Converge – Love Is Not Enough (Review)

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Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

Converge – Love Is Not Enough

🧿 Kurzfazit
Converge drehen mit Love Is Not Enough eine halbe Stunde lang die Innenseite nach außen: kurz, wütend, konzentriert und gleichzeitig zugänglicher, als der Lärm vermuten lässt. Ein Spätwerk, das eher wie ein Neustart wirkt als nach irgendeiner Form von Altersmilde.

🎯 Für wen?
Für Menschen, die Hardcore, Metalcore und Punk nicht als Spotify-Genre, sondern als körperliche Erfahrung verstehen. Für alle, die Jane Doe im Regal haben und wissen wollen, wie sich dieselbe Band Jahrzehnte später anhört, wenn sie nichts mehr beweisen muss, aber noch alles loswerden will.

🎧 Wie klingt das?
Hyperaktive, oft extrem kurze Songs in der ersten Hälfte, die wie ein einziger, gehetzter Aufschrei wirken, danach längere, schwere Tracks, die mehr nachklingen als explodieren. Gitarren zwischen Rasierklinge und droniger Fläche, ein Schlagzeug, das eher angreift als begleitet, Bass als Schraubstock, dazu Jacob Bannon als dauernd überkochender Erzähler.

💿 Highlights
Bad Faith, To Feel Something, Amon Amok, We Were Never The Same

⚠️ Nichts für dich, wenn…
du bei harter Musik sauberen Gesang, polierte Hochglanzproduktion und fünf Minuten Aufbauphase pro Song brauchst, bevor überhaupt etwas passiert.


‪‪❤︎‬ Converge – Love Is Not Enough: Wenn Liebe nur der Auslöser ist

Converge sind längst in der Phase, in der andere Bands gemütlich Best-of-Touren spielen würden. Stattdessen kommt mit Love Is Not Enough ihr elftes Studioalbum, knapp neun Jahre nach dem letzten „richtigen“ Bandalbum und nach der Chelsea Wolfe Kollaboration Bloodmoon: I.

Die vier Kernmitglieder – Jacob Bannon, Kurt Ballou, Nate Newton, Ben Koller – treten hier ohne Gäste an, als komprimierte Urform der Band. Das Ergebnis ist kein spätes Denkmal, sondern eine knappe, bissige Zustandsbeschreibung: Liebe als Konzept reicht nicht, um eine kaputte Welt zu reparieren, schon gar nicht, wenn man seit Jahrzehnten ergebnislos in diese Welt hineinschreit.

Love Is Not Enough fühlt sich dabei an wie ein „Best of Converge-Gefühl“, nur ohne Nostalgie: bekannte Zutaten, neue Anordnung, mehr Fokus. Und ja: Man hört, dass sie wissen, was sie tun, aber man hört zum Glück auch, dass sie damit noch nicht fertig sind.

🎧 Was erwartet dich?

Genre(s): Hardcore, Metalcore, Punk, mit deutlichen Post-Metal- und Noise-Schattierungen
Vergleichbar mit: Converge in der Schnittmenge aus The Dusk In Us und den düsteren Momenten von Axe To Fall – plus eine Prise moderner, politisch aufgeladener Hardcore.
Klangfarbe: Erste Albumhälfte als komprimierter Sturm aus Blastbeats, Feedback und gebellten Parolen, zweite Hälfte als schwerer, luftigerer Nachbrenner mit längeren Spannungsbögen und viel nachhallender Leere zwischen den Schlägen.

Highlights

Bad Faith
Bad Faith ist Converge im Reinzustand: Das Riff klingt, als würde jemand eine verrostete Tür immer wieder aufreißen, das Schlagzeug ist mehr Fluchtweg als Taktgeber, der Bass hält alles nur gerade eben zusammen. Bannon und Newton schreien sich durch zweieinhalb Minuten Kontrollverlust, die trotzdem erstaunlich zielgerichtet wirken. Hier zeigt sich, wie diese Band Chaos nur so weit zulässt, wie es dem Song hilft.

