Crowbah #50: Die Populisten
🧐 Im Fantasykosmos suchen
📣 Crowbah #50: Die Populisten

Es gibt Figuren, die kehren nach langer Zeit zurück und wirken plötzlich, als hätten sie nie etwas anderes gemacht. Beim Kugelschreibär ist das leider kein gutes Zeichen.
In der neuen Folge von Crowbah! Finstere Faxen… taucht eine alte Figur aus der Frühzeit der Serie wieder auf. Damals, als Crowbah noch in Ein-Bild-Cartoons unterwegs war, war der Kugelschreibär vor allem ein ziemlich grobschlächtiger Wortwitz auf Tatzen. Inzwischen hat er offenbar Karriere gemacht.
Und zwar ausgerechnet als Chef der AWWF – Alles wird wie früher.
💬 Was passiert?
Crowbah und Grabhold geraten mitten in eine Wahlkampfveranstaltung der AWWF. Über der Bühne hängt ein gewaltiges Banner mit dem Versprechen, dass wieder alles so werden soll wie früher. Genau jenes „Früher“, das in populistischen Erzählungen gern erstaunlich angenehm aussieht, solange niemand zu genau nachfragt, wann es eigentlich gewesen sein soll.
Auf der Bühne steht der Kugelschreibär und arbeitet sich durch das bewährte Programm. Zuerst wird eine vermeintlich bessere Vergangenheit beschworen. Damals habe man angeblich noch ungestört durch die Gegend ziehen können, alles sei übersichtlicher, sicherer und vermutlich auch das Brot knuspriger gewesen.
Crowbah beobachtet das Spektakel mit wachsendem Zweifel und stellt fest, dass die Parolen immer absurder werden, seit man ausgerechnet den Kugelschreibär an die Spitze der Bewegung gesetzt hat.
Im zweiten Panel folgt der nächste Klassiker: die Schuldfrage.
Natürlich sind plötzlich irgendwelche anderen Wesen verantwortlich. Fremde Kreaturen, Krähen und Grabkobolde – Hauptsache, das Publikum bekommt jemanden präsentiert, auf den es zeigen kann. Rundherum tauchen die passenden Parolen auf: „Zurück zu starken Zeiten!“, „Früher war mehr Ordnung!“
Und genau hier bekommt der Gag noch einmal zusätzlichen Biss: Vor der Bühne stehen ausgerechnet Crowbah, eine Krähe, und Grabhold, ein Grabkobold. Sie hören also unmittelbar mit an, wie ihre eigenen Gruppen zum bequemen Feindbild erklärt werden.
Crowbah zieht daraus schließlich die einzig vernünftige Konsequenz und schlägt vor, die weitere Analyse an einen anderen Ort zu verlegen. Grabhold denkt gleich größer.
Vielleicht wäre eine andere Dimension sicherer.
🗳️ Warum mögen wir den Gag?
Die Folge nimmt keinen einzelnen realen Akteur aufs Korn, sondern einen sehr bekannten Mechanismus populistischer Rhetorik:
- eine angeblich glorreiche Vergangenheit beschwören
- komplexe Probleme auf einfache Sätze reduzieren
- klare Schuldige präsentieren
- Ängste verstärken
- und anschließend versprechen, dass alles wieder gut werde, sobald man nur den Richtigen folgt
Die AWWF treibt genau dieses Prinzip ins Fantasy-Absurde. „Alles wird wie früher“ klingt wunderbar beruhigend, solange niemand fragt, welches Früher gemeint ist und ob es damals überhaupt so schön war.
Der Kugelschreibär ist dafür eine ziemlich passende Galionsfigur. Er braucht keine besonders ausgefeilte Analyse. Große Gesten, laute Worte und ein Publikum reichen völlig aus.
Besonders stark ist, dass die Hetze nicht abstrakt bleibt. Crowbah und Grabhold stehen selbst im Zielbereich der Parolen. Dadurch wird aus der Szene mehr als nur eine allgemeine Satire über politische Show. Sie zeigt, wie schnell ein bequemes „Die da“ konkrete Wesen trifft, die direkt danebenstehen.
🖤 Unser Lieblingsmoment
Am stärksten ist für uns die kleine Unterhaltung zwischen Crowbah und Grabhold im Vordergrund.
Während auf der Bühne bereits die nächsten Feindbilder ausgerufen werden, möchte Crowbah das Ganze einfach nur noch aus größerer Entfernung betrachten.
Grabhold geht konsequent einen Schritt weiter:
Andere Dimension.
Vermutlich vernünftig.
Mehr düsterer Krähenhumor für dich?
Dann besuche unbedingt unsere schräge Fantasy Fun Abteilung. Und noch mehr fantastischen Stoff für Augen oder Ohren bekommst du auf der Phantastik-Couch, die wir ebenfalls sehr empfehlen können.




