Django Wexler – The Only Way Out Is Up (Rezension)

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Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

Django Wexler – The Only Way Out Is Up

📚 Kurzfazit
The Only Way Out Is Up verbindet Progression Fantasy, dystopischen Klassenroman und spektakuläre Konstruktkämpfe zu einem überraschend warmen Serienauftakt. Taj und Star tragen das Buch, während die vertikale Gesellschaft dafür sorgt, dass jeder technische Fortschritt zugleich sozialer Aufstieg bedeutet.

😒 Was kratzt
Wexler wirft seine Leser zu Beginn recht energisch in Begriffe, Ebenen, Sigils und Weltregeln. Später wird vieles klarer, doch einige Geheimnisse werden sichtbar für kommende Bände aufgespart, und der Turnierteil greift stellenweise auf sehr vertraute Dramaturgie zurück.

✨ Was funktioniert
Ein zusammengebautes Konstrukt aus weggeworfenem Material entwickelt mehr Persönlichkeit als mancher Fantasyprinz mit 600 Seiten Familiengeschichte.

⚙️ Was wirklich clever ist
Die Welt macht Klassenunterschiede zu Architektur. Die Reichen leben oben, die Armen unten und verarbeiten buchstäblich den Müll derjenigen, die über ihnen wohnen.

🧵 Crowbah meint
Wenn dein sozialer Aufstieg voraussetzt, dass du zuerst einen Kampfroboter aus Schrott baust, ist das System möglicherweise nicht ganz so meritokratisch, wie es sich selbst verkauft.

Cover von Django Wexlers The Only Way Out Is Up in kräftigem Pink, Gelb und Dunkelblau mit riesigem typografischem Titel, mehreren übereinanderliegenden Ebenen und kleinen silhouettenhaften Figuren sowie Konstrukten, die zwischen den Schichten klettern und kämpfen.

🤖 Django Wexler – The Only Way Out Is Up: Ganz unten lebt man vom Müll der Oberschicht

Über Taj liegt eine ganze Gesellschaft.

Ganz buchstäblich. Hoch über dem Heap, jener gewaltigen Schrottlandschaft, in der er lebt und arbeitet, stapeln sich die Ebenen einer Welt, in der Wohlstand mit jedem Meter nach oben zunimmt. Von dort fällt herunter, was andere nicht mehr brauchen: Metall, Maschinen, Bauteile und gelegentlich Dinge, die gefährlicher sind, als Müll eigentlich sein sollte. Taj sammelt diesen Ausschuss ein, verkauft, was sich noch verwenden lässt, und baut aus den Resten etwas, das für ihn sehr viel mehr bedeutet als jede Aussicht auf ein besseres Leben.

Und dann ist da Star. Star ist ein selbstgebautes Runic-Konstrukt, eine Maschine aus Schrott, Sigils und Improvisation. Er kämpft, lernt, spricht mit Taj und besitzt eine Persönlichkeit, die er eigentlich gar nicht haben dürfte. Genau deshalb darf niemand erfahren, was Star wirklich ist.

Django Wexler macht aus dieser Ausgangslage eine Progression Fantasy, die das Grundprinzip des Genres beneidenswert wörtlich nimmt: Wer der Armut entkommen will, muss nach oben.

Doch natürlich ist der Weg dorthin kein Treppenhaus. Er führt durch Monster im Müll, gesellschaftliche Mauern, eine ziemlich kaputte Hierarchie und schließlich durch den Ascent, einen gigantischen Wettbewerb, bei dem magische Konstrukte gegeneinander antreten und Taj zum ersten Mal die Chance bekommt, seinen Platz in dieser Welt tatsächlich zu verändern.

The Only Way Out Is Up sieht auf den ersten Blick aus wie ein Buch über coole Roboterkämpfe. Die bekommt man. Die interessantere Geschichte findet sich allerdings außerhalb der Arenawände.


🧭 Worum geht’s eigentlich?

Taj lebt im Heap, der untersten Ebene einer gewaltigen, geschichteten Gesellschaft. Hier landet alles, was weiter oben weggeworfen wird. Schrott ist Rohstoff, Nahrung ist knapp, und selbst einfache Sicherheit muss immer wieder neu verdient werden.

Taj schlägt sich als Sammler durch. Dabei jagt er auch sogenannte Twisted, gefährliche mechanische Wesen, die zwischen Trümmern und verlassenen Konstruktionen auftauchen. Das ist riskant, aber notwendig, denn Taj hat Menschen, für die er Verantwortung trägt und denen er ein besseres Leben ermöglichen möchte.

