Der Fall Charles Dexter Ward: Lovecrafts Horror kehrt als Manga zurück
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📰 Was ist los?
Gou Tanabe adaptiert Lovecrafts Der Fall Charles Dexter Ward als fünfteilige Manga-Reihe. Carlsen veröffentlicht Band 1 im März 2027 auf Deutsch. Die englische Ausgabe folgt am 30. März bei Dark Horse.
🐛 Was denken wir?
Tanabes düstere Schwarz-Weiß-Kunst passt hervorragend zu Lovecrafts Geschichte über verbotene Experimente und einen unheimlichen Vorfahren. Pedro hat ebenfalls seine Familiengeschichte erforscht. Seitdem schläft er nur noch bei eingeschaltetem Licht.
Manche Familien betreiben Ahnenforschung, um herauszufinden, ob irgendwo ein reicher Erbonkel verborgen liegt. Bei Charles Dexter Ward wäre es besser gewesen, die Vorfahren einfach in Ruhe zu lassen. Der japanische Mangaka Gou Tanabe adaptiert H. P. Lovecrafts Der Fall Charles Dexter Ward als düstere Manga-Reihe. Und die erscheint im März 2027 nicht nur auf Englisch, sondern auch auf Deutsch. Carlsen Manga hat die fünfteilige Adaption bereits angekündigt. Der erste Band soll 14 Euro kosten und den Leser in jene finsteren Winkel von Providence führen, in denen die Vergangenheit alles andere als tot ist.

🕯️ Ein Vorfahr, den niemand wiedersehen möchte
Die Geschichte beginnt im amerikanischen Providence, wo der junge Charles Dexter Ward eine geradezu ungesunde Leidenschaft für die Vergangenheit entwickelt. Besonders fasziniert ihn ein entfernter Vorfahr namens Joseph Curwen.
Curwen lebte im 18. Jahrhundert und galt als ebenso wohlhabender wie geheimnisvoller Kaufmann. Hinter seiner gesellschaftlichen Stellung verbargen sich jedoch Gerüchte über Alchemie, verbotene Rituale und okkulte Experimente.
Je tiefer Charles in die Geschichte seiner Familie eindringt, desto besessener wird er von dem Mann, der vor rund 150 Jahren eines gewaltsamen Todes starb.
Er untersucht alte Dokumente, sucht nach verschwundenen Aufzeichnungen und versucht, Curwens unbekanntes Grab aufzuspüren. Bald verändert sich sein Verhalten auf beunruhigende Weise.
Charles zieht sich zurück, reist an geheimnisvolle Orte und beginnt selbst mit Experimenten, deren Zweck niemand versteht. Schließlich verschwindet er aus einer psychiatrischen Einrichtung.
Sein früherer Hausarzt, Dr. Marinus Bicknell Willett, nimmt die Nachforschungen auf und entdeckt nach und nach, dass die Geschichte des jungen Mannes mit einem Geheimnis verbunden ist, das besser für immer begraben geblieben wäre.
📖 Ein großer Lovecraft-Klassiker in fünf Manga-Bänden
Der Fall Charles Dexter Ward gehört zu den umfangreichsten und erzählerisch geschlossensten Werken von H. P. Lovecraft.
Der Autor schrieb die Geschichte 1927. Vollständig veröffentlicht wurde sie jedoch erst 1941, vier Jahre nach seinem Tod. Anders als viele kürzere Erzählungen Lovecrafts entwickelt sich die Handlung über zahlreiche Dokumente, Beobachtungen und Nachforschungen.
Das Grauen entsteht langsam, während sich die Einzelheiten eines jahrhundertealten Rätsels zu einem immer bedrohlicheren Gesamtbild verbinden.
Dabei verknüpft Lovecraft klassische Gothic-Motive mit kosmischem Horror: unheimliche Ahnen, verbotene Wissenschaft, okkulte Beschwörungen und die erschreckende Vorstellung, dass der Tod womöglich keine endgültige Grenze darstellt.
