Die Dark-Sun-Schöpfer kehren zurück – Dragon Kings lässt Khitus verdorren
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🏜️ Kein Regen. Keine Könige. Viel Sand.
📰 Was ist los?
Mehrere Veteranen hinter Dark Sun bauen gemeinsam Dragon Kings aus. Timothy Brown entwickelt Khitus zusammen mit Troy Denning, Brom, Bill Slavicsek und Rich Baker für D&D 5.5E weiter. Die laufende Kampagne hat bei einem Ziel von 5.000 Dollar inzwischen mehr als 167.000 Dollar eingesammelt.
🐛 Was denken wir?
Nee, der interessante Teil ist hier nicht die Crowdfunding-Zahl. Spannend ist, dass mehrere der Leute, die brutale postapokalyptische Fantasy im Rollenspiel überhaupt geprägt haben, noch einmal gemeinsam eine solche Welt bauen. Khitus klingt dabei eigenständig genug, um mehr zu werden als bloß Athas mit anderen Ortsnamen.
Die Herrscher sind verschwunden. Der Regen ebenfalls. Zurück bleibt eine sterbende Welt aus Sand, zerfallenden Reichen und Magie, die sich daran erinnert, wenn jemand sie missbraucht.

Mit Dragon Kings kehrt eine bemerkenswerte Gruppe von Fantasyveteranen an genau jene Art von Welt zurück, mit der sie einst Dark Sun geprägt hat. Timothy Brown, Troy Denning, Brom, Bill Slavicsek und Rich Baker arbeiten gemeinsam an einer neuen Ausgabe von Browns düsterem Setting Khitus – angepasst an D&D 5.5E, ergänzt um Regeln für die zweite Edition und finanziert über eine Crowdfunding-Kampagne, die ihr ursprüngliches Ziel inzwischen um ein Vielfaches übertroffen hat.
☀️ Wo der Regen verschwunden ist
Khitus war nicht immer eine sterbende Welt. Vor mehr als tausend Jahren entrissen mächtige Zauberer den alten Göttern die Kontrolle und teilten die Welt unter sich auf.
Diese Dragon Kings sollten Zivilisationen schützen, Wohlstand sichern und eine neue Ordnung schaffen. Doch ihre scheinbar ewige Herrschaft endete – und mit ihrem Verschwinden begann Khitus selbst zu zerfallen.
Reiche stürzten zusammen. Städte wurden zu letzten Inseln der Zivilisation. Selbst Drachen und Dämonen zogen sich zurück. Und irgendwann hörte es auf zu regnen.
🎬 Dragon Kings – offizielles Kampagnenvideo
Sand, Psionik und gefährliche Magie: Das offizielle Kampagnenvideo stellt Timothy Browns sterbende Welt Khitus vor.
🏜️ Khitus stirbt langsam
Diese Welt soll ausdrücklich keine gewöhnliche Hochfantasy mit grünen Königreichen und problemloser Magieversorgung werden. Wasser ist knapp, Zivilisation fragil und selbst eine Reise durch die Landschaft kann zur Überlebensfrage werden.
Das Regelwerk bekommt dafür eigene Mechaniken für Wasserrationen, Hoffnung und Verzweiflung sowie den Umgang mit Magie. Ausrüstung, Hintergründe und Klassen sollen ebenfalls stärker auf eine Welt zugeschnitten sein, in der Ressourcen tatsächlich Bedeutung besitzen.
Damit wird die Wüste nicht bloß zum hübschen Hintergrund. Sie ist Teil des Spiels. Wer schlecht plant, verliert hier womöglich lange vor dem ersten Drachen.
🔮 Magie hat ein Gedächtnis
Noch interessanter ist allerdings die Art, wie Dragon Kings Magie behandelt. Zauberei ist in Khitus nicht bloß eine neutrale Energiequelle. Hinter ihr steckt etwas, das beinahe wie ein eigenes Bewusstsein wirkt – eine arkane Macht, die sich gegen jene richtet, die sie zu leichtfertig benutzen.
Manche Formen von Magie können sogar nur gemeinsam gesungen werden. Gleichzeitig kehren die psionischen Künste langsam zurück und werden weniger als moderne Disziplin denn als wiederentdeckte uralte Wahrheit behandelt. Das macht Magie automatisch riskanter. Sie ist Werkzeug, Versuchung und möglicherweise Gegner zugleich.
🧠 Psionik kehrt zurück
Gerade die starke Rolle von Psionik dürfte alten Dark-Sun-Spielern sofort vertraut vorkommen. Dragon Kings bringt eine eigene psionische Klasse sowie neue Hintergründe, Domänen, Talente, Kreaturen und Zauber mit. Dazu kommen ungewöhnliche spielbare Völker beziehungsweise Abstammungen wie Penmai, Krikis und Cold Skins.
Das Ziel ist ziemlich deutlich: Khitus soll nicht wie eine gewöhnliche D&D-Welt aussehen, der man lediglich den Regen abgestellt hat. Die Welt soll sich bereits beim Charakterbau fremder, härter und eigenständiger anfühlen.
👑 Vier Mächte wollen den leeren Thron
Mit den Dragon Kings verschwand auch die zentrale Ordnung der Welt. In dieses Machtvakuum drängen nun vier große Kräfte: Geld. Glaube. Magie. Geist. Händler und Bürokratien kämpfen um wirtschaftliche Kontrolle. Kulte wollen alte Götter zurückholen. Magier verfolgen eigene Ziele, während psionische Kräfte erneut Einfluss gewinnen.
Aus diesen vier Machtbereichen entsteht auch die Abenteuerstruktur von Agendas of Khitus. Vier größere Szenarien widmen sich jeweils Coin, Faith, Magic und Mind und zeigen unterschiedliche Seiten einer Welt, die nach dem Verschwinden ihrer Herrscher verzweifelt nach einer neuen Ordnung sucht.
