Carissa Broadbent – Children of Fallen Gods (War of Lost Hearts 2) (Rezension)

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Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

Carissa Broadbent – Children of Fallen Gods

📚 Kurzfazit
Ein 700-Seiten-Romantasy-Mammut, das Krieg und Weltuntergang behauptet, sich aber vor allem für toxische Magie-Beziehungen und seitenlange Gefühlsprozessionen interessiert. Für BookTok genau die richtige Dosis Drama, für anspruchsvolle Fantasy eher emotional aufgepumpter Mittelbau.

😒 Was nervt?
Tisaanah und Max drehen viele innere Schleifen um Schuld, Opferbereitschaft und „ich tue dir weh, um dich zu schützen“, während die Handlung immer wieder in Standbild verfällt. Reshaye wirkt als Plot-Motor beliebig einsetzbar, die Magie hat kaum greifbare Grenzen, und politische Konflikte verkommen oft zum Hintergrundrauschen.

✨ Was funktioniert?
Die Beziehung zwischen Tisaanah und Max hat echte Reibungsflächen, wenn es um Machtgefälle, Verantwortung und Loyalität geht. Einzelne Szenen im kriegszerrissenen Ara setzen atmosphärische Akzente. Hier und da blitzen Bilder auf, in denen Dämonenmagie, Schlachtfeld und persönliche Opfer kurz so düster wirken, wie das Cover verspricht.

🧠 Figuren und Welt
Tisaanah bleibt eine verletzte, sture Kämpferin, Max der pflichtschuldige, traumatisierte Offizier mit Geheimnissen; beide tragen genug Ballast für drei Bände. Die Welt von Ara und den Orden liefert eine brauchbare Bühne aus Palast-Intrigen, Frontlinien und magischen Waffen, bleibt in ihrer Geschichte und Mythologie aber auffallend vage.

🐦 Crowbah meint
„Children of Fallen Gods“ ist wie eine sehr lange Finalfolge einer Romantasy-Serie: viel Weinen im Halbdunkel, immer wieder der gleiche Soundtrack, und irgendwo im Off sollen angeblich Götter und Reiche wanken. Wer vor allem Emotionen im XXL-Format sucht, wird satt. Wer „epische High Fantasy“ liest und an Jen Williams oder Robin Hobb denkt, sollte seine Erwartungen zusammen mit dem edlen Lesebändchen einklappen.

🩸 Carissa Broadbent: Children of Fallen Gods (War of Lost Hearts 2): Wenn der Farbschnitt epischer ist als der Götterkrieg

Luxus-Hardcover, Wendeumschlag, Goldprägung, Farbschnitt, Lesebändchen: Die deutsche Ausgabe von Children of Fallen Gods sieht aus, als hätte jemand BookTok ein Wunschkonzert erfüllt und anschließend die Druckerei nicht mehr gestoppt. Inhaltlich gibt es großen Krieg, große Gefühle und eine Protagonistin, die zwischen Dämonenvertrag, Freiheitskampf und Liebesdrama zerrieben wird. Wer schon Daughter of No Worlds geliebt hat, bekommt hier mehr von allem: mehr Trauma, mehr Schlacht, mehr Romantasy. Die Frage sollte jedoch erlaubt sein, ob irgendwo zwischen Blutpakt und Bluttinte noch ein wirklicher Fantasyroman übrig bleibt.


🧭 Worum geht’s eigentlich?

Children of Fallen Gods setzt direkt nach den Ereignissen von Daughter of No Worlds ein. Tisaanah hat ihre Freiheit geopfert und sich durch einen Blutschwur an den mächtigen Orden gebunden, um die Versklavten ihrer Heimat zu retten. Nun muss sie in einem Krieg kämpfen, der offiziell für Freiheit steht, in der Praxis aber vor allem den Machtinteressen des Ordens dient.

An ihrer Seite steht Maxantarius Farlione, kurz Max, der wider Willen in eine Führungsrolle gedrängt wird. Er soll nicht nur Tisaanah schützen, sondern ganze Heere befehligen und zugleich seine eigene, instabile Magie im Zaum halten. Die Vergangenheit, die er im ersten Band halbwegs erfolgreich verdrängt hat, kommt hier mit Interesse und Rechnungen zurück.