Sein wertvollster Besitz ist Star. Mit viel Geschick hat Taj aus alten Teilen, gefundenen Materialien und Sigils ein Runic-Konstrukt gebaut, das weit mehr kann, als sein improvisiertes Äußeres vermuten lässt. Star besitzt Bewusstsein, Humor und eine eigene Stimme. Genau diese Eigenschaften würden ihn jedoch zu etwas machen, das in der Ordnung dieser Welt gefährlich wäre.

Taj hält deshalb geheim, wie außergewöhnlich Star tatsächlich ist. Dann tritt Ky in sein Leben. Ky stammt aus einer höheren gesellschaftlichen Ebene, hat jedoch selbst Macht und Stellung verloren. Sie erkennt Tajs Talent und sieht in ihm eine Chance. Taj wiederum erkennt in ihr den Zugang zu einer Welt, die ihm bisher verschlossen blieb.

Ihr gemeinsames Ziel wird der Ascent, ein prestigeträchtiger Wettbewerb für Runic-Konstrukte. Wer dort gewinnt, bekommt Geld, Einfluss und Zugang zu höheren Ebenen. Für Taj bedeutet das viel mehr als sportlichen Erfolg. Es könnte seine einzige realistische Möglichkeit sein, den Heap hinter sich zu lassen und seine Familie mitzunehmen.

Doch je weiter er nach oben kommt, desto deutlicher wird, dass das System nicht einfach nur aus Armen und Reichen besteht. Hinter den Ebenen liegen alte Geheimnisse, unklare Ursprünge und Fragen, die weit größer sind als der Ascent.

Wer hat diese Welt gebaut?

Was liegt wirklich Above?

Warum fällt überhaupt ständig Material aus den oberen Bereichen hinab?

Und weshalb unterscheidet sich Star so deutlich von allen anderen Konstrukten?

Wexler beantwortet davon gerade genug, damit man weiterlesen will. Und hält gerade genug zurück, damit man ihn gelegentlich auch gerne mal ordentlich durchschütteln würde.

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🖋 Stil

In diesem Fall schreibt Django Wexler deutlich schneller, leichter und dialogorientierter als in vielen seiner klassischeren Fantasyromane. Das passt zu dieser Welt, weil Progression Fantasy von Bewegung lebt. Taj bekommt ein Problem, findet eine technische Lösung, stößt auf das nächste Hindernis und versteht dabei gleichzeitig ein Stück mehr von seiner Umgebung.

Die Kapitel halten den Rhythmus hoch. Technische Begriffe und Sigil-Regeln werden meist über Handlung vermittelt, wodurch der Roman selten in erklärende Weltbau-Blöcke abrutscht. Trotzdem braucht der Einstieg etwas Konzentration, weil Wexler relativ selbstverständlich mit Begriffen arbeitet, deren genaue Bedeutung erst später vollständig klar wird.

Sobald sich das Bild zusammensetzt, funktioniert die Sprache allerdings sehr gut. Besonders die Dialoge zwischen Taj und Star besitzen Tempo und Wärme. Star klingt nie wie die übliche künstliche Intelligenz, die entweder komplett logisch spricht oder jede zweite Seite beweisen muss, dass sie heimlich menschliche Gefühle entwickelt. Seine Persönlichkeit existiert einfach.

Das ist eine große Stärke. Weniger stark sind einige emotional aufgeladene Momente, in denen Taj deutlich jünger wirkt, als sein sonstiges Leben vermuten lässt. Gerade bei romantischen Unsicherheiten kippt sein Ton gelegentlich in eine jugendlichere Richtung, die mit seiner täglichen Verantwortung und Erfahrung nicht immer ganz zusammenpasst. Das ist jedoch kein echtes Problem. Es fällt nur deshalb auf, weil Wexler an anderer Stelle sehr souverän schreibt.

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🧍‍♂️ Figuren

Taj

Taj ist ein klassischer Underdog, aber erfreulich weit entfernt vom passiven Auserwählten. Seine wichtigste Fähigkeit besteht nicht darin, heimlich der Sohn eines Königs zu sein oder plötzlich eine verbotene Superkraft zu entdecken. Er kann bauen. Er versteht Materialien, Sigils, Mechanik und vor allem, wie man aus minderwertigen Teilen etwas macht, das besser funktioniert als vorgesehen.

