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Die Kaulquappe bekommt einen Talentbaum
📰 Was ist los?
Wizards hat ein kostenloses Underdark-Unearthed-Arcana mit den drei neuen Subklassen Path of Unlight, House Agent und Imaskarcanist veröffentlicht. Dazu kommt der Path of Ceremorphosis, über den Spieler ihren Charakter bis zum vollständigen Mind Flayer entwickeln können; die Feedbackrunde startet am 27. August.
🐛 Was denken wir?
Der eigentliche Treffer ist die Ceremorphosis: Wizards nimmt eine der erinnerungswürdigsten Ideen aus Baldur’s Gate 3 und macht daraus einen richtigen Charakterpfad mit Psionik, Telepathie, Tentakeln und Mind Blast. Dass am Ende sogar zwischen Zauberkarriere und effizienterer Gehirnverwertung entschieden wird, dürfte zu bemerkenswerten Gesprächen bei der nächsten Charakterplanung führen.
🧠 Erst Telepathie, dann Tentakel: D&D lässt Spieler langsam zum Mind Flayer werden
Es gibt Entscheidungen bei der Charakterentwicklung, über die man etwas länger nachdenken sollte. Ein neues Talent, ein zusätzlicher Zauber oder vielleicht zwei Punkte mehr auf die richtige Eigenschaft gehören dazu. Sich freiwillig eine Illithiden-Kaulquappe einzubauen und anschließend abzuwarten, wie viele Tentakel daraus werden, liegt allerdings noch einmal in einer eigenen Kategorie.

Wizards of the Coast hat ein neues kostenloses Unearthed Arcana veröffentlicht und steigt damit tief ins Underdark hinab. Das Playtest-Paket bringt drei bislang ungetestete Subklassen für Barbaren, Schurken und Magier sowie mehrere neue Talente. Der spektakulärste Teil ist jedoch der Path of Ceremorphosis, mit dem ein Spielercharakter seine Verwandlung in einen Mind Flayer Schritt für Schritt selbst vollziehen kann.
Wer Baldur’s Gate 3 gespielt hat, dürfte bei dieser Idee bereits ein gewisses Kribbeln hinter dem Auge verspüren. Und klar, das ist Absicht.
🐙 Aus einer Kaulquappe wird ein Charakterkonzept
Wizards nennt Tavs mögliche Entwicklung in Baldur’s Gate 3 ausdrücklich als eine Inspiration für den neuen Talentpfad. Die Designer wollen damit eine Transformation spielbar machen, die normalerweise für den bisherigen Besitzer des Körpers ausgesprochen schlechte Karrierechancen bedeutet.
Los geht es ab Stufe 4 mit dem Talent Tadpole Host. Im Körper des Charakters lebt nun eine Mind-Flayer-Kaulquappe, die Zugriff auf psionische Kräfte eröffnet. Dazu gehören eigene Psionic Energy Dice und der Zaubertrick Mind Sliver. Weitere Talente erweitern diese Entwicklung unter anderem um Telepathie, mentale Manipulation, defensive Psionik oder zusätzliche Tentakel.
🧠 Wizards erklärt den Abstieg ins Underdark
Im offiziellen Begleitvideo stellen die D&D-Designer die neuen Underdark Options vor. Im Mittelpunkt stehen die drei neuen Subklassen und der Path of Ceremorphosis – also jener ungewöhnliche Karriereweg, an dessen Ende der Charakter sein Porträt auf dem Charakterbogen möglicherweise grundlegend aktualisieren muss.
Besonders hübsch ist, dass Wizards die Verwandlung nicht bloß als Liste von Kampfboni behandelt. Das PDF liefert Möglichkeiten dafür, weshalb ein Charakter dem Einfluss eines Elder Brain widerstehen kann. Vielleicht schützt ihn eine Gottheit, vielleicht mischt sich ein Erzfürst der Hölle ein, vielleicht möchte ein Elder Brain einfach sehen, was passiert. Eine weitere vorgeschlagene Erklärung ist deutlich pragmatischer: Der eigene Geist und die Persönlichkeit könnten so furchtbar sein, dass selbst das Elder Brain lieber Abstand hält.
Manche Charakterkonzepte schreiben sich offenbar irgendwann ganz von selbst.
🧠 Ab Stufe 12 ist das Gesicht endgültig Verhandlungssache
Mit Full Ceremorphosis kann die Transformation ab Stufe 12 vollendet werden. Wizards beschreibt ziemlich unmissverständlich, was dabei geschieht: Der Kopf verlängert sich, die Haut wird violett, Tentakel wachsen um den Mund und der Kreaturentyp wechselt zur Aberration. Spätestens an diesem Punkt dürfte auch der hartnäckigste Wirtshausbesitzer bemerken, dass mit dem Stammgast irgendetwas passiert ist.
