechter Nachricht klingt. Das Stück rennt nicht stumpf nach vorn, sondern arbeitet mit einer gehässigen Zielstrebigkeit. Hier sitzt der Übergang von der solitäreren Enevelde-Hälfte zur grimmigeren Gjendød-Seite besonders überzeugend.

Utslettelsen ist als Abschluss genau richtig platziert. Der Titel bedeutet Auslöschung, und das Stück behandelt diese Idee nicht wie ein Feuerwerk, sondern wie eine Feststellung. Kein großer Triumph, kein Schlussbanner, keine theatralische Verbeugung. Der Song zieht die Platte nach unten und lässt sie dort liegen. Das ist unangenehm konsequent und deshalb stark.

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🎨 Artwork

Das Cover arbeitet mit Zurückhaltung, was in diesem Fall nicht Langeweile bedeutet. Eine verwaschene, graugrüne Landschaft liegt unter einer körnigen Oberfläche, als sei das Bild aus einem feuchten Archiv gezogen worden. In der Ferne erkennt man Land, Wasser, Horizont, vielleicht Nebel, vielleicht bloß das Nachlassen jeder Hoffnung. Oben stehen die Bandnamen in schwarzer Schrift, unten der norwegische Titel: Elegier fra avgrunnen. Keine Schädel. Keine brennenden Kirchen. Keine Dämonen mit Bewerbungsmappe. Stattdessen ein Bild, das so bleich und ausgewaschen wirkt, dass es fast schon körperlich kalt wird. Gerade dadurch passt es. Diese Split verkauft kein Spektakel. Sie legt ein Dokument auf den Tisch, dessen Papier bereits Feuchtigkeit gezogen hat.

Der schmale Rahmen verstärkt den Eindruck eines alten Drucks oder einer Grabplatte in Papierform. Man könnte sich vorstellen, dass dieses Cover nicht gestaltet, sondern gefunden wurde: zwischen Kirchenbuch, Wetterbericht und einer Akte über verschwundene Menschen. Für ein Album, das seine Wirkung aus Atmosphäre, Tradition und Abgrundnähe zieht, ist das ziemlich präzise.

🪦 Besondere Momente

Zwei Seiten, kein Bruch
Viele Splits wirken wie zusammengeheftete Restbestände. Diese hier nicht. Enevelde und Gjendød besitzen unterschiedliche Konturen, aber sie sprechen dieselbe Sprache: Norwegischer Black Metal ohne dekorative Modernisierung, ohne Plastikschärfe, ohne Gefälligkeit.

Der Titel als Programm
Elegier fra avgrunnen heißt sinngemäß Elegien aus dem Abgrund. Das ist großspurig, ja. Aber die Musik trägt diese Schwere, weil sie nicht dauernd erklären will, wie finster sie ist. Sie bleibt im Tonfall ernst, knapp und grimmig.

Keine Angst vor klassischer Form
Hier wird nichts peinlich verrenkt, nur um neu zu wirken. Gerade das wirkt frisch. In einer Szene, in der Innovation oft mit Zusatzinstrument, Genre-Mischung oder Studiotrick verwechselt wird, klingt diese Split fast trotzig: Riff, Stimme, Schlagzeug, Atmosphäre. Mehr braucht der Abgrund manchmal nicht.

Die norwegische Kälte kommt ohne Postkarte aus
Natur und Dunkelheit sind spürbar, aber nicht als Tourismus-Broschüre für Schwarzmetaller. Keine majestätische Fjord-Romantik, kein hübsches Bergpanorama im Mondlicht. Eher ein nasser Weg, eine schlechte Nachricht und das Gefühl, dass hinter der nächsten Baumreihe etwas wartet, das keinen Namen braucht.

