Stephen King trifft Cthulhu: Crouch End wird zur sechsteiligen Prime-Video-Serie

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Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

King öffnet die Tür zum kosmischen Horror

📰 Was ist los?
Crouch End wird als sechsteilige Limited Series für Prime Video neu adaptiert. Paul Tomalin schreibt die Serie, Tom Shankland führt Regie; erzählt wird erneut von Doris Freeman und einer Londoner Vermisstenermittlung, hinter der etwas erheblich Fremdartigeres lauert.

🐛 Was denken wir?
Der besondere Reiz liegt im Lovecraft-Fundament und in der neuen Länge. Eine einzelne Episode gab es bereits 2006; sechs Folgen erlauben nun, aus Kings verstörendem Londoner Viertel einen größeren kosmischen Horrorraum zu bauen, solange die Serie nicht den Fehler macht, jedes Geheimnis zu erklären.

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🌑 Stephen King trifft Cthulhu: Crouch End wird zur sechsteiligen Prime-Video-Serie

Stephen King ist für Maine bekannt, für Kleinstädte, Wälder und jene unscheinbaren Häuser, hinter deren Kellertüren man besser nicht nachsehen sollte. Crouch End führt dagegen nach London und ausgerechnet dort schrieb King eine seiner deutlichsten Liebeserklärungen an den kosmischen Horror von H. P. Lovecraft.

Eine nächtliche Londoner Wohnstraße verschwindet im Nebel, während Häuser und Straßen in der Ferne zunehmend unmögliche geometrische Formen annehmen.
In Stephen Kings Crouch End reicht ein falscher Weg durch London, um in einer Realität zu landen, die besser verborgen geblieben wäre. © Fantasykosmos / eigene KI-Illustration / manuell nachbearbeitet

Jetzt bekommt die Kurzgeschichte eine neue, wesentlich größere Adaption. Prime Video entwickelt Crouch End als sechsteilige Limited Series, geschrieben von Paul Tomalin, dem Schöpfer von Bodies. Regie führt Tom Shankland, produziert wird gemeinsam mit Mammoth Screen und Fifth Season. Einen Starttermin oder eine Besetzung gibt es bislang noch nicht.

Im Mittelpunkt steht Doris Freeman, die in einer Londoner Polizeistation auftaucht und behauptet, ihr Mann sei nach einer Reihe merkwürdiger Ereignisse verschwunden. Inspector Ted Vetter muss herausfinden, ob Doris die Wahrheit sagt, selbst etwas mit dem Verschwinden zu tun hat – oder ob in Crouch End tatsächlich etwas existiert, das nicht in eine gewöhnliche Vermisstenermittlung gehört.

🏚️ Ein Londoner Viertel, das nicht ganz zu unserer Welt gehört

Kings ursprüngliche Geschichte erschien 1980 und gehört zu seinen unmittelbarsten Ausflügen in den Cthulhu-Mythos. Crouch End sieht darin zunächst nach London aus, verhält sich aber zunehmend wie ein Ort, an dem die Wirklichkeit selbst schlechte Verbindungen hat.

Straßen führen nicht dorthin, wohin sie sollten. Häuser und Menschen wirken vertraut und gleichzeitig falsch. Namen und Kreaturen greifen ganz bewusst Vorstellungen aus Lovecrafts kosmischem Horror auf, ohne dass King daraus einfach eine Kopie seiner Vorbilder macht. Vielmehr nutzt er den Mythos für eine typisch eigene Situation: gewöhnliche Menschen stolpern in etwas hinein, das viel größer und älter ist als sie selbst.

Gerade London funktioniert dafür ausgezeichnet. Eine riesige Stadt verspricht Orientierung durch Straßennamen, U-Bahn-Linien und klar definierte Viertel. Crouch End verwandelt genau diese Sicherheit in das Problem. Man kann sich mitten in einer Millionenstadt verirren und plötzlich feststellen, dass die nächste Straße vielleicht nicht mehr zu derselben Welt gehört wie die vorherige.

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👁️ Aus einer Kurzgeschichte werden sechs Folgen

Die spannendste Frage der neuen Adaption lautet deshalb, was Prime Video aus dem vergleichsweise kompakten Ausgangsmaterial macht. Sechs Episoden sind erheblich mehr Raum, als die Kurzgeschichte für ihre ursprüngliche Handlung benötigt.

Das eröffnet Möglichkeiten. Doris’ Verschwindenserzählung kann stärker ausgebaut werden, Inspector Vetter bekommt Raum für eine eigene Ermittlerperspektive und Crouch End selbst kann mehr sein als eine kurze Begegnung mit einem falschen London. Gerade die Idee eines Viertels, dessen Realität Stück für Stück auseinanderläuft, bietet genügend Material für eine Serie, solange die zusätzliche Laufzeit nicht sämtliche Geheimnisse erklärt.

