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Coronatus – Dreadful Waters
🧿 Kurzfazit
Dreadful Waters ist eine nautische Symphonic-Metal-Sause mit Konzeptanspruch. Kein Revolutionstauchgang, aber ein sehr solides, liebevoll arrangiertes Album, das Shanty-Flair, Folk-Gewürz und Dreifach-Gesang überzeugend zusammenbringt.
🎯 Für wen?
Für Fans von Symphonic-Metal mit Hang zu Folk und Seemannsgarn. Wer sich Nightwish eher als Mannschaft auf einem Segler, Leaves’ Eyes in der Hafenkneipe und Ougenweide als Schiffskoch vorstellen kann, ist hier richtig.
🎧 Wie klingt das?
Breite Gitarren und orchestrale Wellen, darüber eine sehr präsent abgemischte Violine, Chorflächen und ein vokales Pingpong zwischen zwei Mezzo-Stimmen und einer raueren Rockröhre. Die Produktion betont Tiefe und Klarheit, weniger klinische Härte, dafür ein organischer, leicht folkiger Schimmer.
💿 Highlights
The Maelstrom, Through The Brightest Blue, The Ship’s Cook, Die Hexe und der Teufel
⚠️ Nichts für dich, wenn…
du Symphonic-Metal nur erträgst, wenn alles nach Hochglanz-Blockbuster klingt und jegliche Folk- oder Shanty-Anflüge dir sofort Seekrankheit bescheren.
🌊 Coronatus: Dreadful Waters als nautische Symphonic-Metal-Fahrt mit Tiefgang
Es gibt Bands, bei denen das Lineup öfter wechselt als der Kapitän auf einem Seelenverkäufer und trotzdem legt das Schiff zuverlässig wieder im Hafen an. Coronatus gehören genau zu dieser Sorte. Nach ein paar Jahren Funkstille und dem luftigen Konzeptalbum Atmosphere verlagert die Truppe ihren Blick jetzt konsequent vom Himmel in die Tiefe der See. Dreadful Waters ist Studioalbum Nummer elf, erscheint als Mediabook über Massacre Records und stellt Wasser ganz offiziell als neue Obsession vor: Strudel, Sirenen, Hexen, Seemannssagen, das volle Programm. Ob Neptun das mit Wohlwollen vernimmt?
Dass dabei gleich drei Frontstimmen am Ruder stehen, ist inzwischen Teil der Coronatus-DNA. Zwei Mezzosopranistinnen plus eine Rockstimme, dazu Violine, Folk-Einsprengsel und dicke Orchestrierung. Produziert wurde das Ganze von Markus Stock in der Klangschmiede Studio E. Man hört sofort, dass hier jemand saß, der weiß, wie man Bombast transparent mischt, ohne alles in Zuckerwatte zu ertränken.
🎧 Was erwartet dich?
Genre(s): Symphonic Metal, Symphonic-Folk-Metal
Vergleichbar mit: Eine Schnittmenge aus älteren Coronatus, ein wenig Xandria und einer etwas epischeren Folk-Metal-Variante, die lieber Geschichten erzählt als Doublebass-Rekorde jagt.
Klangfarbe: Dreadful Waters setzt auf kontrastreiche Klangbilder. Die orchestralen Arrangements malen Strudel und Sturmfronten, während Violine und Flöte immer wieder in Richtung Folk schwenken. Darunter werkelt eine Rhythmusfraktion, die eher auf majestätisches Stampfen als auf Dauerfeuer aus ist. Die drei Stimmen legen sich wie unterschiedliche Wellen übereinander, von ätherischem Mezzosopran bis zur erdigen Rockstimme, die einzelne Passagen erdet, bevor alles zu sakral wird.
✨ Highlights
The Maelstrom
Der Auftakt ist gleichzeitig die programmatische Visitenkarte des Albums. Die erste Single, inspiriert von Edgar Allan Poes Abstieg in den Strudel, inszeniert genau diesen Moment: Klare, scharf umrissene Riffs, schwellende Orchesterflächen, Tempo- und Dynamikwechsel, die anziehen und zurückfallen wie die Gezeiten. Der Refrain hängt sofort, ohne plump zu wirken. Typische Coronatus-Tugend: episch, aber nicht überzuckert.
Through The Brightest Blue
Der offizielle Single-Lichtblick im Tracklisting. Wo andere Songs vor allem Bedrohung beschwören, nimmt Through The Brightest Blue bewusst Tempo und Schwere raus. Die Nummer setzt auf ein fast hymnisches, positiv aufgeladenes Motiv, getragen von Leni Eitrichs sehr geschmeidiger Leadstimme. Die Strophen schweben, der Refrain öffnet sich in weite, helle Klangflächen und liefert genau den Moment von Ruhe vor dem nächsten Sturm, den das Konzept braucht.
The Ship’s Cook
Hier wird das maritime Thema mit einem Augenzwinkern durchgezogen. Der Titel verspricht Kombüse, der Song liefert eine Art Symphonic-Shanty, der immer wieder zwischen ruhiger Lagerfeuer-Atmosphäre und druckvollem Band-Sound pendelt. Ein Track zwischen Kneipenrauch und engelsgleichen Chören.
