Der erste Trunk (Eine Neujahrsgeschichte)

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🍷 Der erste Trunk (Eine Neujahrsgeschichte)

Der Wind war an diesem Abend kein Wind mehr, sondern ein wildes Tier, das mit nassen Pfoten und eiskalten Krallen an den Fensterläden kratzte. Er roch nach kalter Erde und nach etwas, das man nur in sehr alten Kellern findet: nach Geschichten, die niemand mehr erzählen will.

Die Taverne an der Wegkreuzung hieß «Zum Weißkessel». Nicht, weil sie besonders sauber gewesen wäre, sondern weil der große Kupferkessel über dem Kamin aussah, als hätten ihn die Zeit und ein seltsam feiner Ruß komplett ausbleichen lassen.

Drinnen war es warm, aber gewiss nicht freundlich. Wärme war hier eher ein Zustand, den man zu bezahlen hatte.

Der Wirt – ein Mann mit Händen wie Brotlaibe und Augen wie stumpfe Münzen – polierte Gläser, als hätte er mehr als genug Zeit dafür übrig. Das taten Wirte nie. Nicht ohne Grund. Und schon gar nicht am letzten Abend des Jahres.

An den Tischen saßen nur wenige. Eine Händlerin aus Fanth, die ihre Finger um eine Tasse klammerte, als könne sie sich nur so selbst beweisen, dass sie noch da war. Zwei dunkelhäutige Würfelspieler, die nicht lachten, wenn sie gewannen. Und ganz hinten ein Reisender im grauen Mantel, der seit einer Stunde nichts tat, als die Flamme der Kerze auf seinem Tisch zu beobachten.

Es war kurz vor Mitternacht. Man merkte es nicht an der Uhr – die hing über dem Tresen und ging ohnehin gern eigene Wege – sondern am Schweigen. Kurz vor Mitternacht wurde das Schweigen stets schwerer. Es setzte sich auf die Schultern der Leute, als wolle es sie daran erinnern, wie zerbrechlich ein Jahr sein konnte.

Die Tür öffnete sich.

Kälte drang in einem weiten Schwall herein, als hätte sie jedes Recht dazu. Sie schob sich über den Boden, zwischen Tischbeine, unter Mäntel. Und mit ihr kam ein Besucher, der so unscheinbar war, dass man ihn fast übersehen hätte.

Ein junger Mann, vielleicht Anfang zwanzig. Dunkles Haar, das noch feucht war von Schnee oder Regen. Kein Schwert, kein Wappen, kein Gefolge. Nur ein Beutel am Gürtel, der nicht gerade schwer aussah.

Er blieb im Türrahmen stehen, als müsse er prüfen, ob er sich selbst erlauben konnte, hier wirklich einzutreten.

Der Wirt hob den Kopf. Einen Moment lang war es still genug, dass man das Knistern der Scheite hörte, und etwas anderes darunter, wie ein leises Summen, das man eher in den Knochen als im Ohr spürte.

«Spät», sagte der Wirt, und es klang wie ein Vorwurf.

Der junge Mann nickte. «Ich… ich bin nur auf der Durchreise.»

«Sind sie doch alle.» Der Wirt stellte ein Glas ab. Es klang, als wäre es schwerer als Glas.

Der Junge trat näher. Seine Stiefel hinterließen nasse Spuren auf den Dielen. «Man hat mir gesagt, hier bekommt der letzte Besucher des Jahres den ersten Trunk des neuen Jahres gratis.»

Ein kaum sichtbares Zucken ging durch den Raum. Die Händlerin schaute auf. Einer der Würfler hielt mitten in der Bewegung inne. Selbst die Kerzenflamme flackerte etwas weniger, als hätte sie kurz gezögert.

Der Wirt lächelte nicht. Er tat etwas Schlimmeres: Er blickte drein, als hätte er genau diese Worte erwartet.

«Hat man dir das gesagt», fragte er ruhig, «oder hat man dich hergeschickt?»

Der Junge blinzelte. «Was… was meinst du?»