To Feel Something
Kaum länger als eineinhalb Minuten, aber emotional ein kleines Erdbeben. To Feel Something wirkt wie ein Versuch, aus reiner Überreizung noch ein Restgefühl herauszupressen: Industrial-artige Hammerschläge, die wie Maschinen im Schädel wirken, treffen auf einen Song, der fast zu schnell vorbei ist, um sich zu sortieren. Genau deshalb bleibt er hängen. Das hier ist nicht nur „laut“, das ist die Tonspur zu dem Moment, in dem man merkt, dass man eigentlich längst abgestumpft sein müsste – und es trotzdem nicht ist.

Amon Amok
In Amon Amok nimmt die Band endlich ein wenig Raum ein und zeigt ihre postmetallische Seite. Die Gitarren werden schwerer, das Riff arbeitet sich eher in Wellen als in Stichen vor, das Tempo ist moderater, aber die Spannung höher. Man denkt kurz an große, dunkle Post-Metal-Bands, nur dass Converge immer dann, wenn andere noch Atmosphäre aufbauen würden, wieder alles mit einem plötzlichen Ausbruch zusammenklappen lassen.

We Were Never The Same
Der Schlusspunkt ist der emotional deutlichste Song auf der Platte. We Were Never The Same baut auf einem langsameren, schwer atmenden Gerüst auf und wirkt wie ein Brief aus der Parkbucht eines Beerdigungsinstituts: nüchterne Akzeptanz, dass Menschen nebeneinander leben können und sich trotzdem fremd bleiben. Musikalisch ist es der Moment, in dem Converge nicht mehr gegen die Wand rennen, sondern davor stehen bleiben und sie einfach ratlos anschaut.

🎨 Artwork

Ein gefallener Engel auf Durchreise: Auf dem Cover zu Love Is Not Enough sehen wir eine dunkle, fast vollständig schwarze Silhouette mit ausgebreiteten Schwingen, die sich von hinten durch ein Meer aus marmorierten Beige- und Grautönen bewegt. Der Körper ist nur angedeutet, Muskeln und Konturen verschwimmen in der Textur, als würde die Figur aus Ruß und Schatten bestehen, die jeden Moment wieder auseinanderfallen können.

Die Flügel sind weit gespannt, aber nicht triumphal, eher schwer, abgefranst und ungleichmäßig, als hätten Jahre aus Lärm, Tourbus und Weltuntergangsstimmung an jeder Feder gezerrt. Um die Gestalt herum pulsen Blasen, Flecken und Sprenkel, die wie eine Mischung aus Schimmel, Beton und Galaxiennebel wirken, also genau die Art Untergrund, auf der Converge seit Jahrzehnten ihre Songs abladen.

Unten rechts steht das Converge-Logo im roten Rahmen wie ein Stempel auf einem behördlichen Dokument, das nie zugestellt wurde. Zusammen ergibt das Artwork kein klassisches Metal-Cover, sondern ein lapidares Statement: Hier fällt nichts heroisch vom Himmel, hier versucht eine Figur im Dauersturz nur, irgendwie weiterzugehen, obwohl der Boden schon längst bröckelt.


🪦 Besondere Momente

Halbzeit-Schock mit Beyond Repair: Mitten in der kurzen, aggressiven ersten Hälfte legt die Band ein knapp zweieinhalbminütiges Instrumental, das die Geschwindigkeit herausnimmt und wie eine schiefe, brummende Zwischenwelt wirkt. Für manche ein Bruch, für andere genau der Luftzug, damit der Rest des Albums noch härter zuschlagen kann.

Zwei Gesichter einer Platte: Die Band selbst spricht davon, dass sich das Album nach hinten hin steigern soll. Realistisch betrachtet verschiebt sich die Steigerung von Tempo zu Gewicht: vorne Raserei, hinten längere Songs, mehr Text, mehr offene Stellen, in denen die Stille fast lauter wirkt als das Geschrei.

