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Aventurien würfelt derzeit gegen die Entwicklungskosten
📰 Was ist los?
Der 2022 vorgestellte Plan von Ulisses Spiele, über mehrere kleinere Projekte eigene Videospielkompetenz aufzubauen und langfristig ein neues großes DSA-Rollenspiel zu entwickeln, ist vorerst gescheitert. Personelle Anforderungen, Entwicklungskosten und die begrenzte internationale Größe der Marke machen ein entsprechendes Projekt derzeit unrealistisch.
🐛 Was denken wir?
Das erklärt ziemlich gut, warum ausgerechnet eine so große deutsche Fantasywelt am PC kaum stattfindet. DSA ist hierzulande zu wichtig für ein halbgares Billigprojekt und international bislang zu klein für die Produktionskosten eines modernen Groß-RPGs. Ein ausgesprochen fieser Würfelwurf.
🐉 Aventurien bleibt dem Bildschirm fern: Der große PC-Plan für Das Schwarze Auge ist gescheitert
Aventurien hat Dämonen, Orks, Drachen und gelegentlich ganze Weltuntergänge überstanden. Beim nächsten großen PC-Rollenspiel scheitert Das Schwarze Auge derzeit an einem Gegner, gegen den auch ein kritischer Erfolg wenig hilft: Entwicklungsbudgets.

Ulisses Spiele wollte seit 2022 Schritt für Schritt eigene Kompetenz für Videospiele aufbauen und langfristig wieder ein großes DSA-Rollenspiel entwickeln. Vier Jahre später zieht Jan Wagner, Head of Digital bei Ulisses, gegenüber GameStar eine ziemlich ernüchternde Bilanz. Der Plan ist vorerst an seinen Grenzen angekommen. Das geplante Actionspiel und die weiteren Entwicklungsstufen werden offenbar nicht mehr verfolgt.
Übrig bleibt Forgotten Fables: Wolves on the Westwind. Die Visual Novel von 2022 war als erster, bewusst überschaubarer Schritt gedacht. Aus der Treppe zurück zum großen Aventurien-Rollenspiel ist damit bislang allerdings eher eine einzelne Stufe geworden.
🗺️ 2022 führte der Plan noch bis zum nächsten großen DSA-RPG
Der damalige Fahrplan war erstaunlich konkret. Wolves on the Westwind sollte zunächst Erfahrungen mit einem vergleichsweise kleinen digitalen Projekt liefern. Danach wollte sich Ulisses an einem Actionspiel versuchen, zunächst noch ohne DSA-Lizenz. Als nächster Schritt war ein Rollenspiel im Universum von HeXXen 1733 vorgesehen. Erst wenn Team, Erfahrung, Finanzierung und internationaler Ruf groß genug wären, sollte daraus schließlich ein neues PC-Rollenspiel zu Das Schwarze Auge entstehen.
Der Ansatz hatte einen nachvollziehbaren Hintergrund. Ulisses wollte die Marke langfristig nicht einfach an irgendeinen externen Entwickler weiterreichen und hoffen, dass Aventurien dabei heil herauskommt. Die entscheidende Spielekompetenz sollte im eigenen Umfeld entstehen.
Nur ist Spieleentwicklung eine ausgesprochen teure Methode, um Kompetenz aufzubauen.
Wagner sagt heute, dass es nicht gelungen sei, ein Team zusammenzustellen, das genügend unterschiedliche Fähigkeiten für ein großes DSA-Projekt vereint. Damit fällt genau jene Grundlage weg, auf der der gesamte Plan aufgebaut war.
💰 In Deutschland riesig, international deutlich kleiner
Dazu kommt ein Problem, das für Das Schwarze Auge besonders unangenehm ist. In Deutschland hängt an der Marke eine enorme Erwartungshaltung. Ein neues klassisches Rollenspiel müsste entsprechend groß, aufwendig und glaubwürdig ausfallen. Außerhalb des deutschsprachigen Raums besitzt DSA allerdings längst nicht dieselbe Zugkraft.
Das ergibt wirtschaftlich eine ziemlich hässliche Gleichung: hoher Produktionsanspruch, erhebliche Kosten und ein Markt, dessen internationale Größe diesen Aufwand nur schwer auffängt. Ein Projekt in der Größenordnung eines Baldur’s Gate 3 sei für einen Verlag wie Ulisses schlicht nicht zu stemmen, laut Wagner auch nicht mit Games-Förderung.
Genau darin steckt vermutlich die frustrierendste Ironie. Das Schwarze Auge ist in Deutschland groß genug, dass ein kleines, billiges Rollenspiel viele Spieler enttäuschen würde. International ist die Marke gleichzeitig zu klein, um ein wirklich großes Spiel selbstverständlich zu finanzieren. Aventurien steckt damit gewissermaßen zwischen zwei Größenklassen fest.
🕯️ Vielleicht kommen wenigstens alte Abenteuer zurück
Ganz zugeschlagen ist die Tür zum PC trotzdem nicht. Ulisses prüft unter anderem, ob ältere DSA-Spiele wieder verfügbar gemacht werden könnten. Gespräche mit Publishern hat es nach Wagners Aussage bereits gegeben. Auch dieses Vorhaben wurde bislang durch die aktuelle Krise der Videospielbranche erschwert, ist aber nicht vollständig vom Tisch.
Bis dahin bleibt die digitale Seite von Das Schwarze Auge vor allem beim Pen-and-Paper aktiv. Ulisses bietet inzwischen umfangreiche Inhalte für Foundry VTT und Roll20 an, während mit DSA Unbound zusätzlich stärker an digitalen Werkzeugen gearbeitet wird. Das klassische neue PC-Rollenspiel ist dagegen weiterhin Zukunftsmusik.
Für alle, die seit Drakensang auf eine große Rückkehr nach Aventurien warten, ist das keine schöne Nachricht. Gleichzeitig erklärt Wagner ziemlich nachvollziehbar, warum die Sache komplizierter ist als die Frage, weshalb niemand einfach ein neues DSA-RPG macht.
Der nächste große Endgegner Aventuriens heißt also vorerst weder Dämon noch Namenloser. Er heißt ganz einfach Produktionsbudget.