Für eine Adaption bietet das ungewöhnlich viel Material. Gou Tanabe verteilt die Geschichte deshalb auf fünf Bände, statt sie zu einer einzelnen Graphic Novel zu verdichten.
🖤 Gou Tanabe versteht Lovecrafts Dunkelheit
Gou Tanabe gehört inzwischen zu den bekanntesten Manga-Zeichnern, die sich mit Lovecrafts Werk beschäftigen. Seine Adaptionen zeichnen sich durch extrem detailreiche Schwarz-Weiß-Bilder, dichte Schraffuren und eine beinahe greifbare Atmosphäre aus.
Besonders überzeugend sind dabei oft nicht die monströsen Erscheinungen selbst, sondern die Räume, in denen das Grauen entsteht. Verfallene Häuser, enge Keller, menschenleere Straßen und Gesichter, die langsam begreifen, was sie besser niemals erfahren hätten.
Zu seinen bereits veröffentlichten Lovecraft-Adaptionen gehören Berge des Wahnsinns, Der Schatten über Innsmouth, Das Grauen von Dunwich und Die Farbe aus dem All.
Mit Der Fall Charles Dexter Ward widmet er sich nun einer Geschichte, deren Stärke vor allem in ihrer bedrückenden Atmosphäre und der langsamen Enthüllung eines Familiengeheimnisses liegt.
Gerade Tanabes Liebe zu historischen Details dürfte dem Stoff entgegenkommen.
🇩🇪 Die deutsche Ausgabe erscheint bei Carlsen
Während Dark Horse die englischsprachige Ausgabe für den 30. März 2027 angekündigt hat, können sich deutsche Lovecraft-Freunde bereits auf eine eigene Veröffentlichung freuen.
Carlsen Manga bringt den ersten Band voraussichtlich am 22. beziehungsweise 23. März 2027 heraus.
Die deutsche Ausgabe erscheint als großformatige Klappenbroschur mit 192 Seiten und kostet 14 Euro. Die Übersetzung übernimmt Jens Ossa, der bereits zahlreiche Manga für den deutschen Markt übertragen hat.
Zusätzlich ist eine digitale Ausgabe für 7,99 Euro vorgesehen. Die englische Dark-Horse-Ausgabe umfasst dagegen 178 Seiten, kostet 14,99 US-Dollar und wird von Zack Davisson übersetzt.
Dass beide Fassungen beinahe gleichzeitig erscheinen, ist für Liebhaber hochwertiger Horrormanga erfreulich. Zumal die deutsche Ausgabe mit ihrem größeren Format Tanabes aufwendigen Zeichnungen besonders viel Raum gibt.
⚰️ Wenn die Vergangenheit nicht tot bleiben will
Der Fall Charles Dexter Ward ist kein Horrorstoff, der ständig neue Monster benötigt, um seine Wirkung zu entfalten.
Sein Schrecken liegt in der Vorstellung, dass Wissen selbst gefährlich werden kann. Dass jede beantwortete Frage zu einem noch schlimmeren Geheimnis führt. Und dass manche Dinge nicht deshalb vergessen wurden, weil sie unwichtig waren.
Gou Tanabes zeichnerische Handschrift könnte diese düstere Geschichte auf besonders eindringliche Weise zum Leben erwecken.
Für Liebhaber klassischer Horrorliteratur und atmosphärischer Manga gehört der erste Band deshalb schon jetzt zu den interessanteren Neuerscheinungen des kommenden Frühjahrs.
Und vielleicht sollten wir uns alle noch einmal überlegen, wie weit wir bei der eigenen Ahnenforschung gehen möchten.
Spätestens wenn der Ururgroßvater in alten Dokumenten seit 170 Jahren dasselbe Alter hat, wäre es ratsam, die Familienchronik wieder zuzuklappen.





