Carrie-Werbung am Berliner Breitscheidplatz sorgt für Kritik: Amazon entfernt umstrittene Horror-Installation
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🕯️ Horrorwerbung am völlig falschen Ort
📰 Was ist los?
Eine Werbeinstallation für Amazons neue Stephen-King-Serie Carrie hat am Berliner Breitscheidplatz Kritik ausgelöst. Die Inszenierung mit beschädigten Gegenständen befand sich nahe der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche und erinnerte Besucher an den Terroranschlag von 2016. Amazon kündigte den Abbau an. Die Kirche erklärte, die Aktion sei ohnehin planmäßig beendet worden.
🐛 Was denken wir?
Klare Sache: Horrorwerbung darf provozieren, und ungewöhnliche Inszenierungen gehören zum Genre. Der Standort entscheidet jedoch wesentlich darüber, wie eine solche Aktion wahrgenommen wird. Auf dem Breitscheidplatz hätte die besondere Bedeutung des Ortes bei der Planung stärker berücksichtigt werden müssen. Dass die Kirche und Amazon den Abbau unterschiedlich einordnen, gehört zur vollständigen Darstellung dieses Falls.
Eine beschädigte Sitzbank, eine umgeknickte Laterne und ein düsteres Plakat mit einem gewaltigen Riss: Mit dieser Inszenierung wollte Amazon auf seine neue Horrorserie Carrie nach dem Roman von Stephen King aufmerksam machen. Doch der gewählte Standort sorgte für Irritationen. Die Installation stand ausgerechnet am Berliner Breitscheidplatz, wo im Dezember 2016 ein islamistischer Terroranschlag auf den Weihnachtsmarkt 13 Menschen das Leben kostete.

Nach Kritik an der Werbeaktion hat Amazon angekündigt, die Installation zu entfernen. Das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf bezeichnete die Werbung an diesem Ort als unangemessen. Die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, auf deren Gelände sich die Installation befand, stellt den Ablauf allerdings anders dar.
🕯️ Horrorinszenierung in unmittelbarer Nähe eines Gedenkortes
Der Breitscheidplatz gehört zu den bekanntesten Orten Berlins. Seit dem Anschlag vom 19. Dezember 2016, bei dem ein Attentäter einen Lastwagen in den Weihnachtsmarkt steuerte, besitzt er zugleich eine besondere Bedeutung für die Erinnerung an die Opfer.
In unmittelbarer Nähe der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche hatte Amazon eine Werbeinstallation für die neue Serienadaption von Stephen Kings Carrie errichten lassen. Die beschädigten Gegenstände und das düstere Erscheinungsbild sollten offenbar die zerstörerischen Kräfte der Hauptfigur illustrieren.
Mehrere Passanten empfanden diese Gestaltung jedoch angesichts des Standortes als unangemessen. Zwar befand sich die Installation auf der südlichen Seite des Platzes und damit außerhalb des unmittelbaren Anschlagsortes, doch die räumliche Nähe weckte Erinnerungen an die damalige Gewalttat.
🎬 Amazon reagiert – Kirche und Bezirksamt widersprechen sich
Amazon erklärte auf eine Presseanfrage, dass die Aktion Teil einer internationalen Werbekampagne für Carrie gewesen sei. Ein Zusammenhang mit dem Terroranschlag sei zu keinem Zeitpunkt beabsichtigt gewesen. Zugleich kündigte das Unternehmen die Entfernung der Installation an.
Das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf begrüßte den Abbau und erklärte, die Werbemaßnahme am gewählten Standort für äußerst unpassend zu halten. Nach eigenen Angaben war es weder über die Installation informiert gewesen noch hatte es eine entsprechende Genehmigung erteilt.
Die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche schilderte den Vorgang allerdings anders. Pfarrerin Kathrin Oxen bestätigte, dass die Kirche die Werbenutzung ihres Geländes genehmigt hatte. Beschwerden seien dort während der Laufzeit nicht eingegangen. Die Werbeaktion sei zudem planmäßig beendet worden. Damit bleibt offen, inwieweit die öffentliche Kritik den tatsächlichen Zeitpunkt des Abbaus beeinflusst hat.
📖 Stephen Kings Carrie und die Macht der Bilder
Stephen Kings Debütroman Carrie erschien 1974 und erzählt von einer jungen Frau, die unter ihrer streng religiösen Mutter und massiven Schikanen durch Mitschüler leidet. Als sie telekinetische Fähigkeiten entwickelt, eskaliert ihre Geschichte in einer Katastrophe.
Bereits 1976 verfilmte Brian De Palma den Stoff mit Sissy Spacek in der Hauptrolle. Es folgten weitere Adaptionen, darunter die Neuverfilmung von 2013 mit Chloë Grace Moretz.
Die Geschichte besitzt zahlreiche Motive, die sich für aufsehenerregende Horrorwerbung anbieten: Zerstörung, Kontrollverlust und die verheerenden Folgen menschlicher Grausamkeit.
Die Berliner Kontroverse zeigt allerdings, wie stark sich die Wirkung solcher Bilder durch ihren Standort verändern kann. Eine inszenierte Zerstörung besitzt in einer gewöhnlichen Einkaufsstraße eine andere Bedeutung als in unmittelbarer Nähe eines Ortes, an dem Menschen tatsächlich durch Gewalt ums Leben kamen.
⚖️ Wenn Horrorwerbung auf reale Erinnerung trifft
Provokation gehört seit Jahrzehnten zur Vermarktung des Horrorgenres. Ungewöhnliche Installationen, verstörende Motive und überraschende Aktionen sollen Neugier wecken und die Aufmerksamkeit auf neue Produktionen lenken.
Doch öffentliche Räume tragen mitunter eine Geschichte, die sich nicht ausblenden lässt. Der Breitscheidplatz ist zugleich ein zentraler Ort des Berliner Stadtlebens und ein Platz, der dauerhaft mit dem Gedenken an die Opfer des Anschlags verbunden bleibt.
Dass Amazon die problematische Wirkung der Installation nicht beabsichtigt haben will, ist nachvollziehbar. Ebenso nachvollziehbar ist, weshalb Besucher den gewählten Standort kritisierten.
Der Fall erinnert daran, dass eine kreative Werbeidee immer auch an ihrem tatsächlichen Umfeld gemessen werden muss. Gerade Horrorgeschichten leben davon, Ängste auszulösen. An einem Ort realen Leids verdient die Erinnerung an die Opfer jedoch besondere Rücksicht.