Denn Crouch End lebt davon, dass die Dinge irgendwann keinen vollständigen Sinn mehr ergeben. Kosmischer Horror verliert schnell seine Wirkung, sobald jemand mit einem Whiteboard erscheint und erklärt, welche Dimension über welches Portal mit welchem Monster verbunden ist.

Die Herausforderung besteht deshalb nicht darin, sechs Folgen mit Ereignissen zu füllen. Sie besteht darin, sechs Folgen lang das Gefühl zu erhalten, dass wir nur einen sehr kleinen Ausschnitt von etwas sehen, das besser verborgen geblieben wäre.

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🕵️ Paul Tomalin kennt sich mit falschen Realitäten aus

Dass Paul Tomalin die Adaption übernimmt, ist dafür eine interessante Wahl. Seine Netflix-Serie Bodies verband Kriminalgeschichte, mehrere Zeitebenen und ein Mysterium, dessen Dimension sich erst nach und nach öffnete. Crouch End arbeitet mit einem anderen Genre, besitzt aber eine verwandte Ausgangssituation: Eine Polizeiermittlung stößt auf etwas, das mit den Regeln einer normalen Kriminalgeschichte nicht mehr erklärt werden kann.

Genau diese Reibung könnte der Serie guttun. Doris kommt nicht zu einem Okkultisten oder Geisterjäger. Sie geht zur Polizei. Der Horror beginnt also zunächst in einer Welt aus Aussagen, Verdachtsmomenten und Ermittlungslogik.

Je länger Ted Vetter versucht, den Fall vernünftig zu behandeln, desto unangenehmer kann es werden, wenn diese Vernunft nicht mehr ausreicht.

🐙 Stephen King schrieb hier ziemlich offen an Lovecraft weiter

Der Lovecraft-Bezug ist bei Crouch End keine nachträgliche Interpretation. Die Geschichte erschien ursprünglich in New Tales of the Cthulhu Mythos und gehört damit ganz bewusst in jene literarische Tradition, die andere Autoren auf Lovecrafts Ideen aufbauen ließ.

King greift Namen, Motive und Vorstellungen des Mythos auf, verschiebt sie aber in seine eigene Zeit und an einen ungewöhnlichen Ort. Statt Neuengland und verfallener Küstenorte gibt es Nordlondon. Statt eines Gelehrten, der in verbotenen Büchern liest, gerät ein gewöhnliches Paar in eine Umgebung, die zunehmend weniger menschlich wirkt.

Das ist vielleicht der reizvollste Aspekt für die neue Serie. Crouch End kann Stephen King sein, ohne wie die nächste Variation von Es, The Stand oder Carrie auszusehen. Und es kann Lovecraft sein, ohne wieder zwangsläufig dieselben Neuengland-Küsten, Tentakelstatuen und Kultistenkeller hervorzuholen.

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📺 Eine erste Verfilmung gab es schon 2006

Ganz neu auf dem Bildschirm ist der Stoff allerdings nicht. Crouch End wurde bereits 2006 innerhalb der achtteiligen Anthologieserie Nightmares & Dreamscapes: From the Stories of Stephen King adaptiert. Damals blieb die Geschichte auf eine einzelne Episode beschränkt.

Die neue Produktion unterscheidet sich deshalb schon durch ihren Umfang fundamental. Aus einem Anthologiebeitrag wird eine komplette Limited Series mit sechs Folgen.

Gerade das macht den Vergleich später interessant. Die frühere Version musste Kings Geschichte relativ direkt erzählen. Die neue Serie muss eine Antwort darauf finden, was sich um diese Geschichte herum befindet – welche Menschen Crouch End bewohnen, welche Vergangenheit der Ort besitzt und wie viel von seinem Geheimnis überhaupt gezeigt werden darf.

🌫️ Ein Viertel sollte vielleicht besser ein Rätsel bleiben

Noch steht die Produktion am Anfang. Besetzung und Starttermin fehlen, und bevor wir Bilder oder einen Trailer bekommen, wird vermutlich noch einige Zeit vergehen.

Der Stoff selbst ist allerdings ungewöhnlich stark für eine weitere King-Adaption. Crouch End besitzt einen klaren kriminalistischen Einstieg, einen selten genutzten Londoner Schauplatz und einen Horror, der viel älter und fremdartiger sein darf als der nächste Serienkiller oder Spukgeist.

Vor allem bekommt eine vergleichsweise kurze Geschichte diesmal sechs Episoden Zeit, um aus einem falschen Stadtviertel eine ganze falsche Realität zu machen.

Vielleicht ist das Beste an Crouch End deshalb weiterhin der einfachste Rat: Wenn du dich dort verirrst, frag lieber niemanden nach dem Weg.

Das Sterneorakel von Elyra sieht in deine Zukunft. DIe Sternengöttin vor blauem Hintergrund.