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Corrosion Of Conformity – Good God / Baad Man
🧿 Kurzfazit
Good God / Baad Man ist ein sehr starkes, schweres und charaktervolles Spätwerk. Kein neues Deliverance, kein zweites Blind, aber ein Album, das deutlich mehr Seele und Wucht hat als die meisten vergleichbaren Veteranenplatten.
🎯 Für wen?
Für Hörer, die Black Sabbath, Down, Motörhead, ZZ Top und die schmutzigere Seite von Clutch lieben. Also für alle, die Southern-Metal, Sludge, Heavy-Rock und alten Punk-Geist lieber zusammengeschweißt als fein säuberlich getrennt hören wollen.
🎧 Wie klingt das?
Dick, trocken, riffverliebt und mit genau der richtigen Portion Straßenstaub. Die erste Hälfte schiebt grantiger und kompakter, die zweite öffnet die Fenster Richtung Blues, Jam-Geist und Südstaaten-Rock.
💿 Highlights
Gimme Some Moore, You Or Me, Handcuff County
⛔ Nichts für dich, wenn…
du von Corrosion Of Conformity entweder nur die frühe Hardcore-Fratze oder nur die ganz großen 90er-Hymnen willst und bei Stilwechseln sofort die Geduld verlierst.
🤝 Corrosion Of Conformity – Good God / Baad Man: Wenn der Gift-Schädel gleichzeitig predigt und alles niederwalzt
Acht Jahre nach No Cross No Crown melden sich Corrosion Of Conformity mit einem Doppelalbum zurück, das schon vom Format her keinen leisen Abend verspricht. Good God / Baad Man umfasst 14 Songs und läuft satte 67 Minuten. Neu ist nicht nur die Länge, sondern auch das Personal: Nach dem Tod von Reed Mullin und dem Abgang von Mike Dean stehen Pepper Keenan und Woody Weatherman nun mit Stanton Moore am Schlagzeug und Bobby Landgraf am Bass im Zentrum. Produziert wurde das Album von Warren Riker, das Cover stammt von Scott Guion.
Spannend ist, dass die Platte ihren Doppelschlag nicht bloß als Mengenangabe versteht. Good God soll hörbar die schwerere, angefressenere Seite tragen, Baad Man eher den weiteren Rock-Radius mit Southern-Schub, Blues-Staub und freierer Beinfreiheit. Das ist eine schlaue Idee, weil Corrosion Of Conformity ohnehin nie nur eine Sache waren: Hardcore-Punks, Sludge-Vorfahren, Sabbath-Jünger, Südstaaten-Riffhändler und Rock’n’Roll-Straßenköter zugleich. Genau dieses Hybridwesen ist die Stärke des Albums. Seine kleine Schwäche ist nur, dass ein Werk mit so viel Revier nicht auf jeder Etappe gleich zwingend sein kann.
🎧 Was erwartet dich?
Genre(s): Sludge-Metal, Southern-Metal, Stoner-Rock, Heavy-Rock und im Fundament immer noch dieser alte Hardcore-Punk-Drall
Vergleichbar mit: einer Kneipenschlägerei zwischen Black Sabbath, Down, ZZ Top und Motörhead, während hinten im Raum noch ein angefressenes Punk-Tape läuft und keiner auf die Idee kommt, das Ganze mal zu beruhigen.
Klangfarbe: Das Album klingt nach heißem Holz, altem Röhrenschweiß, Bierdosen auf Beton und einer Band, die lieber drückt als dekoriert. Die Gitarren sind schwer und breit, aber nie faul. Stanton Moore bringt dem Material einen federnden Groove, der den Songs Luft verschafft, ohne ihre Masse zu verwässern. Pepper Keenan singt dabei nicht wie ein müder Altmeister, sondern wie jemand, der immer noch sehr genau weiß, wie man mit einer Kehle Wände ankratzt.