Komplizierter wird das Ganze durch Reshaye, die uralte, gefährliche Macht, die in Tisaanah wohnt. Reshaye ist zugleich Verbündete, Waffe und permanente Bedrohung; je mehr Tisaanah sich auf diese Kraft einlässt, desto unschärfer wird die Grenze zwischen gerechtfertigter Gewalt und blindem Vernichtungsrausch. Ein Sieg ohne Reshaye scheint unmöglich, ein Sieg mit Reshaye könnte die Welt in etwas noch Dunkleres stürzen.

Während die Fronten sich verhärten, rutscht Ara politisch und militärisch in den Abgrund. Verrat in den eigenen Reihen, Doppelspiele im Orden, Intrigen fremder Mächte und der schleichende Einfluss uralter Götterfiguren sorgen dafür, dass Tisaanah und Max zunehmend nicht mehr wissen, für wen sie eigentlich kämpfen. Parallel lernen wir mehr über Max’ Herkunft, seine Verbindung zu einer verbotenen Magie und die Frage, ob er wirklich nur der stoische Wächter in Tisaanahs Geschichte ist oder selbst zum Brennpunkt einer älteren Prophezeiung gehört.

Der Roman schaltet zwischen Tisaanahs, Max’ und weiteren Perspektiven hin und her, baut mehrere Schlachten, Attentate und Enthüllungen auf und treibt am Ende auf eine Konfrontation zu, in der nicht nur Reshaye eine neue Gestalt annimmt. Der dritte Band Mother of Death and Dawn wird bereits deutlich vorbereitet, sowohl emotional als auch im Hinblick auf die eskalierenden übernatürlichen Bedrohungen.

🔍 Stärken & Schwächen

🖋 Stil

Broadbent schreibt flüssig, dialoglastig und sehr emotional. Innere Monologe und intensive Gefühlsbeschreibungen stehen klar vor nüchternen Beschreibungen von Strategie oder Magieregeln. Wer auf Sätze steht, die in Richtung Tattoo-Spruch schielen, findet reichlich Stoff; Zitate aus dem Buch kursieren zahlreich in Fan-Feeds und werden eifrig unterstrichen.

Problematisch wird es dort, wo Pathos an die Stelle von Präzision tritt. Schlachtszenen werden gerne mit allgemeinem Leidensrauschen überblendet, statt klar zu zeigen, was konkret passiert. Gerade in der zweiten Hälfte wirkt die Prosa oft so, als wolle sie durch ständige Übersteigerung kaschieren, dass die Mechanik dahinter nicht wirklich durchdacht ist.

🧍‍♂️ Figuren

Tisaanah und Max tragen die Geschichte, und sie tun das im Rahmen ihrer Anlage durchaus solide. Tisaanah ist keine naive Auserwählte, sondern eine Frau, die aus Versklavung, Schuld und Ehrgeiz eine sehr eigensinnige Moral gebaut hat. Max darf endlich aus der Mentorrolle ausbrechen und zeigt mehr Brüche, als stählerne Romantasy-Helden sonst zugestanden bekommen.

Das Problem ist eher die Dosierung. Beinahe jede Szene wird emotional auf Anschlag gespielt: Schuld, Angst, Sehnsucht, Begierde, Selbsthass, alles steht permanent auf elf. Nebenfiguren wie Nura, Aefe oder Vertreter des Ordens besitzen theoretisch spannendes Konfliktpotenzial, bleiben aber oft Reaktionsflächen für das Drama der Hauptfiguren. Wer differenzierte Ensemble-Fantasy erwartet, merkt schnell, dass Broadbent die Spotlights im Dauermodus auf ihr zentralen Paar hält.

🕒 Tempo und Aufbau

Mit gut 600 Seiten im Original und 720 Seiten in der deutschen Ausgabe gönnt sich der Roman jeden Umweg, den er finden kann. Fans feiern die Länge, weil sie viel Zeit mit den Figuren verbringen; mehrere Rezensenten berichten aber auch, dass sie deutlich länger an Band zwei saßen und zwischendurch die Lust verloren.

Gerade der Mittelteil hängt: Reisen, Kriegsplanung, Gefangenschaft, wieder Planung, wieder Eskalation. Die wirklich starken Wendungen sind da, aber sie liegen in einem Meer aus Wiederholungen. Immer wieder kehrt der Text zu denselben Konflikten zurück, nur mit etwas höherem Einsatz und mehr Blut. Das liest sich für binge-bereite Reihenfans solide, wirkt aber strukturell eher wie eine sehr lange Staffel einer Serie, der ein strengerer Schnitt nicht geschadet hätte.