Spieler wählen anschließend eine illithidische Spezialisierung. Brain-Seeking Tentacles verbessern die körperliche Seite des frischgebackenen Mind Flayers und verbinden Angriffe, Greifen und psychischen Schaden. Alternativ liefert Mind Flayer Spells die klassischen psionischen Werkzeuge Detect Thoughts, Levitate und Mind Blast.
Gerade Mind Blast fällt erwartungsgemäß wenig dezent aus. Der neue Zauber erzeugt einen 60 Fuß langen Kegel psionischer Energie, verursacht psychischen Schaden und kann Gegner betäuben. Wer gehofft hatte, nach der vollständigen Verwandlung lediglich etwas telepathischer Smalltalk zu betreiben, hat die Berufsbeschreibung eines Illithiden offenbar nur überflogen.
Die entscheidende Wahl beschreibt Wizards selbst ziemlich treffend: Soll der fertige Mind Flayer besser im psionischen Zaubern werden oder im Umgang mit Gehirnen? Endlich stellt ein Rollenspiel die wirklich schwierigen Fragen.
✨ Drei neue Subklassen holen das Underdark an den Spieltisch
Der Rest des kostenlosen Pakets wäre auch ohne Tentakel schon umfangreich genug für einen eigenen Playtest. Der Path of Unlight Barbarian nutzt eine geheimnisvolle Magie aus den tiefsten Regionen des Underdark. Unlight brennt im Körper seines Trägers, lässt ihn während seiner Rage leuchten und fügt Gegnern strahlenden Schaden zu. Später kann der Barbar die Energie sogar auf Feinde übertragen und sie von innen weiterbrennen lassen.
Ganz anders funktioniert der House Agent für Schurken. Diese Figuren arbeiten traditionell für die mächtigen Drow-Häuser von Menzoberranzan und sind auf soziale Infiltration, Manipulation und Verrat spezialisiert. Sie erhalten magische Unterstützung von ihrem Auftraggeber, können Beziehungen zu anderen Figuren gezielt ausnutzen und entwickeln wenig überraschend besondere Fähigkeiten dafür, Menschen erst freundlich zu stimmen und ihnen anschließend in den Rücken zu fallen.
Der Imaskarcanist führt wiederum nach Deep Imaskar zurück. Diese Magier beherrschen beide Seiten von Unlight und können dessen Energie sowohl zum Unterstützen von Verbündeten als auch zur Zerstörung von Gegnern verwenden. Der Preis ist ungewöhnlich: Einige ihrer Fähigkeiten verbrauchen die eigenen Hit Dice. Der Magier greift damit buchstäblich auf seine körperlichen Reserven zurück, um die alte Magie der Imaskari anzutreiben.
Das Underdark wird damit erfreulich breit abgedeckt. Drow-Intrigen, vergessene Imaskari-Magie und Illithiden-Horror liegen zwar alle unter derselben Weltoberfläche, könnten spielerisch aber kaum unterschiedlicher ausfallen.
🌑 Baldur’s Gate 3 hat offenbar Spuren hinterlassen
Bemerkenswert ist auch, wie offen Wizards inzwischen mit den modernen Zugängen zum Underdark umgeht. Im Begleittext nennt das Designteam die klassischen D-Abenteuer aus den frühen Tagen von D&D, führt unmittelbar danach jedoch Baldur’s Gate 3 und die Drizzt-Romane als jene Werke an, über die viele heutige Spieler das Unterreich kennen.
Der Path of Ceremorphosis macht diesen Einfluss besonders deutlich. Die Kaulquappe wird hier nicht einfach als Monstermechanik behandelt, sondern als längerfristige Charakterentscheidung mit Versuchung, Machtgewinn und zunehmender körperlicher Veränderung. Genau diese Mischung war einer der stärkeren erzählerischen Haken von Baldur’s Gate 3.
Noch ist all das ausdrücklich Playtest-Material. Wizards entscheidet anhand der Erprobung und des Feedbacks, welche Elemente später überarbeitet und möglicherweise in ein offizielles D&D-Buch übernommen werden. Die Umfrage startet am 27. August, das vollständige PDF lässt sich bereits jetzt kostenlos auf D&D Beyond herunterladen.
Wer bis dahin einen Testcharakter vorbereitet, sollte vielleicht schon einmal die Verpflegung der Gruppe neu kalkulieren.
Ein Mind Flayer am Tisch macht schließlich selbst aus der Frage nach Snacks plötzlich Regelwerk.





