Dreambound war heimlich DC Vertigo: Der Webtoon steckt in einem Comic im Comic

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Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

🌙 Der Comic wusste mehr als wir.

📰 Was ist los?
Der seit September laufende Fantasy-Webtoon Dreambound wurde auf der NYCC als Teil eines geheimen DC-Vertigo-Projekts enthüllt. Hinter der vermeintlichen Autorin Sadie Wilson-Finley stehen Ro Stein und Ted Brandt. Gleichzeitig existiert Dreambound innerhalb von Fanatic von Grace Ellis und Hannah Templer als jener Comic, um den sich eine zunehmend gefährliche Fanobsession entwickelt.

🐛 Was denken wir?
Das ist endlich einmal ein Metaexperiment, bei dem die Form tatsächlich zur Geschichte gehört. Der Webtoon existiert real, wird innerhalb eines zweiten Comics fiktionalisiert und kann über soziale Reaktionen wiederum dessen Handlung beeinflussen. Wenn DC diese Ebenen sauber zusammenhält, könnte das ziemlich clever werden.

Seit Anfang September läuft Dreambound scheinbar als eigenständige romantische Fantasyserie auf WEBTOON Canvas. Eine 16-Jährige entdeckt, dass der Prinz aus ihren Träumen wirklich existiert, folgt ihm in eine fantastische Welt und gerät dort zwischen zwei Brüder, von denen mindestens einer deutlich mehr über sie weiß, als angenehm wäre.

Aisling steht in Dreambound einem blonden Prinzen gegenüber und berührt sein Gesicht, während hinter ihnen eine mondhelle Traumwelt erscheint.
Was wie eigenständige romantische Fantasy begann, entpuppt sich als Teil eines größeren Vertigo-Spiels: Dreambound verbindet Traumwelt, Webtoon und die Realitätsebenen von Fanatic. © DC / WEBTOON / Ro Stein & Ted Brandt

Auf der New York Comic Con hat DC nun enthüllt, dass hinter dem Projekt von Anfang an erheblich mehr steckte. Dreambound gehört zu DC Vertigo, stammt tatsächlich von Ro Stein und Ted Brandt und wird zugleich zum zentralen fiktionalen Comic innerhalb von Fanatic – einer zweiten Vertigo-Serie, die Realität, Fandom und Comicwelt bewusst ineinander schiebt.

💤 Der Traum war eine Tarnung

Auf WEBTOON erschien Dreambound bislang unter dem Namen Sadie Wilson-Finley. Erst jetzt wurde offengelegt, dass hinter der Fantasyserie tatsächlich das Kreativteam Ro Stein und Ted Brandt steht.

Damit bekommt der bisher scheinbar unabhängige Webtoon rückwirkend eine völlig andere Bedeutung. Die vermeintliche Autorin gehört selbst zum erzählerischen Spiel, während die veröffentlichte Serie bereits Teil eines wesentlich größeren Vertigo-Projekts war.

Das ist ein ziemlich charmanter Trick. Leser konnten wochenlang einen Comic verfolgen, ohne zu wissen, dass dessen Herkunft selbst Teil der Geschichte werden würde.

Schmaler Crowbah Banner mit Crowbah und Grabhold vor dunkler Comic Stadt.

👑 Ein Prinz wird plötzlich real

Innerhalb von Dreambound folgt die Handlung der 16-jährigen Aisling, deren sorgfältig kontrolliertes Leben auseinanderfällt, als sie erkennt, dass der Prinz aus ihren Träumen tatsächlich existiert.

Sie folgt ihm in The Dream, ein Reich, in dem praktisch alles möglich sein soll. Dort gerät sie zwischen einen strahlenden Prinzen mit ausgeprägtem Heldenkomplex und dessen deutlich moralisch zweifelhafteren Bruder.

Gerade der zweite scheint ein besonderes Interesse an Aisling zu entwickeln. Und dieses Interesse könnte offenlegen, warum sie überhaupt mit The Dream verbunden ist.

📚 Dann kommt Fanatic ins Spiel

Hier beginnt die eigentliche Verrücktheit. Fanatic von Grace Ellis und Hannah Templer erzählt von einer Frau, deren Begeisterung für einen Comic in eine gefährliche parasoziale Fixierung auf dessen Schöpferin kippt. Dieser Comic ist nun Dreambound.

Damit lesen wir auf der einen Seite eine reale Fantasyserie auf WEBTOON – während dieselbe Serie innerhalb einer anderen Comicgeschichte zum Objekt einer Besessenheit wird. Ein echter Comic wird also zum fiktionalen Comic innerhalb eines anderen echten Comics. Vertigo baut hier gewissermaßen eine Tür in die eigene Wand.