🪙 Geld kann genauso gefährlich sein wie Zauberei
Die einzelnen Abenteuer verdeutlichen, dass Khitus nicht allein von Monstern bedroht wird. In der Agenda of Coin geraten die Spieler beispielsweise in politische und wirtschaftliche Verhandlungen. Agenda of Faith führt in eine religiöse Krise, während Agenda of Magic die dunkleren Folgen der Zauberei zeigt.
Besonders groß klingt Agenda of Mind: Dort führt eine Falle am Rand der bekannten Welt zu einem Geheimnis, das unmittelbar mit dem Schicksal von Khitus verbunden sein könnte. Damit werden die vier Machtbereiche nicht nur Hintergrundlore, sondern konkrete Konflikte am Spieltisch.
🎨 Brom kehrt ebenfalls zurück
Zum Team gehört auch Brom, dessen Illustrationen das visuelle Erscheinungsbild von Dark Sun entscheidend geprägt haben. Diese Beteiligung ist für Dragon Kings fast ebenso wichtig wie die Namen auf der Autorenseite. Der alte Reiz solcher Welten entstand schließlich nicht nur aus Regeln und Lore, sondern aus einer sehr spezifischen Bildsprache aus Hitze, Ruinen, fremdartigen Kreaturen und Figuren, bei denen glänzende Ritterrüstung eher nach Selbstmord aussah.
Dass Brom erneut beteiligt ist, gibt dem Projekt eine direkte gestalterische Verbindung zu jener Fantasytradition, auf die es sich bewusst beruft.
🧙 Die alte TSR-Garde sitzt wieder am Tisch
Timothy Brown hat für Dragon Kings gleich mehrere frühere Weggefährten zurückgeholt. Troy Denning gehört ebenfalls zu den ursprünglichen Schöpfern von Dark Sun. Bill Slavicsek und Rich Baker arbeiteten bei TSR an zahlreichen klassischen Rollenspielprojekten und waren auch mit Athas verbunden.
Damit entsteht hier keine moderne Hommage von Leuten, die ihre Inspiration aus alten Boxsets ziehen. Mehrere der Menschen, die diese Spielart düsterer Fantasy überhaupt mitgeprägt haben, bauen gemeinsam wieder daran. Brown entwickelt Khitus bereits seit Jahren; eine frühere Fassung von Dragon Kings erschien 2014. Die neue Ausgabe erweitert und überarbeitet diese Welt nun erheblich.
📚 Drei Bücher für die Wüste
Das zentrale Paket besteht aus mehreren großen Bausteinen. Das Dragon Kings Hardcover liefert Setting und Regeln für 5.5E sowie eine Konvertierung für AD&D 2E. Agendas of Khitus enthält die Abenteuer rund um Geld, Glauben, Magie und Geist.
Dazu kommt ein eigenes Map Book mit 30 detaillierten Karten, ausgelegt für den Einsatz direkt am Spieltisch. Weitere Ausstattungen reichen von Spielleiterschirm und Würfeln bis zu Stoffkarte und vertonten Fassungen der Bücher.
🐉 Dark Sun ohne Dark Sun
Natürlich bleibt ein wichtiger Unterschied: Khitus ist nicht Athas. Dark Sun gehört weiterhin Wizards of the Coast. Dragon Kings bezeichnet sich deshalb bewusst als spirituellen Nachfolger und greift Themen und Spielgefühl auf, ohne die ursprüngliche Welt fortzuschreiben.
Das kann sogar ein Vorteil sein. Brown und seine Mitstreiter müssen keine Jahrzehnte alte Metaplot-Struktur verwalten und keine moderne Version von Athas unter fremden Vorgaben rekonstruieren.
Sie dürfen eine neue Welt bauen, die dieselben Grundinstinkte besitzt. Hitze. Knappheit. Psionik. gefährliche Magie. zerfallende Zivilisationen. Und sehr wenig Hoffnung darauf, irgendwo hinter dem nächsten Hügel eine gemütliche Taverne zu finden.
💰 Aus 5.000 werden über 167.000 Dollar
Dass für diese Art Fantasy weiterhin ein Publikum existiert, zeigt die laufende Kampagne ziemlich deutlich. Das ursprüngliche Finanzierungsziel lag bei gerade einmal 5.000 Dollar. Inzwischen sind mehr als 167.000 Dollar von über 1.000 Unterstützern zusammengekommen – und die Kampagne läuft noch bis zum 5. November 2026.
Die Auslieferung ist derzeit für Sommer 2027 vorgesehen. Das Geld allein macht natürlich noch kein gutes Rollenspiel. Es zeigt aber ziemlich eindrucksvoll, dass die Rückkehr dieser alten Designphilosophie offenbar einen Nerv trifft.
🌑 Fantasy darf wieder lebensfeindlich sein
Gerade das macht Dragon Kings spannend. Viele moderne Fantasywelten wollen möglichst offen, groß und bequem bespielbar sein. Khitus verspricht etwas anderes: eine Welt, die den Spielern Widerstand leistet.
Wasser kann ausgehen. Magie kann zurückschlagen. Religion, Handel und Geist werden zu konkurrierenden Machtblöcken. Die alten Herrscher sind verschwunden und niemand weiß, ob ihre Rückkehr überhaupt eine gute Nachricht wäre.
Das klingt angenehm weit entfernt von einer Welt, in der die nächste Stadt zuverlässig einen Magieladen und sieben Questgeber besitzt.
Manchmal soll Fantasy eben nicht einladen.
Manchmal soll sie warnen.