Das passt perfekt zu seiner Herkunft. Taj besitzt wenig, also muss er mehr aus dem Wenigen machen. Seine technische Begabung wird damit fast automatisch zu einem Spiegel seiner sozialen Lage.

Spannend ist auch, dass Taj nicht nur nach oben will, weil dort Geld liegt. Er trägt Verantwortung für seine Wahlfamilie. Sein Ehrgeiz bleibt deshalb eng mit Menschen verbunden, die im Heap bleiben würden, wenn nur er aufsteigt. Dadurch bekommt sein Fortschritt emotionales Gewicht.

Seine größte Schwäche ist gelegentliche Naivität. Taj versteht Maschinen meist schneller als Menschen, und gerade bei Ky oder gesellschaftlicher Macht merkt man, dass er auf einem Terrain unterwegs ist, für das seine bisherigen Überlebensstrategien nicht immer reichen. Das macht ihn menschlich. Und verhindert, dass er zum allwissenden Bastelgenie wird.

Star

Star ist der klare Hauptgewinn des Romans. Auf dem Papier ist er ein selbstgebautes Kampf-Konstrukt. Im Buch ist er Freund, Partner, Mitdenker und manchmal die Person im Raum, die Taj dringend daran erinnern muss, dass eine sehr schlechte Idee auch dann schlecht bleibt, wenn sie technisch interessant klingt.

Wexler schreibt Star angenehm selbstverständlich. Seine Persönlichkeit wird nicht ständig kommentiert oder erklärt. Taj behandelt ihn als jemanden, und dadurch beginnt der Leser sehr schnell, dasselbe zu tun.

Genau hier öffnet sich eine der interessantesten Fragen des Romans: Wenn ein künstliches Wesen denkt, entscheidet, lernt, erinnert und Beziehungen aufbaut – wer bestimmt dann, ob es als Person gelten darf?

Diese Frage steht noch nicht vollständig im Zentrum des ersten Bandes, ist aber deutlich angelegt. Gerade weil Star geheim gehalten werden muss, bekommt sein Bewusstsein auch politische Bedeutung. Er ist nicht nur außergewöhnlich. Er ist potenziell gefährlich für die Ordnung.

Ky

Ky bringt die notwendige Reibung in Tajs Welt. Sie stammt aus einer höheren Ebene und versteht Regeln, Kontakte und Machtmechanismen, die Taj nicht kennt. Gleichzeitig hat sie genug verloren, um selbst auf den Ascent angewiesen zu sein.

Dadurch entsteht zwischen beiden keine einfache Mentor-und-Schüler-Beziehung. Sie brauchen einander. Taj besitzt technisches Talent und Star. Ky besitzt Wissen über die gesellschaftliche Arena, in die Taj hineinwill.

Diese Verbindung funktioniert gut, weil beide unterschiedliche Vorstellungen davon haben, was Erfolg bedeutet. Taj möchte Menschen aus dem Heap holen. Ky will verlorenen Einfluss zurückgewinnen und ihre eigene Position verändern. Gerade aus dieser Differenz entsteht Spannung.

Einige ihrer dramatischeren Momente wirken allerdings etwas konventioneller. Besonders dort, wo Wexler auf bekannte Bedrohungsmuster zurückgreift, verliert Ky kurz an Eigenständigkeit und wird stärker zum Anlass für Tajs Reaktion. Das ist schade, weil sie außerhalb solcher Szenen wesentlich interessanter funktioniert.

⏳ Tempo

Nach dem etwas dichten Einstieg entwickelt das Buch erheblichen Sog. Die Kapitel sind kurz genug, dass ständig ein nächstes Ziel sichtbar bleibt. Verbesserungen an Star geben der Progression Rhythmus, während Kys Pläne und der Ascent eine größere Bewegung erzeugen.

Interessanterweise wirkt der Roman gerade vor dem eigentlichen Turnier besonders frisch. Dort geht es um Überleben, Basteln, Ressourcen und soziale Unterschiede. Sobald der Wettbewerb beginnt, wird die Struktur vertrauter, auch wenn die Kämpfe weiterhin Spaß machen. Der Schluss zieht deutlich an und öffnet die Tür zum nächsten Band ziemlich weit.

Damit erfüllt Wexler seinen Auftrag als Serienauftakt. Vielleicht tut er das stellenweise sogar etwas zu gewissenhaft.

