Ein Kobold entkommt dem Brettspiel: Das verrückte Labyrinth wird zur deutschen Fantasy-Komödie
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Das Spielbrett hat plötzlich Tiefgang – und einen Drachen
📰 Was ist los?
Das verrückte Labyrinth kommt am 20. Januar 2028 ins Kino. Die 17-jährige Lou und der Twitch-Streamer Nico setzen bei einem Spieleabend versehentlich den Kobold Zephyr frei und geraten auf eine Schatzsuche durch ein reales Labyrinth voller Ritter und Drachen. Peter Thorwarth führt Regie.
🐛 Was denken wir?
Der Stoff klingt erheblich besser, seit klar ist, dass hier tatsächlich eine Fantasywelt gebaut wird. Das verschiebbare Labyrinth bietet sogar einen ziemlich guten filmischen Mechanismus – vorausgesetzt, Zephyr bleibt ein Kobold und wird nicht zwei Stunden lang zur wandelnden Merchandisingabteilung.
🐉 Ein Kobold entkommt dem Brettspiel: Das verrückte Labyrinth wird zur deutschen Fantasy-Komödie
Ausgerechnet Das verrückte Labyrinth gehört zu jenen Brettspielen, deren Verfilmung zunächst ungefähr so naheliegend klingt wie die Charakterstudie einer Schachfigur. Ein paar verschiebbare Gänge, Schätze, Spielfiguren – daraus sollen anderthalb Stunden Kino werden? Inzwischen wissen wir, wie Constantin Film und SamFilm das Problem lösen wollen: Sie lassen das Labyrinth einfach Wirklichkeit werden und holen Kobolde, Ritter und Drachen aus der fantastischen Bilderwelt des Spiels auf die Leinwand.

Der Film startet am 20. Januar 2028 in den deutschen Kinos. Regie führt Peter Thorwarth, bekannt durch Bang Boom Bang sowie die Netflix-Produktionen Blood Red Sky und Blood & Gold. Damit bekommt Ravensburgers Spieleklassiker ausgerechnet einen Filmemacher, der mit Tempo, Action und leicht beschädigten Figuren deutlich mehr Erfahrung besitzt als mit gemütlichen Familienabenden am Wohnzimmertisch.
🧩 Ein Spieleabend nimmt die denkbar falsche Abzweigung
Im Mittelpunkt steht die 17-jährige Lou. Mit Nico, dem neuen Freund ihrer Mutter Silvia, verbindet sie wenig außer der Überzeugung, dass sie gut ohneeinander auskämen. Nico ist 42 und verdient sein Geld als Twitch-Streamer – womit bereits ausreichend Material für einen ausgesprochen langen Familienabend vorhanden wäre.
Dann landet eine antike Ausgabe von Das verrückte Labyrinth auf dem Tisch. Beim Spielen wird versehentlich der Kobold Zephyr befreit, und aus der angespannten Patchwork-Situation wird eine Schatzsuche durch eine tatsächliche Fantasywelt. Lou und Nico müssen sich gemeinsam durch ein undurchdringliches Labyrinth schlagen, treffen auf einen charmanten Ritter und bekommen es mit Drachen zu tun.
Damit übernimmt der Film immerhin die wichtigste Eigenschaft seiner Vorlage: Der Weg, der eben noch hervorragend aussah, kann fünf Sekunden später vollständig verschwunden sein. Beim Brettspiel steckt meistens der Mitspieler dahinter. Im Kino dürfte die Erklärung etwas aufwendiger ausfallen.
🧙 Vom verschiebbaren Spielbrett zur echten Fantasywelt
Die interessante Frage war von Anfang an, wie viel vom eigentlichen Spiel noch übrig bleibt, sobald daraus eine Geschichte wird. Das Brett besitzt keine Handlung im klassischen Sinn. Seine Welt besteht aus verschiebbaren Gängen, magischen Figuren, Schätzen und Kreaturen – also genau jenen Elementen, aus denen das Drehbuch nun eine Abenteuerkomödie baut.
Kobold Zephyr scheint dabei der Schlüssel zu sein. Durch ihn springt die Handlung von einem normalen Spieleabend in die fantastische Ebene. Dabei greift die Verfilmung direkt Motive der Vorlage auf: Figuren wie der Drache und der Kobold gehörten bereits zu Max Kobberts Prototyp von 1983 und tauchten auch in späteren Ausgaben des Spiels auf.

