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🥾 Drei Zinnen Alpen-Irrsinn: Fünf krasse Wanderziele, die wir diesen Touristen wünschen
An den Drei Zinnen in den Dolomiten stehen Touristen inzwischen zum Wandern an. Hunderte Meter lange Schlangen bilden sich vor den Shuttlebussen zur Auronzohütte. Bis zu 14.000 Besucher sollen täglich zu dem berühmten Bergmassiv pilgern.
Die Region verträgt laut einer Studie ungefähr 2.000 bis 3.000. Aber wen interessiert das schon, wenn es um Selbstdarstellung geht? Denn viele Gäste reisen nur für wenige Stunden an, machen ein Foto und verschwinden wieder. Das Naturerlebnis besteht aus Bus, Schlange, Berg, Handy, Rückfahrt. Wer Glück hat, sieht zwischen zweihundert Selfiestangen kurz einen Stein.
Die Zwischenreiche beobachten diese Entwicklung mit Interesse. Dort existieren seit Jahrhunderten Wanderwege für Menschen, die Landschaft verachten, Ruhe verdächtig finden und einen Ausflug erst dann für gelungen halten, wenn sie unterwegs in mindestens drei Warteschlangen standen.
Der Arkane Moosverhetzer empfiehlt darum gerne fünf Ziele, die dieser Touristen-Spezies mehr als gerecht werden.

🏔️ Fünf Wanderziele für den modernen Massentouristen
Der Gipfel des vollkommen identischen Fotos
Der Gipfel liegt in Knattermoor und bietet keinerlei Aussicht. Dafür steht auf einer Plattform ein gemalter Hintergrund mit Bergen, Sonnenuntergang und einem Adler, der bei gutem Wetter von zwei Kobolden an einer Schnur vorbeigezogen wird.
Besucher warten durchschnittlich vier Stunden, um davor dasselbe Foto wie alle anderen aufzunehmen. Wer tatsächlich die Landschaft fotografiert, wird des Geländes verwiesen.
Die Warteschlucht von Mumpfingen
Diese Route besteht vollständig aus einer Schlange. Der Weg beginnt am Parkplatz, windet sich 14 Kilometer durch ein Tal und endet wieder am Parkplatz. Unterwegs gibt es weder Gipfel noch See noch Aussicht.
Alle 800 Meter steht jedoch ein Schild mit der Aufschrift, dass das Ziel jetzt wirklich nicht mehr weit entfernt sei. Am Ende erhalten Wanderer einen Aufkleber: Ich war fast irgendwo.
Der Influencergrat
Der schmale Gebirgskamm darf ausschließlich seitlich betreten werden, damit niemand die Aufnahme des Vordermanns stört. An besonders beliebten Stellen wurden fest montierte Ringe für Selfiestangen angebracht. Wanderer müssen dort mindestens drei Minuten lang nachdenklich in die Ferne blicken, während hinter ihnen 600 Menschen „Mach hin!“ brüllen.
Wer keine Follower besitzt, darf trotzdem hinauf. Er muss allerdings so tun, als würde er gerade beruflich reisen.
Der See der tausend Drohnen
Dieser stille Bergsee war früher für sein klares Wasser und seine unberührte Lage bekannt. Heute schweben jederzeit mehrere tausend Drohnen darüber. Das Geräusch erinnert an einen Hornissenschwarm, der eine eigenes Elektro-Startup gegründet hat.
Baden ist verboten, weil die Besucher sonst auf den Aufnahmen zu klein wirken. Einmal pro Stunde stürzen sämtliche Drohnen gleichzeitig ins Wasser. Danach beginnt der nächste Startslot.
Der Todessteig zum einzigen freien Parkplatz
Die härteste Route führt durch Geröllfelder, Sümpfe und ein Gebiet mit schlecht erzogenen Bergtrollen. Am Ende wartet kein Gipfel. Dort befindet sich ein einzelner kostenloser Parkplatz.
Wer ihn erreicht, darf zwölf Minuten bleiben. Danach erscheint ein Kobold mit einer Parkkralle und verlangt 80 Goldstücke Naturerlebnisgebühr. Die Route ist für die nächsten drei Jahre ausgebucht.
📱 Der Berg dient nur noch als Hintergrund
Die Drei Zinnen sind kein unbekannter Geheimtipp, der durch einen einzelnen Reiseblog plötzlich entdeckt wurde. Das Massiv gehört zu den berühmtesten Motiven der Dolomiten und zum Unesco-Weltnaturerbe. Gerade deshalb ist der Ansturm für Bewohner und Natur längst zum Problem geworden.
Der Bürgermeister der Nachbargemeinde Toblach fordert, auch die Zahl der Menschen zu begrenzen. Die Gemeinde Auronzo di Cadore denkt zumindest über weniger Shuttlebus-Tickets nach. Der örtliche Hotel- und Gastwirteverband betrachtet Begrenzungen erwartbar zurückhaltend. Schließlich lässt sich aus 14.000 Menschen deutlich mehr Geld pressen als aus 3.000.
Der moderne Massentourist möchte allerdings keine Landschaft mehr entdecken. Er möchte allen beweisen, dass er dort war und ganz klar ein Element der Terror-Touri-Bubble ist.
Idealerweise natürlich gemeinsam mit allen anderen Menschen, die gerade ebenfalls Individualität aufführen. Die Zwischenreiche wären darauf vorbereitet. Der Gipfel des vollkommen identischen Fotos könnte täglich 40.000 Besucher abfertigen. Die Berge sind aufgemalt, die Adler austauschbar und sämtliche Schäden beschränken sich auf den Parkplatz.
Für die echten Drei Zinnen wäre das vermutlich eine Erholung. Für die Touristen kaum ein Unterschied. Sie würden ohnehin nur auf ihr Smartphone-Display schielen.