⚙️ Sigils: Magie wie Ingenieurskunst

Das Magiesystem gehört zu den großen Stärken des Romans. Sigils sind Zeichen mit klaren Funktionen. Sie können Bewegung erzeugen, Teile miteinander verbinden, Widerstand verändern oder andere mechanische Eigenschaften beeinflussen. Materialien reagieren unterschiedlich auf diese Zeichen, wodurch Konstruktion nicht einfach bedeutet, das stärkste Symbol auf das größte Stück Metall zu malen.

Man muss verstehen, wie alles zusammenarbeitet. Dadurch wirkt die Magie fast wie Ingenieurskunst. Taj ist gut darin, weil er nicht ausschließlich nach Regeln arbeitet. Er kombiniert, improvisiert und nutzt Materialien, die andere vermutlich gar nicht ernst nehmen würden.

Auch hier steckt die Klassenstruktur direkt im Magiesystem. Reiche Konstrukteure besitzen hochwertige Materialien und Zugang zu Wissen. Taj besitzt Schrott, also muss er klüger sein. Das macht jeden Fortschritt nachvollziehbar und verhindert jene Progression-Falle, bei der Figuren einfach ständig neue Fähigkeiten erhalten, weil irgendwo eine unsichtbare Zahl steigt.

Taj verbessert Star, weil er etwas lernt oder findet. Und das ist wesentlich befriedigender.


🏙 Eine Gesellschaft, die ihre Klassen stapelt

Die beste Weltbauidee steckt bereits im Titel.

Oben ist besser.

So einfach. Und so brutal.

Der Heap liegt unten und nimmt den Abfall der höheren Ebenen auf. Wer dort lebt, verdient sein Geld damit, aus dem Wohlstand anderer noch etwas Brauchbares herauszukratzen. Je weiter man nach oben kommt, desto größer werden Sicherheit, Ressourcen und gesellschaftliche Möglichkeiten.

Sozialer Aufstieg wird dadurch räumlich sichtbar und ein armer Mensch sieht buchstäblich nach oben. Wexler ist mit dieser Metapher keineswegs subtil. Er muss es auch nicht sein, weil die Welt daraus konkrete Konsequenzen entwickelt.

Müll fällt herunter. Reichtum steigt nicht zurück. Die unteren Ebenen recyceln, was die oberen wegwerfen. Und der einzige legitime Weg hinaus wird über Wettbewerbe und individuelle Leistung verkauft. Das führt zu einer interessanten Frage: Wie fair kann ein System sein, in dem der Gewinner aufsteigen darf, während der Heap bestehen bleibt?

Tajs Ziel ist zunächst verständlich persönlich. Er möchte raus. Je weiter der Roman läuft, desto stärker drängt sich jedoch die Frage auf, ob persönlicher Aufstieg überhaupt etwas am System verändert. Genau diese Spannung macht die Welt interessanter als ihre Arena.

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🗑️ Der Müll der Reichen baut den Aufstand von unten

Der Heap ist nicht einfach nur eine arme Gegend, denn er ist wirtschaftlich mit den höheren Ebenen verbunden. Was oben keinen Wert mehr besitzt, wird unten zur Lebensgrundlage. Aus weggeworfenen Maschinen entstehen Werkzeuge. Aus Metallresten entsteht Star. Aus Ausschuss wird Technologie.

Das hat beinahe etwas Subversives. Die Welt der Reichen produziert unbewusst die Materialien, aus denen Taj seine Chance auf sozialen Aufstieg baut. Star selbst ist dafür das perfekte Symbol, denn er besteht aus Dingen, die andere weggeworfen haben. Und könnte trotzdem besser sein als alles, was oben mit besten Ressourcen konstruiert wird.

Darin steckt eine sehr schöne Form von Klassenfantasy: Der Müll der Mächtigen entwickelt plötzlich Persönlichkeit und schlägt zurück.


🤖 Künstliches Bewusstsein ohne Bedienungsanleitung

Star funktioniert auch deshalb so gut, weil Wexler sein Bewusstsein nicht sofort wissenschaftlich oder magisch zerlegt. Er ist. Taj weiß, dass er ungewöhnlich ist, nur die Welt soll es nicht wissen. Das genügt zunächst.

Dadurch bleibt Star emotional interessanter als ein Konstrukt, dessen Bewusstsein früh über zehn Seiten technischer Theorie erklärt würde. Gleichzeitig hängt über ihm die Frage, ob seine Existenz mit den größeren Geheimnissen der Welt verbunden ist.

