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Blackwater Holylight – Not Here Not Gone
🧿 Kurzfazit
Mit Not Here Not Gone schrauben Blackwater Holylight ihren Doom-/Shoegaze-Mix noch einmal eine Stufe höher: weniger reiner Abgrund, mehr schimmernde Zwischenwelt. Schwer, psychedelisch, aber mit erstaunlich viel Licht im Dunst.
🎯 Für wen?
Für alle, die bei Begriffen wie Doomgaze, Psychedelic-Rock und Shoegaze nicht fliehen, sondern Kopfhörer holen. Und für Menschen, denen Chelsea Wolfe zu sakral, Emma Ruth Rundle zu folkig und klassischer Stoner zu prollig ist.
🎧 Wie klingt das?
Schwere, zähflüssige Gitarrenwände, die eher schweben als stampfen, dazu sirenenhafte Vocals, flirrende Synths und Drums, die zwischen Sludge-Gewicht und Post-Rock-Aufbruch pendeln. Doom, Indie und Dream Pop laufen hier Hand in Hand durch die texanische Nacht.
💿 Highlights
How Will You Feel, Heavy, Why?, Void To Be, Poppyfields
⚠️ Nichts für dich, wenn…
… du Doom nur in Kutte und Kerker magst. Wer permanenten Riff-Abriss erwartet, dürfte sich von all der Schwere-trifft-Schimmer-Atmosphäre eher verschluckt fühlen.
🌑 Blackwater Holylight – Not Here Not Gone: Wenn Doom plötzlich Neonfarben trägt
Blackwater Holylight gehörten schon immer zu den Bands, die Doom als Ausgangspunkt begreifen, nicht als Gefängnis: schwer, melancholisch, aber mit Shoegaze-Nebel, Psych-Farben und einer sehr eigenen Art von Eleganz. Nach drei Alben, dem selbstbetitelten Debüt, Veils Of Winter und Silence/Motion, plus der 2025er-EP If You Only Knew zieht die Band nun endgültig die Zwischenbilanz ihres bisherigen Weges.
Not Here Not Gone, Album Nummer vier, erscheint bei Suicide Squeeze und wurde im Sonic Ranch-Studio nahe El Paso aufgenommen – mitten in der texanischen Wüste, mit Produzent Sonny DiPerri (u. a. DIIV, Emma Ruth Rundle). Die Band ist inzwischen von Portland nach Los Angeles umgezogen, um der nordwestlichen Dauer-Grauheit zu entkommen und buchstäblich mehr Sonne in den Sound zu lassen. Man hört das: Statt bleierner Trauer dominiert hier ein „helleres Dunkel“ – das Schwere bleibt, aber es leuchtet.
🎧 Was erwartet dich?
Genre(s): Doom Metal / Indie Rock / Shoegaze / Psychedelic Rock – nennen wir es ruhig Doomgaze.
Vergleichbar mit: Stell dir vor, Thou, Mazzy Star und Slowdive würden in derselben Wüste aufnehmen, Emma Ruth Rundle übernimmt die Farbpalette und DIIV die Gitarren-Effekte. Am Ende kommt ein Sound heraus, der drückt und tröstet zugleich.
Klangfarbe:
Gitarren: dichte, verzerrte Wände, oft in Zeitlupe, aber mit genug melodischem Biss, um nicht im Brei zu landen. Manchmal fast Iommi-Riffing, dann wieder verwaschener Shoegaze-Schimmer.
Vocals: Sunny Faris schwebt meistens über dem Geschehen, statt mitten hineinzuschreien, eine Mischung aus Dream-Pop-Entrücktheit und unterschwelliger Verzweiflung.
Synths/Violine: Sarah McKennas Keys und Camille Getz’ Violine malen Lichtreflexe und Nebelschleier in die Risse der Gitarrenwand.
Rhythmus: Eliese Dorsay lässt die Songs eher atmen, als sie voranzutreiben, viel Midtempo, gelegentliche Doublebass-Akzente, aber alles im Dienst des Sogs, nicht der Gewalt.