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📜 Hintergrund

Enevelde und Gjendød gehören beide zum norwegischen Black-Metal-Untergrund, bewegen sich aber nicht einfach als Traditionsverwalter durch vertrautes Gelände. Beide Bands nutzen den alten Geist des Genres, um eigene Dunkelräume zu öffnen: roh, atmosphärisch, naturverbunden, feindselig gegenüber allem, was nach sauberer Gegenwart riecht.

Elegier fra avgrunnen erscheint über Terratur Possessions, mit weltweitem Vertrieb durch Amor Fati Productions. Das ist für diese Art Musik ein passendes Umfeld: keine Massenmarkt-Kulisse, sondern ein Rahmen für Black Metal, der seine Herkunft ernst nimmt und trotzdem nicht bloß museal herumsteht.

Die Split ist klar geteilt. Enevelde liefert die ersten vier Stücke, Gjendød die folgenden vier. Bei Enevelde steht B. Kråbøl allein an allen Instrumenten. Gjendød treten als Bandgefüge an: K. an Gitarren und Synths, T. Kråbøl am Schlagzeug, K.K. an Gesang und Bass. Dadurch entsteht ein reizvoller Kontrast: einsame Kontrolle auf der einen, gemeinsamer Angriff auf der anderen Seite.

🪓 Fazit: Das Loch antwortet auf Norwegisch

Elegier fra avgrunnen gewinnt nicht, weil es überrascht. Es gewinnt, weil es seinen Rahmen versteht. Diese Split will keine Türen in fremde Genres treten und keine akademische Erklärung für Black Metal nachreichen. Sie steigt hinab, bleibt unten und macht dort das Licht aus.

Die Enevelde-Seite wirkt wie ein innerer Verfall: länger atmend, verschlossener, beinahe rituell. Die Gjendød-Seite bringt danach mehr Zähne ins Spiel, ohne den gemeinsamen Ton zu zerreißen. Genau deshalb funktioniert das Album als Ganzes. Es ist nicht einfach vier plus vier. Es ist ein Abstieg in zwei Bewegungen.

Wer makellose Produktion, große Refrains oder ständig wechselnde Reizpunkte braucht, wird hier an der falschen Felswand kratzen. Wer aber norwegischen Black Metal hören will, der seine alten Werkzeuge nicht aus Nostalgie, sondern aus Überzeugung benutzt, bekommt mit Elegier fra avgrunnen eine starke, geschlossene und frostig konsequente Split. Kein Denkmal. Eher ein Loch im Boden, aus dem noch Rauch steigt.

Albumcover Enevelde / Gjendød – Elegier fra avgrunnen: Verwaschene graue Landschaft mit Wasser, flachem Horizont, dunkler Landmasse, körniger Papierstruktur, schmalem Rahmen sowie Bandnamen oben und Albumtitel unten in schwarzer Schrift.
Künstler:Enevelde / Gjendød
Albumtitel:Elegier fra avgrunnen
Erscheinungsdatum:6. Juni 2026
Genre:Norwegian Black Metal, Atmospheric Black Metal, Raw Black Metal
Label:Terratur Possessions
Spielzeit:ca. 42 Minuten

🎬 Full Split Premiere

Full-Split-Premiere zu „Elegier fra avgrunnen“ – acht Stücke norwegischer Black-Metal-Kälte zwischen Nebelrand, Abgrundlitanei und alter Untergrund-Macht. Bereitgestellt vom Black Metal Promotion-Channel auf YouTube:

🎼 Trackliste:

Enevelde – Ut av deg selv – 5:01
Enevelde – Langt fra umaken verdt – 5:53
Enevelde – På dødelige terskler – 3:54
Enevelde – Fødselsdefekt – 7:15
Gjendød – Verden våkner – 5:30
Gjendød – Dødsrikets pinsler – 5:17
Gjendød – Mennesketårnet faller – 3:58
Gjendød – Utslettelsen – 5:33

👥 Besetzung

Enevelde

B. Kråbøl – alle Instrumente

Gjendød

K. – Gitarren / Synths
T. Kråbøl – Schlagzeug
K.K. – Gesang / Bass

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