✨ Highlights
Gimme Some Moore
So eröffnet man ein Album, wenn man nicht um Erlaubnis fragen will. Der Song ist kurz, giftig, punkig und mit voller Absicht näher an der alten Kampfhund-Seite der Band als an ihrer entspannten Biker-Romantik. Gerade das macht ihn so stark. Dazu kommen Backing-Vocals von Al Jourgensen und zusätzliche Gitarre von Monte Pittman, was dem Stück noch mehr Schmutz und Gift gibt. Das ist kein nostalgischer Fingerzeig, sondern ein sauber platzierter Tritt gegen die Brustplatte.
You Or Me
Hier steht der Sabbath-Erbteil besonders deutlich im Raum. Der Song schiebt schwer, aber nicht stumpf, wirkt wütend, aber nicht chaotisch, und hat genau dieses leicht halluzinogene Flackern, das Corrosion Of Conformity von vielen bloßen Riff-Bands unterscheidet. Vor allem zeigt die Nummer, wie gut die aktuelle Besetzung funktioniert: Das Ding lebt von Wucht, aber auch von Bewegung. Genau deshalb bleibt es hängen, statt nur zu walzen. Dass ausgerechnet dazu das bislang jüngste offizielle Video erschien, passt perfekt.
Handcuff County
Wenn die zweite Hälfte des Albums ihre Südstaaten-Karte zieht, dann hier besonders überzeugend. Handcuff County riecht nach staubiger Landstraße, schiefen Schildern an der Ortseinfahrt und Ärger mit lokalem Gesetz. Der Song hat diesen herrlich öligen Rock’n’Roll-Schwung, bei dem man merkt, wie tief ZZ Top, Bar-Band-Dreck und klassischer Südstaaten-Groove in der DNA dieser Band stecken. Möglicherweise nicht der ganz große Überhit, aber einer dieser Tracks, die das Album menschlicher und breiter machen.
🎨 Artwork
Das Cover ist ein schöner Fiebertraum aus Gift-Schädel, Kaleidoskop und Südstaaten-Peyote. Im Zentrum steht das bekannte Schädel-Maskottchen der Band, aus dessen Augenhöhlen farbige Visionen, Zeichen und allerlei wirbelnde Unruhe quellen, als hätte jemand Moral, Drogen, Religion und B-Movie-Horror gleichzeitig durch einen defekten Projektor gejagt. Scott Guion hat dem Ding keine noble Kunstmuseumswürde verpasst, sondern ein bewusst überdrehtes Acid-Plakat gebaut. Genau das ist richtig.
Stark ist daran, dass das Bild nicht bloß bunt sein will. Es trifft das Albumkonzept ziemlich gut. Good God / Baad Man handelt hörbar von Gegensätzen, Spannungen und unterschiedlichen Temperamenten. Das Cover übersetzt das in eine visuelle Reizüberflutung, die trotzdem klar als Corrosion Of Conformity lesbar bleibt. Wer einen giftigen Schädel mit Spikes als Bandwappen hat, wird beim Thema Zurückhaltung ohnehin gern passen.
🪦 Besondere Momente
Bemerkenswert ist zuerst die Rhythmusarbeit. Stanton Moore ist kein Ersatz im traurigen Sinn, sondern ein echter Charakterspieler. Er bringt den Songs nicht bloß Stabilität, sondern einen federnden, oft fast tanzenden Zug, der die Platte beweglicher macht, als man es bei einem großformatigen 67-Minuten-Brocken erwarten würde. Das tut dem Album enorm gut.
Dann ist da die Studiokonstellation. Aufgenommen wurde in den Blak Shak Studios in Mississippi, in Dockside Studios in Louisiana und sogar in Barry Gibbs Heimstudio in Miami. Das klingt erstmal wie eine sehr spezielle Reiseroute, passt aber erstaunlich gut zu einer Platte, die ständig zwischen Schwere, Südstaaten-Rock, Sludge und alter Punk-Härte pendelt. Man hört ein Album, das geografisch wie stilistisch reichlich Staub geschluckt hat.
