Atomkorvette statt U-Boot: Deck & Conn schickt den Kalten Krieg heute ins All
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Der Kalte Krieg hat die Umlaufbahn erreicht
📰 Was ist los?
Deck & Conn erscheint heute auf Steam und soll um 13:00 Uhr MESZ freigeschaltet werden. Funtime Electrics verbindet eine alternative Kalte-Krieg-Zukunft des Jahres 1989 mit rundenbasierten Weltraumkämpfen, Besatzungsmanagement, Schiffsausbau und einer dynamischen Kampagne an Bord einer nuklear angetriebenen Raumkorvette.
🐛 Was denken wir?
Die Pixelgrafik ist hier keine Retrodekoration, sondern gehört zum gesamten Konzept. Deck & Conn sieht aus wie die Weltraumsimulation, die MicroProse 1991 vielleicht veröffentlicht hätte, wenn damals jemand Atomkorvetten statt Kampfjets auf die Disketten gepackt hätte und gerade diese eigenwillige Mischung macht den kleinen Release interessant.
1989 steht die Welt am Ende des Kalten Krieges. In Deck & Conn hat sie allerdings offenbar beschlossen, vorher noch eine Abzweigung zu nehmen: Der Konflikt zieht hinaus ins All, nuklear angetriebene Korvetten patrouillieren zwischen den Sternen und irgendwo auf der Brücke sitzt ein Kommandant, der gleichzeitig über Munition, Besatzung, beschädigte Systeme und den nächsten Feindkontakt nachdenken muss.

© Funtime Electrics / MicroProse Software
Das taktische Science-Fiction-Spiel von Funtime Electrics erscheint heute über MicroProse auf Steam. Die Freischaltung ist für 13:00 Uhr MESZ vorgesehen; am frühen Morgen ist der Titel deshalb noch nicht spielbar. Deck & Conn erscheint für Windows, macOS auf Apple Silicon sowie Linux beziehungsweise SteamOS und bleibt ein reines Einzelspieler-Spiel.
🛰️ Fünfzehn Minuten nach 1989 beginnt der Krieg im All
Die Entwickler beschreiben ihre Welt als „fifteen minutes into the future of 1989“. Das ist weniger klassische Zukunftsvision als bewusst verdrehter Kalter Krieg: Statt Flugzeugträgern und Atom-U-Booten stehen nuklear angetriebene Raumkorvetten im Zentrum, während militärische Befehlsketten, Patrouillen und knappe Ressourcen stark an die Spannung alter Marinesimulationen erinnern. Funtime Electrics selbst bezeichnet das Ganze als „cold-war-turned-hot in space“.
Gespielt wird nicht als Pilot eines einzelnen Jägers. Wir kommandieren ein komplettes Schiff und müssen sowohl die taktische Lage als auch die Besatzung und die Systeme im Blick behalten. Notrufe, neue Befehle vom Hauptquartier und überraschende Gefechte können eine Patrouille jederzeit verändern, während Ressourcen nicht unbegrenzt zur Verfügung stehen.
Dadurch nähert sich Deck & Conn dem Weltraumkampf eher von der Kommandobrücke aus. Man zieht keine hektischen Loopings zwischen Lasersalven, sondern versucht, mit den vorhandenen Mitteln den nächsten Kontakt zu überleben und die Korvette anschließend noch in einem Zustand nach Hause zu bringen, der nicht ausschließlich aus glühenden Ersatzteilen besteht.
☢️ Willkommen auf der nuklearen Raumkorvette
Der offizielle Trailer zu Deck & Conn zeigt den alternativen Kalten Krieg im All, die pixeligen Kommandooberflächen und jene taktischen Entscheidungen, die zwischen einer erfolgreichen Patrouille und sehr teurem Weltraumschrott liegen.
⚔️ Rundenkampf statt Weltraum-Ballerbude
Die Gefechte laufen rundenbasiert ab. Ressourcen- und Systemmanagement gehören ebenso dazu wie die eigentliche taktische Positionierung; feindliche Schiffe lassen sich zerstören oder sogar kapern. Erfolgreiche Einsätze bringen Belohnungen, die wiederum in die weitere Entwicklung des eigenen Schiffs und der Besatzung fließen.
Neben der dynamischen Kampagne gibt es einzelne Kampfszenarien, in denen sich bestimmte taktische Situationen unabhängig vom großen Feldzug spielen lassen. In der Kampagne selbst stehen Patrouillen, Upgrades und Beförderungen der Crew auf dem Programm, während der Krieg permanent weiterläuft und die Entscheidungen während eines Einsatzes langfristig die Geschichte des eigenen Schiffs prägen sollen.