Die Hexe und der Teufel
Ganz am Ende legt die Band noch einmal eine Spielkarte auf den Tisch, die viele vermutlich vermisst haben: einen deutschsprachigen Song mit deutlichem Folk-Einschlag. Die mystisch schwebende Atmosphäre erinnert in ihrer Erzählhaltung an alte deutsche Folk-Rock-Schule, inklusive tieferer Männerstimme als Kontrapunkt. Ein stiller, aber eindringlicher Schlusspunkt, der das Konzept aus dem Meer zurück an Lagerfeuer, Mythen und Märchenplätze führt.
🎨 Artwork
Kitschpostkarte der Finsternis: Nebel über kaltem Wasser: Dreadful Waters zeigt eine Frau mit langem, silbern geflochtenem Zopf, von hinten gesehen, knietief im stillen See. Ihr dunkles, schulterfreies Kleid wirkt eher wie Ballsaal als Badeanzug und bildet einen harten Kontrast zu den bleigrauen Wellen, die sich in konzentrischen Kreisen um sie legen. Am Ufer zeichnen sich kahle Bäume und dunstige Schatten ab, der Himmel hängt tief und wolkenverhangen, als würde gleich die nächste Sturmfront losbrechen. Oben schwebt in metallisch glänzender Schrift der Bandname Coronatus, unten in weißer, verschnörkelter Typo der Titel Dreadful Waters – insgesamt mehr düstere Märchensee-Beschwörung als Standard-Symphonic-Kitschpostkarte, passend zu einer Platte, die Seefahrt eher als Mythos denn als Kreuzfahrt behandelt.
🪦 Besondere Momente
Dreifach-Front ohne Chaos: Zwei Mezzosoprane und eine Rockstimme klingen auf dem Papier nach Casting-Show im Maschinenraum. In der Praxis gelingt Coronatus die Balance erstaunlich gut. Die Arrangements nutzen die Stimmen selten einfach nur parallel, sondern bauen kleine Antworten, Schichtungen und Dialoge ein. Besonders The Siren und A Seaman’s Yarn profitieren von diesen internen Choreografien.
Folk als Werkzeug, nicht als Deko: Violine und gelegentliche Flötenparts wirken hier nicht wie angeflanschte „Mittelalter“-Plug-ins. Viele Melodielinien werden wirklich von der Violine geführt, nicht nur vom Keyboard gespiegelt. Die dezenten Shanty-Anklänge in A Seaman’s Yarn und das Celtic-Rock-Flair der Refrains zeigen, dass die Band mehr als nur die übliche „Best of Seemannslieder“-Playlist kennt.
Konzept mit rotem Faden: Vom Strudel über den Koch bis zur Hexe im Finale zieht sich das Wasser-Thema konsequent durch. In den Liner Notes wird Wasser explizit als Symbol für Tiefe, Gefahr und Schöpfung beschrieben. Man merkt, dass das Album als Zyklus gedacht ist und nicht als zufällige Songsammlung, die zufällig alle irgendwo nasse Füße bekommen.
Release-Show auf hoher Breitengrad-Stufe: Statt bloß eine schnöde Release-Party irgendwo im Stuttgarter Umland zu spielen, feiert die Band das Album mit einer kompletten Live-Aufführung in Schweden. Ganzes Album, plus ausgewählte Fan-Favoriten. Kann man als „Commitment zum Konzept“ verbuchen oder als idealen Anlass für einen Kurzurlaub im kalten Norden.
🪓 Fazit
Coronatus gibt es seit Ende der Neunziger. Die Band hat vom Gothic-Metal der Anfangstage über diverse Symphonic-Metal-Varianten so gut wie jede Phase einmal durchprobiert und dabei ein extrem wechselhaftes Lineup hinterlassen. Einziger Dauerbrenner ist Drummer Mats Kurth. Dreadful Waters ist Album Nummer elf und erscheint nach gut vier Jahren Pause zum Vorgänger Atmosphere.
Dreadful Waters ist kein Gamechanger für Symphonic-Metal, aber ein in sich schlüssiges, sehr liebevoll ausgestaltetes Konzeptalbum. Wer Coronatus schon immer als sympathisch leicht schrägen Gegenentwurf zu den ganz großen Chart-Symphonikern gesehen hat, bekommt hier eine Bestätigung mit maritinem Flair.
Es gibt Momente, in denen der Bombast ein wenig zu routiniert durchkomponiert wirkt und eine Spur mehr Risiko nicht geschadet hätte. Trotzdem überwiegen die Stärken: starke Vocals, nachvollziehbares Konzept, ordentlicher Spannungsbogen zwischen dunklen Strudeln und hellen Passagen.
Kurz gesagt: kein Pflichtkauf für jeden, der sich bei Symphonic-Metal wie ein Fisch im Wasser fühlt, aber ein erfreulich eigenständiges Lebenszeichen einer Band, die sich nicht damit zufriedengibt, im Nightwish-Fahrwasser zu schippern.

| Künstler: | Coronatus |
| Albumtitel: | Dreadful Waters |
| Erscheinungsdatum: | 23. Januar 2026 |
| Genre: | Symphonic Metal, Symphonic-Folk-Metal |
| Label: | Massacre Records |
| Spielzeit: | ca. 46 Minuten |
The Maelstrom
Through The Brightest Blue
To The Reef!
The Ship’s Cook
Southern Cross
The Siren
A Seaman’s Yarn
Dark Ice
Die Hexe und der Teufel
🎬 Offizielles Video
Offizielles Lyric Video zu „The Maelstrom“, dem dramatischen Auftakt von Dreadful Waters. Bereitgestellt vom offiziellen Massacre Records-Channel auf YouTube:
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