Der Reisende im grauen Mantel hinten im Raum hob zum ersten Mal den Blick. Seine Augen wirkten dunkel, nicht wegen ihrer Farbe, sondern als läge etwas darin, vor dem das Licht zurückwich.

Der Wirt griff unter den Tresen. Nicht nach einer Waffe. Nach einer Flasche.

Sie war aus schwarzem Glas, ohne Etikett. Der Hals war mit Wachssiegeln übersät, wie Narben. Der Wirt stellte sie auf das Holz, und es schien, als würde die Flamme im Kamin einen Augenblick schwächer brennen, um besser zuhören zu können.

«Gratis», sagte der Wirt, und diesmal lag in seiner Stimme eine alte Müdigkeit. «So steht’s in den Liedern.»

Der Junge trat noch einen Schritt näher. Er roch nach nasser Wolle und nach Angst, frisch und unverbraucht.

«Dann…?» Seine Stimme klang nun gepresst und ängstlich.

Der Wirt nahm ein Glas. Er spülte es nicht aus. Er polierte es auch nicht. Er stellte es hin, als würde er eine heilige Handlung vollziehen.

«Ein Trunk», sagte er. «Der erste des neuen Jahres. Ein Schluck, der eine Grenze übertritt.»

Der Junge schluckte. «Klingt… gut.»

Der Wirt brach das erste Siegel. Das Wachs knirschte, als hätte es Zähne. Er brach das zweite. Und das dritte. Bei jedem rutschte die Kälte ein Stück weiter in den Raum.

Als das letzte Siegel fiel, atmete die Flasche aus, so wie etwas, das lange eingesperrt war und endlich wieder Luft schmeckte.

Der Wirt schenkte ein.

Die Flüssigkeit war dunkel, aber nicht wie Wein. Eher wie Tinte. Sie legte sich schwer ins Glas, und an der Oberfläche stand ein feiner Schimmer, als wäre darin ein Stern ertrunken.

Der Junge starrte hinein. Man konnte in seinen Augen sehen, wie er überlegte, ob das ein Scherz war, ob das ein Brauch war, ob er das später seinen Freunden erzählen würde.

«Nur ein Schluck», sagte er leise.

Der Wirt legte eine Hand auf das Glas, ohne es zu berühren. «Hör zu. Dieser Trunk ist… nicht für jeden.»

«Aber—»

«Nicht für jeden», wiederholte der Wirt, und jetzt lag da etwas Hartes in seiner Stimme. «Er gehört jemand anderem.»

Der Junge runzelte die Stirn. «Wenn er jemand anderem gehört… warum steht er dann hier?»

Der Wirt sah ihn an, lange. Es war der Blick eines Mannes, der zu oft gesehen hat, wie Menschen den Preis erst verstehen, wenn man ihnen die Rechnung präsentierte.

«Weil das neue Jahr immer seinen ersten Schluck verlangt», sagte er. «Und weil es nicht gern wartet.»

Draußen, irgendwo im Dorf, schlug eine Glocke. Einmal. Zweimal. Der Klang war dumpf, als hinge der Glockenton selbst im Frost fest.

Der Junge streckte die Hand aus.

Da bewegte sich der Reisende im grauen Mantel.

Er stand auf, langsam, als hätte er alle Zeit der Welt. Als wäre Zeit etwas, das man ihm ohnehin nicht nehmen konnte.

Er kam nach vorn, ohne Eile, aber mit einer Art Gewicht, das den Raum veränderte. Die Würfler schauten zu Boden. Die Händlerin presste die Lippen zusammen, als wollte sie verhindern, dass ihr ein unbedachtes Wort herausfallen könnte.

Der Reisende blieb neben dem Jungen stehen. Von Nahem wirkte er älter, als er zuerst ausgesehen hatte. Nicht, dass sein Gesicht faltig gewesen wäre, es war eher eine beklemmende Art der Abwesenheit von Jugend. Als wäre ihm alles, was «neu» ist, schon lange egal.