Textlicher Fokus: Liebe als Thema taucht nicht als Kitschfigur auf, sondern als gescheiterte Abwehrmaßnahme gegen eine Welt aus Überforderung, politischer Verrohung und persönlicher Entfremdung. Der Titelsong macht das klar, wenn er immer wieder betont, dass Liebe allein nicht reicht, um die Aasfresser fernzuhalten.

Produktion als Charakterstudie: Produziert von Kurt Ballou, klingt das Album roh, aber nie schlampig. Die Gitarren haben Kanten, die Drums sind natürlich, nicht totkomprimiert, und die Vocals sitzen nicht brav im Mix, sondern vorne, manchmal unangenehm nah. Das ist genau die Art Klang, die man in Zeiten glattgebügelter Heavy-Produktionen nicht mehr so oft bekommt.

🪓 Fazit

Love Is Not Enough ist das elfte Studioalbum von Converge und das erste reine Bandalbum seit The Dusk In Us aus dem Jahr 2017, wenn man Bloodmoon: I als eigenes Kapitel zählen will. Die Platte markiert zugleich das 35. Bandjahr.

Die vier Musiker haben in dieser Zeit Hardcore, Metal und Punk mehrfach umgekrempelt, ohne sich jemals wirklich in eine Genre-Schublade sperren zu lassen. Love Is Not Enough ist damit kein Verzweiflungsakt, sondern eine Bestandsaufnahme nach Jahrzehnten an vorderster Front: Was bleibt übrig, wenn man alles gesagt hat und die Welt trotzdem nicht besser geworden ist? Offenbar: noch ein Album, das genau diese Frage herausschreit.

Love Is Not Enough ist fraglos kein zweites Jane Doe und versucht das zum Glück auch nicht. Statt Monumentaldrama gibt es hier eine halbe Stunde destillierte Dringlichkeit, die zeigt, wie lebendig und wütend diese Band nach all den Jahren noch ist.

Wir hören ein Album, das sich in der ersten Hälfte wie ein einziger, überforderter Nachrichtenfeed anfühlt und in der zweiten Hälfte wie das ernüchternde, persönliche Nachdenken danach. Politische Wut, persönliche Erschöpfung, Trauer und Zuneigung, die nicht mehr ausreichen, alles drin, alles knapp, alles ohne Sicherheitsnetz.

Wer mit Converge noch nie etwas anfangen konnte, wird auch hier nicht plötzlich bekehrt. Wer diese Band aber liebt oder zumindest respektiert, bekommt ein Spätwerk, das genau richtig zwischen Vertrautheit und Erneuerung balanciert. Liebe reicht nicht, aber dieses Album reicht ziemlich weit.

Albumcover Converge – Love Is Not Enough: dunkle Engelsgestalt mit riesigen schwarzen Schwingen von hinten vor marmoriertem, beige-grauen Hintergrund, unten rechts senkrechtes Converge-Logo im roten Rahmen.
Künstler:Converge
Albumtitel:Love Is Not Enough
Erscheinungsdatum:13. Februar 2026
Genre:Hardcore, Metalcore, Punk
Label:Epitaph Records
Spielzeit:ca. 31 Minuten

Love Is Not Enough
Bad Faith
Distract And Divide
To Feel Something
Beyond Repair
Amon Amok
Force Meets Presence
Gilded Cage
Make Me Forget You
We Were Never The Same

🎬 Converge – We Were Never The Same

Converge – „We Were Never The Same“ (Official Visualizer)
Offizieller Visualizer zum abschließenden Song von Love Is Not Enough – veröffentlicht über den YouTube-Kanal von Epitaph Records. Visuelle Verlängerung des Finales: schwarz-goldene Texturen, flackernde Typografie, viel Raum für Bannons letzte Zeilen.

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