Coscradh – Carving The Causeway To The Otherworld (Review)

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Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

Coscradh – Carving The Causeway To The Otherworld

🧿 Kurzfazit
Carving The Causeway To The Otherworld ist ein 44-minütiger Extrem-Metal-Feldzug, der irische Geschichte, Ritualgewalt und Black/Death-Chaos zu einem dichten, gnadenlosen Strudel aus Riffs und Schreien verdichtet. Null Komfort, massig Charakter.

🎯 Für wen?
Für alle, die bei Stichworten wie Black/Death Metal, War-Metal-Randgebiet und „irische Bluthistorie“ eher erwartungsvoll nicken als zum Akustik-Set zu flüchten.

🎧 Wie klingt das?
Schneidende Tremolo-Gitarren, höhlenartige Growls, hysterische Schreie, punktgenaue Blastbeats und ständig verschobene Tempi; dazu eine zähe, sumpfige Produktion, die eher nach Torfmoor und Feuerschale klingt als nach Triggern und Studio-Luxus.

💿 Highlights
Adhradh Dé Ghoac, Caesar’s Revelation (Hibernia L. VI V. XIV ad XVI et XXIV), Opening The Gates To Styx, Nix, Kerberos And Hydra

⚠️ Nichts für dich, wenn…
du im Extrem-Metal zwingend Hooks, klare Refrains und moderne Hochglanzproduktion brauchst oder allein beim Gedanken an die Kombination aus Black, Death und historischem Blutkult schon gedanklich auscheckt hast.


‪‪🩸 Coscradh – Carving The Causeway To The Otherworld: Moorstraßen, Massaker und andere Heimwege

Carving The Causeway To The Otherworld ist das zweite Album der irischen Extrem-Metaller Coscradh, 2015 in Dublin gegründet. Der Bandname bedeutet „Massaker“ oder „Triumph im Schlachten“ im Altirischen, und genau so klingt das hier auch.

Die Platte erscheint über 20 Buck Spin und knüpft thematisch an das Debüt Nahanagan Stadial an: Dreht sich alles dort um Eiszeit, Klima und Gewalt, beschwören Coscradh nun die uralten hölzernen „Bog Roads“, die keltische Stämme über Moorlandschaften in die Anderswelt gebaut haben sollen.

🎧 Was erwartet dich?

Genre(s): Black/Death Metal mit War-Metal-Kante und okkultem Death-Doom-Einschlag
Vergleichbar mit: der irischen Extrem-Metal-Schule à la Malthusian und ZOM, nur noch archaischer und ritueller gedacht
Klangfarbe: Ein pechschwarzer Mix aus Sumpfgestank, Schlachtfeldgeräusch und sakralem Hall. Fast so, als hätte jemand alte keltische Opferplätze unter eine brennende Kathedrale geschoben.

Highlights

Adhradh Dé Ghoac
Sieben Minuten, die sich anfühlen wie ein Ritual, das komplett aus dem Ruder läuft. Nach einer kurzen, verhältnismäßig „geordneten“ Einleitung zerfasert der Song in wild verschlungene Riffs, hysterische Leads und eine Vokalperformance, die eher nach Exorzismus als nach klassischem Growling klingt. Gerade wenn man glaubt, die Struktur verstanden zu haben, legt das Tempo zu oder bricht unvermittelt weg, ein permanentes Hin und Her zwischen Trance und Panik.

Caesar’s Revelation (Hibernia L. VI V. XIV ad XVI et XXIV)
Hier wird der historische Anspruch der Band hörbar: Der Titel referenziert Stellen in Cäsars „De Bello Gallico“, das Riffing wirkt wie ein kruder Kommentar zu römischen Eroberungsträumen. Zwischen den Blast-Passagen schieben Coscradh immer wieder schwer schleppende, fast doomige Teile ein, in denen die Gitarren wie Belagerungstürme über einem brennenden Dorf knarzen. Ein Song, der Geschichte nicht erzählt, sondern in seinen ganz eigenen Klangschlamm übersetzt.