✨ Atmosphäre und Welt

Die Welt von War of Lost Hearts besitzt reizvolle Eckpunkte: ein Orden, der vorgibt, die Welt zu schützen, während er sie formt, wie es ihm passt; eine Geschichte von Versklavung und Aufständen; ein Krieg, der zeigt, wie schnell Befreier selbst zum Unterdrücker werden. Das alles ergibt grundlegend dunkle, interessante Fantasy.

Dem gegenüber stehen ein Magiesystem, das zunehmend beliebig wirkt, und der Eindruck, dass die großen Göttermächte vor allem dann auftauchen, wenn die menschliche Ebene nicht mehr reicht, um den Konflikt hochzudrehen. Dieses völlig unskalierte, nicht durchdachte Magiesystem stürzt den Roman letztlich in die Beliebigkeit. Wenn dann noch Marketing-Sprech von „epischer High Fantasy“ und „unvergleichlichem Sog“ dazukommt, kollidiert Erwartung und tatsächliche Tiefe auf schmerzhafte Weise.


📜 Fazit:

Children of Fallen Gods ist ein typischer Band-zwei-Vertreter der aktuellen Romantasy-Welle: größer, lauter, emotionaler als der Auftakt und dabei gleichzeitig weniger fokussiert. Wer bereits auf Daughter of No Worlds geschworen hat, bekommt hier genau das, was die Goodreads-Wertung rund um vier Sterne verspricht; wer allerdings neugierig war, ob der Hype um Carissa Broadbent den Sprung aus BookTok-Bubble und New-Adult-Schublade schafft, dürfte eher ernüchtert zurückbleiben.

Der Roman ist am stärksten, wenn er sich traut, wirklich unangenehme Fragen zu stellen: Wie viel Gewalt kann eine Befreiungsbewegung legitimieren, bevor sie selbst zur Unterdrückung wird? Was macht es mit Menschen, wenn ihre größte Waffe eine Macht ist, die sie innerlich auffrisst? In solchen Momenten blitzt auf, was aus dieser Serie hätte werden können, wenn sie sich konsequenter auf Fantasy und Politik konzentriert hätte.

Stattdessen dominiert am Ende der Eindruck einer sehr langen, sehr dramatischen Liebesgeschichte mit Kriegsdekoration und flexibler Magie. Für Leser, die genau danach suchen, ist diese deutsche Luxusausgabe ein Fest mit Goldprägung und Farbschnitt. Wer dagegen nach dem nächsten großen Epos zwischen Hobb und Williams Ausschau hält, darf das Buch guten Gewissens im Regal belassen und lieber zu etwas greifen, bei dem nicht nur der Buchschnitt, sondern auch das Worldbuilding messerscharf ist.

🌟 Bewertung

Varanthis-Skala: ★★
„Ein Gefühlsgewitter mit Götterkulisse, das viel Lärm macht, aber selten den Punkt trifft, an dem aus Romantasy wirklich große Fantasy wird.“

Cover von »Children of Fallen Gods«: vorne eine weißhaarige Kriegerin im grünen Kleid mit gezogenem Schwert, hinter ihr ein dunkelhaariger Mann mit glimmender Feuerhand; beide stehen vor einem türkis-schwarzen, glasfensterartigen Muster mit Schwertsymbol, unten der geschwungene Titel und ein orangefarbener »SPIEGEL-Bestseller-Autorin«-Sticker, das Buch ist vor einem Regal mit alten Ledereinbänden platziert.

Autorin: Carissa Broadbent
Titel: Children of Fallen Gods
Serie: War of Lost Hearts, Band 2
Verlag: Cove / Carlsen Verlag GmbH, Bonnier Media Deutschland
Übersetzung: Heike Holtsch, Constanze Weise, Kristina Flemm, Fabienne Weuffen
Seitenanzahl: 720 Seiten, gebundene Ausgabe mit Wendeumschlag, Goldprägung, Motiv-Farbschnitt und Lesebändchen
Erstveröffentlichung: 2026
ISBN: 978-3-551-58615-5

Leseprobe, symbolisiert durch ein aufgeschlagenes, antikes Buch.
Offizielle Leseprobe zu Carissa Broadbent – Children of Fallen Gods auf der Verlagsseite von Carlsen.
Episches Fantasy-Banner im Stil von Gandalf: Ein weißbärtiger Zauberer blockiert mit erhobenem Stab den Weg und ruft ‚Du kannst nicht vorbei!‘. Darunter der Zusatz: ‚Es sei denn, du abonnierst unseren Newsletter!‘. Rechts unten ein glühender, magischer Button mit der Aufschrift: ‚Lass mich rein, du Narr!
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