Die Platte lebt von Kontrasten: Predator vs. Prey, Licht vs. Schatten, Katastrophe vs. Kontrollverlust, Faris selbst beschreibt das Grundgefühl als „mit einem Fuß drin und einem Fuß draußen“
✨ Highlights
„How Will You Feel“
Der Opener ist die Blaupause für alles, was danach kommt: ein langsamer Aufbau, schwebende Vocals, dann ein Gitarren-Break, der sich irgendwo zwischen Doom-Riff und Post-Grunge-Jam festkrallt. Wenn der Song im letzten Drittel Fahrt aufnimmt, wirkt es, als würde die Band ihr eigenes Klanguniversum einmal komplett aufziehen und wieder zusammenfallen lassen.
„Heavy, Why?“
Die Single, die den Albumtitel praktisch im Kleinen erklärt: schwer wie Blei, aber mit einem Refrain, der eher fragt als dekretiert. Die Gitarren legen eine Sludge-Basis, darüber schrauben sich Vocals und Synths in schwindelige Höhen. Das Stück ist gleichzeitig Kopfnicker, Trancezustand und innerer Dialog, warum alles plötzlich so verdammt schwer ist.
„Void To Be“
In der Albummitte öffnet sich der Sound in Richtung kosmischer Melancholie: eine Art Doom-Ballade für Menschen, die nachts Sterne zählen, statt Schlaf zu finden. Der Song arbeitet viel mit Wiederholung und langsamen Steigerungen, bis sich am Ende alles in einem bittersüßen Schwebezustand auflöst.
„Poppyfields“
Das finale Stück ist die logische Konsequenz aus allem zuvor: fast sieben Minuten lang ein Wechsel aus Nebel, Dämmerlicht und plötzlichen Schüben von Klarheit. Wie ein Spaziergang durch einen Mohnblumen-Traum, bei dem man nie ganz sicher ist, ob der Boden noch trägt. Als Abschluss funktioniert der Song hervorragend, eher eine letzte Frage als ein Punkt.
🎨 Artwork
Drowning in red: Das Cover sieht aus wie der Moment kurz vor dem Ertrinken, nur in Zeitlupe und mit Kunstlicht. Im Bildzentrum taucht ein menschlicher Kopf nach unten, komplett in kräftiges Rot getaucht. Gesicht und Haare verschwimmen unter einer Schicht aus Stoff oder Haut, die sich wie eine zweite, glänzende Haut um alles legt. Die Konturen der Nase, Stirn und Augen sind gerade noch erkennbar, der Rest löst sich in Falten, Schlieren und Reflexe auf.
Darum herum flirrt Wasser: Lichtreflexe, Ringe, verzerrte Spiegelungen. Man weiß nicht genau, ob der Körper in eine rote Flüssigkeit eingetaucht ist oder ob ein Tuch im Wasser treibt – wichtig ist nur dieses Gefühl von „unter der Oberfläche bleiben“, weder ganz präsent noch vollständig verschwunden. Kein Logo, kein Schriftzug, nur dieses eine Bild, das perfekt zum Titel passt: nicht mehr hier, nicht ganz weg, festgehalten im Moment dazwischen.
🪦 Besondere Momente
Doom trifft Neonrand – Das Album schafft etwas, an dem viele scheitern: Es bleibt eindeutig heavy, ohne sich in Black-T-Shirt-Finsternis zu verkriechen. Doom-Riffs werden hier von glitzernden Synths und fast poppigen Melodien umspielt, als hätte jemand die Untergangsstimmung von hinten mit Neon beleuchtet.
Predator vs. Prey als Leitmotiv – Die Band spricht offen davon, dass sie sich in manchen Songs als Jägerinnen, in anderen als Beute fühlen. Diese Spannung zieht sich durch die Platte: Mal strahlt der Sound unerschütterliche Stärke aus, mal legt er eine Entwaffnung offen, die unangenehm ehrlich ist.
Texanische Wüste statt Portland-Regen – Der Umzug nach L.A. und die Aufnahme im Sonic Ranch-Studio markieren hörbar einen Bruch mit der vernebelten Northwest-Schwere. Not Here Not Gone klingt, als hätte jemand die Fenster aufgerissen: die Melodien sind luftiger, die Produktion weiter, der Blick nach oben, nicht nur nach innen.