Opening The Gates To Styx, Nix, Kerberos And Hydra
Das fast zehnminütige Finale ist der Moment, in dem das Album endgültig die Schwelle zur Unterwelt überschreitet. Die ersten Minuten sind ein chaotischer Sturm aus Riffs, Doublebass und heiserem Fluchen, danach ziehen Coscradh das Tempo zurück und lassen den Song zu einem zäh brodelnden Lavafeld werden. Hier zeigt sich, dass das Quartett nicht nur prügeln kann, sondern weiß, wie man Spannung über lange Strecken hält, ohne in reinen Lärm abzurutschen.

🎨 Artwork

Apokalypse im Moorland: Das Cover wirkt, als hätte jemand einen Goya-Albtraum mitten in einem Moor in Irland abgestellt. Ein knochiger, fast vollständig entblößter Krieger mit verwitterter Haut und aufgerissenen Muskeln stemmt sich gegen den Himmel, den Blick in einer leeren Schädelmaske verborgen. Statt Rüstung trägt er Fetzen aus Leder und Fell, dazu eine Art Umhang aus Knochen, die wie Trophäen an Ketten von seinem Körper baumeln, als hätte er seine eigenen Opfer einfach umgehängt.

In den Händen hält die Figur eine plumpe Schlagwaffe, irgendwo zwischen Keule und abgesägtem Gewehr, während hinter seinem Rücken eine gekrümmte, sichelartige Klinge aufblitzt. Die Pose ist weder heroisch noch triumphal, sondern verzweifelt angespannt: ein letzter Schlag, bevor das eigene Gewicht den Körper mit in den Abgrund zieht.

Der Boden ist kein Boden, sondern ein schmaler Steg aus Schädeln, Knochenstücken und halb versunkenen Steinen, die mit roten Mustern und Runen überzogen sind, ein makabrer „Causeway“, der sich quer durchs Bild windet. Links unten verschwimmen Knochen, Torf und Leichenreste zu einem graubraunen Brei, aus dem nur noch ein paar Konturen herausragen.

Im Hintergrund hängt ein bleigrauer Himmel, der eher nach Rauch als nach Wetter aussieht. Rechts schwebt ein blasser Mond, über dessen Oberfläche eine blutrote Spur läuft, als wäre jemand mit blutigen Händen darüber gewischt, das Echo eines Massakers, das sich bis in den Himmel fortsetzt. Ganz oben thront das verkrustete Coscradh-Logo wie ein blutiger Brandfleck.

Zusammen ergibt das Artwork keine klassische Fantasy-Schlachtenszene, sondern ein dunkles Historiengemälde kurz vor oder kurz nach einem Opfer: Ein einzelner Krieger balanciert auf einem Steg aus Knochen, irgendwo zwischen dieser Welt und der nächsten, bereit, den letzten Hieb zu setzen, oder selbst im Moor der Anderswelt zu verschwinden.


🪦 Besondere Momente

Irische Geschichte statt generischem Satanismus: Coscradh greifen gezielt Mythen, Kriegszüge und Ritualformen aus der irischen Vergangenheit auf. Schon früh hat die Band klar gemacht, dass sie „keine infernalen Fantasiegeschichten“ braucht, weil die reale Geschichte des Landes brutal genug ist. Das spiegelt sich in Titeln, Sprache und Atmosphäre des Albums.

Gaelic und Latein als Waffe: Songtitel wie Adhradh Dé Ghoac oder Badhah’s Shadows nutzen altirische Begriffe, während Caesar’s Revelation direkt mit lateinischen Kapitelangaben arbeitet. Das wirkt nie wie Folklore-Deko, sondern eher wie akademischer Vandalismus: Geschichtsbücher werden zerrissen und als Fackeln recycelt.