«Du bist spät», sagte der Reisende.

Der Junge wich einen halben Schritt zurück. «Wer bist du?»

Der Mann lächelte, und das Lächeln passte nicht in sein Gesicht. «Ich bin der, dem der erste Trunk gehört.»

Der Junge lachte nervös. Es war kein echtes Lachen. Es war ein Versuch, das Unbehagen in ein Geräusch zu verwandeln, das man kontrollieren konnte. «Das… das ist doch nur ein Brauch.»

«Ja», sagte der Mann. «Ein Brauch. Und Bräuche sind nur Verträge, die alt genug geworden sind, um wie Tradition auszusehen.»

Draußen schlug die Glocke weiter. Neun. Zehn. Elf.

Der Wirt stand reglos. Seine Hand ruhte noch immer nahe des Glases, als könnte er es auf diese Weise festhalten, ohne es zu berühren.

«Ich will keinen Ärger», sagte der Junge hastig. «Ich dachte nur… gratis, du weißt schon. Neujahr. Glück.»

Der Reisende neigte den Kopf. «Glück. Wie süß ihr dieses Wort macht, damit ihr nicht schmeckt, was es wirklich ist.»

«Was ist es denn?»

Der Mann sah in das Glas. Der Schimmer an der Oberfläche vibrierte, als würde er sich an etwas erinnern.

«Der erste Trunk ist ein Anker», sagte er. «Er bindet das Jahr an eine Seele. Damit es nicht in alle Richtungen ausfranst. Damit es einen Geschmack bekommt. Eine Richtung.»

Der Junge starrte ihn an. «Das ist Unsinn.»

«Ist es das?» Der Mann sah auf, und in diesem Blick lag ein ganzer Winter. «Schau dich um. Warum meinst du, ist es hier so still?»

Der Junge blickte in den Raum. Niemand antwortete ihm. Niemand wagte es. Selbst der Kamin schien nun leiser zu brennen.

«Weil wir alle wissen», sagte der Wirt leise, «dass es dieses Jahr wieder passiert.»

Zwölf.

Die Glocke schlug den letzten Ton nicht. Er kam nicht. Es gab nur ein kurzes, seltsames Ziehen in der Luft, als hätte jemand einen metallenen Faden durch den Raum gezogen. Die Kerzenflammen beugten sich, als wollten sie ihm folgen.

Der Junge riss die Augen auf. «Was—»

Düstere Wegkreuzungs-Taverne: Wirt und Reisender am Tresen, im Vordergrund ein Glas mit schwarzem Sternentrank, in der Tür eine verhüllte Gestalt im Nebel.

Der Reisende legte ihm eine Hand auf die Schulter. Kein fester Griff, aber… endgültig.

«Du bist der Letzte», sagte er.

Der Junge schluckte. «Ja. Und?»

«Das heißt», sagte der Mann, «dass du heute derjenige bist, durch den der erste Trunk die Schwelle überschreiten darf.»

Der Junge starrte ihn an. «Ich trinke doch nicht für dich.»

Der Mann lächelte wieder. «Doch.»

Der Junge ruckte die Schulter weg. «Nein.»

Der Wirt hob endlich die Hand, und diesmal berührte er das Glas. Es klirrte nicht. Es klang wie ein kleiner, feiner Ton, als hätte man mit einem Löffel an eine Glocke getippt.

«Hör auf, dich zu wehren», sagte der Wirt rau. «Es macht es nur schlimmer.»

«Wovon redest du?», fauchte der Junge. Er war jetzt nicht mehr nur ängstlich. Er war wütend, und Wut ist die letzte Verteidigung eines Menschen, der spürt, dass er in eine Falle getreten ist.

Der Reisende beugte sich näher. Sein Atem roch nach nichts. Nach leerer Luft.

«Du hast es selbst gesagt», flüsterte er. «Du wolltest Glück. Und jetzt bist du hier, kurz vor Mitternacht, und verlangst einen Trunk, der gratis ist. Du verlangst eine Gabe. Du verlangst, dass das Jahr dir etwas schuldet.»