Das liegt sehr nahe, vielleicht sogar ein bisschen zu nahe, und trotzdem funktioniert es. Denn der erste Band nutzt Star primär als Figur und hält die Lore dahinter zurück. Das ist die richtige Reihenfolge. Erst soll uns interessieren, wer Star ist. Später kann Wexler erklären, warum er ist.


🏆 Der Ascent: überraschend spät, überraschend wichtig

Wer den Klappentext liest, könnte erwarten, dass The Only Way Out Is Up fast vollständig ein Turnierroman ist. Das stimmt aber nicht. Der eigentliche Ascent beginnt relativ spät. Wexler verbringt vorher viel Zeit damit, Taj, Star, Ky, den Heap und das Sigil-System aufzubauen. Das ist eine gute Entscheidung.

Denn ein Turnier funktioniert nur dann wirklich, wenn der Ausgang mehr bedeutet als Sieg oder Niederlage. Bei Taj steht sein gesamter sozialer Aufstieg auf dem Spiel. Die Kämpfe selbst sind abwechslungsreich, weil unterschiedliche Konstrukte unterschiedliche technische Ansätze besitzen. Wexler schreibt sie eher taktisch als chaotisch und nutzt das Sigil-System sinnvoll, sodass Taj nicht einfach durch mehr Feuerkraft gewinnt.

Man erkennt allerdings vertraute Turniermechanik:

Stärkere Gegner.
Überraschende Tricks.
Eskalation.
Eine scheinbar unmögliche Herausforderung.

Das ist unterhaltsam, aber weniger originell als Heap, Star oder die gesellschaftliche Architektur. Der Ascent ist daher eigentlich nicht der Grund, dieses Buch zu lesen. Er ist die Arena, in der die besseren Ideen des Romans sichtbar werden.

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🪜 Ist Aufstieg überhaupt Freiheit?

Hier wird der Titel richtig interessant. The Only Way Out Is Up. Für Taj ist das zunächst wörtlich wahr, denn wer den Heap verlassen will, muss nach oben. Doch je weiter er kommt, desto fragwürdiger wird das Versprechen. Wenn ein System einem außergewöhnlichen Menschen erlaubt, aufzusteigen, beweist das dann seine Fairness? Oder sorgt genau diese Ausnahme dafür, dass alle anderen weiter an das System glauben?

Taj könnte gewinnen. Der Heap wäre danach immer noch der Heap und Menschen würden weiterhin den Müll von oben sortieren. Die sozialen Ebenen würden weiter bestehen. Progression Fantasy lebt normalerweise vom Gefühl, dass Fortschritt automatisch Befreiung bedeutet. Wexler lässt daran zumindest Zweifel entstehen. Das gefällt uns sehr.

Denn damit wird der Genremechanismus selbst Teil der Geschichte.


🧑‍🤝‍🧑 Found Family statt Auserwähltenpathos

Tajs Motivation bleibt erfreulich bodenständig. Er will nicht Herrscher werden und keine Prophezeiung verlangt seine Anwesenheit. Er trägt keine jahrtausendealte Blutlinie und er möchte Geld, Sicherheit und eine Zukunft für die Menschen, die ihm wichtig sind. Das verleiht dem Buch Wärme.

Gerade im Heap entsteht Gemeinschaft aus gegenseitiger Abhängigkeit. Menschen helfen einander, weil außerhalb dieser Beziehungen wenig Schutz existiert. Der Ascent stellt diesen Zusammenhalt anschließend auf die Probe. Sobald Erfolg möglich wird, verändert sich Tajs Verhältnis zu einer Welt, die bisher ausschließlich unerreichbar über ihm lag.

Progression bedeutet eben auch Entfernung. Wer nach oben geht, lässt zwangsläufig etwas unter sich zurück.


⚠️ Wo der Roman stolpert

Ganz ohne Probleme kommt Wexler hier allerdings nicht durch. Der Einstieg verlangt mehr Geduld, als die flotte Verpackung vermuten lässt. Viele Begriffe tauchen früh auf, und die genaue Ordnung der Welt erschließt sich schrittweise. Das ist kein Infodump-Problem, eher das Gegenteil: Manchmal hätte eine zusätzliche Orientierung geholfen.

Dazu kommen einige emotionale Passagen, in denen Taj merklich jünger wirkt als sonst. Seine Unsicherheit passt grundsätzlich zur Figur, steht aber gelegentlich etwas quer zu dem jungen Mann, der täglich im Heap überlebt, Twisted jagt und komplexe Maschinen konstruiert.