Nichts als die Wahrheit. Schmaler Banner für den Arkanen Moosverhetzer. Ein Moosling mit Blatthelm, der wütend eine Propagangazeitung liest.

🪞 Zwei Wirklichkeiten schauen sich an

Die Konstruktion geht noch weiter. Fanatic soll sich nicht vollständig in einer abgeschlossenen fiktionalen Welt bewegen, sondern reale Ereignisse rund um Fandom, soziale Medien und die Veröffentlichung von Dreambound in seine Geschichte aufnehmen.

Damit können Reaktionen auf den Webtoon selbst wiederum Material für Fanatic werden. Was Leser schreiben, wie über Figuren gesprochen wird und wie sich das Projekt öffentlich entwickelt, kann theoretisch Teil jener Realität werden, in der die Figuren der zweiten Serie leben.

Das bringt das Ganze gefährlich nah an ein Alternate-Reality-Spiel – nur dass Comicseiten, Social Media und Webtoon gleichzeitig als Spielfeld dienen.

📖 Zwei Comics auf einem Buchrücken

Auch die spätere Printfassung soll diese Verbindung sichtbar machen. Dreambound wird als Flipbook gemeinsam mit Fanatic erscheinen.

Das heißt: Beide Geschichten werden physisch miteinander verbunden, obwohl sie auf unterschiedlichen Realitätsebenen funktionieren. Wer den Band umdreht, wechselt damit gewissermaßen von der Geschichte über Fandom direkt in jenes Werk, von dem die Figuren besessen sind. So etwas ist im Digitalzeitalter fast schon angenehm analog kompliziert.

Düsterer Fantasy-Werbebanner für den fiktiven Energydrink „BLACK RUNE“. Rechts sitzt ein muskulöser Orkkrieger in abgenutzter Leder- und Metallrüstung in einem rauchigen Kriegslager, hält eine schwarze Getränkedose mit Runenzeichen und stützt sich neben einer großen Streitaxt ab. Links steht in großer schwarzer und roter Serifenschrift der Slogan: „BLACK RUNE verleiht Schädel.“

🎭 Selbst die Enthüllung spielte mit

DC beließ es auf der New York Comic Con offenbar nicht bei einer gewöhnlichen Folie mit Logo und Namen. Während der Präsentation wurde die Enthüllung theatralisch in das Konzept selbst eingebaut, indem eine Figur aus dem Projekt während des Panels auftauchte und sich in die Vorstellung einmischte.

Damit wurde selbst die Convention-Präsentation Teil jenes Spiels, das Fanatic mit Realität und Fiktion treiben möchte. Besucher bekamen zudem einen Dreambound-Ashcan mit nach Hause. Ein vermeintlicher Webtoon wird damit plötzlich physisches Sammlerstück, Vertigo-Comic und fiktionales Objekt einer anderen Serie zugleich.

🖤 Genau dafür passt Vertigo

Dass ausgerechnet DC Vertigo hinter dem Experiment steckt, ist ziemlich passend. Das Imprint wurde immer dann besonders interessant, wenn Comics ihre eigenen Grenzen nicht besonders ernst nahmen und mit Form, Erzählperspektive oder Realitätsebenen spielten.

Dreambound sieht auf den ersten Blick vergleichsweise harmlos aus: romantische Fantasy, ein Traumreich, zwei attraktive Prinzen und ein Mädchen mit geheimnisvoller Vergangenheit. Der eigentliche Vertigo-Stoff beginnt erst eine Ebene darüber.

Denn dort geht es plötzlich um Fandom, Besitzansprüche, parasoziale Beziehungen und die Frage, was passiert, wenn Leser einem fiktionalen Werk so nahekommen wollen, dass die Grenze zum Menschen dahinter verschwindet.

🌙 Der Webtoon ist jetzt Teil seiner eigenen Geschichte

Das macht die heutige Enthüllung deutlich interessanter als eine gewöhnliche Printankündigung. Dreambound war bereits da. Menschen konnten es lesen, abonnieren und über seine Figuren sprechen. Erst jetzt erfahren sie, dass genau diese Existenz außerhalb des Comics Teil der Konstruktion von Fanatic ist.

Wenn DC das konsequent durchzieht, könnte daraus ein ziemlich ungewöhnliches Comicexperiment entstehen: eine Geschichte über Fandom, deren Fandom schon existiert, bevor die eigentliche Geschichte überhaupt vollständig begonnen hat.

Und irgendwo dürfte Sadie Wilson-Finley vermutlich gerade sehr zufrieden darüber sein. Falls es sie überhaupt gibt.

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