Der Junge öffnete den Mund, um zu widersprechen – aber er fand keine Worte, die stark genug gewesen wären.

Der Reisende richtete sich auf. «Das Jahr schuldet dir nichts. Aber es nimmt gern, wenn du ihm etwas anbietest.»

Der Junge schaute aufs Glas. Es stand da. Unschuldiges Glas. Dunkle Flüssigkeit. Ein Sternschimmer wie ein Versprechen.

Und plötzlich sah er darin etwas. Nicht etwa sein Spiegelbild, sondern eine Szene: ein Morgen, hell, ein Lachen, eine Frau, die er nicht kannte, ein Kind, das ihm zuwinkte. Eine Tür, die offenstand. Ein Leben, das sich anfühlte wie… ja. Glück.

Seine Finger zitterten.

«Das ist…», flüsterte er.

«Ein Vorgeschmack», sagte der Reisende. «Das ist, was du bekommst, wenn du trinkst.»

Der Junge griff nach dem Glas.

Der Wirt schloss die Augen.

Die Händlerin flüsterte etwas, das wie ein Gebet hätte klingen können.

Der Junge setzte an. Die Flüssigkeit berührte seine Lippen, und sie war warm. Zu warm. Wie frisches Blut.

Er trank.

Nur einen Schluck.

Zuerst passierte nichts.

Dann veränderte sich sein Gesicht, als würde jemand von innen her ein Licht ausdrehen. Seine Pupillen weiteten sich. Er japste nach Luft. Seine Finger klammerten sich an den Tresen.

«Was… was hast du…»

Der Reisende nahm ihm das Glas aus der Hand, ganz sanft, wie man einem Kind ein Messer abnimmt.

Der Junge fiel auf die Knie.

Und in diesem Moment verstand er es.

Was sein Kopf ihm längst nicht mehr hätte erklären können, spürte sein Körper. Mit dem plötzlichen Wissen, dass etwas in ihm gerade Platz gemacht hatte. Als wäre eine Tür aufgegangen – nach innen.

Der Reisende hob das Glas. Der Sternschimmer tanzte. Er brachte es an die Lippen.

Er trank den Rest in einem Zug.

Und als die Flüssigkeit seinen Mund berührte, hob sich der Raum, als würde er aufatmen. Die Kerzen flackerten auf. Der Kamin knisterte wieder lauter. Der Wind draußen klang weniger wie ein Tier und mehr wie ganz normales Wetter.

Der Reisende stellte das leere Glas ab.

«So», sagte er zufrieden. «Jetzt hat das Jahr seinen Geschmack.»

Der Junge krümmte sich am Boden. Seine Hände klatschten auf die Dielen, als würde er etwas suchen, das er verloren hatte. Seine Stimme kam heiser. «Was… was hast du mir genommen?»

Der Reisende sah ihn nicht einmal an. «Nur das, was du angeboten hast.»

Der Junge hob den Kopf. Seine Augen waren weit. «Ich habe nichts angeboten!»

Der Wirt kniete sich zu ihm hinunter. Er legte ihm eine Hand an die Wange, fast mitleidig.

«Doch», sagte er. «Du hast gesagt, du willst Glück. Und du hast geglaubt, es sei gratis.»

Der Junge schluckte, und ein Geräusch kam aus ihm, das mehr Tier als Mensch war. «Ich… ich fühle…»

Er brach ab.

Er fühlte es nicht.

Das war der Punkt.

Er fühlte nichts. Keine Wärme, keine Hoffnung, keine Angst mehr, nicht einmal Wut. Nur eine alles umfassende Leere, die sich sauber anfühlte, wie ein frisch gefegter Boden.

Und irgendwo tief drin wusste er: Das ist der Preis. Man hatte ihm das nicht erklärt hatte, es war ihm eingepflanzt worden.

Der Reisende zog seinen Mantel zurecht. Er ging zur Tür, als sei er der Gast, der nur kurz auf einen Drink vorbeigeschaut hatte.