Die Ritterfigur in Gestalt eines Helms wurde für die Erstausgabe von 1986 auf Idee von Ravensburger eingeführt und ersetzte die Eisenkugel mit Kette aus dem ursprünglichem Prototyp.
Gerade diese Entwicklung zeigt, wie früh Das verrückte Labyrinth bereits mit klassischen Fantasy-Motiven arbeitete. Der Film greift damit auf eine Bilderwelt zurück, die lange vor dem aktuellen Kinoprojekt zum Spiel gehörte. Zugleich scheint er den Verschiebemechanismus als Ausgangspunkt für eine größere Abenteuerwelt zu nutzen.

© Max Kobbert, mit freundlicher Genehmigung
Das ist wahrscheinlich auch die vernünftigste Lösung. Zwei Stunden lang Menschen dabei zuzusehen, wie links eine Karte ins Labyrinth geschoben wird und rechts eine andere herausfällt, hätte spielhistorisch vielleicht seinen Reiz. Für die meisten Zuschauer dürfte ein Drache trotzdem die spannendere Entscheidung sein, zumal er bereits seit Kobberts Prototyp von 1983 zur fantastischen Bilderwelt des Spiels gehört.
🎬 Peter Thorwarth bekommt eine Million Euro für das Chaos
Produziert wird Das verrückte Labyrinth von SamFilm, Constantin ist als Co-Produzent und Verleih beteiligt. Der FilmFernsehFonds Bayern unterstützt die Produktion mit einer Million Euro, gut die Hälfte der Dreharbeiten soll in Bayern stattfinden.
Beim Drehbuch arbeiten Jakob Grahl, Fabian Carl und David Benke zusammen. Über die Besetzung von Lou, Nico, Zephyr und dem geheimnisvollen Ritter ist bislang noch nichts bekannt. Gerade Zephyr dürfte interessant werden: Ein frecher Kobold kann als sympathischer Motor des Abenteuers funktionieren oder innerhalb von zehn Minuten dafür sorgen, dass man freiwillig die Schachtel wieder zuklebt.
Thorwarth ist jedenfalls eine überraschend interessante Wahl. Bang Boom Bang lebte von schnellem Dialog und Figuren, deren Pläne zuverlässig schlechter werden, je länger sie darüber nachdenken. Blood Red Sky verband wiederum Familiengeschichte mit deutlich handfesterem Genre. Für eine Fantasykomödie über zwei Menschen, die sich nicht leiden können und gemeinsam durch ein magisches Labyrinth müssen, ist beides keine schlechte Vorbereitung.
🐲 Das deutsche Jumanji muss jetzt nur noch seinen eigenen Weg finden
Die Grundidee erinnert zwangsläufig ein wenig an Jumanji: Ein bekanntes Spiel greift in die reale Welt ein und zwingt seine Spieler, das Abenteuer tatsächlich zu bestehen. Das verrückte Labyrinth besitzt allerdings genügend eigene Bausteine, um daraus mehr als eine deutsche Kopie zu machen. Verschiebbare Wege, magische Kreaturen und die Suche nach Schätzen geben der Vorlage eine klare spielerische Identität.
Entscheidend wird sein, ob der Film daraus echte Regeln entwickelt. Wenn sich auch im Kino Wege verändern, Figuren voneinander getrennt werden und plötzlich sichere Pfade verschwinden, könnte das Labyrinth selbst zum eigentlichen Gegenspieler werden. Dann hätte die Verfilmung einen Mechanismus, der direkt aus der Vorlage stammt und trotzdem filmisch funktioniert.
Bis Januar 2028 bleibt dafür reichlich Zeit. Ein konkretes Datum steht nun fest, die Handlung ebenfalls, und der Drache wurde schon angekündigt. Bei einem Film über Das verrückte Labyrinth wäre es allerdings nur konsequent, wenn sich auf dem Weg zum Kinostart noch mindestens einmal der Ausgang verschiebt.
Update vom 7. September 2026:
Max Kobbert, der Erfinder von Das verrückte Labyrinth, hat uns auf eine wichtige Präzisierung hingewiesen. Figuren wie der Drache und der Kobold gehörten bereits zu seinem Prototyp von 1983 und erschienen auch in späteren Ausgaben des Spiels. Die Ritterfigur in Gestalt eines Helms wurde dagegen für die Ravensburger-Erstausgabe von 1986 eingeführt und ersetzte die Eisenkugel mit Kette aus dem ursprünglichen Prototyp. Wir haben den Artikel entsprechend angepasst und danken Max Kobbert herzlich für den Hinweis, die zusätzlichen Einblicke in die Entstehungsgeschichte und die Erlaubnis, seine beiden Prototyp-Zeichnungen von 1983 in unserem Artikel zu veröffentlichen.