Das klingt bewusst nach einer Zeit, in der Strategiespiele noch davon ausgingen, dass ein blinkender Bildschirm voller Zahlen ein völlig ausreichender Grund war, die nächsten vier Stunden nicht mehr aufzustehen.
🖥️ MicroProse sieht aus wie MicroProse – mit voller Absicht
Dass Deck & Conn ausgerechnet bei MicroProse erscheint, ist fast schon Teil des Konzepts. Funtime Electrics entwickelte das Spiel ausdrücklich unter dem Eindruck alter MicroProse-Titel der frühen Neunziger; die Zusammenarbeit mit dem heutigen Publisher wurde im Frühjahr offiziell bekanntgegeben.
Die Pixelgrafik versucht deshalb gar nicht erst, moderne Weltraumschlachten möglichst spektakulär nachzuahmen. Anzeigen, taktische Karten und Bedienoberflächen wirken wie futuristische Militärsoftware, die jemand 1989 auf einem damaligen Rechner entworfen haben könnte. Genau dadurch bekommt das Spiel eine ziemlich markante Identität zwischen alter Marinesimulation und Science-Fiction.
Noch älter reicht eine andere Inspirationsquelle zurück: Steam nennt ausdrücklich das 1971 entstandene Super Star Trek als Vorbild. Das frühe Mainframe-Spiel setzte bereits auf abstrakte Raumsektoren, Ressourcenmanagement und taktische Entscheidungen statt grafischer Weltraumaction. Deck & Conn greift diese Idee auf und baut daraus eine wesentlich komplexere Kommando-Simulation mit Kalter-Krieg-Atmosphäre.
🎖️ Die Besatzung gehört genauso zum Schiff wie der Reaktor
Bemerkenswert ist, dass nicht nur die Korvette wächst. Crew-Mitglieder können innerhalb der Kampagne befördert werden, während das Schiff selbst neue Systeme und Verbesserungen erhält. Dadurch soll sich über mehrere Patrouillen eine eigene kleine Dienstgeschichte entwickeln, statt jede Mission wieder mit einer anonymen Standardbesatzung zu beginnen.
Das passt gut zum Grundton. Eine nukleare Raumkorvette ist hier keine einzelne Spielfigur mit Trefferpunkten, sondern ein Arbeitsplatz voller Menschen und Systeme, die gemeinsam funktionieren müssen. Ein erfolgreicher Kommandant entscheidet deshalb nicht nur, worauf geschossen wird, sondern auch, wie lange die vorhandenen Mittel noch reichen und welches Risiko eine Mission überhaupt wert ist.
Gerade darin steckt für mich der Reiz. Das All ist in Deck & Conn kein großer romantischer Entdeckungsraum. Es ist ein militärischer Operationsbereich, in dem irgendwann das Hauptquartier funkt und erwartet, dass jemand die nächste schlechte Entscheidung möglichst professionell trifft.
🌍 Deutsche Kommandos gibt es leider nicht
Einen kleinen Haken gibt es für deutsche Spieler: Steam führt derzeit ausschließlich Englisch als unterstützte Sprache. Deutsche Menüs oder Untertitel sind zum Release nicht eingetragen.
Technisch bleibt das Spiel dagegen ausgesprochen genügsam. Unter Windows verlangt es lediglich 2 GB RAM, eine ältere DirectX-kompatible Grafikkarte und rund 1 GB Speicherplatz. Auch Linux beziehungsweise SteamOS wird unterstützt; auf dem Mac setzt die aktuelle Version laut Steam auf Apple-Prozessoren.
Der PC muss für diesen alternativen Kalten Krieg also keineswegs aus der Zukunft stammen. Nur der Kommandant sollte vermutlich rechnen können.
🚀 Genau die richtige Sorte altmodische Science-Fiction
Deck & Conn ist kein großes Science-Fiction-Spektakel und will offensichtlich auch keines sein. Das Spiel nimmt eine jahrzehntealte Vorstellung davon, wie taktische Computerspiele funktionieren können, und baut daraus ein alternatives 1989, in dem der Kalte Krieg die Erde verlassen hat, ohne auch nur einen Teil seiner Paranoia mitzunehmen.
Gerade deshalb gehört der Release in unseren Radar. Zwischen riesigen Open Worlds, Echtzeit-Lasersalven und filmreifen Weltraumschlachten kommt hier ein Spiel, das behauptet, eine nukleare Korvette, eine schlechte taktische Lage und ein blinkender Pixelmonitor seien völlig ausreichend.
MicroProse hat schon mit wesentlich weniger Bildschirmauflösung ganze Wochenenden versenkt. Man sollte also vorsichtig sein.