Bevor er hinausging, drehte er sich noch einmal um und sah den Wirt an.

«Bis zum nächsten Jahr», sagte er.

Der Wirt nickte. Weder höflich noch freundlich. Eher wie ein Mann, der eine Last schon zu lange trug.

Die Tür schloss sich.

Der Wind blieb draußen.

Drinnen saßen die Leute still da, als hätten sie gerade eine Rechnung erhalten, die sie nicht zahlen wollten – oder konnten.

Der Junge lag auf dem Boden. Er blinzelte. Seine Augen waren trocken. Er weinte nicht. Er konnte nicht.

«Was… passiert jetzt?», fragte er tonlos.

Der Wirt half ihm auf. Er stellte ihn auf die Beine, wie man eine Puppe hinstellt, damit sie nicht im Dreck liegt.

«Jetzt», sagte der Wirt leise, «hast du ein Jahr ohne Schmerz.»

Der Junge starrte ihn an.

«Und ohne Freude», fügte der Wirt hinzu.

Er führte den Jungen zu einem Tisch, setzte ihn hin. Der Junge hielt die Hände auf den Knien. Seine Finger bewegten sich nicht. Es sah aus, als hätte er vergessen, wozu Hände gut sind.

Die Händlerin zahlte und ging, ohne ihn anzusehen. Die Würfelspieler packten mit angestrengten Gesichtern ihre Würfel weg, als wären sie plötzlich zu schwer geworden. Niemand sagte «Frohes Neues». Diese Worte hatten in dieser Nacht keinen Platz.

Als der Raum leer war, blieb nur noch der Wirt und der Junge.

Der Wirt stellte ihm eine Schüssel Suppe hin. Der Junge schaute gleichgültig hinein, als wäre es Wasser. Er rührte nicht um. Er roch nicht daran.

«Warum tust du das?», fragte der Junge schließlich.

Der Wirt setzte sich ihm gegenüber. Er sah älter aus, als er eben noch ausgesehen hatte.

«Weil jemand es tun muss», sagte er. «Weil, wenn der erste Trunk nicht genommen wird, das Jahr… anders anfängt. Wild. Ohne Richtung. Dann nimmt es sich, was es will. Nicht nur von einem.»

Der Junge runzelte die Stirn, als würde er versuchen, sich an ein bestimmtes Gefühl zu erinnern.

«Und du?», fragte er. «Was… was hast du bezahlt?»

Der Wirt schwieg einen Moment.

Dann sagte er, sehr ruhig: «Ich bezahle jedes Jahr damit, dass ich es sehe.»

Der Junge hob den Kopf.

Der Wirt blickte in den Kamin. «Ich sehe, wie einer glaubt, er könne Glück gratis bekommen. Und ich sehe, wie das Jahr lacht, obwohl Jahre nicht mal Münder haben.»

Er stand auf, nahm das leere Glas, polierte es wieder. Ein Automatismus. Ein Ritual.

«Du bleibst heute Nacht hier», sagte er. «Morgen früh wirst du gehen. Du wirst laufen, essen, arbeiten. Du wirst funktionieren.»

«Und irgendwann?», fragte der Junge.

Der Wirt sah ihn an. In seinen Augen war etwas, das fast wie Mitleid aussah, aber Mitleid ist auch nur ein Gefühl, und Gefühle waren heute knapp.

«Irgendwann», sagte der Wirt, «wirst du merken, dass alle um dich herum in Farben leben. Nur du wirst alles als Grau empfinden.»

Der Junge schluckte. Er wusste, dass das schlimm sein sollte. Er wusste es, weil die Worte es sagten. Aber er spürte es nicht.

Draußen begann das neue Jahr mit Glockengeläut.

Und drinnen saß ein Junge, dem man die Fähigkeit genommen hatte, es zu feiern.

Der Wirt löschte die letzte Kerze.

Im Dunkeln klang das Polieren des Glases wie ein sehr leises, sehr altes Gebet.

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