Und dann die eigentliche Kernfrage: Hätte es für dieses Album wirklich zwingend ein Doppelalbum sein müssen? Nicht komplett. Es gibt Passagen, in denen ein etwas strengeres Messer die Dramaturgie noch weiter nach vorn gebracht hätte. Aber das Erstaunliche ist, wie selten die Platte wirklich abfällt. Vieles hier ist mindestens stark, manches sehr stark, und selbst die lockereren Momente haben mehr Charakter als der Durchschnitt ganzer Jahresproduktionen anderer Veteranen.
📜 Hintergrund
Corrosion Of Conformity sind seit den frühen Achtzigern eine dieser Bands, die sich nie sauber in eine Schublade sperren ließen. Von Eye for an Eye und Animosity über Blind bis Deliverance und später No Cross No Crown zog sich immer derselbe rote Faden: Punk-Herkunft, Metal-Schwere, Südstaaten-Schmutz und eine gewisse Lust, jede Stilreinheit absichtlich zu verhöhnen. Genau deshalb klingt Good God / Baad Man heute nicht wie ein spätes Verlegenheitswerk, sondern wie die Fortsetzung einer Bandgeschichte, die Widersprüche immer schon als Begriffsebene des eigenen Selbstverständnisses betrachtet hat.
Der besondere Unterton stammt diesmal jedoch aus der Geschichte hinter der Platte. Nach Reed Mullins Tod und Mike Deans Abgang stand die Band nicht an einem gemütlichen Übergangspunkt, sondern an einer echten Weggabelung. Dass Pepper und Woody darauf nicht mit einem kleinen Sicherheitsalbum reagierten, sondern mit einem ausufernden Doppelwerk, ist fast schon trotzig. Und genau dieser Trotz gibt der Platte ihr spürbares Rückgrat.
🪓 Fazit: Kein neues Heiligtum, aber ein verdammt schwerer Brocken mit Biss
Nein, Good God / Baad Man ist gewiss kein makelloses Monument. Dafür ist es an manchen Stellen zu breit, zu offen, zu sehr in unterschiedliche Richtungen verliebt. Aber genau das ist auch Teil seines Charmes. Diese Platte hat keine Lust, sich auf eine bequeme Legendenpose zu reduzieren. Sie will lieber alles sein, was Corrosion Of Conformity immer schon waren: Punk-Erbe, Sludge-Riffmaschine, Southern-Rock-Köter, Sabbath-Walze und Bierdosenphilosophie in einem.
Wer auf die großen 90er-Glanztaten hofft, bekommt hier nicht durchgehend denselben Überrumpelungseffekt. Wer jedoch Freude an einer späten Platte haben möchte, die Charakter, Gewicht, Historie und erstaunlich viel Spielfreude in sich trägt, ist hier absolut richtig. Das hier ist kein Museumsstück, es ist ein quicklebendiges Stück Musikhistorie, wie es aktueller nicht sein könnte.

| Künstler: | Corrosion Of Conformity |
| Albumtitel: | Good God / Baad Man |
| Erscheinungsdatum: | 3. März 2026 |
| Genre: | Sludge-Metal, Southern-Metal, Stoner-Rock, Heavy-Rock |
| Label: | Nuclear Blast Records |
| Spielzeit: | ca. 67 Minuten |
Trackliste:
Good God? / Final Dawn
You Or Me
Gimme Some Moore
The Handler
Bedouin’s Hand
Run For Your Life
Baad Man
Lose Yourself
Mandra Sonos
Asleep On The Killing Floor
Handcuff County
Swallowing The Anchor
Brickman
Forever Amplified
Offizielles Video
Offizielles Musikvideo zu „You Or Me“ – ein sabbathschwerer, fiebriger Brocken zwischen uralter Menschheitsfratze, Southern-Schmutz und düsterem Acid-Flackern. Bereitgestellt vom offiziellen Nuclear Blast Records-Channel auf YouTube:
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