Auch der Umgang mit Ky besitzt einen Moment, in dem Wexler auf sexuelle Bedrohung als Dramatisierungsinstrument zurückgreift. Der Roman hätte ihre Verletzlichkeit und die Gefahren dieser Gesellschaft auch ohne diesen sehr bekannten Hebel überzeugend vermitteln können.

Und schließlich ist das Buch klar Band 1. Einige große Fragen bleiben bewusst offen. Star, die Herkunft der Welt, Above und bestimmte historische Zusammenhänge werden angerissen und anschließend für später aufbewahrt. Das erzeugt Neugier. Man merkt den Aufbau zur Serie trotzdem deutlich.

Nichts als die Wahrheit. Schmaler Banner für den Arkanen Moosverhetzer. Ein Moosling mit Blatthelm, der wütend eine Propagangazeitung liest.

📜 Fazit: Wer ganz unten lebt, muss aus dem Müll der Reichen eine Leiter bauen

The Only Way Out Is Up ist genau die Sorte Progression Fantasy, die zeigt, warum das Genre weit mehr kann als Zahlen, Level und immer größere Feuerbälle.

Django Wexler baut eine Welt, in der gesellschaftliche Hierarchie buchstäblich Architektur geworden ist. Taj lebt unten, die Reichen oben, und zwischen beiden fällt der Müll nach unten. Ausgerechnet daraus baut er Star und damit seine Chance, dieses System zumindest persönlich zu überwinden. Das ist eine verdammt gute Grundidee.

Noch besser ist Star selbst. Wexler gelingt es, aus einem Kampf-Konstrukt eine Figur zu machen, deren Bewusstsein nicht wie ein Plotkniff wirkt. Seine Beziehung zu Taj trägt den Roman emotional und liefert gleichzeitig eine große Frage für die kommenden Bände: Was bedeutet Personsein in einer Gesellschaft, die künstliches Bewusstsein offenbar gar nicht vorgesehen hat?

Das Sigil-System funktioniert ebenfalls hervorragend. Fortschritt entsteht nachvollziehbar über Wissen, Material und Improvisation. Taj wird stärker, weil er besser konstruiert und versteht, was er tut. Dadurch bekommt jede Verbesserung Gewicht.

Nein, nicht alles sitzt hier perfekt. Der Einstieg ist etwas zu dicht, der Ascent greift später auf bekannte Turniermuster zurück, einige emotionale Momente wirken jugendlicher als der Rest des Romans, und Wexler spart sehr viele Antworten sichtbar für kommende Bände auf.

Darum reicht es noch nicht zur Fünf. Aber die Vier ist dafür hochverdient.

Denn dieses Buch besitzt etwas, das mir bei Progression Fantasy wichtiger ist als jede perfekte Kampfsequenz:

Die Progression bedeutet etwas. Taj verbessert Star, weil er seine Familie schützen will. Er kämpft sich nach oben, weil unten bleiben Armut bedeutet. Und je näher er dem Aufstieg kommt, desto interessanter wird die Frage, ob das System dadurch gerechter wird oder lediglich einen neuen Gewinner bekommt.

So sollte ein Serienauftakt funktionieren. Man will wissen, was über Taj liegt. Und mindestens genauso dringend, was irgendwann passieren wird, wenn er nach unten blickt.


🌟 Bewertung

Varanthis-Skala: ★★★★☆
„Actionreiche und überraschend kluge Progression Fantasy über Schrott, Klassen, künstliches Bewusstsein und einen Jungen, der sich buchstäblich nach oben kämpfen muss. Mit einem fantastischen Konstrukt als heimlichem Star.“

Cover von Django Wexlers The Only Way Out Is Up in kräftigem Pink, Gelb und Dunkelblau mit riesigem typografischem Titel, mehreren übereinanderliegenden Ebenen und kleinen silhouettenhaften Figuren sowie Konstrukten, die zwischen den Schichten klettern und kämpfen.

Autor:

Django Wexler

Titel:

The Only Way Out Is Up

Reihe:

The Sigilist, Band 1

Verlag:

Orbit

Übersetzung:

Englische Originalausgabe

Seitenanzahl:

384 Seiten, Paperback

VÖ-Jahr:

2026

ISBN:

978-0-316-39260-0

Das Symbolbild für Leseproben von aktuellen Fantasy-Romanen.
Leseprobe zu The Only Way is Up von Django Wrexler bei Orbit
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