„Giraffe“ und der TV-On-The-Radio-Moment – Das kurze Instrumental auf einem Beat von Dave Sitek wirkt beim ersten Hören wie ein Fremdkörper, zu sehr Trip-Hop-Skizze, zu wenig Doom. Mit der Zeit fügt es sich als bizarre kleine Portalöffnung mitten in die Platte ein: ein Atemzug, der zeigt, wie groß dieses Sounduniversum werden könnte, wenn Blackwater Holylight komplett loslassen.
🪓 Fazit
Gegründet wurde Blackwater Holylight 2017 in Portland von Sunny Faris, die nach dem Ende einer früheren Band eine Plattform suchte, um heaviness, Psychedelia und Verletzlichkeit ohne Genregrenzen zu verbinden. Nach und nach kamen Mikayla Mayhew (Bass/Gitarre), Eliese Dorsay (Drums) und Sarah McKenna (Synths) dazu.
Mit ihrem selbstbetitelten Debüt (2018), Veils Of Winter (2019) und Silence/Motion (2021) erspielte sich die Band einen Ruf als eine der spannendsten Acts im Grenzbereich aus Doom, Psych und Shoegaze. Auf Silence/Motion war als Gast etwa Bryan Funck von Thou zu hören, ein klares Statement, woher ein Teil der Dunkelheit kommt.
Nach Silence/Motion zog das Kollektiv von Portland nach Los Angeles, um sich aus alten Routinen zu lösen. Die Arbeiten an Not Here Not Gone fanden bewusst in relativer Isolation im Sonic Ranch statt. Produzent Sonny DiPerri und Mastering-Legende Howie Weinberg sorgten dafür, dass aus der diffusen Mischung aus Doom und Dream-Pop ein Album mit klarer, aber weicher Kontur wurde.
Not Here Not Gone ist kein radikaler Stilbruch, sondern die konsequente Weiterentwicklung einer ohnehin schon eigenwilligen Band. Blackwater Holylight nehmen den bisherigen Kern – schwere Riffs, nebulöse Melodien, sirenenhafte Vocals – und rücken ihn ein Stück näher ans Licht.
Das Ergebnis ist ein Album, das gleichzeitig schwer und durchlässig wirkt: Man spürt die Last in Gitarren und Themen, aber es gibt immer wieder Momente, in denen etwas Helles durchscheint. So, als hätte man gelernt, mit der Dunkelheit zu leben, statt sie einfach nur zu dokumentieren.
Nicht jeder Ausflug sitzt sofort: „Giraffe“ und manche sehr luftigen Passagen können beim ersten Hören irritieren. Doch je öfter man Not Here Not Gone komplett durchlaufen lässt, desto klarer wird: Hier arbeitet eine Band an ihrem eigenen, inzwischen erstaunlich geschlossenen Universum.
Wer Doom nur als Selbstbestrafung versteht, wird das möglicherweise als zu „weich“ abtun. Alle anderen bekommen ein Album, das Traurigkeit, Sehnsucht und leise Euphorie in einer Weise verschränkt, die lange nachglimmt, wie ein rotes Nachbild auf der Netzhaut, nachdem das Licht schon längst aus ist.

| Künstler: | Blackwater Holylight |
| Albumtitel: | Not Here Not Gone |
| Erscheinungsdatum: | 30. Januar 2026 |
| Genre: | Doom Metal, Indie, Shoegaze, Psychedelic Rock |
| Label: | Suicide Squeeze Records |
| Spielzeit: | ca. 46 Minuten |
How Will You Feel
Involuntary Haze
Bodies
Heavy, Why?
Giraffe
Spades
Void To Be
Fade
Mourning After
Poppyfields
🎬 Offizielles Video
Offizielles Musikvideo zu „Heavy, Why?“ – eine der zentralen Singles aus Not Here Not Gone von Blackwater Holylight. Veröffentlicht auf dem offiziellen YouTube-Kanal der Band.
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