Produktion mit Kanten: Der Sound ist bewusst rau gehalten, aber deutlich präziser als auf älteren Releases. Die Riffs sind klar nachvollziehbar, ohne dass der Eindruck eines sumpfigen Schlachtfeldes verloren geht, als hätte jemand den Pegel angehoben, nicht aber den Dreck abgewischt.

Line-up auf Kriegsmodus: Gitarrist und Schreihals Ciarán Ó Críodáin, Bassist/Vokalist Hick Ó Aodha, Gitarrist/Synth-Spieler Jason Keane und Drummer Boban Burger agieren wie eine eingespielte Truppe, die ihre Songs eher wie Feldzüge und weniger als Kompositionen versteht: Vorstoß, Rückzug, Flankenangriff, alles im Fluss.

🪓 Fazit

Coscradh entstanden 2015 in Dublin und haben sich von Anfang an in der Schnittmenge aus Black und Death Metal eingerichtet. Themen wie Gewalt, Tod und historische Ereignisse ziehen sich konsequent durch Demos, EPs und das Debüt Nahanagan Stadial, das 2022 ebenfalls bei 20 Buck Spin erschien.

Zentral ist dabei der bewusste Rückgriff auf irische Geschichte: Interviews der vergangenen Jahre drehen sich um rituelle Dreifachtode, Opfermoore, koloniale Gewalt und den Wunsch, diese Erinnerung nicht romantisierend, sondern brutal und direkt in Klang zu gießen.

Mit Carving The Causeway To The Otherworld treiben Coscradh diese Linie weiter: Die „Causeways“ im Titel sind jene historischen Holzwege durch das Moor, die Inszenierung ist eine Mischung aus archäologischer Faszination und spiritueller Kriegserklärung. Das Album wirkt dadurch weniger wie Eskapismus und eher wie ein Versuch, eine verdrängte Vergangenheit wieder hörbar zu machen.

Carving The Causeway To The Otherworld ist kein Album, das man „mal eben“ durchskippt. Coscradh schlagen nicht auf den Putz, sie reißen ihn ab und zeigen, was darunter fault. Wer mit der irischen Black/Death-Schule ohnehin etwas anfangen kann, bekommt hier eine der konsequentesten Weiterentwicklungen der letzten Jahre: brutal, rituell, dicht komponiert.

Gleichzeitig ist das Ganze eine Herausforderung. Die Songs gönnen dir kaum Ruhe, Melodien tauchen auf, nur um sofort wieder unter Blastgewitter und Growls begraben zu werden. Doch genau das macht den Reiz aus: Dieses Album will nicht gefallen, es will einbrennen. Wer bereit ist, sich auf diesen Moorweg in die Anderswelt einzulassen, wird mit einem der markantesten Extrem-Metal-Releases des Jahres belohnt.

Albumcover Coscradh – Carving The Causeway To The Otherworld: halbnackter, blutverschmierter Krieger mit Schädelhelm und Knochenfetzen steht auf einem Knochensteg, schwingt eine Waffe in den Nachthimmel, rechts ein blutbefleckter Mond, oben das rot verlaufende Coscradh-Logo.
Künstler:Coscradh
Albumtitel:Carving The Causeway To The Otherworld
Erscheinungsdatum:20. Februar 2026
Genre:Black Metal/Death Metal
Label:20 Buck Spin
Spielzeit:ca. 44 Minuten

Five Fifths Awaken
Carving The Causeway To The Otherworld
Adhradh Dé Ghoac
Caesar’s Revelation (Hibernia L. VI V. XIV ad XVI et XXIV)
The Calling
Scythe Of Saturn
Badhah’s Shadows
Opening The Gates To Styx, Nix, Kerberos And Hydra

🎬 Offizielles Video

COSCRADH – „Scythe Of Saturn“ – offizielles Video zum Zweitwerk „Carving The Causeway To The Otherworld“, veröffentlicht über den YouTube-Kanal von 20 Buck Spin: kosmische Schlachtfelder, rituelle Bildgewalt und Black/Death im Vollangriff.

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